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828.
Der Vater ewig in Ruhe verbleibt,
Er hat der Welt sich einverleibt.
Der Sohn hat Großes unternommen,
Die Welt zu erlösen ist er gekommen,
Hat gut gelehrt und viel ertragen,
Wunder noch heut in unseren Tagen.
Nun aber kommt der heil’ge Geist,
Er wirkt an Pfingsten allermeist.
Woher er kommt, wohin er weht,
Das hat noch niemand ausgespäht.
Sie geben ihm nur eine kurze Frist,
Da er doch Erst- und Lefter ist.
Deswegen wir treulich, unverhohlen
Das alte Credo wiederholen.
Anbetend sind wir all’ bereit
Die heilige Dreieinigkeit.

Dreifaltigkeit (veröff. erst 1836). H. 3, 189.

829. Ich behaupte vielmehr, daß die Natur sich immer reichlich, ja verschwenderisch erweije, und daß es weit mehr in ihrem Sinne sei anzunehmen, sie habe statt eines einzigen armseligen Paares die Menschen gleich zu Dußenden, ja zu Hunderten hervorgehen lassen.

Gespr. mit Edermann, v. 7. Okt. 1828.

830. Ich sehe die Zeit kommen, wo Gott keine Freude mehr an ihr (der Menschheit) hat und er abermals alles zusammenschlagen muß zu einer verjüngten Schöpfung. Ich bin gewiß, es ist alles darnach angelegt und steht in der fernen Zukunft schon Zeit und Stunde fest, wann diese Verjüngungsepoche eintritt. Aber bis dahin hat es sicher noch gute Weile, und wir können noch Jahrtausende und aber Jahrtausende auf dieser lieben alten Fläche, wie sie ist, allerlei Spaß haben.

Gejpr. mit Edermann, den 23. Okt. 1828.

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831. Natur und Geist so spricht man nicht zu Christen; Deshalb verbrennt man Atheisten,

Weil folche Reden höchst gefährlich sind.
Natur ist Sünde, Geist ist Teufel.
Sie hegen zwischen sich den Zweifel,
Ihr mißgestaltet Zwitterkind.'

Der Kanzler, Faust II. 1. H. 13, 11.

832. Wenn ihr (Geistlichen) durch eure Predigten über die Höllenstrafen die schwachen Seelen eurer Gemeinden ängstigt, ... oder wenn ihr durch manche eurer orthodoxen, vor der Vernunft unhaltbaren Lehrfäße in die Gemüther eurer christlichen Zuhörer die verderbliche Saat des Zweifels fäet, was sagt ihr da zu euch selber und welche Strafrede haltet ihr euch da?

Gespr. mit Soret, den 17. März 1830.

833. Er (Krummacher) Teßt voraus, der Mensch tauge von Haus aus nichts, droht auch wohl einmal mit Teufeln und ewiger Hölle. Doch hat er stets das Mittel der Rechtfertigung und Erlösung bei der Hand. Daß jemand dadurch rein und besser werde, verlangt er nicht, zufrieden, daß es auch nicht schade, weil das Vorhergesagte zugegeben – auf oder ab die Heilung immer bereit ist und schon das Vertrauen zum Arzte als Arzenei betrachtet werden kann. Auf diese Weise ... kann sich ein jeder dünken, er gehe gebessert nach Hause, wenn auch mehr sein Ohr als sein Herz in Anspruch genommen wurde. Rec. von Krummachers Fredigten, 3. deutschen Litter., 1830. H. 29. 214.

834. Frage: Was ist Prädestination? Antwort: Gott ist mächtiger und weiser als wir; darum macht er es mit uns nach seinem Gefallen. Spr. in Proja Eth. VII. Nr. 572 (nac 1832 veröff.). H. 19, 122.

835.
Die geschichtlichen Symbole
Thöricht, wer sie wichtig hält;
Immer forschet er ins Hohle
Und versäumt die reiche Welt.

She feieit VI. H. 2, 391.

836. Das unheilbare Uebel dieser religiösen Streitigkeiten besteht darin, daß der eine Theil auf Märchen und leere Worte das

höchste Interesse der Menschheit zurüdführen will, der andere es aber da zu begründen gedenkt, wo sich niemand beruhigt.

Spr. in Proja, Eth. VII. Nr. 574 (ca. 1830). H. 19, 122.

837. Es (das Glaubensbekenntniß eines Denkgläubigen', 1830) ist eine betrübende Erscheinung, weil sie auf Halbheit und kümmerlicher Accommodation beruht. Man muß entweder den Glauben an die Tradition festhalten, ohne sich auf Kritik einzulassen, oder, wenn man sich der Kritik ergiebt, jenen Glauben aufgeben. Ein Drittes ist nicht gedenkbar.

Unterh. mit Kanzler Müller, den 8. Juni 1830.

838.

Die Frömmler hab' ich von jeher verwünscht, die Berliner

so wie ich sie fenne - durchaus verflucht, und daher ist es 'billig, daß sie mich in ihrem Sprengel in den Bann thun. Einer dieses Gelichters wollte mir neulich zu Leibe rücken und sprach von Pantheismus. Da traf er's recht. Ich versicherte ihm mit großer Einfalt, daß mir noch niemand vorgekommen fei, der wisse, was das Wort heißt. An Zelter, den 31. Okt. 1831.

839. Es ist gar viel Dummes in den Saßungen der Kirche. Aber sie will herrschen und da muß sie eine bornirte Masse haben, die sich dudt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe reichbotirte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen. Sie hat ihnen die Bibel lange genug vorenthalten, so lange es irgend möglich.

Gespr. mit dermann, den 11. März 1832.

840. Das Licht ungetrübter göttlicher Offenbarung ist viel zu rein und glänzend, als daß es den armen, gar schwachen Menschen gemäß und erträglich wäre. Die Kirche aber tritt als wohlthätige Vermittlerin ein, um zu dämpfen und zu ermäßigen, damit allen geholfen und damit vielen wohl werde. Dadurch, daß der christlichen Kirche der Glaube beiwohnt, daß sie als Nachfolgerin Christi von der Last menschlicher Sünde befreien könne, ist sie eine sehr große Macht.

Ebendas.

Kirchengeschichtliches.

Wer nicht von dreitausend Jahren
Sich weiß Rechenschaft zu geben,
Bleib im Dunkeln, unerfahren,
Mag von Tag zu Tage leben.

Divan V. 15.

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841. Der kirchliche Protestantismus, den man uns überlieferte, war eigentlich nur eine Art trockner Moral; an einen geistreichen Vortrag wurde nicht gedacht, und die Lehre konnte weder der Seele nach dem Herzen zusagen. Deswegen ergaben sich gar mancherlei Absonderungen von der geseßlichen Kirche. Es entstanden die Separatisten, Pietisten, Herrnhuter, die Stillen im Lande.

Dichtg. u. Wahrh. I. (ca. 1756.) H. 20, 37.

842. Die trefflichen Männer, die ich auf dem (herrnhutischen) Synodus zu Marienborn ... kennen gelernt hatte, hatten meine ganze Verehrung gewonnen und es wäre nur auf sie angekommen, mich zu dem Jhrigen zu machen. Ich beschäftigte mich mit ihrer Lehre, der Herkunft und Ausbildung derselben. — Ich mußte jedoch bemerken, daß die Brüder so wenig als Frl. v. Mlettenberg mich als einen Christen wollten gelten lassen, welches mich anfangs beunruhigte, nachher aber meine Neigung einigermaßen erfältete.

Dichtg. u Wahrh. XV. (in Bezieh. auf 1769) H. 22, 177.

843. Ein protestantischer Landgeistlicher ist vielleicht der schönste Gegenstand einer modernen Idyle. Er erscheint, wie Melchifedel, als Priester und König in einer Person. An den unschuldigsten Zustand, der sich auf Erden denken läßt, an den des Ackermanns, ist er meistens durch gleiche Beschäftigung 10

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wie durch gleiche Familienverhältnisie geknüpft; er ist Vater, þausherr, Landmann und so vollkommen ein Glied der Gemeinde.

Dichtg. und Wahrh. X (1770). H. 21, 196.

844. Die Kirchengeichichte war mir fast noch bekannter als die Weltgeschichte, und mich hatte von jeher der Konflikt, in welchem sich die Kirche, der öffentlich anerkannte Gottesdienst, nach zwei Seiten hin befindet und immer befinden wird, höchlichst interessirt.

Didtg. und Wahrh. XI (1771). H. 22, 26.

845. Mir kommt nichts beschwerlicher vor, als nicht Mensch sein zu dürfen. Armuth, Keuschheit und Gehorsam drei Gelübde, deren jedes, einzeln betrachtet, der Natur das unausstehlichste erscheint, so unerträglich sind sie alle. Und sein ganzes Leben unter dieser Last oder unter der weit niederdrückenderen Bürde des Gewissens muthios zu feuchen!

Gesch. Gottfriedens v. Berlichingen I (1771). H. 11, 23.

846. Wir bitten doch ein für allemal unsere Leser, keine Keßereien in unserem Blatte (den Frankf. Gel. Anzeigen) zu suchen, so werden sie gewiß keine darin finden. Denn Freimüthigkeit ist in unserer Kirche, wo man von keiner Hierarchie und keinem Gewissenszwang weiß, feine Reberei, sondern von jeher der Vorzug des wahren Christen und ehrlichen Mannes gewesen. Und dann bitten wir noch eins: uns nicht eher zu beurtheilen, vis man uns versteht. 81n3. von ‘Meille Vorjäße' (Frankf. Gel. Anz. 1772). H. 29, 52.

847. Es gehörte diese Schrift (Bahrdt's ,,Eden“) zu den neueren menschenfreundlichen Bemühungen der erleuchteten Refor matoren, die auf einmal die Welt von dem Ueberreste des Sauerteigs fäubern und unserem Zeitalter die mathematische Linie zwischen nöthigem und unnöthigem Glauben vorzeichnen wollen.

Ebendas., vom 19. Juni 1772, H. 29, 32.

848. Seit meiner Annäherung an die Brüdergemeinde hatte meine Neigung zu dieser Gesellschaft, die sich unter der Siegesfahne Christi versammelt, immer zugenommen.

Dichtz. und Wahrh. XV. (bez. d. Zeit v. 1769–1773). H. 22, 176.

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