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wahren, als burds endlose Demuth. Es ist nicht mehr nöthig, daß ich in lehrender Weise mit Eudy rede, denn Ihr habt nun ben rechten Meister bei Eudy, bessen Werkzeug ich gewesen; dem überlasset Euch und seid ihm gehorsam. Ich begehre jeßt in aller göttlichen Liebe von Euch Lehre zu empfangen, weil ich mit der Hülfe Gottes den Nugen geschafft habe, darum idi bergetrieben und gekommen war. Und ich bin willens, gefällt es Gott, eine gute Weile bei Eudy zu bleiben und Eure Predigt zu hören. Wenn 3br burd Gottes Gnade fönnbt, so däucht mich gut, daß Ihr nun wieder anbebet zu predigen.“ Die Bücher, welche der Doktor verset hatte, ver(daffte ihm der Laie wieder, und der Doktor ließ bekannt machen, daß er am dritten Tage wieber prebigen werbe. Aus Neugierde kamen viele Zuhörer zugeströmt.

Als nun Tauler nad so langer Unterbredung bie Kanzel wieder bestiegen hatte, zog er seine Kappe vor die Augen und betete: „Barmherziger ewiger Gott, ist es dein Wille, so gieb mir zu reden, daß dein göttlicher Name bavon gelobet und geehret, biele Menschen aber davon gebessert werden. Aber ba brady er in ein so inniges Weinen aus, daß er kein Wort reden konnte. Die Leute warteten lange ; endlich berbroß es ste und ein Mann aus dem Haufen rief: Herr, wie lange follen wir hier stehen und fißen; wollt Ihr nicht predigen, so laßt uns beimgehen.“ Der Doktor fuhr fort inniglids zu beten, und unterwarf sich ganz bem göttlichen Willen, bereit, aud nod mehr Spott und Verachtung zu tragen. Endlich sprad er: „Ihr lieben Kinder! mir ist von ganzem Herzen leid, daß ich Euch so lange aufgehalten habe, benn id kann für dieses Mal vor Weinen nicht ein Wort

sprechen. Bittet Gott für mich, daß er mir helfe, so will ich es Euch zu einer andern Zeit mit seiner Gnade besser machen." Die Leute gingen, aber Tauler wurde überall

. nur noch mehr zum Gespött, und seine Ordensgeneffen untersagten ihm für die Zukunft das Predigen ernslich; denn er schändete ihren Orden mit seiner thörichten Weise, davon ihm das Haupt weiß und närrisch geworden, und brächte ihrem Kloster großen Schaden.

Da mußte abermals der Laie herbei, um ben bekümmerten Tauler aufzurichten. Dieser wußte ihm auch sogleich das rechte Trostwort zu sagen. „Erschredet nicht über diese Dinge, sprach er, denn der Bräutigam pflegt allen seinen liebsten und besten Freunden also zu thun, und es ist ein unfehlbares Zeichen, daß Gott Euer guter Freund ist. Denn ohne Zweifel ist noch etwas Hochmüthiges, das Ihr selbst nicht genug kanntet, in Euch gewesen und darum seid ihr audy zu Spott geworden; aud wird Euch Gott nodi einige Euch jeßt unbekannte Gaben haben bescheeren wollen; darum seid fröhlich und demüthig." Darauf rieth er ihm, fünf Tage zu Lob und Ehren der heiligen fünf Wunden Christi ganz einsam zu bleiben und dann zuerst seinen Ordensbrüdern einen Vortrag in lateinischer Sprache zu halten. Das geschah und zwar mit solcher Trefflichkeit, daß alle erstaunt waren. Man gestattete ihm nun audy wieder zu predigen, und einer der Brüder verkündigte das den Leuten, jedod mit tein Bemerken, daß er nidyt bafür steben könne, ob nidt wieder etwas Aehnliches wie legthin vorkomme.

Am folgenden Tage betrat Tauler wieder die Kanzel in der Kirche eines Nonnenklosters, und den Text Matth. 25, 1-13. zit Grunde legend, bub er also an: Shr lieben Kinder! es mögen nunmehr zwei Jahre sein, ba ich Euch am leßten gepredigt und zwar von den vierunbzwanzig Stüden, die ich zur böchsten Vollkommenbeit in diesem Leben nöthig erachtete. Und meine Gerechtigkeit ist bisher gewesen, baß ich viel Latein in meinen Predigten eingeführet. Solches aber habe ich mir vorgenommen nidt mehr zu thun. Denn wenn ich will lateinis reben, so will ich es mit den Gelehrten thun, die es verstehen. Sprecht mit mir ein Vater-Unser, daß ich Gnade erlange, auch fruchtbarlid zu predigen." Dann führte er in äußerst lieblicher Weise aus, wie wir unserm himmlischen Bräutigam entgegen gehen sollen. Jegt seien die rechten Wege, auf denen wir wandeln müßten, zwar sehr wüste und vielen Leuten unbekannt geworben. Aber er wolle es ihnen zeigen, was eine getreue und ehrliche Braut Christi zu thun habe. Sie müsse alle Sünde und Eitelkeit der Welt ablegen und willig das Kreuz Christi auf sid nebmen und alle Schmerzen, die mit ihm verbunden seien, gebuldig tragen. Wenn dann ihre Geduld und ihre Treue bewährt erfunden, so komme der ewige Bater des ewigen Bräutigams und spreche: „Woblauf, meine zarte auserwählte Freundin! es ist nun Zeit, daß man zur Kirche gebe; nimmt darauf den Bräutigam und die Braut, führet sie zur Kirche, trauet sie einander, bindet sie auch zusammen mit den himmlischen Banden seiner göttlichen Liebe so fest und stark, daß sie auch in alle Ewigkeit nicht wieder mögen geschieden werden. Wenn nun also durch diese göttliche Vertrauung ein Anfang zu der Himmlischen Hochzeit gemacht ist, alsdann spricht der Bräutigam: mein lieber Gott und Vater! wer soll nun unser Sdenke sein auf unserer Hochzeit? Darauf antwortet

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der Vater: Mein vielgeliebter ewiger Sohn! bieses Amt gebühret dem belligen Geist, der foll euer Schenke fein an meiner Statt. Darauf sättigt er fle mit der göttlichen Liebe und tränket sie mit derselben gar reichlidy. von solcher göttlichen Liebe burchdrungen kommt die Braut nun von selbst herzu, daß sie ihrer ganz und gar bergißt, ja auch aller Creaturen neben sich ... denn die Freude und Wonne, die die Braut an und von ihrem Bräutigam empfängt, ist so groß, so herrlich, daß fie in diesem Leben kein menschliches Auge seben, kein menschliches Ohr þören, auch kein menschliches Herz und Vernunft verstehen noch fassen mag. Gott verleibe aus Gnaden, daß wir alle Christi geliebte Bräute sein und werden und mit hellbrennenden Lampen zur himmlischen Hodizeitthüre eingeben mögen. Amen."

Als der Doktor geschlossen hatte, rief ein Mensch aus dem Haufen: „Es ist wahr!" und in demselben Augenblid fiel er wie tobt nieber. Da rief eine Frau: „Böret auf, Herr, oder dieser Mann stirbt uns unter den Händen." Der Doktor sprach: „Ad lieben Kinder! nimmt also ber Bräutigam die Braut und führet sie mit sich beim, so wollen wir sie ihm gerne lassen. Jedoch will ich ein Ende machen und aufhören. Lieben Kinder! laßt uns alle gen Himmel rufen zu Gott unserm Herrn, denn wir haben es sicherlich alle vonnöthen, zumal wir leider also dumm und thöricht geworden sind, daß seiner von uns ein Mitleid mit dem Anbern hat, obwohl wir schon wissen, daß wir alle Brüder und Schwestern sind; und gleichwohl sind nur Wenige unter uns, die ihr Fleisch zwingen wollen, um dem Bräutigam nadhzufolgen, damit eine bessere Freube und gnadenreichere Hochzeit von uns allen empfunden werbe. Ihr sollt wiffen, daß man in dieser Zeit wenig Leute findet, die bem Bräutigam wahrhaftig entgegengeben, wie man wohl unter den Alten viele fand.“ Mit diesen und noch mehr Worten forberte Der Doktor bie Leute nodi auf, eifrig nach dieser geistlichen Hochzeit zu trachten und Christo entgegenzugehen in wahrer Demuth und Gelassenheit und mit rechter gläubiger Innigkeit; darauf las er bie Messe und gab etlichen guten Kindern ben Leib des Herrn. Die Predigt hatte auf Viele einen so mächtigen Eindruck, daß sie noch auf dem Kirchhof in eine ähnliche Verzüdung verfielen, wie jener Mann in der Kirche. Der Laie, welcher zugegen war, meldete es Tatlern und führte ihn heraus zu ihnen. Zwölf von ihnen blieben wie tobt auf dem Boden liegen. Die übrigen, an dreißig, erhoben sich und gingen. Tauler ließ jene zwölf in den Kreuzgang des Klosters bringen, damit sie keinen Schaden an ihrer Gesundheit nähmen, und zu ihrer Stärkung ihnen etwas warme Speise reichen. Audy einer Nonne war es ähnlich ergangen. Der Laie, der barauf den Doktor in seine Celle geleitete, erklärte sich über die Predigt vollkommen befriedigt und hoffte vielen Segen von ihr; dann rieth er ihm, da es Fastenzeit sei, audi vor einer größeren Versammlung den Weltfindern eine ähnliche Predigt zu halten, was ebenfalls mit vielem Segen geschah.

Tauler predigte nun wieder fleißig und wirkte als Beidytvater und als Seelsorger unermüdlicy. Und weil Gott mit ihm war, so waren audy alle seine Worte mit reichen Früchten gesegnet, und sein Rath wurde überall mit großer Achtung und bereitwilligem Geborsam aufgenommen. Sauler war ein neuer Mensd geworden. Er

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