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Glauben behandeln, die nicht bedenken, was sie thun; wir wollen trauern,
daß in unserer Zeit es Jünger Jesu gibt, die noch so blutwenig ihren
Herrn verstanden haben, und beten darum mit Zinzendorf:
Der du noch in der leßten Nacht

Erinn're deine kleine Schaar,
Eh du für uns erblaßt,

Die sich so gern entzweit,
Den Deinen von der Liebe Macht Daß dcine leßte Sorge war
In’s Herz geredet hast,

Der Glieder Einigkeit!

X.

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Wie man die soziale Frage föst.

Eine fleißige Leserin unseres Blattes hört und liest nicht gern von der sozialen Frage, weil sie glaubt, die Lösung derselben könne nur aus einer Besserung der Menschen und einer Wiedergeburt des Familienlebens herkommen. Sie entwirft uns deßhalb folgendes Bild eines befreundeten Hauses, welches sie als vielgeliebter Gast desselben seit Jahrzehnten ganz genau kennt: „Als das junge Ehepaar von der Hochzeitsreise zurückkehrte, blieben ihm noch einige wenige Franken zum Anfangen des Haushalts ; auf ihren Tisch kam kein Wein, ein einziger Ofen in ihrem Häuschen wurde geheizt und die nicht benußten Zimmer vermiethet. Aber der Mann verstand sein Geschäft, war der Erste und legte in demselben und die freie Zeit widmete er der geistigen Ausbildung durch gute Bücher und Musik in Gemeinschaft seines lieben Weibes. Als sich ihr Einkommen erst langsam und dann rasch verbessert hatte, beharrten sie bei den einfachen Bedürfnissen ihrer schmalen Zeiten, dafür betheiligte sich der Mann mit Geld und Kraft an vielen gemeinnüßigen Werken, und die Frau half sich über den Schmerz, selbst keine Kinder zu haben, dadurch hinweg, daß sie nicht bloß unter dem Weihnachtsbaum, sondern das ganze Jahr durch eine wahre Mutter der Armen in ihrer engern Umgebung zuerst und dann in immer weitern Kreisen wurde. Und schönere Abende konnte es nicht geben, als die in ihrem Hause bei Lektüre und Spiel aus gottbegnadeten Schriftstellern und Componisten.

Gottes Segen ruhte sichtbar auf den guten einfachen Menschen. Das Geschäft des Mannes erweiterte sich immer mehr, seine Angestellten wuchsen zu einem ganzen Heer und der Gewinn floß ihm in Strömen zu. Doch weder ihn noch sein Weib verlockte das seltene Glück, vom schmalen Weg der einfachen Sitten und strammen Lebensführung abzuweichen. Sie ließen nur die Veränderung eintreten, daß der Mann weitgreifender für freisinnighumane Bestrebungen wirkte und die Frau in ihrem Reich der Menschenliebe reicher, königlicher schenkte. Beide hielten nach wie vor die strengste Hausordnung mit Arbeiten, Essen, Erholung und Schlafen; ihren Ueberfluß verriethen sie nur an den herrlichen Abenden, wenn bedeutende Männer und Frauen bei ihnen einkehrten, an literarischen und musikalischen Gemüssen sich von der Welt Elend und Sorgen zu erholen.

Zur Stunde ist das Haus weit im Umkreis das Glänzendste. An ihrer Villa hat die moderne Baukunst ein Meisterstück geliefert; an Schäßen der Literatur und Musik wird es im Lande kaum seines Gleichen haben; der Garten und die ganze Umgebung zeugen laut davon, was menschlicher Kunstsinn vermag. Aber wie nichts wäre doch all das ohne die zwei guten Menschen, die, wie das gesunde Herz iu einem prächtigen Leib, darin wohnen und es erst jeßt recht für ihre Menschenpflicht halten, recht Viele ihr Wohlwollen und ihre Liebe fühlen zu lassen. Noch immer leben sie für sich selbst einfach und zeigen sich nur dann reich, wenn es irgend ein rechtschaffenes Werk gilt. Es ist kaum ein solches seit Jahren in der Stadt zu Stande gekommen, an welchem der Mann nicht hervorragenden Antheil genommen, und die Frau wirft ihre Wohlthaten nicht etwa durch die Fenster den Bittenden zu, sondern wie eine heilige Elisabeth sucht sie die Armen in ihren Hütten und die Kranken in den Spitälern selber auf. Beide sind in der Woche noch immer an der Arbeit und wenn sie an einem Sonntag nicht Arm in Arm zur Kirche gehen, so liest der Mann seiner Inniggeliebten auf der Veranda oder im Gartenhause eine gute Predigt, am liebsten von dem sel. Lang, vor, und die Vögel ringsum singen ihren Morgenpsalm dazu.

Doch, was ich sagen wollte, und was mir die Hauptsache, das ist, wie die Angestellten und Dienstboten in diesem Hause gehalten werden. Es ist wahr, sie haben einen strengen und erakten Herrn; er ist selbst wie die Uhr und leidet keinen Schlendrian, bis in den legten Winkel seines großen Etablissements, und wer sich darein nicht fügen kann, für den ist des Bleibens nicht. Aber wer seine Pflicht thut, der hat dann an diesem Herrn auch einen Freund; es gibt fast ein ganzes Arbeiterdorf, wo jeder sein Häuschen mit Gärtchen auf Vorschüsse erhalten und allmälig abverdient hat, es fehlt in diesem Dorf, das seine Bibliothek, seine Badanstalt, seine Kleinkinderschulen, seine Sparkassen hat, nichts, was zu einem gesunden Leben gehört. Es gibt im Arbeitspersonal sehr wenig Wechsel, an die Stelle der sterbenden Eltern treten Kinder und zwischen Allen herrscht etwas wie Familiengefühl, daß sie zusammengehören. Die Dienerschaft, Gärtner, Kutscher und Mägde wohnen auf dem gleichen Boden mit der Herrschaft. Nach des Tages Arbeit wird für ihre Ausbildung und Erholung gesorgt. Sie haben ihr Unterhaltungszimmer mit hübsdyer Beleuchtung bei einem Krug Most und die besten Bücher ernsten und heitern Inhalts. Wird in Vorträgen, Concert und Theater etwas Gutes geboten, so erhalten sie abwechselnd ihr Eintrittsbillet zugestellt und der Herr oder die Frau des Hauses setzen sich unter sie und unterhalten sich mit ihnen über das Gehörte. Sind Gäste im Haus, denen die Frau Beethoven's Werke meisterhaft interpretirt, so ist es für diese Dienerschaar nicht nur eine vermehrte Arbeit, sondern ein paar Flaschen Wein wecken die Feststimmung audy in ihrem Kreise. Und kommt etwa einmal ein strammer Kutscher mit einer handfesten Köchin in ein ehrbares Herzensverhältniß, so wird ihnen geholfen, es zur soliden Ehe zu gestalten und am Hochzeitstag sind Herr und Frau ihre fröhlichsten Gäste. So werden diese zwei Menschen zu einem wahren Segen für ihre Umgebung und wenn sie mehr Nachahmer fänden, so würde das Wirthshaus weniger Unglück anrichten und von der schweren Noth der sozialen Frage müßte nicht so viel geschrieben werden.“

S.

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Gegen das Wetten und Spielen um Geld.

Mein lieber Junge! Eine Sache, deren du erwähnt hast, hat mich sehr erschreckt. Du sagst, du hättest eine Wette für das Pferderennen gemacht und zwar so, daß du nicht verlieren könntest. Das ist aber schlecht, schlecht, gar nichts anderes wie schlecht. Unter allen Angewohnheiten ist Spielen die eine, welche ich am meisten Hasse und vermieden habe. Unter allen Gewohnheiten jetzt es sich gerade bei energischen Naturen am allerfestesten. Der Verlust so gut wie der Gewinn vermehren die Sucht. Es gibt gar nichts, was so durch und durch ein Vergnügen der Wilden ist, so beliebt es gerade bei civilisirten Menschen sein mag. Die Geschichte lehrt, daß es seit Menschengedenken dies aufregende Vergnügen gewesen ist, welches die verthiertesten Bestien in Menschengestalt zum Ersaß kriegerischer Aufregung für Friedenszeiten erdachten. Sittlich betrachtet ist es unchrist= lich und unritterlich.

Erstens gewinnt man auf die niedrigste, ungerechteste Weise Geld dabei, denn man nimmt ja geradezu dem Nädysten das Seine aus der Tasche, ohne ihm etwas dafür zu geben. Zweitens bist du versucht, was du von höherer Kenntniß oder Einsicht sei es in Betreff eines Pferdes oder irgend eines anderen Dinges besitzest, zum Schaden des Andern anzuwenden. Denn es steht doch so, daß du verpflichtet bist, deinem Nächsten zu rathen, wenn du etwas besser weißt, als er. Nun aber verbirgst du dein besseres Wissen, um von seiner Unwissenheit Gewinn zu ziehen. Daraus entspringen alle möglichen Arten von Heimlichkeiten, Ränken und Betrügereien. Jch behaupte, der Teufel ist der Anstifter dieser ganzen Sache. Hoffentlich hast du nicht gewonnen. Ich möchte wünschen, daß du verlörest. Wäre ersteres der Fall, so würde ich dir nicht gratuliren. Wenn du mir eine Freude machen willst, so gib dem rechtmäßigen Eigenthümer sein Geld zurück. Wenn dein Verlust dadurch bedeutend ist, so will ich ihn dir gerne diesmal ersetzen. Da du einmal gesetzt hast, könntest du in Ehre dich nicht gut vor der Entscheidung Herausziehen. Jetzt kannst du das Geld zurückgeben und beifügen: du hörtest, daß dein Vater solche Dinge sehr mißbilligte. Das wird dir nur die Achtung deiner Kameraden eintragen.

Vergiß nie, daß die ursprüngliche Reflexion schon verächtlich ist: „Mein Freund würde mich jederzeit in Verluste bringen, wenn er könnte; darum habe ich das Recht ihm jederzeit abzugewinnen, was ich kann!“ Das ist Unsinn. Dann könnte mann auch sagen, ich hätte ein Recht, Einen zu verstümmeln und zu tödten, wenn ich ihm nur das gleiche Recht mir gegenüber einräumte.

Hiermit habe ich ein für alle Mal dir in dieser Angelegenheit meine Ansicht gesagt, welche ich über zwanzig Jahre schon festgehalten habe, und ich hoffe zu Gott, du werdest meine Ermahnung im spätern Leben nicht vergessen. Ich habe manchen braven Kerl in's Verderben rennen sehen, der ein Bischen Geld im Spiel oder beim Wetten gewinnen wollte, weil das Seine gerade knapp geworden. Thut Einer das, dann Gnade der Herr seiner unschuldigen Seele, denn unsduldig ist sie die längste Zeit gewesen.

Du mußt nicht meinen, ich wäre irgendwie erzürnt über dich. Wetten ist der Welt Lauf. Aber das sind auch sämmtliche sieben Todsünden unter hübschen Namen und nach bestimmten Regeln und führen doch in die Arme des Teufels, wenn man sich ihnen hingibt, trotz der weisen Welt und des ganzen Weltlaufes. Dein liebender Vater Ch. Ringsley.“

Eine theologische Gründung. Herr Dr. Otto Zödler in Greifswald gibt init einer Anzahl der orthodoresten deutschen Theologen ein „Handbuch der theologischen Wissensdaften“ heraus. Nach dem, was bis jetzt davon vorliegt, kennzeichnet sich das Werk als ein großer Betrug, durch welchen mit einem reichen Aparat von Gelehrsamkeit der Schein erweckt werden will, als ob die ganze wissenschaftliche Arbeit der letzten hundert

Jahre den orthodoren Glauben bestätigt habe. Für diese Gründung wird zu recht zahlreichem Abonnement eingeladen und es ist genau so, wie wenn Jemand Aktien ausgäbe, um aus sauren Gurken Sonnenlicht zu bereiten.

Deutscher Hülføverein in Basel. Es ist im höchsten Grad verdankenswerth, daß die in Basel niedergelassenen Deutschen die Anhänglichkeit an ihr Vaterland nicht etwa nur am Gedurtstag des Kaisers bekunden durch Festlichkeiten, sondern sich auch ihrer bedürftigen Landsleute annehmen. Zwar hier fest niedergelassene arme Deutsche werden natürlich ganz gleich unterstüßt wie die Schweizer, und die freiwillige Armenpflege weist derselben einen hohen Prozentsaß, besonders aus Württemberg, und Baden auf. Aber der zahllosen durchreisenden Deutschen, besonders der Erkrankten, nimmt sich der deutsche Hülføverein an, und auch bei besonderer Familiennoth hier Niedergelassener greift er wacker ein. Er hat im Jahr 1881 an Beiträgen und Geschenken 6780 Fr. eingenommen und an seine Armen 5647 Fr. verausgabt. Die Mitgliederzahl betrug 379 und erscheint in erfreulichem Wachsthum.

Marthastift. Der 24. Jahresbericht dieser Anstalt, welche stellenlosen Mägden nnd älteren Frauenspersonen als Logirhaus dient, beherbergte im Jahr 1881 vorübergehend 804 Personen, 517 vom Ausland (!) und nur 287 aus der Schweiz. Aus dem Badischen allein kamen 275, aus Württemberg 192. An Geschenken und Legaten erhielt die Anstalt 6005 Fr. Die Haushaltungskosten betrugen Fr. 10,657 und die Herbergsgäste bezahlten im Ganzen Fr. 8165. 45. Die Anstalt entspricht ohne Zweifel einem großen Bedürfniß und mag Vielen zur Bewahrung vor dem Bösen dienen.

Einladung zur Ainderlehre. Der Kirchenrath der reformirten Landeskirche hat eine gedructe Einladung an die Eltern erlassen, ihre Kinder bis spätestens Ende April bei einem Geistlichen anzumelden.

In der Münstergemeinde bei einem der Herren Wirth, E&lin, Preiswerk, Sartorius, Zimmermann, von denen jeder Knaben und Mädchen annimmt.

In der Petersgemeinde bei Hrn. Linder oder Hrn. Böhringer, für Knaben und Mädchen.

In der Leonhardsgemeinde bei Hrn. Altherr nur für Mädchen, bei Hrn. Roth für Knaben und Mädchen, bei Hrn. Brändli nur für Knaben.

In der Theodorsgemeinde bei Hrn. Schaffner nur für Mädchen, bei Hrn. Linder für Knaben und Mädchen, bei Hrn. Barth nur für Knaben.

Der Kirchenrath nimmt an, daß die Eltern sich in der Regel an einen Geistlichen derjenigen Kirchgemeinde halten, in welcher sie wohnen.

Kirchenzeddel Sonntag den 23. April 1882. Einem oft gehörten Wunsch entsprechend notiren wir fünftig am Schluß jeder Nummer die Gottesdienste in den vier Hauptkirchen Basels.

Münter St. Peter St. Leonhard St. Theodor Morgenpredigt 9 Uhr | Stocmeyer Böhringer Roth

Arnold Kinderlehre 11

Edlin

A. Linder Brändli Abendpredigt

Wirth Miville Altherr E. Linder Anzeige. Von heute ab wird das Schweizerische Protestantenblatt" bei

Hrn. J. Frehner, Steinenvorstadt 12, dem frühern Verwalter der Vereinsbuchdruckerei gedruckt und verlegt. An diese Adresse sind daher von heute an alle Wünsche und Reklamationen betreffend Zusendung des Blattes zu richten.

Druď und Erpedition von J. Frehner, Steinenvorstadt 12, Basel.

Barth

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