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audy ein Manifest gleichen Inhaltes an die gesammte Christenbeit, und erklärte Ale, welde die kaiserliche Gem walt noch fernerhin vom Papst herleiten würden, für Hochverräther. Groß war der Eindruck, welchen diese wid= tigen Beschlüsse auf das deutsche Volt machten, und die öffentliche Meinung, welche audy nod burd, gelehrte und freimüthige Schriftstellen in diesem Sinne bearbeitet wurde, erklärte sich immer entschiedener für Ludwig. Zugleich aber mehrte sich auch dadurdy die innere Zerrissenheit des Reiches, weil religiöse Neigungen und Grundfäße durdy weltliche Madtsprüche nicht so leicht überwunden werden können.

Schon nadi seiner Rüdkehr aus Italien im Jahre 1329 hatte der Kaiser kräftigere Maßregeln gegen diejenigen Geistlichen ergriffen, welche auf Grund des Interdiktes fidy weigerten, ihre Amtspflichten zu erfüllen. Seit dem Kurverein zu Rense waren dieselben verschärft worden, und sowohl Einzelne als ganze Städte und Gemeinden, welche fortfuhren, die päpstlichen Ercommunikationen und Interbikte aufrecht zu erhalten, sollten ihrer Redite und Freiheiten beraubt werden. Aber es fehlte an Priestern und Mönchen nicht, welche fortfuhren, gegen des Kaisers Gebot dem Papste zu gehorchen. Die städtis idhen Behörden erließen daher Befehle, daß alle Geistlichen, welche sich weigern würden, Gottesdienst zu halten, vertrieben werden sollten und sich höchstens nach Verlauf von zehn Jahren auf Wiederanstellung Rechnung machen dürften. Viele, darunter besonders die Augustiner und die Dominikaner, zogen es vor, Berbannung, Hunger und Summer zu erleiden, als ihrer Kirche und ihrem kirchliden Oberhaupte untreu zu werden. Sie wanderten entweber in diejenigen Orte, welche solche Befehle noch nicht erlassen hatten, oder kämpften meistens mit Noth und Fammer. Zugleid, entstand dadurdaud unter den Geistlichen selbst der feindseligste Zwiespalt. Beide Parteien, die der weltlichen Macht und die der kirchlichen Obrigkeit gehorchende, erklärten sich gegenseitig für excommunicirt. Den ersteren galten die leßteren als Landesverräther, diese aber nannten jene Uebertreter der göttlichen Ordnung, die das Volt als Unreine meiden müsse. Wo der Gottesdienst vor verschlossenen Thüren gehalten wurde, herrschte Mißtrauen, Angeberei und Berrath.

Audy Straßburg hatte diese Uebelstände aufs Tiefste zu empfinden. Die Geistlichkeit war auch dort zweitheilig, und zwar hatte hier der größte Theil, den päpstlichen Verboten gehorsam, alle gottesdienstlichen Handlungen eingestellt. An der Spiße der kirchlichen Opposition gegen die weltliche Macht standen hier die Augustiner. Die Dominikaner bagegen und Francistaner festen zwar mebrere Jahre hindurch die geistlichen Geschäfte fort. Als aber der Kaiser fich offen dem Papste entgegenstellte, wurden auch sie durch die wiederholten Bannflüche einge= füchtert und zur Unterwerfung gebracht und unterließen c8, die Messe zu lesen. Da sprach aber der Stadtrath: weil sie bisher gesungen, so sollten sie auch fürbas singen, oder aber aus der Stadt springen. Die meisten Dominikaner verließen daher die Stadt. Nur einige von ihnen blieben aus Mitleid für das arme geängstete Volt in der Stadt zurück. Das Predigerkloster aber blieb leer unb verlassen vierthalb Jahre.

Ludwig batte ein frommes Herz. Selbst im Banne ging er oft von seiner Hofburg in München auf ge=

heimein Wege zur Kirche, um ungesehen zwischen den Strahlen eines Heiligenbildes, welches das Betstuhlgitter dedte, der Messe beizuwohnen. Er sorgte troß seiner oft sehr bedrängten Verhältnije reidlid für Klöster und fromme Stiftungen, verbesserte durch gute Gefeße die Lage seiner Untergebenen, zeigte überall ein fühlendes Herz für die Noth seines Volfes, und war oft bereit, diesen Streit beizulegen und sich dem Papste zu unterwerfen, wenn es ohne Verlegung der Würde des Reiches und der deutschen Nation hätte geschehen können.

Der Starrsinn ber päpstlichen Curie und das durdy denfelben über das deutsche Bolt gebraďte namenlose Elend förberten indeß das Nadbenken über die Madyt und den Beruf des Papstes; die Trübsal lehrte Gott suchen und das Bewußtsein, daß Gott allen denen nahe ist, die ihn anrufen, die ihn mit Ernst anrufen, führte seine wahren Freunde und Diener zu einer Wirksamkeit, die um so nachhaltiger und regenøreider war, je mehr sie von der Welt unbeachtet und in Gott verborgen blieb. Es war das vierzehnte Jahrhundert eine Zeit, deren Schäden und Ges brechen nicht mehr durch äußere Maßregeln, sondern nur burdy Gottes Barmberzigkeit und eine innerliche Umge= staltung der Kirche und des religiösen Lebens geheilt werden konnten, eine Zeit, in welcher innere Mission im Geiste Christi bas bringendste Bebürfniß war. Von wem aber und wie dieselbe damals betrieben wurde, foll uns das zweite Capitel vergegenwärtigen.

II.

Wie die Gottesfreunde innere Mifsion

trieben.

Die inneren Missions - Anstalten und Vereine der römischen Kirche, die Mönchs- und Nonnenorden waren burdden allgemeinen Berfall der Kirche größtentheils in gleiches Berberben gerathen, und ihre Ohnmacht, eine gründliche Heilung zu bringen, wurde von den erleuchteten Männern jener Zeit bereits nicht verkannt. Wie der römische Stuhl und die ihm dienende Geistlichkeit vorzüglich um die äußere Madt der Kirche kämpften und barüber die Sorge für das ewige Heil der ihnen anbertrauten Seelen allzusehr in den Hintergrund treten ließen, wie diese Hirten der Christenbeit, um mit dem Propbeten Hesekiel (C. 34) zu reden, das Fette fraßen, sich mit der Wolle kleideten, das Gemästete schlachteten, aber die Scafe nicht weibeten, das Swade nicht warteten, das Stranke nidht beilten, das Berwundete nicht verbanden, bas Berirrte nicht bolten, das Berlorene nicht suchten, Fondern mit Strenge und Härte über die Heerde herrsche ten, so waren auch die geistlichen Genossenschaften, weil Me keine böbere Autorität als den römischen Stuhl kannten, in ein fleisdliches Treiben, in eine Genußsucht und Schwelgerei, in eine Habsucht und einen Stolz verfallen, daß sie die Kirche nur noch tiefer ins Verderben berabziehen mußten, anstatt fie zu erretten. Sie dienen meistens, wie ein alter Geschichtschreiber sagt, vom römifchen Hof mehr zu Gelb - als zu Menschen-Fisdern bez stellt zu sein. Sollte bie Christenheit damals nicht zu Grunde gehen, so mußte ber barmherzige Heiland, der treue Erzhirte, ich seiner Heerbe selbst auf außerorbentliche Weise annehmen und Seelenhirten erweden, die im Geist und Auftrage ihres himmlischen Oberhauptes mit ungefärbter Liebe und freudiger Opferwilligkeit das Verlorene suchten, das Verirrte zurüdbrachten, das Verwundete berbanden und des Schwachen warteten. Das Berlangen nad solcher außerordentlichen Hülfe wurde burda die geschilderten Streitigkeiten der geistlichen und weltlichen Macht immer allgemeiner. Die große leibliche und geistliche Noth lehrte beten und Gott mit Ernst suchen. Die ungebeuren Gewissenskämpfe, in welde so viele burds das Interðikt versekt wurden, erweďte die Frage nach der Rechtmäßigkeit solder Strafen und nad den Grenzen der kirchlichen Gewalt. Das Drbenswesen hatte, wenn es gleich in tiefem geistlichen Verderben lag, sodi nodi den Nußen, daß es den Mißvergnügten eine verhältnißmäßig freie Wirksamkeit zur Reform darbot, und mehreren Orden fehlte es auch nicht an erleuchteten und kräftigen Geistern, die mit Entschiedenheit neue Wege zum Heil einschlugen. Vorzügliche Aufmerksamkeit verdient in dieser Hinsicht neben einigen andern der Dominikaner-Orden, weldem Tauler angehörte. Obichon er sich bekanntlich gewöhnlids zu dem grausamen Dienst der Inquisition bergab und unzählige Schlachtopfer den Scheiterhaufen und Folterqualent überlieferte, so zählte er body aud eine Reihe von Männern in seiner Mitte, die durd Wifjendaft und Frömmigkeit gleich ausgezeichnet waren. Die Aufgabe, welche fich dieser Orden gestedt Batte, bas Volf durd öffentliches

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