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Das wäre ja Aufklärung; Faust endet als Greis und im Greisenalter werden wir Mystiker.

Unterh. mit Förster 0. 16. Okt. 1829 (Förster's Nachl. S. 216).

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493. In diesen Versen (Wer immer strebend sich bemüht mit herzlichem Wilkommen) ist der Schlüssel zu Faust's Rettung enthalten, in Faust selber eine immer höhere und reinere Thätigkeit bis an's Ende und von oben herab die ihm zu Hilfe kommende ewige Liebe. Es steht das mit unseren religiösen Vorstellungen durchaus in Harmonie, nach welchen wir nicht bloß durch eigne Araft selig werden, sondern durch die hinzukommende göttliche Gnade. Unterh. mit Edermann v. 6. Juni 1831.

Vogel, Goethes Selbstzeugnisse.

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Des Dichters
Christenthum für den Privatgebrauch'

(1. unten Nr. 519).

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Der firchliche Protestantismus, den man uns überlieferte, war eigentlich nur eine Art von trockner Moral. An einen geistreichen Vortrag wurde nicht gedacht und die Lehre konnte weder der Seele noch dem Herzen zusagen. — Genug, er (der Knabe) kam auf den Gedanken, sich dem großen Gotte der Natur, dem Schöpfer und Erhalter Himmels und der Erden, ... unmittelbar zu nähern. Der Weg dazu war aber sehr sonderbar u. s. w.

Dichtg. u. Wahrh. I (ca. 1755). H. 20, 37.

495. In der Folge trat bei mir das Uebel hervor, welches aus unserer, durch mancherlei Dogmen complicirten, auf Bibelsprüche, die mehrere Auslegungen zulassen, gegründeten Religion bedenkliche Menschen dergestalt anfällt, daß es hypochondrische Zustände nach sich zieht und diese bis zu ihrem höchsten Gipfel, zu firen Ideen, steigert.

Dichtg. u. Wahrh. VII. (1764). H. 21, 75.

496. Da ich oft genug hatte sagen hören, jeder Mensch habe am Ende doch seine eigne Religion, so kam mir nichts natürlicher vor, als daß ich mir auch meine eigne bilden könne, und dies that ich mit vieler Behaglichkeit. Der neue Platonismus lag zu Grunde. Das Hermetische, Mystische, Kabbalistische gab

, auch seinen Beitrag her, und so erbaute ich mir eine Welt, die seltsam genug aussah. Dichtg. u. Wahrh. VIII. (1769.) H. 21 126.

497. Er (Voltaire) hatte die Religion und die heiligen Bücher, worauf sie gegründet ist, um den sogenanten Pfaffen zu schaden, nicht genug herabseßen fönnen und mir dadurch manche un: angenehme Empfindung erregt.

Dichtg. u. Wahrh. XI. (1771.) H. 22, 38.

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498. Es (das Système de la Nature) kam uns so grau, so cimmerisch, so todtenhaft vor, daß wir Mühe hatten, seine Gegenwart auszuhalten, und wir davor wie vor einem Gespenste chauderten.

Wenn uns dieses Buch einigen Schaden gebracht, so war es der, daß wir aller Philosophie, besonders aber der Metaphysik herzlich gram wurden und blieben.

Dichtg. u. Wahrh XI. (1771.) H. 22, 42.

499. Wäre Herr S. selbst ein Dilettante, so würde sein Kunstsystem nicht trübsinniger Eifer, sondern heitrer Glaube sein, der nie ichmält. Rec. in den Frankf. Anzeigen v. 1772 u. 73. H. 29, 10.

500.

Wir geben allen Fanatikern von beiden entgegengeseßten Parteien zu bedenken, ob es dem höchsten Wesen anständig sei, jede Vorstellungsart von ihm, dem Menschen und dessen Verhältniß zu ihm zur Sache Gottes zu machen und darum mit Verfolgungsgeist zu behaupten, daß das, was Gott von uns allen als gut und böse angesehen haben will, auch vor ihm gut und böse sei, oder ob das, was in zwei Farben für unser Auge gebrochen wird, nicht in einen Lichtstrahl für ihn zurücfließen könne. Sürnen und Vergeben sind bei einem un: veränderlichen Wesen doch wahrlich nichts als Vorstellungsart. Darin kommen wir alle überein, daß der Mensch das thun folle, was wir alle gut nennen, seine Seele mag nun eine Rothlache oder ein Spiegel der schönen Natur sein, er mag Kräfte haben, seinen Weg fortzuwandeln oder siech sein und eine Krücke nöthig haben. Die Krücke und die Kräfte kommen aus einer Hand. Darin sind wir einig und das ist genug.

Ebendas. H. 29, 22.

501. Kinder, wenn ihr streiten müßt, ob ihr im Käfig seid oder nicht, so ist's so gut als wäret ihr nicht darinnen'.

Seitdem uns ein alter Philosoph diese Fabel gelehrt hat, seitdem haben wir allen Streit über die Freiheit aufgegeben. Es ist auch vielleicht keine gelehrte Jänkerei weniger gründlich behandelt worden als diese. Am Ende war Spott hier und Anathema dort der Beschluß des sehr entbehrlichen Dramas.

Ebendas. H. 29, 74.

502. Wir haben alle Predigten dieses ersten Bandes (von Lavater) mit Vergnügen und warmer Hochachtung für den Verf. gelesen und empfehlen sie unseren Lesern aus Ueberzeugung.

Ebendas. H. 29, 91.

503. Wenn man's bei Lichte besieht, hat jeder seine eigene Religion, und Gott muß mit unserem armseligen Dienste zufrieden sein aus übergroßer Güte; denn das müßte mir ein rechter Mann sein, der Gott diente, wie sich's gehört!

Brief des Pastors zu 1773. H. 27, ?2.

***

504. Die einzige brauchbare Religion muß einfach und warm sein. Von der einzigen wahren haben wir nicht zu urtheilen. Wer will das ächte Verhältniß der Seele gegen Gott bestimmen als Gott selbst?

Zwo biblische Fragen, 1773. H. 27. 99.

505. Ade Bekehrungsversuche machen ... starr und verstockt, und dies war umsomehr mein Fall, als Lavater zuleßt mit dem harten Dilemma hervortrat: entweder Christ oder Atheist. Ich erklärte darauf, daß, wenn er mir mein Christenthum nicht lassen wolle, so könnte ich mich wohl auch zum Atheismus entschließen, zumal da niemand recht wisse, was beides eigentlich sei.

Dichtg. u. Wahrh. XIV. (1774). H. 22, 151.

506.

Mein Verhältniß zur christlichen Religion lag bloß im Sinn und Gemüth und ich hatie von jener physischen Verwandtschaft (mit Christo), zu welcher Lavater sich hinneigte, nicht den mindesten Begriff.

Ebendas.

507.

Man wiederholte so oft in jenen toleranten Zeiten, jeder Mensch habe seine eigne Religion, seine eigne Art Gottes:

verehrung. Ob ich nun gleich dies nicht gerade behauptete, so konnte ich doch im gegenwärtigen Fade bemerken, daß Männer und Frauen (Lavater und Frl. v. Klettenberg) einen verschiednen Heiland bedürfen.

Dichtg. u. Wahrh. XIV. (1774.) H. 22, 156.

508. Beim Glauben, sagte ich, komme alles darauf an, daß man glaube; was man glaube, sei völlig gleichgültig. Der Glaube sei ein großes Gefühl von Sicherheit für die Gegenwart und Zukunft, und diese Sicherheit entspringe aus dem Zutrauen auf ein übergroßes, übermächtiges und unerforschliches Wesen. Auf die Unerschütterlichkeit dieses Zutrauens komme alles an; wie wir uns aber dieses Wesen denken, dies

jei ganz gleichgültig.

Dichtg. u. Wahrh. XIV. (1774) H. 22,

157.

509. Ich bin vielleicht ein Thor, daß ich euch nicht den Gefallen thue, mich mit euren Worten auszudrücken und daß ich nicht einmal durch eine Experimental Psychologie meines Innersten euch darlege, daß ich ein Mensch bin und daher nicht anders sentiren kann als andere Menschen, daß alles, was unter uns Widerspruch scheint, nur Wortstreit ist, der daraus entsteht, weil ich die Sachen unter anderen Combinationen sentire und darum, ihre Relativität ausdrückend, sie auch anders benennen muß, welches aller Controversien Quelle ewig war und bleiben wird.

Und so ist das Wort der Menschen mir Gottes Wort, es mögens Pfaffen oder Huren gesammelt und zum Canon gerollt oder als Fragmente hingestreuet haben. Und mit inniger Seele fall' ich dem Bruder um den Hals: Mojes! Prophet! Evangelist! Apostel, Spinoza oder Machiavell!

An Pfenniger, Ende April 1774.

510. Wenn ich ihm (Lavatern) nur einige Tropfen selbständigen Gefühls einflößen kann, soll mich's hoch freuen. – Es ist un:

. glaublich wie schwach er ist und wie man ihm, der doch den schönsten, schlichtesten Menschenverstand hat, den ich je gefunden habe, gleich Räthsel und Mysterien spricht, wenn man aus dem in jich und durch sich lebenden und wirkenden Herzen redet.

An Schönborn, den 8. Juni 1774.

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