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wollen wir in dem folgenden Capitel zurüdfrbren, um mit ihr dieses Lebenebild zu beschließen.

V.

Wie Tauler in dem Herrn Jesu fein Leben

selig vollendete.

„Das Reid Gottes stebet niibt in Worten, sondern in der Straft“ und das Evangelium , ist eine Kraft Gottes die da selig macht Alle, die daran glauben.“ Darum machen nicht seine hohen Worte, seine tiefsinnigen Gedanken, seine geist- und gemüthvollen Schriften unsern Tauler zu bem auserwählten Rüstzeuge und gesegneten Bekenner Christi, fondern vielmehr: baß er die Straft des heiligen Evangeliums reichlidh an seinem eigenen Herzen erfahren und in Wahrheit mit dem Apostel bezeugen konnte: Unser Reiner lebt ihm selber und Reiner stirbt ihm selber. Leben wir, fo leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“

Die ernsten Bufpredigten, welcye Tauler erfallen ließ, fanden, wie begreiflich, vielen Widersprudy. Geistliche und, Laien feindeten ihn wegen seiner strengen Anforderungen, die er an sie stellte, an, suchten feine Reden falsch zu deuten, um Stoff zu Anklagen zu finden, wer= spotteten ihn wegen seines beständigen Dringene auf Fröminigkeit und Verleugnung des eigenen Willens und nannten ihn und seine Freunde Begharden und Anhänger des neuen Geistes." Tauler mußte sich in einer Predigt (an Mariä Himmelfahrt) vor seinen Zuhörern gegen den Vorwurf rechtfertigen, als fordere er von seinen BeichtFindern das Gelübbe eines unbedingten Gehorsams gegen seine Anordnungen und Rathsdläge. Das habe er nie getian. In einer andern Predigt (am 3. S. p. Tr.) beklagt er sich, daß, wenn man die Leute warne vor der großen Gefahr, in der sie leben, und wie foredlich fie Gott auf dem Tobbette heimsuden möchte, sie ihren Hohn hätten und spöttisch sprächen: das sei eines Begharden Rede und Nonnentand, das seien die neuen Geister. Ja, sagt Tauler, die ungläubigen Juben und Heiben spotten der Christen nicht so sehr, als diese falsden beud lerijden Christen ihrer treuherzigen und liebreichen Warner.“ Man erzählt sogar, daß die Geistlichkeit, über seine strengen Bußpredigten aufgebracht, ihm einmal das Predigen, welches ohnehin schon ein Verstoß gegen das Interdikt war, untersagt habe. Aber sie mußte dieses Verbot bald wieder zurücnehmen. Der Magistrat der Stadt wußte solche Freimüthigkeit zu ehren und nahm Tauler in seinen Schuß. Audy unter den Geistlichen waren Viele, die seinen Worten Gebór gaben und, wie ein alter Gedichtschreiber sagt, ganz fromm wurden. Viele wählten ihn zu ihrem Rathgeber und Beichtvater, darunter besonders der Gottesfreund Rulman Merswein und andere Leute gleider Gesinnung. Selbst der Bildhof Berthold bielt ihn hoch und hörte ihn viel und gern predigen und mit Bewunderung.

Dieser Bischof, der lange Zeit dem Kaiser Ludwig ergeben war, ließ es sich ernstlich angelegen sein, den großen Nothständen in der Kirche nad Kräften abzuhelfen. Im Jahre 1335 am 19. Juli hielt er eine Synobe zur Abstellung verschiebener Mißbräuche, welche unter der Geistlichkeit seines Sprengels eingerissen waren. Aus den Beschlüssen jener Synode geht hervor, daß der elfäffi dhe Klerus häufig die Kirchengüter an Laien veräußerte oder von den Juden Geld auf hohe Zinsen borgte, um seinen Hang nad Pradt und Genuß zu befriedigen. Es gab Geistliche, welche Handel trieben. Hauptsächlich die jüngeren und reicheren unter ihnen zeichneten sich durch ihre Prunksudyt aus. Sie ließen sich nady Art der Stußer jener Zeit, langes Haar wachsen, um darunter ihre Tonsur zu verbergen. Sie trugen anstatt der geziemenden priesterlichen Tract rothe, gelbe, grüne Halbstiefeln und schmüdten ihre Kleider mit goldenen Borden oder Schleifen. Sie durchzogen die Straßen mit Dolchen und Schwertern bewaffnet, wohnten den Waffenspielen und Turnieren bei, besuchten die Trinkstuben und Wirthshäuser und waren eifrige Gäste bei den Gelagen der Laien. Selbst in einigen vornehmen Frauenklostern war es dahin gekommen, daß die Stiftsdamen sichy prächtig kleideten, sich an dem Schauspiel der Turniere ergößten und sogar mit den Laien in ihren Trinkstuben tanzten.' Dem Bischof war der Ernst, mit dem Tauler diese ihm selbst höchst mißfälligen Zustände strafte, nur erwünscht.

Tauler aber that wobl baran, daß er sich weber auf die Gunst des Bisdofs nod irgend eines Menschen verließ, sondern sein ganzes Vertrauen allein auf die Barmberzigkeit Gottes feste. Auf den berföhnlich gesinnten Papst Benedikt den XII. war im Jahre 1342 Clemens der VI. gefolgt. Dieser, ein Franzose und heftiger Gegner Ludwigs des Baiern, erneuerte den Kampf mit großem Naddruck. Die redlichsten Bannflüche wurden wieder gegen Ludwig geschleudert und die deutschen Kurfürsten mit der Wahl eines neuen Königs beauftragt. Franzöfisches Geld begann in Deutschland zu wirken. Viele Fürsten traten auf Seite des Papstes. Doch Ludwig verzagte noch nicht. Er sammelte nochmals alle seine Kräfte zut einem neuen Zug nad Italien. Da ließ am Gründonnerstag 1346 Der Papst einen unerhörten Bannflutch gegen Ludwig los, der seine Kräfte brad. Er wurde darin vom Statthalter Christi niot nur für unfähig ers klärt zu jedem Amt, zu Zeugniß und Testament, es wurden nicht nur alle seine bisherigen Handlungen und Bes sdhlüsse aufgehoben, er wurde sogar seiner Habe und seines Gutes verlustig gesprochen und von aller menschlichen Gefelldhaft ausgeschlossen; die Fürsten wurden zu seiner Vertilgung verpflichtet, ein unebrliches Begräbniß solle ihm bevorsteben. „Gottes Zorn und unser Fluchy, so chloß die Bannbulle, komme über ihn! Wir flehen im Staube gebeugt zur Allmacht, daß sie diesen ruchlosen Sünder zu Boden schmettern, seinen Stolz brechen und ihn den Händen seiner Feinde und Verfolger überliefern wolle. Vor ihren Blicken roll er zusammenstürzen in die Falle, die sie ihm legen und die er nicht kennt. Verfludit fei sein Eingang und sein Ausgang. Die Hand des Almächtigen fölage ihn mit Blindheit, mit Wahnwit, mit Raserei. Es sleutere feine Bliße der Himmel auf sein Haupt; der Zorn des Allmächtigen und fer Apostelfürsten, beren Erba theil er rauben will, brenne in ihm hier und jenseits. Der ganze Erdkreis erbebe fich wider ihn im Kampfe. Unter ihm spalte sich der Boben, er falle in den Ab grund. Es verschwinde fein Name, sein Andenken gebe unter, alle Elemente fallen feindlich über ihn her. Seine

Wohnung werde wüste, das Verdienst der Heiligen ihm zum Verderben. Seine Kinder werden ausgetrieben aus ihren Wohnungen und seine Augen seben noch das Verderben, welches den Gefangenen ihre Feinde bereiten."

Dieser Bannfludy, der furchtbarste, aber aud der Teste, der über einen deutschen Kaiser ausgesprochen worben, änderte die Lage der Dinge bedeutend. Die Gegner Ludwigs wurden fühner, seine Freunde verzagter, ein neuer Gegenfaiser wurde in Karl dem IV. aufgestellt, und Ludwig selbst, obidon unverzagt, wurde in seinem 63. Lebensjahre am 11. October 1317 plößlich vom Tode hingerafft. Um ein unwohlsein zu überwinden, war er auf die Jagd geritten. Da saben ihn seine Diener plöglich auf dem Rosse wanken und berabsinken. „Aumächtiger Gott, verzeih mir armen Sünder; oft habe ich gefehlt, nie aber, du weißt es, didy im Herzen und Glauben' geleugnet!" sollen seine leßten Worte gewesen sein. Man sprach von Gift, das er bekominen babe; wahrscheinlich aber war es ein Schlagfluß, der seinem kampf- und mübereichen Leben so unerwartet ein Ziel setzte. Da die Augustiner zu München, deren Kloster er gestiftet, die Aufnahme des im großen Banne gestorbenen verweigerten, regten die Bürger Münchens seinen Sarg in der Frauenkirdye neben dem feiner ersten Gemahlin Beatrir bei. Nodh nach zwölf Jahren hätte ihn der Bischof von Freisingen gern wieder quegraben lassen, und nody jeßt erkennen die römischen Kirchenhistorifer seine Regierung nicht als eine rechtmäßige an und nennen sein Zeitalter ein imperium vacans. Aber drei große, für die Geschichte der Kirche in Deutschland böchst wichtige Verdienste bat er errungen: Er bat das Bürgerthum gegen

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