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gehörten, und von ihnen viele Ströme bes lebendigen Wassers ausgegangen sind, welche die verborrten und veröbeten Gefilde der Kirche wieder erfrischten und belebten, und die große Erneuerung derselben im sechszehnten Jahrhundert vorbereiteten. Können wir nun nachweisen, daß Tauler in diesem Kreise wirklich die hervorragende Stellung einnahm, die wir ihm oben zuerkannten, indem wir, ihn den gesegnetsten Wortführer in demselben nannten, können wir nachweisen, daß er sowohl durch eine wahre Bekehrung seines Herzens, als burc tiefe Renntniß der göttlichen Heilswahrheit, durch heilige Begeisterung für die Sadie Christi, und endlid durch ein vielumfassendes, thatkräftiges, glaubensmuthiges Wirfen für die Ehre dieses Herrn und zum Heile seiner nothleidenden Mitbrüder sich unter den Gottesfreunden burd Gottes Gnade ausgezeichnet habe, so haben wir damit zugleidis aud dargethan, daß Tauler eines bleibenden Andenkens in der Christenheit, zumal in der evangelischen Kirche, würdig ist.

III.

Wie der gelehrte Doktor Johannes Sauler

ein vollkommener Freund Gottes tard.

Johannes Tauler war einer jener kräftigen Geister, die durdy die Ungunst äußerer Verbältnisse und durch zu überwindende Schwierigkeit nicht gebrochen, sondern gefördert werden. Dem Zug der Gnade, welchen er von Jugend auf in seinem Herzen verspürt batte, audy im

Predigtamte zu Straßburg getreu bleibend, errang er sich burds Gebet und Studium unter den Wirrniffen jener Zeit balb einen festen Standpunkt und eine klare Einficht in das Eine, was Noth that. Er predigte trop bes Interdiktes ununterbrochen in Straßburg und an andern Orten, und zwar, 'um dem Bolte noch mehr zu nüßen, so viel als möglich in der Landessprache. Mit großer Liebe eingehend auf die verschiedenen Lagen seiner Zu= hörer, suchte er fie durch seine klaren und faßlidhjen Vorträge emporzuheben über die Noth und die Anfed tungen der Zeit zu der wahren Ergebung und Gelassenheit des Gemüthes in der Liebe Gottes. Algemein hörte man ibn gern und liebte ihn. Sein Ruf wurde weit und breit bekannt; selbst in Italien verehrte man ihn als einen ausgezeichneten Lehrer, der auf wahre christliche Frömmigkeit dringe. Ein berühmter Ordensbruber, Bentuoini von Bergamo, sagte in einem Brief vom Jahre 1336 an einen andern Dominikaner in Straßburg: „Ich bitte Didy, wenn Du Deinen und meinen geliebten 3. Tauler fiebst, daß Du mich bei ihm entsduldigft und ihn bittest mir zu fchreiben, weil ich ihn nebst Dir in meine herzlichste Liebe eingeschlossen habe, und hoffe, daß durch ibn wie burd Dich und Andere, deren Namen im Bude des Lebens stehen, der Name Christi in Deutschland vers berrlict werbe."

Der Jugendfreund Taulers, Johann von Dambad, bewährte unter jenen großen Anfedytungen nicht gleichen Muth. Er behauptete: es fei Pflicht eines frommen Christen, sich der Kirche unbedingt zu unterwerfen, und eben in dieser völligen Unterwerfung finde man seinen Troft. Er verfaßte mehrere Abhandlungen über die Rechts mäßigkeit des Interbiktes und sagte in einer andern Schrift vom Trost der Theologie: Wer ben Leib Chrifti im Ungehorsam gegen die römische Kirche empfängt oder austheilt, der verwundet und zerfleisst den Leib Christi." Daher hat er ohne Zweifel zu denjenigen gehört, welche im Jahre 1338, als sie vom Magistrat aufgefordert wurben, mzu singen," es vorzogen, die Stadt zu verlassen. Tropbem blieb er mit Tauler in freundschaftlicher Verbindung, ein Umstand, der uns wohl fhließen läßt, daß Tauler durch seine freieren Grundfäße nicht in Hochmuth und Berachtung der ängstlideren Seelen gerathen war.

Durch den Abzug der Geistlichen aus Straßburg hatte Taulers geistliche Ihätigkeit ein besto weiteres Feld gefunden, welches er auch mit größtem Eifer bearbeitete. Durch Reisen und Briefwechsel trat er mit den Gottes freunden in der Nähe und Ferne in den lebhaftesten Vers febr. Die beiben Nonnen Christina unb Margaretha Ebner besuchte er einige Mal, frieb ihnen öfters Briefe und fandte ihnen allerlei kleine Geschenke, fo zwei Käse, die sie noch vor der Fastnacht essen möchten, ein Büchechen mit Pulver, ein Messerlein und dergleichen, und forderte fte auf, ihre inneren offenbarungen über den Zustand der Christenheit aufzuzeichnen. Beide Nonnen verehrten ihn auch außerordentlich und nannten ihn nur ihren lieben Bater. Christina erfuhr in ihren Offenbarungen, er wäre der liebste Mensch, den Gott auf dem Erbreidh bätte. Der Geist Gottes, wobne in ihm als ein süßes Saitenspiel. Margaretha spricht zuweilen von der Freude, die fie durch die Gegenwart des großen Freundes Gottes genossen und wie schwer. ihr sein Abschieb gefallen. Auch Heinrich Suso, ebenfalls jener beiden Nonnen Freund,

war ein Bundesgenosse Taulers, reiste selbst einmal zu ihm nad Straßburg und übersandte ihm feine Schriften.

Im Jahre 1338 unternahm Tauler eine Reise nad Basel, mw ein gleider Zwiespalt, wie in Straßburg, zwischen der Bürgerschaft und der Geistlichkeit herrschte, und viele Geistliche und besonders Möndye ibre Amtsvers richtungen in Folge des Interdiktes eingestellt hatten. In jenem Jahre aber hatte man vom Papst bie Bewilligung erlangt, ein Jahr lang wieder öffentlichen Gottesdienst Halten zu dürfen. Heinrich von Nörblingen, der ber Kirche ängstlich ergebene Gottesfreund, fand dadurch Gelegenheit zu einer sehr gesegneten Wirksamkeit, und wurde von Tauler dabei aufs Kräftigste mit Rath unb That unter= ftüßt.

Darauf reiste Tauler nach Köln, wohl auch um die Freunde zum muthigen Dienste Christi aufzumuntern. Er fand beren einen schönen freis und erwarb fide bort viel Liebe und Verehrung. Von ba reiste er hinab zu bem ehrwürdigen Nuysbroek, welcher damals noch als Weltpriester in Brüffel wirkte. Im Jahre 1340 aber befand er ftch wieder in Straßburg, um dort bas Wichtigste zu erfahren, was ihm in seinem ganzen Leben begegnet ist.

Jener gottselige laie, Nikolaus von Basel, war, wie berichtet wird, im Solafe breimal ermahnt worden, den berühmten Doktor 3. Tauler predigen zu þören. Er machte sich daher auf, zog die dreißig Meilen nad Straßburg herab und wohnte fünfmal der Predigt Taulerø bei. Daraus erkannte er, bafi ber Doktor zwar von Natur ein gar sanftmüthiger, gutherziger Mann wäre, auch von der heiligen Schrift ein gutes Verständniß hätte, aber noch finster fei in dem Lichte der Gnade. Er ging baber zu ihm unb fprad: Lieber Doktor! ich bin wohl dreißig Meilen um Euretwillen gezogen, daß ich Eure Lehre hörete; nun habe ich sie gehöret zu fünf Malen predigen, und bitte Euch burd Gott, daß Ihr meine Beidhte böret. Der Doktor gestattete ihm solches gern, und der Laie blieb noch zwölf Wochen bei ihm, von ihm öfters den Leib des Herrn empfangend. Darauf bat er ben Doktor, eine Predigt darüber zu balten, wie der Menso zum Nädsten und Höchsten gelangen möge. Tauler fuchte dieser Bitte auszuweichen, weil der Laie bas: body gar wenig verstehen würde. Dieser aber bestand auf seiner Bitte, denn wenn unter den übrigen zahlreichen Verehrern Taulers nur Einer solche Predigt verstand, so wäre fie ja wohl angebracht. Tauler wilfahrte, und bei der nächsten Prebigt werkündete er zum Schluß seinen Hörern, fie möchten am britten Tage wiederkommen, um eine Predigt zu hören, wie der Mensch zu dem Allernädyften, Höchsten und Besten in dieser Zeit gelangen könne. Die Leute kamen wieder, und der Laie reste fid fo, baß er den Doktor wohl verstehen konnte. ,

Dieser hub damit an, daß er für dieses Mal keinen bestimmten Bibeltert seiner Predigt zu Grunde legen, auch nicht viel Latein bereinziehen wolle und zeigte dann, daß der Mensd durdy innere Beschauung des Göttlichen fidy über alles vernünftige Begreifen mit Gebilden und Formen erheben müsse, wenn Gott in ihn kommen und in ihm wirken solle; daß hierzu aber nöthig sei die allertiefste Demüthigkeit mit lauterem Verständniß und klarer Bernunft. Dann führte er vierundzwanzig Stüde auf, welche ein solcher Mensd beobachten müsse. Als das erste bezeicinete er die lauterste Gesinnung der Liebe und Treue,

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