Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

batte sich von ganzem Herzen zu Gott bekehrt, hatte allen seinen natürlichen Besiß Gott zum Opfer gebracht, aber in Gott audy Alles zehnfach wiedergefunden. Diese ausführliche Nachricht von Taulers Bekehrung verbanken wir folgenden Umständen:

Die Unterrebungen mit dem Laien und die ganze Gedichte seiner Bekehrung (drieb Tauler, wie auch vor ihm eben der Laie und nach ihm Rulman gethan hat, wieder und gab diese Notizen auf seinem Tobtenbette dem Laien, mit der Bitte, ein Büchlein daraus zu machen, sie beide aber, so wie die Stadt, dabei nicht zu nennen. Nikolaus von Basel that dieses und fügte noch einige Predigten von Tauler hinzu. Das Buch, das er hieraus machte, kam in die Urkunden des Johanniterhauses. Später (chrieb er an den Prior von Taulers Kloster eine Erscheinung, welche er von Tauler gehabt. Auch sie wurde dem Buche nod beigefügt, und so entstand die „Historia des ehrwürdigen D. Tauleri," welche vielen Ausgaben von Taulers Predigten beigegeben ist. Daß der barin genannte Doktor audy wirklich unser Tauler, und der Laie jener Nikolaus von Basel sei, was man in Zweifel gezogen hat, geht mit Zuverlässigkeit aus dem Memoriale des Straßburger Johanniterhauses, welches sich noch auf der dortigen Stadtbibliothek befindet, hervor, indem dort bestimmt erklärt wirb, baß Nikolaus von Basel, welder die Bekehrung Rulmans vermittelt habe, der gnadenreiche und erleuchtete Laie gewesen sei, der den großen Meister der heiligen Schrift strafte und bekehrte also, daß er zu einem erleuchteten, gnabenreichen und boben Leben kam, nachdem er ihm eine hohe Predigt von vierundzwanzig, nach dem ABC geordneten Stüden eines vollkommenen

Lebens gethan, wie es in jenem Büchlein lateinis und deutsch niedergefährieben sei. Daß die Stadt Straßburg und nicht Köln, wie Einige behaupteten, der Ort der Befehrung Taulers gewesen, ist außer Zweifel deshalb, weil Straßburg gerade von Basel, dem Wohnort des Laien, so weit entfernt liegt, als in der Historia angegeben wird, nämlich 30 Meilen.

Nachdem die Prüfungszeit Taulers vorüber war, trat er mit neuer Kraft und Freudigkeit wieder in sein Predigtamt ein. Er nahm zu an göttlichem Leben und ward immer reichlicher erfüllt mit der Gnade des heiligen Geistes. Nikolaus blieb, so lange er lebte, sein treuer Freund und gab ihm viele Beweise seiner, Anhänglichkeit, Durdy ihn war Tauler nicht allein zur wahren, demüthigen, das eigene Selbst ganz und gar verleugnenden Gottesfreundschaft gelangt, er hatte audy einen Blid gethan in die tiefen Bewegungen, welche damals in der Christenbeit fic vorbereiteten. Obchon als Dominikaner zur Bekehrung der Reßer berufen, war er selbst geistig durch einen sogenannten Keßer überwunden und erst vollkommen innerlich bekehrt worden. Er hatte darum wohl erkannt, daß es in der Kirche Christi nod höhere Geseke gebe als die römischen Canoues et Decreta. Wenn er selbst auch seiner Kirche getreu geblieben ist, auch zum Geborsam gegen dieselbe fleißig ermahnte, so drang er dodi nunmebr immer entschiedener auf die innere Glaubensgerechtiga keit vor Gott und die Erneuerung des Herzens, und hinberte bie Bestrebungen derjenigen nicht, welche folche Gerechtigkeit und Wiedergeburt in einem freieren Dienste Christi suchyten, als ibn bie römische Kirche vorschrieb. Tauler batte burch seine Bekehrung eine thatsächliche Belehrung davon erhalten, daß jeder gläubige Christ burdy die Salbung des heiligen Geistes ein Priester Gottes sei. Es war ihm klar geworden, daß das Heil der Christenheit nicht in der Hierarchie und der Entwiđelung ihrer Macht liege, sondern in der sanftmüthigen Gnade Christi, die Aden ohne Unterschieb angeboten wird. Er berachtete die Klagen derjenigen nicht, welche sich über die Hoffarth der Gelehrten und Pfaffen beschwerten, die doch nicht immer die besten und frömmsten unter den Christen seien, nody weniger unterstüßte er die Geistlichkeit, wenn sie ben Laien Gewalt anthaten, wenn sie die Armen bebrüdten und um die Gunst der Reichen und Vornehmen buhlten, wenn sie in ihrem Stand und Beruf schon eine Bürgschaft ihrer Seligkeit fanden und sich Christo näher stehend betrachteten, weil sie den Leib Christi öfter genössen. Tauler stieg vielmehr nun mit immer allgemeinerer, berzlicherer Menschenliebe zum bebrängten und so sehr berwahrlosten Volke herab, und wurde ein dhristlicher Volksredner im wahren Sinne des Wortes. Allen gelehrten Sdmud lateinisder Brođen vermieb er in seinen Predigten, und legte seinen Zuhörern, „seinen lieben Kindern,“ die ewigen Heilswahrheiten in der Volkssprache ans Herz. Er wurde ein geistlicher Vater vielen erwedten, gläubigen Seelen und aller Gottesfreunde sonderlider Freund. Die Stillen im Lande, bas verachtete Häuflein der frommen Beter, die von der Noth der Zeit geängstet auf den Trost Israels warteten, waren ein besonderer Gegenstand seiner Liebe und geistlichen Pflege. Er prebigte bäufig nicht allein in seiner Klosterkirche, sondern auch in FrauenKlöstern und in den Beguinenhäusern, audy Sammlungen ober Einigungen genannt, in welchen Laien ohne Ordens

regel und Gelübde zusammenlebten und beren es sehr viele in Straßburg gab. Selbst an einzelne Klauenerinnen bielt er Vorträge. Es waren dieses Frauenspersonen, welche allein oder in ganz geringer Anzahl in Klausen bei den in der Stadt zerstreuten Kapellen wohnten. Soldher Personen gab es in jener Zeit allgemeiner Noth viele. Sie wählten sich meist Dominikaner oder Franzisfaner zu ihren Beidtvätern und suchten burd ihr freis gewähltes, durch kein Gelübde gebundenes Leben die Verföhnung und den Frieden mit Gott. Tauler versäumte dabei jebody nicht aud die Fehler, besonders die Neugierbe und Geschwäßigkeit, die Sucht zu erfahren, was Der und Die thut und sagt, und die Neigung über Andere zu richten, welche sich in solchen Sammlungen neben den frommen Werken einschlichen, mit liebevollem Ernst zu strafen.

Ueberhaupt übte nun Tauler durch seine Predigten und seine ganze geistliche Wirksamkeit einen immer mädstigeren Einfluß auf das Volf. Nicht allein batte sein zweijähriges Schweigen und alles das Merkwürdige, das sich mit ihm zugetragen, allgemeines Aufsehen erregt, sondern seine Werke waren auch nun weit mehr als vor: her voll Glaubensinnigkeit, Gotteskraft und evangelischen Trostes. Die Sammlung seiner Predigten, welche noch vorhanden ist, stammt größtenteile, wo nicht aussdließ lidy, aus der Zeit nach seiner Bekehrung. Die erste Sammlung, wahrscheinlich für das genannte Straßburger Johanniterhauses veranstaltet, enthielt nur 38 Predigten. Nod vor dem Schluß des vierzehnten Jahrhunderts wurde dieselbe mit 41 anbern Predigten Taulers, die theils in

Straßburg, theils in Köln gehalten worben waren, vermehrt und sorgfältig auf Pergament geschrieben. Dieses Manuscript befindet sich nod in der Stadtbibliothek zu Straßburg. Aucy in Köln wurden schon sehr frühe Samm-, lungen von Taulersdien Predigten veranstaltet. Sie wurden sehr hodh gehalten und besonders in baierischen Klöstern vielfach abgeschrieben, oft jedoch auch mit Predigten und Betrachtungen anderer, dem Tauler geistesverwandter Männer, vermehrt. Im Jahre 1498 wurden sie (79 an der Zahl) zum ersten Male in Leipzig gedruckt und zugleich aus der ursprünglichen schwäbischen in die sächsische Mundart übergetragen. In Augsburg geschah im Jahre 1508 eine Uebertragung in die dortige Munbart. Bebeutend vermehrt wurde die Sammlung dieser Predigten im Jahre 1543 durch den Kölner Theologen Peter von Nymwegen. Jebody wurden auch hier viele unächte Predigten aufge= nommen. Fünf Jahre später, 1548, übertrug diese legte Sammlung der Kölner Karthäuser-Mönd Lorenz Surius ins Lateinische, um dieselben auch fremden Nationen leichter zugänglich zu machen, verwischte aber dabei viele Eigenthümlichkeiten der Taulerschen Anschauungsweise, um sie dem katholischen Bulke mundrechter zu machen. Diese Ueberseßung wurde alsdann wieder von Ph. J. Spener bei seiner Herausgabe der Taulerschen Predigten in hochdeutscher Mundart benußt, und darnach der Sinn unbes kannt gewordener altdeutscher Ausbrücke wiedergegeben, in der Meinung, yes werde ein Mönd den andern recht verstanden haben.“ Diese Ausgabe und bie nad ihr veran= stalteten neueren enthalten im Ganzen 146 Predigten, unter denen sich jedoch mehrere befinden, die erwiesener

« ͹˹Թõ
 »