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Gaukler vom Anbeginn, er mischet sich auch gern in deine Phantasie und ihre Geburten, bis zu Visionen wird ers mit dir bringen, wenn deine Seele zerstreuet, unftät und zertheilet ist. Sei reines Herzens; in eine reine, einfache, gottgeheiligte Seele vermag er nicht einzuwirken!"

„Gott ist unsichtbar und über alle Bilder und sinnliche Vorstellungen erhaben, und was er wirket und spricht, das ist so einfach, daß es nicht unter bildliche Vorstellungen kann gebracht, ja nicht einmal vollkommen ausgesprochen werden. Wer das erfahren bat und die reine Wahrheit versteht, der weiß, daß es wahr ist und der hält nichts von Visionen, besonders in dieser Zeit. Ist ja die Wahrheit längst offenbaret worden in unserm Herrn Jesus Christus! Wer außer ihm und seiner Lehre Wahrheit sucht, der betrügt sich selbst und Andere, und die solchem Menschen glauben, find frank im Glauben und sind eber Jünger des Widerchrists als Jesu Christi. Wer in Christo lebt und er in ihm, der kann nichts Anberes bekennen, glauben und halten als Christus. Was sich anders offenbaret entweder in ihm oder in Anderen, das verachtet er als Lüge, Betrug und Täusdung, und so bleibt er unbetrogen vom Geiste der Falschbeit und des Irrthums."

„Nur wer zu dieser Einbeit mit sich selbst gekommen ist, der ist ausgetreten aus dem Dienst der Phantasie. Nict Entzückungen, Visionen, Offenbarungen und dergleidhen suchet er, ibm bat fic Gott im reinen Grunde feines einfältigen Herzens unmittelbar geoffenbart. Seine Liebe ist die Offenbarung. Rein und einfach, wie die göttliche Liebe, ist sein Herz, darum kann diese audi Wurzel fassen im reinen gleichförmigen Herzen. Diese Gottesliebe ist nun des Herzens feligste Lust und Freude und nicht täuschend, nicht irre führend ist diese, fie ist übernatürliche, göttliche Wonne, so weit ihrer das reine Menschenherz hienieden immer fähig ist; sie lehnet sich nicht auf gegen die Wahrheit, die Gott selbst ist; nicht nur nicht kann fie täuschen und irreführen, fie tilget vielmehr jede sinnliche und ungöttlidye Lust. Diese höchste, süßeste Wonne des Geistes darf jedoch keineswegs als bödyster Zwed betrachtet und auf ihr als solchem bestanden werden. Nicht nur darf ibretwegen Gott nicht geliebt, es muß ihr sogar um Gottes willen entsagt werden. Er allein muß um sein selbst willen geliebt werden. Er allein muß das einzige Ziel und der Endpunkt der Liebe sein. Nur das ist vollkommene Liebe. Liebten wir Gott aus einem nody so geistigen Interesse, was wäre unsere Liebe anders als Eigennu, grob oder fein, body nur natürlich? Wir aber sollen und wollen ihn lieben um sein selbst willen! Das helfe uns Gott!"

Mit diesen Worten schließt Tauler sein herrliches Buch von der Nachfolgung des armen Lebens Christi. Er hat audy in seinen Predigten diesen Gegenstand vorzugsweise behandelt, wo sich der liebe Leser selbst umzusehen, boffentlid Lust bekommen haben wird. So viel ist klar: diese Grundgedanken Taulers find ädyt evangelisch. Er will nichts als gläubige Hingabe des ganzen Herzens und Lebens an Gott durch Christum Jesum, durdy welchen der fündige Mensch allein Zugang bat zu der Gnade seines himmlischen Vaters. Er kämpft entschieden ebenso gegen jede Wertheiligkeit, die das eigene Verdienst über das Jesu Christi zu erheben sucht, so wie gegen jede Freigeisterei, welche die Werke boffarthig verachtet. Und wenn er audy nod nicht in seiner Lehre von der Bereinigung der Seele mit Gott von den mystisden Ansbauungen seiner Zeit frei ist, und diese Vereinigung immer nocy mit von eigener frommer Uebung und nicht ausschließlich von dem Glauben an die durch Christus vollendete Erlösung abhängig macht, su bahnte er doch dazu eben durch seine Lehre von der geistlichen Armuth mit großer Entschiedenheit den Weg und arbeitete den Reformatoren auf die nadydrücklichste Weise bor.

Diese und alle ächt evangelischen Lebrer baben audy stets eine sonderliche Freude an Taulers Schriften gehabt. Luther nennt ihn bekanntlich einen „Mann Gottes,“ einen solchen Lebrer, „dergleichen von der Apostel Zeiten her kaum geboren gewesen." Er gestebet, daß er weber in lateinischer noch deutscher Sprache die Theologie reiner und heilsamer und also mit dem Evangelio übereinstimmend gefunden," als in Taulers Schriften. Er nennt sie mein Buch, barinnen man folche Kunst der reinen heilsamen Lehre finde, gegen welche jeßt alle Kunst eisern und irdisd fel." Er bekennet: Ob Tauler gleidh den Theologis in Sculen unbekannt und bei ihnen verachtet sei, so wisse er doch, daß er mehr der reinen göttlichen Lehre darinnen gefunden, denn in allen Büchern der Schullebrer auf allen Universttäten."

Wir fügen nod zwei Hauptzeugnisse hinzu von Männern, die wohl zu beurtheilen wußten, was ächt evangelisch sei und was nidit. In dem berühmten Catalogus Testium veritatis heißt es von Tauler, „welcher vor 200 Jahren sehr berühmt gewesen": „Er hat von der Rechtfertigung vor Gott, die aus Gnaden geschieht, recht und wohl gelehrt. Denn daß er mit sonderlichem Fleiß so oft redet: der Mensch müsse ledig und los fein aller

Treatur und seiner selbst: damit hat er ohne allen Zweifel, wie solches von vielen Orten seiner Predigten genugsam zu erseben ist, zu verstehen geben wollen, wie er lehre, daß die Gottesfürchtigen ganz und gar nicht ihr Vertrauen auf ihre eigene oder irgend eines andern MenTchen Hülfe müßten Teßen, sondern ihre Zuversicht allein zu Gott haben, an denselben sich fest halten und von ibm Ales durch den Glauben erlangen. Das Verdienst der menschlichen Werke und ihre eigene Lehre und Saßungen hat er gar gering geschäßt, allem Aberglauben ist er feind gewesen und hat Gottes Barmberzigkeit allen seinen Zu= hörern zum treulichsten commendiret und hochgerühmet.“

Der durdy sein Buch vom wahren Christenthum allen evangelischen Christen bekannte Jobannes Arnd hielt ebenfalls ben gottseligen Tauler sehr hody und nahm ihn in einer besonderen Schrift gegen Schultheologen seiner Zeit, die ihn wegen papistischer und dwärmerischer Jrrlehren verwarfen, muthig in Sdu. Er schrieb über ihn: „Es ist wohl wahr, daß etwas vorläuft im Tauler, das nicht alles zu prakticiren ist oder in gleichem Werth kann aufgenommen werden.

Aber das wird denjenigen, der die Gottseligkeit liebet, nicht ärgern. Was dich däucht, deinem Glauben und Gewissen nicht ähnlich zu sein, das laß stehen und gehe vorüber. Es sind viel unbekannte Kräuter im Walde, da man muß vorüber passiren und sie stehen lassen. Es ist kein Garten so rein, man findet widerwärtige Gewächse darinnen. Es ist aber auch kein Kraut su böse, es hat seinen Nußen. Läflest du dich dünken, daß an etlichen Orten im Tauler etwas stebe, das du besser willest

, so erhebe did nicht. Es ist bir dazu nüße, daß du Gott für diese deine Gabe bankest; du sollst aber

bedenken, daß auch dir noch viel mangelt. Und so die Art zu reden vor deinen fleischlichen Ohren grob und hart lautet, so wisse, daß vor den Ohren des geistlichen neugeborenen Menschen nichts groß und hat lautet, was aus dem heiligen Geist geredet ist. Denn da wird die äußers liche Rebe nicht angesehen, sondern die Kraft Gottes, in wvelder das Reid) Gottes stebet, und nicht in Worten." Johannes Arnd sagt ferner von Tauler: Daß er Gottes Wort dergestalt auslege, daß er aus demselben erstlich die fleischlichen fündlichen Begierden des Herzens und darauf die Verbesserung derselben mit sonderlichem geistlichen hohen Berstand und Anbadit eröffne und ausführe, daß man augenscheinlich des Heiligen Geistes Kraft und Wirkung in seinen Reden spüre. Seine Art zu reden sei nicht aus den unreinen Pfüßen der Mönche (ex lacunis Monachorum) geschöpft, sondern es sei des Heiligen Geistes Styl und Art, also zu reden, der von den fleisdlichen weltsüchtigen Geistern unergriffen bleibe. Er gründe seine Janze Lehre auf die Dämpfung des Fleisches und Aufrichtung des Geistes oder neuen Menschen und lehre das Derz allein Gott ergeben. Ein Herz, so Chriftum zum Grunde gelegt habe, werde im Taulero ein soldhes Licht der Besserung, der Andacht, der Frömmigkeit, der Gottjeligkeit, der Furdit Gottes, der geistlichen Weisheit finden, daß es werde fruchtbarlich zur köstlichen Seelenarznei zu genießen baben.“

Doch wozu noch weitere Zeugnisse aus späterer Zeit über Tauler anführen? Das beste Zeugniß über die innere Reinbeit und Gesundheit seiner Lehre ist seine eigene glaubensmuthige Wirksamkeit im Dienste Christi bis zu seinem leßten Athemzuge auf Erden. Zu ihr

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