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Herrn D. L. vor M. Gn. Hrn. den Hrn. XIII. eingelegte Vers antwortung so nacher Zürich und Bern communicirt worden.

Berlesen den 26. Jul. 1729.
Mohlweiser Siberr Burgermeister !
Bochgeacht 36.

Herforderß habe ich höchstschuldigen Dand abzustatten, daß da
CE. Øn. ab jüngstgehaltener Badischer Tagsaßung insgeheim bem

nachrichtiget worden, als ob ich Sachen auf die Canzel brachte, welche der reinen Lebre unserer Kirche nicht gemäß reyen, und über die ein verdächtig Griechisch Testament zum Druce beförderte , fic darauf nicht nur fein Vorurtheil wider mich abgefasset, sondern mir meine Verantwortung einzugeben erlaubt, ja gar befoblen haben, wels thes ich mit der Hülff OOttes dißmablen dergestalten zu thun verhoffe, daß E. Gn. ab meiner Unschuld eine Freude und Vergnügen schöpfen werden.

Was das Erste anbetrifft, daß ich nemlich Sachen auf die Canga bringe, die dá reiner Lehr unserer Kirchen, (welche mein Batter und Collega profitire) nicht gemäß reyen; so nimmt mich Wunder, wer doch habe dörffen so frebel und unverschämt reyn, den geheimen Råthen, Sochlobi. Vororten eine solche bandgreiffliche unwahrheit zu hinter's bringen, welche ich mit etlic tausend unverwerfflichen Zeugen zu widers legen im Stand bin.

Wann eine solche Aergernuß vorgegangen wäre, so wurde ja nicht tine ganße Gemeind geschlaffen, und eine Jobe Obrigkeit wurde aud ein wachtsames Aug darauf gehabt haben. Es ist aber in denen zwölf Fahren meines Diensts, innect welcher Zeit ich über 800 Predigten in der Pfarrkirch bey Št: Leonhard gebalten, meines Predigens und der Darinnen vorgetragenen Lehre weder vor E. E. Klein und grossen Nath, Roch vor E. E. Bann, noch in E. E. Capitul in Gegenwart oder Abwes fenbeit M. H. Øen. Deputaten, nie mit feinem Wort in Ungutem ges

dacht

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Dadyt worden, wie E. Gn. aus dero Mittel einige Herren in allen dies Ten Collegiis fiken, am beften wissen. Gleichwohl will mich bedingen, wann jemand mit Recht håtte flagen können, er håtte es nicht hinters rucks und an frembden Drten, sondern behöriger massen, bey dem ors dentlichen Richter und vor seiner natürlichen von Gott gereßten sou. verainen Obrigkeit, ber welcher ein jeder, wie es der Burger-End aus weißt, das Recht zu nemen fich verbindet, anbringen solle.

Ich gib mich zwar nicht dafür aus, daß ich predigen fónné, tie es allen Leuten gefáut: Doch tan ich mit der Wahrheit sagen, daß der Orthodoxie halben im Predigen ben St. Leonhard fein Mensch, weder aus der Gemeind (da ich doch in den Hauß: Besuchungen in allsu Famillen von der Religion geredt,) noch von M. Hrn. Collegis aus E. E. Ministerio, noch von den Srn. Professoribus , noch von meinen Ans verwandten, noch fonfi jemand mir das geringfite borgehalten habe. Ich müsste ja nicht nur feinen einßigen Freund, sondern auch teinen cinßigen Feind in der Stadt haben / wann ich diß Drts einen Fchler Begangen, und mir doch in so langer Zeit niemand denfelben berwie Ten båtte.

Ich habe noch niemand gehört, der da borgegeben, ich reye finde uch oder meiner Vernunfft beraubt; mas wäre aber diß für eine Narcs beit und Unfinnigkeit/ wann ich meinem Vatter , der so biet an mich gewendet hat, und dem ich alle Tag im Hauß bin, den Verdruß anthås ie, und ihm vor seinen Düren in öffentlicher Gemeind zu widersprechen mich unterffunde. Eine noch grössere Thorheit wäre es, wann ich eins seits schuldiger und bekannter massen allen meinen Fleiß anwendete mit der Gemeinde in Burgerlicher Vertraulichfeit und guter Verständnuß zu leben, anderseits aber durch allerband auf die Canßel gebrachtes uns nöthiges Edul: Bezánd einen Verdacht und Unwillen wider mich er's wedte, und dadurch diejenige Wohlgewogenheit, um die ich mid ir ftard betvirb, muthwillig von mir abzöge?

So fern ist es, Gnadige Serren, daß wir die Prediger bey St. Leonhard discrepant repen, daß vielmehr faum in einer Semeinó eine genauere uniformität und beffere harmonie zu beobachten seyn wird. Bir find berde durch das Göttliche Loß erwebiet, und zu Collegen wors den, wir hdren einer des andern Predigten mebrenthetis an, wir uns terreden uns über alles, was zum Dienft der Gemeinde gehört,

for derlig über die Besuchung der Kranden, und es tan natürlicher Weiß

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dabon zu reden nicht anderft reyn, weil wir so viel beysammen And, und in so naher Rclation stehen, daß wir die gleichen Redens - Arten und Meynungen, so viel es immer Menschen möglich ist, haben müssen. Am deutlichsten ist unsere Einhelligkeit an Tag gelommen in dem wichs tigen Handel mit

den Separatisten; dann da die Prediger in einer ich den der übrigen Gemeinden unter fich discrepant und ungleicher Mens nung waren, sind wir die einzigen gewesen, die da (ungeacht böswila lige Leut das Gegentheil spargiret hatten) neben denen sämtlichen Hrn. Theologis und den meisten Predigern ein und daffelbige Memorialo unterschrieben haben.

Meine aufrichtige Intention ist jederzeit gewesen, die reine Lehre unserer Kirchen, mit Auslassung, ades deffen, so nicht dazu gehört, der Gemeine vorzutragen und tan ich bey mir selber nicht das geringfte finden, worinnen ich E. Gn. Erkanntnuß vom 23. Septembr. 1723. oder E. E. Ministerio von E. E. Groffen Rath approbirten Memorialien vom 26. Maji und 4. Junii 1722. entgegen gehandelt hätte.

Der zweyte Haupt: Punct trifft das Neue Testament an. Ich hab ein Griechisch Testament mit gewissen Correctionen, welche der Orthodoxic zuwider repen, und gar nach dem Socinianismo schmes den verfertiget. Dieses befremdet mich noch mehr als das Erftere, Gnädige Derren/ es fol kein Mensch in der ganßen Schweiß auftrets ten, der von dem eigentlichen Plan, wornach dieses Neue Teftament formiret rey, und noch weniger von desselben Execution Wissenschafft fu baben, lid mit der Wahrheit berühmen fónne. Wie wil man dann mit einigem Schein und Grund urtheilen, von dem, daß man nicht weiß und nichts gesehen hat? Daß aber fan und muß ich weiters ras gen, ich weiß auch was Orthodox oder Socinianisch ift, und wil gut dafür seyn, daß in dem auszugebenden Neuen Testament nichts im geringften, das wider die Orthodoxie oder für den Socinianismum seyn möchte, werde gefunden werden. Man habé nur Gedult biß zu feiner Zeit, so wird ja an Tag kommen, wer die Wabrheit geredt habe, ich oder diejenigen, welche mich bey löbl. Vororten und durch fie bez €. Gn. in einen bösen Verdacht zu bringen suchen. Ferners ist vors gegeben worden, ich habe diß Neue Teftament dem Decano Theologiæ in die Censur zugestellt

, und als dieser die approbation abgeschla. gen, Fey ich zu dem Decano Philosophico gegangen, der mir auch bei Deutet, es repe nicht sui fori. - Dieser Umstand hangt nicht wohl an dem

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vorbecu

vorhergehenden, dann haben es diese beyden Herren gesehen, so müssen fie es nicht für so gefährlich heterodox und Socinianisch angesehen has ben, sonsten fie es, obliegenden PAidhten gemäßi so gleich selber supprimirt, und mich noch darzu E. Gn. Verzeigt båtten. Allein die Wahrs heit zu sagen, so ist auch dieser Umstand fingirt. Vir Venerandus, Hr. D. Iselin hat in dem ganzen Fahr seines Decanats von meiner Hand nicht einen Buchstaben gesehen, und sein Lebtag von Druckung eines Griechischen Teftaments nie kein Wort aus meinem Munde gehört wovon er selber auf Befragen geugen wird. Der andere Umstand von dem Decano Philosophico zeiget nicht undeutlich an, daß man von dem Plan dieses Neuen Testaments keinen rechten Bericht, sondern nur einige ungegründete Muthmassungen vernommen haben musste.

Endlich ist mir vorgeworffen worden, daß diß Griechische Neue Tes fament durch mich in Holland zum Druck befördert werden solle. Diere Klag scheinet von einem Buchführer bergefommen zu feyn; allein was fan ich darfür., daß die hiesigen Buchdrucker feine Griechische Schrifften haben, und daß der Schweißerischen Gelehrten sich so wenig auf das Griechische und auf die Artem Criticam legen, daß man nidht 10. Exemplar in der ganßen Eydgenoßschafft zu debitiren fich die Rechnung machen kan ?" übrigens hab ich in Holland meine nahen Anverwandten und guten Freundej denen ich auf ihr Begehren, nicht nur, was das Griechische Neue Teftament anbetrifft fondern auch an: ders schon mehemablen überfandt habe" ? I

Wann ich jetzt die eigentliche Beschaffenheit dieses Biblifchen Werds beschreiben foute, so wurde fichs ergeben, daß es nicht nur ein unschuls diges, ehrliches, in der ganßen Chriftenheit erlaubtes, sondern auch ein nußliches und vielen Unwahrheiten / Låfferungen und Streitigkeiten aus dem Grund abzuhelffen dißmahlen schier nothwendiges Werd fepe: allein eine weitläuffige Erzehlung wurde E. Gn. deren Gedanden nicht auf dergleichen Critische Materien, sondern auf wichtige Staats. Sachen gerichtet sind, nur berdeießlich fallen.

Ich bin auch verfichert, wann Löbl. Porort gewusst hatten, daß obige ihnen hinterbrachte odieuse Umstände ganz ungegründet und falid wåren, fie murden weder ihr hobes Ánreben in dieser Sach in. terponireti noch vielmeniger die Suppression des ganßen Werds, welche ich zu procuriren nicht im Stand bin, vorgeschlagen habm.

Setan

Gelanget also schließlichen meine demüthige Bitt an E. Øn. Rieges ruhen mich in ihre hobe Protection, deren id mid bisher nicht unwait's dig gemacht habe, ferners aufzunemmen, und von mir für das füntisige das bessere zu hoffen : auch an Lóbl. Worort zu Steur der Wahrheit und zu meiner nöthigen Ehren-Rettung betreffend den erstern Puncten dasjenige zu überschreiben, was oben gemeldt ist, und É. Gn. relojien am besten wissen į betreffend den zweyten aber mehreren Beridt und habere Erläuterung zu erwarten, was man dann eigentlich von dies fem Neuen Testament wiffe und welches die darinn enthaltene, nacho Dem Socinianismo rohmedtende Stellen reyen, um derentwillen es fupprimirt werden sollte? Doch möchte ich wünschen, daß diese Sach nicht boc irgend ein weltlich oder geistlich Tribunal (als welches einerseits in folchen Fällen und da fich rein Klåger bervor thut, ganz ungeivonnlich, anderseits aber einem der Gott dem HErrn in der Kird e mit Erbauung ferners dienen soll, der auch sonften aus einer ehrlis shen, und um gemeine Eydgenoßschafft, sonderlich um beyde Hochlóbliche Stände Zürich und Bern wohl - meritirten Famille brus Hammt, difrepucirlich ist) gezogen, sondern auf eine Eydgenossische bertrauliche Weise beygelegt wurde. Es find ja unter den Gelehrten ku Zürich und Bern Leute genug, die mich tennen. Lasse man mich durch diese wissen, was man beförchtet, so wil ich mich darüber expliciren, da ich dann nicht zweiffla es werde der Pandel gar bald ridhtig werden. Falls aber ich mich nicht weifen lieffer fo haben E. Gn. alegeit den Gemalt über meine Person, und Löbl. Vorort haben den Gewalt in ihrem Land zu befehlen und zu berbieten, was fie nur wollen, so daß niemand anderst, als nur mir allein, einige Gefahc, Schand und Schaden daraus zuwachsen wurde. Guer Gnaden

Unterthänig Gehorsamer Burger

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Examen So Freytags, den 9ten Septembr. A. 1729. von Venerando Conventu

mit Sra. D. L. vorgenommen worden. Te Frag: Ob eine Religion 16 gut fere zum Heyt. Pon ber Sleid aulo als die andere, dafern man fromm lebt?

der Religionen. å. 3

Antip.

tigfeit .

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