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maßen nicht von Tauler stammen. Eine genaue und vollständige Ausgabe von Taulers Predigten in der Ursprache ist noch nicht vorhanden.

Wir fügen zugleich auch noch einige Bemerkungen über Taulers übrige Schriften hinzu. Es rührt auch hier nicht Alles von Tauler her, was unter seinem Namen später berausgegeben worden ist. Sein unbestrittenes Hauptwerk ist das Buch „von der Nachfolgung des armen lebens Christi,“ die schönste Frucht seiner Bekehrung. Das folgende Capitel wird die Hauptgebanken desselben mittheilen. Außerdem sind noch einige Traktate von Tauler vorhanden, die jedod nur an Klosterleute gerichtet sind und weniger allgemeines Interesse haben, z. B. über das Beidhten und dessen Nothwendigkeit, über den Ablaß, über das lautere Wesen Gottes; ein Sendsdhreiben an Klosterfrauen, um sie zu ermahnen, allem Irdischen zu entsagen und in Gelassenheit des Gemüthes fidy bloß zu Gott zu kehren; und „Weissagungen von viel Plagen und Keßereien wider ben Glauben und die Sakramente Gottes."

Als entschieden nicht von Tauler stammend müssen die • von dem genannten Surius 1548 zuerst herausgegebenen

„Execcitia super vita et passione salvatoris nostri Jesu Christi“ (Betrachtungen über das Leben und Leiden Jesu angesehen werden. Ebenso ist audy das bekannte Büchlein: divinae institutiones oder medulla animae, auch unter dem Titel: „göttliche Lehren, wie man durdy geistliche Uebungen und Jugenden zu lieblicher Vereinigung Gottes kommen soll," ficherlich nicht von Tauler verfaßt. Diese Schrift ist weiter nichts als eine Zusammenstellung ausgewählter Stellen aus den Schriften Taulers und einiger geistesverwandter Männer. Einige kleinere weniger bekannte Traktate, die ebenfalls dem Tauler beigelegt wurben, lassen wir hier unerwähnt.

Schon hieraus geht mit Gewißheit bervor, daß Tauler ein hocherleuchteter Lehrer der göttlichen Wahrheit gewesen und als Prediger einen Ruf genossen, der selbst nod nad Jahrhunderten fortklang. Man bätte nicht so Vieles unter seinem Namen später veröffentlichen können, wenn sein Name nicht eine anerkannt hohe Bedeutung unter den erbaulichen und erwedlichen Schriftstellern seiner Zeit gehabt hätte. Sein Predigen war, wie ein alter Geschichtsdreiber sagt, ein seltsam Ding." Er speiste nicht, wie damals die meisten Prediger thaten, seine Zuhörer mit unfrudytbarer Schulweisheit oder unnützen Heis ligengeschichten ab, sondern legte mit Wärme und Eindringlichkeit ihnen das beständig ans Herz, was ihnen zur wahren inneren Bekehrung und Vereinigung mit Gott Noth that. Er suchte sie aus der Eitelkeit des Irdischen zur vollkommenen Entsagung emporzuziehen und zeigte in einer Zeit, wo die Welt so oft das Bild einer bobens losen Verwirrung darstellte, daß der gläubige Christ, der fich mit Anbacht in dem stillen Abgrund des göttlichen Wesens versenkt, über allen Streit erhoben und auf einen festen Grund gestellt ist, wo ihm der Friebe des Herzens burdh Nichts gestört werden kann. Dabei förberte er nicht thatenloses Hinbrüten in überschwänglichen Gefühlen, sondern er brang mit Nachbrud auf thätige Mensenliebe und auf die Erweisung des Glaubens in ihr. Er selbst gab darin bas schönste Vorbild. Seine Predigten sind durchgängig in Form von Homilien und halten nur selten einen planmäßig geordneten Gedankengang ein. Sie sind besonders ausgezeichnet burd ihre tiefsinnige Einfalt. Da fte meist vor Klosterleuten gehalten wurden, To bewegen sie sich ohne rednerischen Prunt in ruhiger Darlegung der Gedanken, belebt und wirksam allein durch den Geist der innigsten und reinsten Liebe, die keine Seele verloren gehen lassen möchte. Vielerlei Beispiele aus der Gegenwart und Vergangenheit, die eine feine Beobachtungsgabe beurkunden, viele Sprichwörter und volksthümliche Rebensarten, viele Bilder und Vergleichungen aus der Natur und dem Leben und Treiben der Menschen dienen bazu, die Gebanken zu veransdaulichen und das Gesagte in den Seelen der Hörer zu befestigen. Das Alles giebt ben Predigten und Schriften dieses gottseligen Mannes immer nodi einen hohen Werth, obrdon Manches von papistisdem Sauerteig und unklarem Mysticismus ihnen beigemengt ist. Auf ein driftlicy frommes Gemüth wird Tauler immer noch einen besonderen Reiz und eine hohe Anziehungskraft ausüben und für die evangelische Kirche ist und bleibt er einer der bead tense werthesten Zeugen evangelischer Wahrheit in einer Zeit, wo die Finsterniß bes Papstthums nod Alles bebedte und beherrschte.

IV.

Wie Tauler die geistliche Armuth lehrte.

Es liegt außerhalb der Grenzen unserer Arbeit, Taulers religiöse Lebensanschauungen und seine wissenschaftlichen Leistungen bis ins Einzelne zu verfolgen. Unsere Aufgabe ist es, durch das Lebensbild dieses gottfeligen Mannes unser eigenes Leben zu erbauen auf dem einigen Grunbe unseres Geiles unb mit dem Strom bes lebendigen Wassers, der von diesem gläubigen Bekenner Christi reichlids fließet, unsere matten Hände zu stärken und unsere strauchelnden Kniee zu erquiden. Aber deshalb dürfen wir es nicht unterlassen, einen Blid in fein Innerstes zu werfen und uns die große Idee vor die Seele zu führen, die feine ganze Wirksamkeit durchleuchtet.

Mit einer feltenen Kraft und Ausbauer batte Tauler seine Gedanken darauf gerichtet, wie es möglich sei, die Christenheit wieder zurückzuführen zu der apostolisden ReinÞeit und Einfalt, mit der fie in so grellem Widerspruch stand. Seine Unzufriedenheit mit der theologischen und philofophisden Wissenschaft seiner Zeit, die sich mehr in unfruchtbaren Wortstreiten gefiel als in der Bezeugung ber Wahrheit zur Gottseligkeit, haben wir bes reits berührt. Gegen sie trat er in seinen Predigten und Schriften oft mit Nachbruck auf. Nicht unsere Vorstellungen von Gott, fagt er, find Gott; fte bindern uns vielmehr an der wahren und wesentlichen Bereinigung mit Gott, wenn sie nicht von Gott selbst in uns gewirkt sind. Darum mahnt Tauler beständig, sich aller Gebilde und Formen der eigenen Vernunft und Phantasie zu entschlagen. Von ihnen müsse der Mensd das Haus seiner Seele reinigen, dann werbe Gott selbst kommen und ihn erleuchten und belehren. Die ungläubige weltliche Gelehrsamkeit babe eine Hoffarth unter ihren Anbängern erzeugt, daß, wenn etwa ein einfältiger Mann zu solchen Gesellen komme, er damit abgewiesen werde, daß er ihnen zu schlecht, ja, viel zu thöricht sei. Sie behandeln die heiligsten Dinge, die ein Gemeingut Aller werden sollen, nur nach persönlicher Neigung. Darum sei in ihrem Grunde der lebendige Brunnquell vertrodnet und ihr Wesen gleiche dem faulen Wasser der Cisternen.

Diese Gelebrsamkeit habe zwar große Weltflugheit auch unter den Geistlichen erzeugt. Aber aus list und Betrug des Teufels feien sie bei aller ibrer Klugheit doch von dem heilsamen Wege der Demuth und der dyristlichen Tugend gänzlich abgekommen. In ihrer Hoffarth meinen fie, alle Wahrheit und alles, was zu einem dristlichen, Gott wohlgefälligen Leben gehövt, aud ohne übernatürliche Hülfe und Beistand der Gnade Gottes, gar wohl verstehen und fassen zu können. Sie wollen mit ihrem natürlichen Licht und Berstand die boben Gebeimnisse der göttlidyen. Sdrift erforschen, welche doch ber beilige Geist und die ewige Weisheit Gottes eingegeben und offenbart bat. Sie halten sich für die allerflügsten Leute auf Erden und wähnen die beilige Schrift viel besser zu verstehen als die heiligen Männer Gottes selbst, welche sie geschrieben, gelehret und in ihrem Leben treulich gehalten haben. Alle ibre Uebungen dienen nur ihrem eigenen Stolz. Sie studiren fleißig die heilige Schrift, um sie nach ihrem Willen zu tadeln und auszulegen, und andere Leute, die ein beiliges einfältiges Leben führen und die barten Uebungen der Buße fleißig Balten, werden von ihnen für Thoren und beinabe wie das dumme Bieb gehalten. Sie haben ihre Freude und Wollust mehr an Dingen, welche sie nach der natürlichen Vernunft versteben lernen, als an benen, die Glauben erfordern, nur durch den Glauben begriffen werden und ewig selig machen. Darum sind sie nicht unbillig den unverständigen ungläubigen, Heiden zu, vergleichen. Sie bemühen sich stets, etwas Neues zu er-, benken und reben bei Anderen mit Freuden davon, stellen,

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