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den andern Artikel: die Gemeinschaft der Heiligen. Degbalb was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht fheiben. Die eine heilige Kirche muß einen Leib unb ein Haupt baben, nicht wie ein unförmliches Ungea heuer zwei Häupter. Und dieses redite, einige Haupt, der Statthalter Chrifti, bat nach der Lehre des Evangeliums zwei Schwerter, das geistliche und das weltliche. Denn als die Apostel sprachen: Herr, fiebe, hier find zwei Schwerter, da antwortete er nicht: Das ist zu viel; sondern: es ist genug. Diese beiden Schwerter, das geistliche und das weltliche, find in der Kirche, bas eine, baß es für die Kirche gezogen, das andere, daß es von der Kirde gebraucht werde. Allein das eine Schwert muß nothwendig dem andern untergeordnet sein; denn der Apostel sagt: es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet (Röm. 13, 1); dies würde aber mit nichten der Fall sein, wenn nicht das eine Schwert unter dem andern stände. Wenn also die weltliche Macht ausschweift, muß sie von der geistlichen gerichtet werden, wie das der Apostel in den Worten bezeugt: der geistliche Mensch richtet Alles, und wirb von Niemandem gerichtet (1 Cor. 2, 15). Wer mithin dieser Macht widerstrebt, der widerseßt fich der göttlichen Ordnung, es wäre denn, daß er nad Weise der Manichäer von zwei Principien träumen wollte. Des= Halb urtheilen und seßen wir, daß kein Mensch selig werden könne, er erkenne denn diese Macht des Statthalters Christi an."

Das waren die leitenden Grundsäße bes Papstes im Kampfe gegen den König von Frankreich, die ohne die Strafe des gerechten Gottes nicht bleiben konnten. An die Stelle des allmächtigen Gottes hatte sich auf Erden ein ohnmächtiger Mensch in frevelhaftem Uebermutbe zu drängen gesucht, und die allein Christo als dem einigen Oberhaupte zustebenbe oberste Leitung der Kirche wollte der in seine Hand nehmen, dessen Habsudyt und þodymuth keine Grenzen finden konnte. Wie wenig batten die Nach folger Petri von dem Geiste des Heiligen Apostele selbst, ber seine Presbyter ermahnte: „Weitet die Heerde Christi, so euch befohlen ist, . . nicht um fchändlichen Gewinnes willen, sondern von Herzens Grunde, nicht als die über das Volk herrschen, sondern werdet Vorbilder der Heerde." (1 Petr. 5, 1. 2.)

Sdon Bonifacius mußte die göttlichen Strafgerichte erfahren. Der schlaue König Philipp bewirkte seine Gefangennehmung in Anagni, in Folge deren sich der Grimm bes 86jährigen Papstes bis zur Raserei steigerte und er am Morgen des 11. Octobers 1303, das weiße Haar mit Blut befledt, Schaum vor dem Munde, seinen Stod mit den Zähnen benagt, tobt auf seinem Bette gefunden wurde. Fortan mußten die Päpste ihre Residenz nach Arignon in Frankreich verlegen und waren siebenzig Jahre lang elende Sclaven des Willens der französischen Herrscher.

von Frankreidy aus her fanden die Päpste bald Gelegenheit, auf die deutschen Reichsangelegenheiten den vers derblichsten Einfluß auszuüben, was den französisden Könis gen nur erwünscht war.

Das deutsche Reid war seit dem Tode des edeln Raisers Rudolph von Habsburg (1291) von den traurigften Parteiungen und Bürgerkriegen zerrüttet worden. Gegen den deutschen König dolf von Nassau war, als er die Würde, die auch er mehr zur Vergrößerung seiner eigenen Hausmacht als nad Wunsch der Fürsten gebrauchte, nicht freiwillig wieder niederlegen wollte, Rudolphe rauber, berrídsüchtiger Sohn, Albredt der Erste von Desterreid, gewählt worden (1298). In der Sdlacht bei Göllheim in der Nähe des Donnersberges verlor Adolf Krone und Leben. Aber auch Albrecht starb, nachdem die Schweizer ihre Eidgenossenschaft vom österreichischen Joche befreit þetten, keines natürlichen Todes. Auf einem Ritte mad Rheinfelden wurde er von seinem eigenen Neffen Johann von Schwaben bei Windisch an der Reuß überfallen und ermordet (1308). Soon damals suchte der König Philipp von Frankreid mit Hülfe des Papstes die deutsche Königskrone auf das Haupt seines Bruders Karl Don Balois zu bringen. Nachdem der von den Fürsten gewählte tapfere und édelmüthige Graf von Luremburg als König Heinrich der Siebente wieder einigermaßen Ruhe und Ordnung im Reiche hergestellt, aber nach kurzer Regierung schon 1313 in Italien plößlicy, man sagt durch Gift, das er beim Abendmahl empfangen, gestorben war, entstand in Deutschland zwischen den Gegenkönigen Ludwig von Baiern, und Friedrich von Desterreidy ein Bürgerkrieg, der alle Berhältnisse, geistliche und weltliche, aufs Liefste erschütterte und auch die Straßburgische Geistlichkeit und darunter unsern Tauler in mandhe barte Bedrängniß brachte.

Die Einwohner Straßburgs theilten fid in zwei Parteien. Der Bischof Johann bon Odysenstein und mit ihm die Familie der Zorn waren Anhänger Friedriche; die nicht weniger angesebene Familie der Mülnheim er klärte sich dagegen für Ludwig und mit ihr der größere Theil der Bürgerschaft. Bald nach seiner Krönung zu Bonn am 25. November 1314, an welchem Tage audi Ludwig zu Aachen die Arone erhielt, zog Friedrid mit seinem Heere den Rhein herauf und kam im Januar des folgenden Jahres nady Straßburg. Während der Magis strat und die Bürger ihn nicht' als König, sondern nur als Gast aufnahmen, bereitete ihm der Bisdof mit der Geistlichkeit einen königlichen Empfang, und erwarb fidy badurch verschiedene Beweise feiner Gunst. Ludwig war indeß im Lager bei Speier, von wo er mit Hülfe der Speierer die Stadt Landau eroberte. Als er das Verhalten der ihm ergebenen Straßburger Bürgerschaft vernahm, bestätigte er aus Erkenntlichkeit unterm 27. Febr. der Stadt ihre Redte und Freiheiten. Damals wurde er jedoci durdy Leopold, den tapfern Bruder Friedriche, von einem Zuge durdy Elsaß zurückgetrieben. Im Jahre 1320 wurde es endlich Ludwig dem Baier möglich, selbst mit seinem Heere nad Straßburg zu kommen. Die Bürger erwiesen ihm königliche Ehre und erkannten ihm im Münster feierlich an. Die Geistlichkeit dagegen stellte die Gottes dienste ein und auch der größte Theil des Abels hielt immer noch zu Friedrich. Ludwig konnte sich nur kurze Zeit in Straßburg halten und wäre fast in die Gewalt seiner Gegner gekommen, wenn ihn nicht sein treuer Hauswirth gerettet bätte. Zwei Jahre darauf wurde zwischen den beiden Gegenkönigen, welche beide Enkel des großen Rudolphs von Habsburg und Jugendfreunde waren, die entscheidende Sálađit bei Mühldorf am Inn (28. Sept. 1322) geschlagen. Das Glüd entsdied fich für Ludwig. Friedrid, der mit helbenmüthiger Tapferkeit fich bis zum Banner Ludwigs durchgeschlagen, dasselbe genommen und zerbrochen hatte, wurde, nachdem ihm sein Pferd durchbohrt war, gefangen genommen, und von Ludwig im Sdilosse Trausniß in der Pfalz in Berwahr gebracht. Nun traten die meisten Reichsstädte des Elsasses offen zu dem jest allein regierenden Ludwig über. Aber Ruhe und Eintracht war damit noch nicht in das Land zurüdgekehrt; im Gegentheil erhoben sich Verwirrungen, die nods tiefer als die vorigen Land und Leute zerrütteten. Der 1316 zum Papst gewählte Franzose Johann XXII. wurde immer mehr der beftigste und hartnädigste Gegner Ludwigs. Der Papst, der sich als oberster Schiedsrichter in allen weltlichen Streitigkeiten betrachtete, und gern dem Könige von Frankreich die höchste weltliche Würde der Christenheit verschafft hätte, hatte es bisher geflissentlich vermieden, sich für einen der deutschen Gegenkönige entschieden auszusprechen. Ludwig zeigte ihm zwar seinen Sieg an, unterstüßte aber zugleich die Feinde des Papstes in Italien, was den Zorn desselben aufs Hödste steigerte. Deshalb schlug er ohne weitere Verhandlung einen Erlaß an die Kirchenthüren zu Arignon, worin er dem „Herzog“ Ludwig von Baiern seine Verbrechen, vornehmlich die Unterstüßung von Keßern vorwarf, und ihn aufforderte, die Reichsregierung niederzulegen, bis der heilige Vater, wie seines Amtes sei, seine Würdigkeit zum Könige geprüft und approbirt habe, wofern ihn nicht der Bann der Kirche treffen sollte. Audy sollte bis dahin bei Strafe des Bannes kein Geistlicher oder Weltlicher ihn als König anerkennen. Ludwig erwiderte: er sei ein treuer Anhänger und Bes schüßer der Kirche, werde aber auch die Würde des Reichs nicht antasten lassen, sondern aufrecht erhalten. Er fand seine treuen Anhänger unter den Geistlichen, vorzüglich unter den Franziskanern, deren Viele mit dem weltlichen

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