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wieder zu dem, was sie gewesen, da sie vor Tausenden von Jahren in das wachsende Blatt eindrang. Seltsam, nicht wahr? und doch wahr. Denn von der Natur, wie von dein Menschenherzen gilt die alte Rede, daß die Wahrheit wunderbarer ist, als die Dichtung.“

Zur Spaltung der Landeskirche.

(Siehe legte Nummer.)

Die Landesfahne Bafele ist bekanntlich aus einem Stücke schwarzen und einem Stücke weißen Tuches zusammengeseßt, beide von solider Qualität. Diese Farben - Zusammenstellung scheint mir für den Charakter des baslerischen Gemeinwesens in Staat und Kirche äußerst zutreffend zu sein. Das schwarze Tuchstück will offenbar auf jenen ernsten und ehrlichen, konservativen Geist hinweisen, welcher an den einmal errungenen, durch Ueberlieferung, Gewohnheit und Sitte eingewurzelten Anschauungen, Einrichtungen und Zuständen mit achtunggebietender Bietät, aber auch oft mit etwas viel Eigensinn und Ausschließlichkeit festhält. Dieser Geist des Sonservativismus ist in Basel in einer Schärfe ausgeprägt, wie vielleicht in keinem andern schweizerischen Gemeinwesen. Das weiße, gleich große Tuchstück daneben aber deutet wohl darauf hin, daß es auch niemals an einer lebensfrischen, vorwärts treibenden Strömung gefehlt hat, welche jeweilen das baslerische Staatsschiff hinaustrieb auf die Höhe der Zeit und der von ihr gestellten Kulturaufgaben. Daß dabei die beiden Farben gemäß ihres verschiedenen Grundtones oft hart an einander geriethen und wie in der Gegenwart, so auch in der Zukunft an einander gerathen werden, liegt in der Natur der Dinge. Aber das baslerische Gemeinwesen hat sich unter seinem schwarz und weißen Banner in erfreulichster Weise entwickelt, und der Segen von oben hat nie gefehlt. Der Basler und vor Avem der Basler Regierungsrath muß noch geboren werden, welcher auf den Gedanken geräth, die Landesfahne mit einer Scheere entzwei zu schneiden in ein schwarzes und ein weißes, in ein konservatives und ein liberales, in ein positives und ein negatives Basel. Wir können uns auch als Hinterfäßen denken, was ein Basler Batriot von ächtem Schrot und Korn dem Erzeuger eines solchen Blanes antworten würde.

Was aber jeder ehrliche Patriot auf politischem Gebiete verabscheut, das will man jeßt mit der Fahne unserer evangelischen Landeskirche wirklich praktiziren. Von den Thürmen unserer Landeskirche hat bis jeßt auch das ichwarz und weiße Landesbanner geweht und allem Volke verkündet, daß in dieser Kirche neben einem konservativen Geist, welcher an den Formen und in geringerm Maße auch am Gehalt des Glaubens der Väter festhält, auch ein frischer, jugendkräftiger Geist der Reform, der Versöhnung der väterlichen Religion mit der Bildung der Zeit, sich mächtig zeige. Vielleicht werden zwar Einige die Einwendung erheben, es sei bis vor einem Jahrzehnt an dem Banner der reformirten Landesfirche nicht8 Weißes wahrzunehmen gewesen, sondern es habe dasselbe vollständig schwarz gefunkelt. Nun mag es ja wahr sein, daß auf den Ranzeln fast immer nur schwarze Flaggen wehten. Aber es geht die Sage, daß sich viele Theologen für diese Kasteiung ihres Geistes dadurch entschädigten, daß sie privatim, auf ihrem Studierzimmer, das weiße Fahnenstück um jo inniger an's Herz brüdten, natürlich bei geschlossenen Jalousien. Und wer die baslerische Kirchengeschichte etwas genauer verfolgt, der fann sich der Einsicht nicht verschließen, daß es seit den Tagen der Reformation an dem fortschrittlichen Weiß niemals ganz gefehlt hat. Ich brauche nur an Samuel Werenfels, an 3. 3. Wettstein, an Pfarrer Fäsch und an die erste Hälfte unsers Fahrhunderte mit einem DeWette und Hagenbach zu erinnern, ganz abgesehen von dem Basler Volt, das wohl nie durch das Band weg schwarz war, wie seine kirchlichen Vertreter. Dabei ist allerdings auch zuzugeben, daß bisweilen der Wind das Fahnentuch so ineinander wickelte, daß vom weißen Tuche nichts mehr sichtbar war, oder daß der schwarze Theil den weißen so überschattete, daß auch der weiße wenigstens schwärzliche Färbung annahm.

Nun hat es sich seit einem Jahrzehnt begeben, daß das weiße Fahnenstüc vom schwarzen sich nicht mehr wollte überschatten lassen, daß es sich vor allen Umwickelungen frei zu erhalten strebte und in immer blendenderem Weiße strahlte. Besonders wenn das Basler Volt an Tagen der Pfarr- und Synodalwahlen feine Fahne in die Fluthen des Rheines tauchte, leuchtete das Weiße noch entschiedener und kräftiger. Ueber diesen verjüngten und vermehrten Glanz des weißen Fahnentheils wurde nun der schwarze Fahnentheil neidisch und eifersüchtig; er klagte, daß es neben dem weißen Bruder absolut nicht mehr auszuhalten, nicht mehr mit ihm zu leben sei. Ja, er beschuldigte das weiße Fahnenstück, freilich ganz ungerechter Weise, daß es nach der Alleinherrschaft strebe und die ganze Fahne weiß haben wolle. Und er sollte doch wissen, daß nach solcher Thorheit nur ein „Weiser“ streben könnte. Und nun wagt es aus lauter Aerger und Zorn ein Kirchenrath dieser Landeskirche, eine Scheere aus seiner Brusttasche zu ziehen und den Vorschlag zu machen, das eine große schwarz und weiße Banner unserer Landeskirche entzwei zu schneiden und statt desselben zwei kleine Bannerlein, ein ganz weißes und ein ganz schwarzes Bännerlein aufzupflanzen. Der Hüter und Fahnenträger des schwarzen wäre dann ein positiver, der des weißen ein negativer Antistes.

Diese Durchschneidung des Banners unserer Kirche müssen wir verhüten, weil sie gefährlich ist. Sie ist gefährlich für die orthodore Partei, weil sie der Erstarrung, der Verknöcherung, dem geistigen Tode verfällt, sobald sie den lebendigen Zusammenhang mit den Fermenten der religiösen Fortbildung und Fortentwicklung verliert; sie ist gefährlich für die Reformpartei, weil ihr Schädigung und der Verlust der geschichtlichen Continuität droht, wenn sie nicht durch die orthodore Bartei fort und fort gemahnt wird, in ihren Glaubensschat aufzunehmen jedes Atom wahrer Religiösität und echter Herzensfrömmigkeit, welches sich in den alten Glaubensformen findet. Sie ist gefährlich für den religiösen Frieden, weil durch eine solche Zweitheilung der Religionskrieg in unserm sonst so friedlichen Basel in Bermanenz erklärt und fort und fort alle Lebensverhältnisse vergiften oder dann die Wucherblume des kirchlichen Indifferentismuß noch größer züchten würde, als sie schon ist. Sie ist gefährlich für die Existenz der Landeskirche, weil dadurch zweifellos dar Rultusbüdget bedeutend erhöht würde, so daß schließlich das Volk selber dasselbe streichen könnte, überdrüssig des endlosen Streites und der vermehrten Steuern. Damit würden wir aber freikirchlichen Zuständen entgegentreiben, unpassend für unsere schweizerischen demokratischen Gemeinwesen, welche ja für alle großen und guten Volksbedürfnisse Opfer bringen sollen und auch wirklich bringen. Also fou es bei unserm schwarzweißen Kirchenbanner bleiben.

Uebrigens hegen wir die Ueberzeugung, daß die Scheere des betreffenden Herrn Kirchenrathes eine gegenwärtig noch stumpfe, eine ungeschliffene Scheere ist. Sollte sie aber eines Tages dennoch geschliffen und ihre Schneiden an unser Banner gelegt werden, so hegen wir den Glauben, daß das Basler Volt dieses sein theures, schwarz und weißes Kirchenbanner intakt zu erhalten weiß. Der Herr Kirchenrath mag also seine Scheere im Futteral behalten.

War die Bartholomäusnacht vorbereitet? Von der Schule her weiß jedes Kind, daß anno 1572 in der Nacht vom 23. bis 24. August in Baris und Frankreich nach der niedrigsten Schäßung circa 20,000 Brotestanten durch ihre katholischen Mitbürger ermordet worden sind. Auch darüber besteht seit langem kein Zweifel mehr, daß der Bapst in Rom nach Empfang der Freudenbotschaft ein kirchliches Dankfest feiern und zur Erinnerung an die „Niederlage der Protestanten“ eine Denkmünze prägen ließ. Hingegen wurde von katholischer Seite immer bestritten, daß das Verbrechen falten Blutes vorbereitet worden sei und dasselbe vielmehr als ein Akt der Nothwehr dargestellt. Und nun veröffentlicht soeben Professor Combes in Bordeaur bisher unbekannte Aktenstücke aus den spanischen Staatsarchiven, durch welche authentisch klargestellt wird, daß Katharina von Medici mit ihrer Tochter Elisabeth und dem Herzog Alba die Mordnacht sieben Jahre vorher in Bayonne genau verabredet hat. Zum Nachdenken während der Passionszeit !

A. Bei Kaspar Küssi, lith. Sunstanstalt Zürich, sind in Partiebezügen zu haben:

Trauungsblätter in geschmadvollem Farbendruck à 25 Centimes.
Konfirmationsblätter, bisherige Ausgabe, anstatt 15 nur 10 Cts.

Konfirmationsblätter, neue Ausgabe, 20 Centimet; mit Sprüchen (50 neue zur Auswahl) 5 Ct8. mehr.

H 668 Z
Druď und Erpedition: Bereinsbuchbruderet, Spalenvorstadt 3, Basel.

Fünfter Jahrgang.

Ne 13. Samstag, 1. April 1882.

Soweizerides Proteftantenblatt

Herausgeber:
Pfr. 1. Altherr u. Bfr. 6. Jinder in Basel, Pfr. Sion in Zürich.

Wir follen nur nicht in Sinn nehmen, daß der heilige Geist gebunden sei an Jerusalem, Rom, Wittenberg oder Vasel, an deine oder eine andere Person. In Christo allein ist die Fülle der Gnade und Wahrheit.

Decolampad an suther. Erscheint jeden Samstag. Man abonnirt auf jedem Postamt der Schweiz und des Uuslandes. Preis per Vierteljahr franko zugesandt 1 Fr. Wer das Blatt in Basel gratis erhalten will, kann dasselbe in der Vereinsbuchdruderei, Spalen 3, abholen.

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Am vergangenen Sonntag sang die Basler Liedertafel im prächtigen Musiksaal daselbst die Chöre aus Mendelssohn's Dedipus in Kolonos mit dem Tert nach der gleichna inig n Tragödie von Jophofles. Dieser griechische Dichter, der fünfhundert Jahre vor Christus geboren wurde, ist ein Beweis, wie das Licht der christlichen Wahrheit auch in der Heidenwelt in einzelnen Prophetenseelen aufgeleuchtet hat. Der Apostel Paulus sagt bekanntlich, das Kreuz sei den Griechen eine Thorheit, und im Ganzen genommen ist es richtig, daß diesem geistesfrohen Volk des Leidens verklärende Kraft eine verborgene Wahrheit blieb. Aber seine größten Dichter und vor Alem Sophokles trifft das nicht; denn in der Dedipus-Dichtung zeichnet er einen Helden, der durch Geduld in namenlosem Leid den Zorn der Götter fühnt und fchmerzlog zur Verklärung eingehen darf. Das ist ein Wert, das die Seele mit süßem Schauer erfüüt und Mendelssohne Musik macht es uns modernen Menschen erst recht verständlich. Das war wieder eine Stunde der Erbauung im Musiksaal, wie sie eben nur die Kunst zu bieten vermag, vor der ein gewöhnliches Menschenwort, und wär' es auch in der Kirche gesprochen, bescheiden zurücktreten muß. Sophokles hat vor 2300 Jahren den ganzen Weltschmerz eines Schopenhauer und Hartmann in seiner Seele voraußempfunden und überwunden. Jedem vielgeprüften Menschen muß sein Bekenntniß in’s Herz schneiden: „Wer ein längeres Lebenstheil wünscht, nicht achtend ein kürzeres Dasein , thürichten Sinn bewahrt dieser nach meinem Ermessen wahrlich. Denn viel herbe Bekümmerniß führt langdauerndes Alter dir herbei, doch das Erfreuende wohl gewahrest du nirgendwo, wenn Einer längeres Leben sich allzusehr wünscht, ohne Gnügen, bis sich am Ziele, Tod vom Hades, ohn' Brautgesänge, ohne Lauten, ohne Reigen, Allen gemeinsam einstellt. Nie geboren zu sein, ist der Wünsche größter ; und wenn du lebst, ist das Andere, schnell dahin wieder zu gehen, woher du famest.“ Aber der Schmerz löst sich auf. Ueber dem Grabe des Vaters tröstet sich die Tochter Antigone : ,,Ewig ja bleiben ich und die Schwester dir mit unsrer Liebe nahe.“ Und noch schöner tröstet der Chor sie: Hemmt, Kinder, den Gram! Nicht Trauer geziemt, wo freudig zum Tod, in der Schatten Gebiet, ein Freund stieg: Sünde ja wär' es!“ Und doch wird man uns Christen begreifen, wenn wir von der evangelischen Passionsgeschichte sagen: Hier ist mehr als Sophokles ! Denn Dedipus ist eine Phantasiegestalt und Jesus hat wirklich gelebt, hat nicht eigene, unfreiwillige Verschuldung, sondern der Welt Sünde getragen und überwunden. Hier auch ist die Wahrheit wunderbarer noch, als die Dichtung.

Du bist der Mann !

Möchten wir nur die Menschen recht anschauen, die der Griffel der Evangelisten als Haupt- und Nebenpersonen um das Streuz Jesu gestellt hat, denn Volf und Briester und Bilatus und Kriegsknechte und Fünger sind mit wunderbarer Treue ausgeführte Zeichnungen der sich gleich bleibenden,

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