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bracht. Von diesem Ereigniß an datirt in der Geschichte des französischen Volkes eine neue Epoche. Der weltliche Unterricht, wornach die Religion als Schulfach ausgeschlossen ist und die Kirche ihre Unterweisung nur noch denjenigen geben kann, welche sie begehren und sich dieselbe gefallen lassen, ist zwar Vielen ein Stein des Anstoßes. Aber wir möchten denn doch davor warnen, darüber gar zu jämmerlich zu klagen, denn wer kein Neuling ist, dürfte wissen, daß die römische Rirche sich nicht reformiren läßt. Also muß man sie entweder in der Schule dulden so wie sie ist, oder sie vor der Thür draußen lassen. Und wem noch nicht entschieden wäre, welches besser sei, den bitten wir folgende Säße zu lesen, welche der katholische Katechismus von Besançon enthält (und der fatholische Katechismus ist derselbe durch die ganze Welt):

Frage: Gibt es eine andere Religion als die katholische, in welcher man sein Heil wirken kann?

Antwort: Nein, außer der katholischen Religion ist kein Heil.
Frage: Kann man außer der katholischen Religion Rettung finden?

Antwort: Nein, und alle, welche außer dem Schooß derselben sterben, sind verdammt.

Wahrhaftig, eine solche Religion hat kein Existenzrecht in einer modernen Staatsschule. Bliebe also nur noch das Mittel übrig, eine obligatorische Staatsschulreligion aufzustellen. Heil denen, die jeßt ihre Hand davon lassen. Die Zeit wird lehren, ob es später möglich wird. A.

Soziales. Die allgemeine Krankenpflege in Basel gibt ihren 18. Jahresbericht heraus. Der verstorbene Dr. Dan. Ecklin wird darin ehrenvoll genannt als ein Mann von „reiner, alle Hülfsbedürftigen umfassenden Liebe, der nach jahrelangem Suchen und Ringen diese Gesellschaft in's Leben gerufen.“ Die Zahl der Versicherten betrug pro 1881 nicht weniger als 11371 Mitglieder. Die Meisten bezahlten per Monat 1 Fr. und die gesammten Jahresbeiträge der Mitglieder betragen 107,909 Fr. An Geschenken erhielt die Gesellschaft 15,489 Fr. Den Herren Aerzten bezahlte sie 36,524 und den Apothefern 40,103 Fr., dein Spital 36,504 Fr. Die Verwaltungskosten betragen, musterhaft bescheiden, 4068 Fr. Das ist eine imponirende Anstalt und der lautefte, berebteste Beweis für das Bedürfniß einer allgemeinen und staatlichen Versicherung. Wenn das dafür ausgearbeitete Projekt der Hauptsache nach in's Leben tritt, so dürfen die Männer der allgemeinen Krankenpflege fich sagen, daß sie eines der Humansten Werke schaffen geholfen.

A.

Kirchenzeddel Sonntag den 14. Mai 1882.
Münfter St. Peter

$t. Leonhard St. Theodor Morgenpredigt 9 Uhr Stocmeyer Böhringer Roth E. Stähelin Kinderlehre 11 Preiswerk A. Linder Brändli Barth Abendpredigt 3 Wirth

Miville Mössinger E. Linder

Druď und Erpedition von 3. Frebner, Steinenvorstadt 12, Basel.

Fünfter Jahrgang.

N: 20.

Samstag, 20. Mai 1882.

Sdweizerisches Proteflantenblatt

Herausgeber:
Pfr. A. Altherr und E. Linder in Basel, Pfr. Bion in Zürich.

Wir sollen nur nicht in Sinn nehmen, daß der heilige Geist gebunden jei an Jerusalem, Rom, Wittenberg oder Basel, an deine oder eine andere Person. Jn Christo allein ist die Fülle der Gnade und Wahrheit. .

Decolampad an Suther.

Erscheint jeden Samstag. Man abonnirt auf jedem Postamt der Schweiz und des Auslandes. Preis halbjährlich franko zugesandt 2 Fr. Wer das Blatt in Basel gratis erhalten will, kann dasselbe in der Buchdruderei J. Frebner, Steinenvorst. 12, abholen.

Bergfahrt – Himmelfahrt.

Welch ein Abend! Kein Wölflein trübt den klaren Maienhimmel und zu den Schneefeldern an der weit im Kreis herumlagernden Bergwelt steigen schon des Abends Schatten empor. Dort unten die Stadt und der See, und wie weiße Seidenbänder laufen die Flüsse durch die grünen Ebenen hin. Der glühende Sonnenball streift schon den westlichen Horizont, noch eine, zwei Minuten, und das Auge sieht ihn nicht mehr. Welche Stille ! Welcher Frieden! Frieden? Nein, so klopft das Herz nicht, wenn es Frieden hat. Durch dieses Herz wogt eine Welt der Gefühle hin und her zwischen Luft und Schmerz, die auszusprechen die menschliche Sprache zu arm ist. O ihr gottbegnadeten Menschen, wie beneid ich euch um die Gabe zu sagen, was ich nur fühlen kann in stummer Vergewaltigung. Komm, du geistgesalbter Mann, und löse der stürmischen Welt meiner Gefühle die Zunge:

„Ihr Berge der Erde, Altäre des. Höchsten, dampfend am Morgen von des Nebels silbernem Opferraud), glimmend am Abend von des Spätroths purpurner Aschengluth: seid mir fröhlich gegrüßt und dankbar gesegnet jegt und immer !

Wie oft, wie oft am schwülen Tag aus des Thales Dampf, aus des Marktes Gewühl schwang sehnend im Flug mein Blick fich empor zu euren sonnigen Gipfeln! Wie oft, wie oft am stilleren Abend nach des Tages Last und Hiße geflügelten Schrittes noch eilt ich hinauf euren luftigen Warten zu, die Stirne zu fühlen im reineren Aether, die Brust zu baden im Abendrothe, die Seele zu tauchen in's Himmelslicht!

Heilige Stille wohnet auf Bergen; fernab verklingt des Thales Lärm; des Erdenjubels wilder Sdrei und der Kreischende Jammer der Welt — beides klingt nur gedämpft herauf: was aber des Wanderers Ohr vernimmt, das ist ein frommer Glockenton oder der Winde leiser Geistersang und wehender Tannen melodisches Rauschen.

Heilige Stille, wie hab ich dich oft gesucht, Friede des Himmels, wie oft dich gefunden auf einsamen Pfaden der Berge! Da legte sich der Leidenschaften Flut, da stillte sich der Sorgen trübes Meer, da fand ich wieder, was ich drunten verloren, meinen Gott und mid), und wenn der goldne Vollmond friedlich emporglänzt am schwarzen Tannenwald, dann stieg ich hernieder zur dunklen Hütte, frömmer als ich hinaufgegangen, still in der Seele, versöhnt mit Gott!

Himmlische Lüfte wehen auf Bergen; der Sümpfe Dunst und der Städte Qualm, brütend liegt er über dem Thal; aber da droben im krystallenen Aether wird weiter die Brust und heller der Blick! Durstig trink ich der reineren Lüfte stärkenden Balsam, und der Erdenklos des müden Leibes spürt frisch des Schöpfers belebenden Hauch.

Herrliche Weiten thun von Bergen sich auf dem staunenden Blick: rubig überschau idh des Thals verschlungene Pfade, winzig erscheint, was drunten so groß, Garten und Feld, Haus und Hof, und der Menschlein wimmelndes Ameisengeschlecht; in blaue Fernen, wie auf breiten Flügeln der Kranich schwebt, schwingt sich entfesselt der sehnende Blick, und schwindelnd verliert sich in des Himmels azurnen Tiefen dem Adler nady, der zur Sonne fleugt, Sinn und Gedanke.

Würzige Kräuter wachsen auf Bergen, und Bäume, die Menschenhand nicht pflanzt noch pflegt, vom Thau des Himmels nur getränkt, gewärmt von Gottes Sonne nair und großgewiegt von seinem Sturm. Da glüht aus grauem Gestein der Felfennelke purpurner Stern, da duftet im goldbraunen Moos des Haidekrautes lieblich Gewürz, da schlägt in die Felsenspalte tief die knorrige Eidie das Wurzelgeflecht, und sdplank und hoch wiegst du im himmlischen Blau, o Ceder des Nordens, edle Tanne, dein dunkles Haupt !

Oft auch auf Bergen sproßte mir im Geist ein edleres Gefühl und ein Entschluß, der nicht von der Erde, und reich und froh trug ich heim in der Hand den duftenden Blumenstrauß, aber im Busen den föstlichen Fund himmfischer Gedanken.

Seid froh mir gegrüßt und dankbar gesegnet jeßt und immer, ihr Berge der Erde! --- Aber höher empor, o Pilgrim, höher schwinge den fehnenden Blick, höher wage ben pilgernden Schritt:

Rennst du fie, die heiligen Berge, die Berge Gottes, von dannen Hilfe kommt in's irdische Jammerthal ? Rennst du fie, die leuchtenden Zinnen der Erde, die nachbarlich oft himmlische Gäste betraten, denen der Ewige selber, wandelnd unter den Menschen, heilige Fußstapfen eingedrückt ? Rennst du sie, der Weltgeschichte riesige Marksteine, daran sich scheiden die Grenzen der Zeiten, die Berge der Erlösung: Sinai und Golgatha, Horeb und Tabor und der andern Höhen heilige Kette, die herniederlenchtet in die Nacht der Welt, fortglühend im Nachglanz heiliger Vorzeit, wie spät noch durch graue Dämmerstunden in rosigem Feuer die Alpen glühn?

Dorthin, mein Pilger, die jehnenden Blicke, dorthin aus dem Thale die wallenden Schritte ; dort umsäuselt dich heilige Stille, dort umwehen dich himm=

lische Lüfte, bort eröffnen sich Ewigkeitsweiten, und die Cedern Gottes duften dort, der ewigen Wahrheit immergrüne Gedanken.

Dorthin laß uns zusammenwallen im Geist, und wie Moses am Horeb, zeuds aus die Schuhe, denn der Ort, da du stehest, ist heiliges Land, und wie Elias betend verhülle dein Antlit, denn der Herr wandelt vorüber im Abendhauch.

Ja, dich fühl ich im Abendhauch, dich, du Schöpfer des Weltaus, dich, du Seele alles Seienden, du Quelle und Ziel alles Lebens. Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest? Womit hab ich’s verdient, ich, weniger als ein Stäublein im Weltall, daß du mir deinen Geist gabst, dich zu erkennen und ein Herz, dich zu fühlen und den Mund, dich meinen Vater zu nennen? Was bin ich doch, was that ich nur, daß du mich zogst an deine Brust, da Tausende im Erdenjoch dahingehn dumpf und unbewußt ? Ewige Liebe, unerschöpfter Gnade Born, welche Anbetung wäre deiner würdig genug ? Worte erreichen sich nicht, Opfer versöhnen dich nicht, gute Werke und Tugenden sind auch nur ein armselig Stüdwerk vor dir. Meine einzige Anbetung sei, dich zu schauen in deiner Herrlichkeit, dich zu fühlen in jedem Werke deiner Hand, dich zu lieben im Menschengeschlecht, den Feind zu segnen wie du midy segnest, und den Freund meines Lebens glücklich zu machen und ihm meine Seele zu schenken, wie du mir den Himmel und die Seligkeit jeßt gibst.

A.

Die Versammlung des kirchlich-liberalen Vereins

in Zürich.

(Fortsepuug und Schluß.) Nach dem Eröffnungswort trug Herr Pfarrer Bösch in Rickenbach ein Neferat über die Heilung der „moralisch Kranken“ vor. Dasselbe, von einem warmen Haud christlicher Humanität durchwelt und in schöner, gewählter Sprache verfaßt, bekämpft zunächst jene bekannte Lehre, welche die moralische Verfehrtheit des Menschen als die Folge eines unheilvollen Verhängnisses auffaßt, und weist nad), wie damit nicht nur die sittliche Verantwortlichkeit, sondern auch die Möglichkeit der Besserung und der Heilung sittlicher Schäden dahinfalle. Seann der Mensch nicht anders handeln, als er handelt, jo nützt auch alle moralische Einwirkung auf ihn nichts. Dieser trostlosen Philosophie gegenüber entwickelt Hr. Böjd den Standpunkt des Christenthums, welches uns die Hoffnung eröffnet, einen Jrrenden und Fehlenden auf den rechten Pfad zurückzuführen, und zeigt an der Hand innerer und äußerer Lebenserfahrungen, wie jede Schuld fich rädyt und jede gute That Segen bringt. Diese Empfindung des Fluchs der bösen und des Segens der guten That ist ein Beweis, daß der Mensdy zu seinem sittlichen Zustande mitwirke, indem er sonst diese bald schmerzliche, bald frohe Empfindung nicht haben könnte und müßte. Die sittliche Verantwortlichkeit der Menschen, welche die Fähigkeit der Besserung und der Empfänglichkeit für moralische Einwirkung in sich schließt, wird nicht nur durch das Evangelium, sondern auch durch die Kunst und Literatur betont, was der Referent in zahlreichen Citaten und Beispielen nachweist. Am Schlusse hebt Herr Bösch namentlich den großen, moralischen Einfluß, welchen das Haus durch Lehre und Vorbild auszuüben befähigt und berufen ist, und denjenigen der Schule, soferne sie nicht vom Geiste giftiger Verneinung durchdrungen sei, hervor. Groß ist die Versuchung der Welt und die Macht der Noth, aber noch größer die Kraft des Guten und der erbarmenden, rettenden Liebe. – Da sich keine Diskussion über das Referat, wohl in Folge allgemeiner Zustimmung, entspinnt, bringt Herr Pfarrer' Kambli ausführliche Mittheilungen über den gegenwärtigen Stand der Krankenpflegerinnen-Bildungssache. Es steht, so sagt er, mit derselben gut.

In kurzer Zeit sind über 110,000 Fr. an freiwilligen Beiträgen eingegangen und noch ist die Sammlung im Kanton Zürich bei Weitem nicht geschlossen und sind aus den übrigen Theilen der Ostschweiz erhebliche Beisteuern in sicherer Aussicht. Höchst erfreulich ist es, wie immer mehr legate der neuen Anstalt zufallen. Wenn es nun alerdings noch ganz bedeutende Summen bedarf, um dieselbe auf eine sichere ökonomische Grundlage zu stellen und ihr die im Plane liegende Ausdehnung zu geben, so können wir doch schon in den nächsten Monaten bescheiden anfangen. Die übrigen biezu nöthigen Vorbereitungen sind größtentheils getroffen. In Frl. Möller aus Frankfurt wurde eine erfahrene, tüchtige Leiterin der Anstalt gewonnen. Zur Aufnahme in dieselbe haben sich zwischen 20 und 30 Jungfrauen und Frauen (auch aus den jog. höhern Ständen) gemeldet, von denen Manche tüchtige und aufopferungsfähige Krankenpflegerinnen zu werden versprechen. Es ist auch alle Hoffnung vorhanden, daß in Bälde eine passende Lokalität, wenn auch zunächst nur miethweise, erworben werden kann. Mit einem von Herzen kommenden und darum auch zum Herzen dringenden Aufruf zu fortgesegter eifriger Thätigkeit für das angefangene gute Werk schloß Pfr. Rambli seine Berichterstattung. Das Wort ergriff hierauf ein vom Präsidium speziell willkommen geheißener lieber Gast

, Herr Pastor Kradolfer aus Bremen. Derselbe machte sehr interessante und ermunternde Mittheilungen über die in Bremen schon seit Jahren bestehende und sich in höchst erfreulicher Weise entwickelnde Bildungsanstalt für Krankenpflegerinnen, deren hauptsächlichster Gründer und Förderer Herr Kradolfer ist. Vor 6 Jahren wurde dieselbe mit einer Oberin, einer Schwester und einigen Kranken in einem bescheidenen Hause eröffnet und jeßt zählt die Anstalt schon 24 Schwestern und besigt 3 stattliche Gebäude: eine Wohnung für die Schwestern und die Verwaltung, ein Haus mit großen Krankensälen und ein „Schwesternhaus“ für die ältern Krankenpflegerinnen nebst Privatstation für Kranke. Jedermann freut sich der Anstalt und ihrer gesegneten Wirksamkeit. Ein der Sache sonst gar nicht gewogener Mann streng positiver Richtung nannte letzthin in einem öffentlichen Berichte dieselbe , das Schooßkind des liberalen Bürgerthums von Bremen“. Alle in ihr ausge

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