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Es kann die Spur von meinen Erdentagen
Nicht in Aeonen untergehn
Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
Genieß ich jeßt den höchsten Augenblick.

Faust II 5. H. 13, 220—25.

447. Wir müssen sehen, wie wir uns mit dem Leben wieder zurechtseßen! Ich muß mit Gewalt arbeiten, um mich oben zu halten.

Gejpr. mit Soret, den 14. Febr. 1830.

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448. Was ist denn überhaupt am Leben? Man macht alberne Streiche, beschäftigt sich mit niederträchtigem Zeug, geht dumm auf's Rathhaus, klüger herunter, am andern Morgen noch dümmer hinauf. Unterh. mit Kanzler Müller, den 20. März 1830.

449. Das eigentliche Wunderliche und Bedeutende dieser Prüfung ist, daß ich alle Lasten, die ich demnächst, ja mit dem neuen Jahre, abzustreifen und einem Jüngerlebigen zu übertragen glaubte, nunmehr selbst fortzuschleppen und sogar schwieriger weiter zu tragen haben werde. Hier kann allein der große Begriff der Pflicht uns aufrecht erhalten. Ich habe keine Sorge, als mich physisch im Gleichgewicht zu bewegen. Alles andre giebt sich von selbst. Der Körper muß, der Geist will und, wer seinem Wollen die nothwendigste Bahn vorgeschrieben sieht, der braucht sich nicht viel zu besinnen.

An Selter, den 21. Nov. 1830.

450. Da wir, mein Theuerster, mit gutem Glück auch über diesen Sturz (Blutsturz v. 24. Nov. nach dem Tode des Sohnes) hinausgekommen sind, so wollen wir der Tage genießen, die uns noch gegönnt sein mögen, es auch an Thätigkeit für uns und andere nicht fehlen lassen. An Knebel, den 15. Dec. 1830.

451. Man möchte wahrhaftig wie eine Raupe sich einspinnen und abwarten können, bis Gott (in staatlichen Dingen wieder klare, heitere Zeit werden läßt. An S. Voisierée, den 7. Jan. 1831.

452. Ueber Gräber vorwärts!

An Zelter, den 23. Febr. 1831.

453. Je älter ich werde, seh' ich mein Leben immer lückenhafter, indem es andere als ein Ganzes zu behandeln lieben und sich daran ergößen.

An Selter, den 20. Aug. 1831.

454, Im hohen Alter, wo uns die Jahre nach und nach wieder entziehen, was sie uns früher so freundlich und reichlich gebracht haben, halte ich für die erste Pflicht gegen uns selbst und gegen die Welt, genau zu bemerken, was uns noch übrig bleibt.

An Graf v. Brühl, den 15. Dkt. 1831.

455. Was hat derjenige nicht zu erdulden, der andere überlebt! Er übernimmt ja gewissermaßen die Lebensbürden, die jenen im Naturlaufe zugedacht waren. – In solchen Epochen (wie nach dem Tode des Sohnes) fühlt' ich erst recht den Werth eines allgemeinen Wissens, verbunden mit einer besonderen Theil: nahme an dem Guten und Schönen, das die unendlich mannigfaltige Welterscheinung uns bietet. An Loder, den 7. April 1831.

456. Auf einem einsamen Breterhäuschen des höchsten Gipfels der Tannenwälder recognoscirte ich die Inschrift vom 7. Sept. 1783 des Liedes, das Du auf den Fittigen der Musik so lieblichberuhigend in alle Welt getragen hast ,,Ueber allen Gipfeln ist Ruh“ u. s. w. Nach so vielen Jahren war denn zu übersehen: das Dauernde, das Verschwundene. Das Gelungene trat vor und erheiterte, das Mißlungene war vergessen und verschmerzt.

An Zelter, den 4. Sept. 1831.

Einkehr und Buße.

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen.
Die eine hält in derber Liebeslust
Sich an die Welt mit klammernden Organen,
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.

Faust I. 2.

457. Sie (Frl. v. Klettenberg) fand an mir, was sie bedurfte, ein junges, lebhaftes, nach einem unbekannten Heile strebendes Wesen, das, ob es sich gleich nicht für außerordentlich sündhaft halten konnte, sich doch in keinem behaglichen Zustand befand und weder an Leib noch Seele ganz gesund war.

Dichtg. u. Wahrh. VIII. (1768) H. 21, 116.

458. Meine Unruhe, meine Ungeduld, mein Streben, mein Suchen, Forschen, Sinnen und Schwanken legte sie (die Genannte) auf ihre Weise aus und verhehlte mir ihre Ueberzeugung nicht, das alles komme daher, weil ich keinen versöhnten Gott habe. Nun hatte ich von Jugend auf geglaubt, mit meinem Gott ganz gut zu stehen, ja bildete mir nach mancherlei Erfahrungen wohl ein, daß er gegen mich sogar im Rest stehen könne. Und ich war fühn genug zu glauben, daß ich ihm einiges zu verzeihen hätte. Dieser Dünkel gründete sich auf meinen unendlich guten Willen, dem er, wie mir schien, besser hätte zu Hilfe kommen sollen.

Evendas. H. 21, 117.

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459. Hier (gegenüber Friderife Brion) war ich zum ersten Male schuldig. Ich hatte das schönste Herz in seinem Tiefsten verwundet und so war die Epoche einer düsteren Reue höchst peinlich, ja unerträglich. Diditg. und Wahrh. XII (1771—72) H. 22, 71.

460. Großer, herrlicher Geist, der du mir zu erscheinen wür: digtest, der du mein Herz kennst und meine Seele, warum an den Schandgesellen mich schmieden, der sich am Schaden weidet und am Verderben sich lebt? Faust I. 22 (1773?) H. 12; 143.

461.
Ich bin ein Arnter, Verirrter, Verlorner

An Auguste Gräfin v. Stolberg, den 18. Sept. 1775.

462. Das erbärmliche Liegen im Staube, Friß, und das Winden der Würmer! Ich schwöre Dir bei meinem Herzen, wenn das nicht Kindergelall und Gerassel ist, der Werther und all das Gezeug, gegen das innere Zeugniß meiner Seele.

An Friß v. Stolberg, den 26. Okt. 1775.

463. Bin ich denn nur in der Welt, mich in ewiger unschuldiger Schuld zu winden?

Reisetagebuch v. 30. Dkt. 1775.

464. Ich unstäter Mensch! Was rechte Weiber sind, sollten keine Männer lieben; wir sind's nicht werth.

An Auguste Gräfin v. Stolberg, den 18. Mai 1776.

465.
Ich bleibe immer der ganz sinnliche Mensch.

Un Frau von Stein, den 8. Nov. 1776.

466. Stiller Rückblick aufs Leben, auf die Verworrenheit, Betriebsamkeit, Wißbegierde der Jugend, wie sie überall herumschweift, um etwas Befriedigendes zu finden. Wie ich besonders in Geheimnissen und dunklen imaginativen Verhältnissen eine Wollust gefunden habe. Wie ich alles Wissenschaftliche nur halb angegriffen und bald wieder habe fallen lassen. Wie eine Art von demüthiger Selbstgefälligkeit durch alles geht, was ich damals schrieb. Wie kurzsichtig in menschlichen und göttlichen Dingen ich mich umgedreht habe. Wie des Thun's, auch des zweckmäßigen Denkens und Dichtens so wenig, wie in zeitverderbender Empfindung und Schattenleidenschaft gar viele Tage verthan. Wie wenig mir davon zu Nußen kommen und, da die Hälfte des Lebens vorüber, nun fein Weg zurückgelegt

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ist, ich vielmehr nun dastehe wie einer, der sich aus dem Wasser rettet und den die Sonne anfängt wohlthätig abzutrocknen.

Tagebuch v. 7. Aug. 1779.

467. Gott helfe weiter und gebe Lichter, daß wir uns nicht selbst so viel im Wege stehen.

Ebendas.

468. Erst hier (bei Lavater) geht mir recht klar auf, in was für einem sittlichen Tod wir gewöhnlich zusammenleben und woher das Eintrocknen und Einfrieren eines Herzens kommt, das an sich nie dürr und nie kalt ist. Gebe Gott, daß unter mehr großen Vortheilen auch dieser uns nach Hause begleite, daß wir unsere Seelen offen behalten. An Frau v. Stein, den 30. Nov. 1779.

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469, Ich war mir edler, großer Zwecke bewußt, konnte aber niemals die Bedingungen begreifen, unter denen ich wirkte. Was mir mangelte, merkte ich wohl, was an mir zuviel fei, gleichfalls. Deshalb unterließ ich nicht, mich zu bilden nach außen und innen. Und doch blieb es beim Alten. Ich verfolgte jeden Zweck mit Ernst, Gewalt und Treue. Dabei gelang mir oft, widerspenstige Bedingungen vollkommen zu überwinden, oft aber auch scheiterte ich daran, weil ich nach geben und umgehen nicht lernen konnte. Und so ging mein Leben hin unter Thun und Genießen, Leiden und Widerstreben, unter Liebe und Zufriedenheit, Haß und Mißfallen anderer. Hieran spiegele fich, dem das gleiche Schicksal geworden.

Biogr. Einzelheiten (bezüglich der Seit um 1779/80). H. 27, 299.

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470. In meinem jeßigen Kreis habe ich wenig, fast gar keine Hinderung - außer mir. In mir ist noch viele. Die menschlichen Gebrechen sind. rechte Bandwürmer. Man reißt wohl einmal ein Stück ab, und der Stock bleibt immer sißen Ich will doch Herr werden. Niemand, als wer sich ganz verleugnet ist werth zu herrschen und kann herrschen.

Tagebuch v. 13. Mai 1780.

471. Lieber Bruder, Du könntest mich schon von manchem fliegenden Fieber des Grimms reinigen. In mir reinigt fichs un

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