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Treiben und der unermeflichen absucht bes päpstlichen Hofes längst unzufrieden waren. Dennods war Ludwig in keiner geringen Verlegenheit, als der Papst 1324 den Bann mit Interbikt über ihn und Deutschland aussprechen ließ, und selbst mehrere deutsche Fürsten in Gemeinschaft mit dem Papste Anstalten trafen, den König Karl den Vierten von Frankreich zum römischen Könige wählen zu lessen.

Furchtbar wurde nun die Lage sieler Ortschaften und ganzer Gegenben, der Geistlichen und der Gemeinden. Denn welche Folgen führte ein solcher Machtsprudy des Papstes mit fidh? Sobald das Interdikt an eiuem Orte public cirt war, mußte aller öffentliche Gottesdienst aufhören. Die Altäre wurden entkleidet, die Crucifire zur Erde geworfen, die Heiligenbilder abgestellt, endlich auch die Kirchen geschlossen. Keine Glode burfte mehr geläutet, kein Saframent ausgetheilt werden; die Ehen wurden nicht mehr in der Kirche, sondern auf dem Gottesader eingesegnet. Selbst die Verstorbenen burften nicht in geweibeter Erbe begraben werden, und wurden ohne Gebet und Gesang berdarrt. Der christliche Gruß, wenn man einander begegnete, verstummte. Es wurden somit nicht die Gottlosen, sondern gerade die Frommen gestraft, während die Gottlosigkeit ungestört ihr Haupt erheben durfte. Interdikte waren darum der schändlichste und verderblidiste Mißbrauc des göttlichen Herrscheramtes, so weit es sich die Päpste auf Erben angemaßt batten.

Die Stadt Straßburg mußte damale, wie viele andere, die dem König Ludwig treu geblieben waren, lange Jahre den Druck des Interbiktes erfahren. Die Bürgersdaft weigerte fich, obschon der Bisdof und ein

Theil des Adels zum Papste hielten, entschieden, die päpsts lichen Beschlüsse gegen Ludwig bekannt zu machen; fie sdicte diefem Hülfstruppen und machte zu verschiedenen Malen mit mehreren Städten des Rheines und der Schweiz Bündnisse, um Ludwig beizusteben und den Frieden des Landes zu schüßen. Im Jahre 1328 starb Bischof Jobarn von Ochsenstein; aber aud unter seinem Nadyfolger Berthold von Budede øerbarrte Straßburg ungeachtet des fortbauernden Interbittes in seiner treuen Anhänglichkeit an König Ludwig. Die traurigsten Parteiungen dauerten dabei in der Stadt fort. Immer nodi weigerte sich die Familie der Zorn, Ludwig anzuerkennen, obidon derselbe im Jahre 1328 nach Rom gezogen, von dortigen Priestern und Bischöfen feierlich in der Peterskirdie gekrönt und zum römischen Kaiser und Herrn der Welt ausgerufen worden war, wogegen er Aufrechterhaltung des katholischen Glaubens, Beschüßung der Priester, der Wittwen und Waisen beschworen hatte. Jene Parteiungen brachten es in Straßburg im Jahre 1332 zu blutigen Auftritten und zu einer förmlichen Revolution, in Folge deren der Adel viel von seiner Macht verlor und Handwerker in den Rath aufgenommen wurden. Der in dieser Weise neuzusammengesepte Rath der Stadt fuhr fort, die Sade Ludwigs zu vertheidigen. Der Bildhof sah sich daher genöthigt, sogar mit Waffengewalt dieses Kaisers Anhänger im Elsaß zu bekämpfen. Nachdem auf diese Weise mehrere Jahre hindurd das Land verheert worden, wandten sich die Herren von Kirkel und Lichtens berg an den Kaiser Ludwig und drangen in ihn, er möge den Bischof nöthigen, ihn als römischen König anzuerkennen. Aber dazu fehlte dem Kaiser die nöthige Kraft,

da sein Regiment nicht durdi den Segenssprudy der Kirche gebeiligt war und bei einem großen Theil des Volkes gerade ber edelsten Sympathien entbehren mußte.

Ludwig hatte diesem Mißstande zwar eigenmächtig abzuhelfen gesucht. Nachdem er in Rom feierlich, jedoch nicht aus den geseglich dazu berufenen Händen, die Kaiserkrone empfangen, griff er, sich auf dem Höhepunkte seines Glüdes füblend, noch tiefer in die bamaligen Rechte der Kirche ein. Am 18. April 1328 saß er mit Scepter und Reichsapfel vor der Peterskirche und ließ vor dem versammelten Volke den in Arignon residirenden Papst feierlich als Berbrecher und Reger abießen. Das Bolf, das nicht fragte, wer Ludwig dazu das Recht gegeben, jubelte und verbrannte einen Strohmann öffentlich als Reger. Am Himmelfahrtstage darauf wurde vom Bolt und von der Geistlichkeit ein anderer Papst in Nikolaus dem V. erwählt, der Cardinäle machte, Jobann den XXII. nodimals bannte und Ludwig als Kaiser bestätigte. Aber dieses Verfahren war nicht geeignet, den Thron Ludwigs dauernd zu befestigen. Der Jubelruf des wankelmüthigen Volfes war bald verstummt; die mit Ludwig verbündeten Fürsten, von denen jeder nur das Seine fuqyte, fielen einer nadh dem andern ab, und Ludwig, der die Unficherheit seines Aufenthaltes in Rom bald gewahr wurde, zog ohne Aufsehen unter dem Vorwand einer Jagd aus der Stadt; ihm folgten seine Begleitung, sein Papst mit seinen Cardinälen und Steinwürfe und laute Berwünschungen. Hierauf trat der Papst Jobann XXII. nur mit nods weit demüthigenderen Forderungen gegen Ludwig auf. Er erklärte, daß von Versöhnung gar keine Rede sein könne, bis rich Ludwig aller seiner Kronen und Würden entSohlagen habe, und befahl den deutschen Fürsten, sofort einen neuen König zu wählen.

Unter diesen Umständen konnte es der Bischof von Straßburg wohl wagen, sich dem Befehle des Kaisers, die Waffen niederzulegen, zu widerseßen. Um jedoch dem Jammer ein Ende zu machen, traten im März 1338 mehrere deutsche Bischöfe in Speier zusammen, und ridteten an den feit 1334 auf Johann den XXII. gefolgten Sersöhnlicher gesinnten Papst Benedikt XII. ein Schreiben, um ihm zu einer Verständigung mit Ludwig zu bewegen. Die Reichsstädte unterstüßten dieses Gesuds auf das Sträftigste und Ludwig felbst erklärte in einem Briefe, den er deshalb an die Stadt Straßburg schrieb, daß er wünschte, der unselige Streit möge ausgeglichen werden, und daß er zu allem Gehorsam gegen den päpstlichen Stuhl bereit sei, den ihm Gott, sein Recht und des Reiches Wohl zu leisten gestatteten. Da jebody audi dieser Papst auf unmäßigen Forderungen beharrte, entdloß fidi Ludwig wiederum ernster gegen ihn aufzutreten; er gebot den Rheinstädten, dem Herzog Rudolph von Baiern und dem Herrn Conrad von Kirkel, welche mit dem Krieg gegen den Bischof Berthold beauftragt waren, beizusteben. Der Kampf entspann sich von Neuem. Mebrere Elsässijde Reichsstädte wurden belagert, und das Land ringsum verwüstet. Da ermannte. sich endlich die Bürgerschaft von Straßburg und beschloß, dem Bildhof allen Geborsam aufzukündigen, wofern er sich nicht mit dem Kaiser verföhnen würde. Da seine Waffen überbieß nicht den besten Erfolg gehabt hatten, seine Mittel erschöpft waren und er den Einfluß des Beispiels Straßburgs auf die übrigen Städte feines Bisthums befürchten mußte, so gab er nach und reiste zu Ludwig nad Speier, um ihm zu huldigen, mit dem Vorbehalte jedoch, daß er nichtsdestoweniger auch dem Papste in allen Stüden gehorchen wolle. So suchte sich der Bischof mit beiden, dem Papst und dem Kaiser, zu balten. Er machte mit seinen andern Feinden im Elsaß Friede, und erhielt von dieser Zeit an die Ruhe in seinem Bisthum meistens aufrecht, was bei dem zunehmenden Zwiespalt zwischen Kaiser und Papst höchst nöthig wurde.

Ludwig aber suchte seine Sache mehr und mehr zu einer Sache des deutschen Volkes zu erheben, um mit Hülfe des erwedten deutschen Nationalgefühls bie päpstlidhen Anmaßungen zurüdzuídlagen. Er berief einen glänzenden Reichstag nach Frankfurt im Sommer des Jahres 1338. Alle Kurfürsten und viele andere Große des Reiches waren erschienen. Vor ihnen bezeugte Ludwig durd Hersagung des Vater-Unsers, des englischen Grußes und des apostolisden Glaubensbekenntnisses seine katholische Rechtgläubigkeit und feste in muthiger und beredter Darstellung bie jdmadvollen Verhältnisse der deutsden Nation und ihre unwürdige Abhängigkeit vom päpstlichen Stuhl auseinander. Das fand Anklang. Man erklärte das Berfahren des Papstes gegen Ludwig für nichtig, beschloß die Aufhebung des Interdiktes, und nod während des Reichstages verbanden fich die sechs Kurfürsten zu Rense bei Coblenz in dem ersten sogenannten Kurverein zu dem Beschluß: baß das heilige römische Reid nicht unter päpste licher Vormundschaft stebe; baß der von den Kurfürsten Gewählte schon ohne die päpstliche Bestätigung wahrer römischer König sei, und daß die kaiserliche Gewalt von Gott herkomme und nicht som Papst. Ludwig erließ

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