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mit derselben Klarheit auch didi verklären. Dieses Verklären ist das Umfassen Gottes mit der nämlichen Klarbeit, die er selbst ist und womit er die ihm geeignete Seele in sid selbst verberrlicht. Diese Berklärung der Seele wird gefördert durch ein heiliges Leben. Nimi das Gleichniß von der Sonne: je reiner die Luft, desto lichter durchstrablet sie die Luft; je reiner die Seele, desto heller leuchtet in ihr die göttliche Sonne. Ist sie ganz und durchaus rein, dann durchdringet sie die göttliche Sonne unmittelbar. Sind Flecken in ihr und auch nur alltägliche Gebrechen, dann theilet die Gnadensonne aud nur mittelbar sich ihr mit. Zwar leuchtet sie in ihr, jedoch nicht als reines Licht, sondern als eine Flamme. Grobe Verbrechen lassen sie nicht seinen und löschen sie gar aus.

Diese innere Reinbeit und Erleuchtung der Seele kommt allein aus dem Glauben. Es giebt Viele unter uns, die ein tugendliches, ehrbares, keusches Leben führen, und body feblet ihnen bas göttliche Licht. Wober das? sie nähern sich Gott im lebendigen Glauben nicht. Sie folgen nur äußerlich Christo nadh, aber der Geist Christi lebet nicht in ihnen, darum sind sie seines Lichtes audi nicht fähig, welches nur im Herzen leuchtet. Du mußt nady Innen einkehren, um Christum zu suchen, dann wirst du ihn und sein Licht finden. Auch Heuchelei führt nicht zum Ziele, sondern nur ganz von ihm ab. Sdyeine was Du bist und sei was du deinest. Folge Christo nady in seinem äußerlichen und inneren Leben, das ist der einzige Weg zu jener inneren Erleuchtung. Christi armes Leben und seine Liebe, die er Alen erwiesen hat, fei das Muster (deines äußeren, sein Leiden und seine unendliche Liebe das Vorbild deines inneren Lebens. Ers greife in unerfütterlidhem lebendigen Glauben Christus für uns und Christus in uns als die einzige, aber auch vollkommene Gerechtigkeit. Das wird die Liebe in dir entzünden und diese machet dich empfänglich des göttlichen Lichtes, weldies nie ein Scheindyrist, nie ein Pharifäer empfangen kann.

Das unmittelbare Offenbaren Gottes in der Mens schenseele hat zwei Kennzeichen: erstens entstehet im Menden ein neues von ihm nie gekanntes Licht. Dieses theilet fid mit einer neubelebenden Wärme, ja mit einer Gluth dem Leibe selbst mit, so daß der Mensch auch leiblich und fühlbar gewahr wird der Nähe und des Inneseins Gottes. An dieser durchglühenden Flamme des Lichtes erkennet er dessen göttlichen Ursprung; denn kalt ist das Licht, welthes die Natur mittheilet, heiß und brennend bas göttliche Licht- Zweiten ist diese uns mittelbare Offenbarung Gottes in der Seele, die sie erfährt, eine unerfütterliche Gewißheit, ein innerer, unwiderlegbarer Beweis, der durch nichts zu tilgen ist. Sie ist ein unmittelbares Wissen, und spräche die ganze Welt: Nein! 8 ist nicht von Gott! der es erfahren hat, wird nicht irre daran; die Wahrheit, die ihm geworden ist, die Gewißheit, die ihm gegeben ist, ist von Gott, solche kann Niemand geben. Bei dem natürlichen Lichte wohnet immer der Zweifel, ein Wähnen und Meinen; hier ist aber kein Wahn, kein Meinen, es ist ein reines Wissen. Wer es erfahren hat, weiß, was idy rede, und weiß, daß es wahr ist; wer es nicht erfahren bat, der kann weder dafür, nod dawider reden.

Es fragt sich nun: wie gelangt der Mensch zur wahren und vollkommenen Armuth des Geistes oder zur

wahren Nachfolge des armen Lebens Christi? Die unterste Stufe ist die Beobachtung der zehn Gebote; die zweite und erhabenere ist die Lehre des Evangeliums. Hier ist die Hauptsache die Selbstverleugnung und Selbstentäußerung. Verleugnen muß der Mensch, um in der Nad folge Christi zur vollkommenen Armuth des Geistes zu gelangen, seine sündhaften Begierden, seine Neigung zu den Creaturen, seine Fleischliche Lust und endlich audy seine geistige Lust, die er aus der Erkenntniß natürlicher Dinge schöpft. Alsdann soll der Mensch allein Gott in sich wirken lassen, daß er die Seele wieder zurüdbringe in ihren ersten Ursprung. So ist das Leben des geistlich Armen ein Leben des Sterbens und aus diesem Sterben entspringt das ewige Leben und die Seligkeit. Werde arm und stirb, aus dem Tode feimet das Leben. Dieser Gewinn des Absterbend seiner selbst zeigt fidy in fünffacher Hinsicht: 1) der Mensch nahet sich seinem ersten Stande der Unduld wieder, wo er von der Sünde frei war und der Friede Gottes und die Freude des Heiligen Geistes in seinem Gemüthe wohnte; 2) es entstehet in ihm ein neues Leben, mit dem Leben eine neue Gnade, mit der Gnade eine neue Liebe und ein neues Licht; 3) die Seele wird entleeret alles Vergänglichen und für das Einwohnen Gottes empfänglich gemacht; 4) Gott erbebt dann den Geist von der Seele, führet ibn binan und hinein in das erhabene Dunkel seiner Gottheit, überkleidet ihn mit fidy selbst und der Geist wird gottähnlich; 5) der so erhobene Geist regieret dann mit Gott nach dem Worte des Apostels : sterben wir mit Christus, so werden wir auch mit ihn berrschen.

Baehring, Tauler,

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Das Gott schauende Leben, welches aus diesem Absterben seiner selbst entspringt, ist reidh an herrlichen Früchten. Es macht alle Arbeit auf Erden leicht, weil es den Geist aus den ermüdenden Zerstreuungen sammelt in Gott; 28 führt den Menschen über alles Jrdische und Zufällige in die wesentliche göttliche Wahrheit; dadurdy wirket der Mensch wie Gott, Alles in Einem und Eines in Allem; und befißet bas don in seligem Vorgesdymad, worauf andere erst hoffen. Gott ziehet ben innigen Men= sehen in seine Nähe und befestigt ihn, daß er nicht mehr von ihm abfallen kann. Es stehet ihm ein unausgeseßter Eingang in die göttliche Wahrheit offen, woburch er auch wesentlidi zunimmt in der göttlichen Liebe. Dieses Sein in Gott offenbart dem Geiste immer neue Wunden des Herrn, neue Wonne, neue Freude, neue Wahrheit strömt ihm allenthalben zu; dadurdy kehrt der Menschengeist zu seinem Ursprung zurück, er gebet in Gott ein, er entwird fid selbst so sehr und verlieret fic in Gott in folchem Grade, daß er nichts mehr weiß als ihn; er lebet, denket, liebet und ist einzig in ihm.

Bier Einleitungswege führen zu diesem Ziele der höchsten Vollkommenheit, zur ächten Armuth des Geistes und eines schauenden Lebens, nämlich: 1) der feste Wille, Allem, was wider Gott ist, und dessen Ursache und Beweggrund er nicht ist, zu entsagen; 2) die Nachfolge Christi im äußern und innern Leben; 3) Geduld in Allem, was den Menschen geistlid tödtet; 4) die stete Aufsicht auf Alles, was geistlich dem Geiste und äußerlich den Sinnen sich nahet, auf daß er alle diese Eindrüde ro empfange und aufnehme, daß fie feinem Geiste nicht störend

und dem reinen Einwirken des heiligen Geistes nicht hin= dernd, als Zwischendinge Göttes und seines Herzens side einbrängen.

„Kehre ein in dich selbst, befdwichtige die Sinne, sammle die zerstreuten und höre, was der Herr in dir spricht, fo gelangst du zum wahren Ursprung der göttlidhen Liebe. Aus diesem göttlichen Quelle trinke dich satt, trinke bie Liebe bis zur Beschauung."

„Innerlich sterben, innerlich leben, arm sein im Geiste, steben in einem Punkte, in der Ewigkeit, in der Einbeit, in wesentlicher Reinbeit. Denn ädytes Sterben ist Einheit und ächte Einheit ist Armuth und wahre Armuth ist Einheit. Sie alle drei find Eins, fie find jenes Eine, was Christus das eine Nothwendige nennt."

„Die höchste Vollkommenheit des Menschengeistes besteht darin, daß er innig ist und einig und wer in dieser Innigkeit und Einbeit bleibet, der nimmt immer zu an Vollkommenheit, auf den wirket unaufhörlidy das göttliche Licht ein, welches seine Bernunft erleuchtet, zu erkennen die ächte Wabrbeit; und eben diese Erkenntniß der reinen ächten Wahrheit dringet hin auf Einheit. Dieses wahre Licht ist höchst einfach. Es kann also auch nur sein Licht ausstrahlen in einem reinen und einfachen Gemüthe."

Sdwärme nicht im Reiche der Phantasie berum. Sie ist die Betrügerin, die immer wunderliche und allerlei Bilder schaffet, die sie dir dann als Wahrheit verkaufet. Du basdest darnad und wähnest die Wahrheit ergriffen zu haben, und siebe, es ist ein loses Bild, ein glänzender Traum deiner oder fremder Einbildung. Glaube, der größte und künstlichste Phantaft ist der Teufel, er ist in diesem Handwerk ein wohlgeübter Meister, ein Lügner und

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