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Man vernimmt in derselben Töne von einer Reinheit, einer Wahrheit, eines so geheimnisvollen und mächtigen Zaubers, daß man sich unwillkürlich zu glauben veranlaßt sieht, daß sie aus einer höhern Welt denn die Erde stammen. Die religiöse Begeisterung steht in ihren größten Stunden hinter keiner andern an Kühnheit und Fruchtbarkeit zurück. Die Moral hat von der Religion leiden fönnen, aber sie hat von ihr noch viel mehr profitirt und noch heute ist sie ihre einzige ernsthafte Stütze im Bewußtsein der unermeßlichen Mehrheit. Die Kunst hat ihr lange ihre schönsten Werke verdankt und es ist nicht zu viel gesagt mit der Behauptung, daß ohne sie die Philosophie niemals geboren worden wäre.

(Nach dem Französischen von Reville.)

Aus Bern.

Die Berner Reformer sind praktische Leute. Sie fühlen fein Bedürfniß, erst noch über ihre „Stellung zu Christus“ lange zu theoretisiren und den orthodoren Gegnern zum hundertsten inale und doch vergebens 31 beweisen, daß sie auch Christen seien; sie stecken sich praktische und erreichbare Ziele.

Es geht im Kanton Bern der Zeit entgegen, wo die Synodalwahlen getroffen werden sollen. Daraufhin hat der dortige Reformverein an Mitglieder und Gesinnungsgenossen ein Circular erlassen, in welchem ein für die nächste Amtsperiode in Aussicht zu nehmendes Programm enthalten ist, das allgemein Beachtung verdient. Auf Wahlen hin ein Programm aufstellen, offen sagen, was man will, und danach sich seine Leute auswählen,

das ist nicht nur erlaubt, sondern Pflicht, und hat jedenfalls die beste Wirkung, vorausgeseßt, daß die Programmpunkte auch wirklich im Gebiet der Möglichkeit liegen und dann an die Hand genommen werden.

Unter diesen Programmpunkten sind zwei nennenswerth : einmal, daß die Landeskirche eine entschiedene Stellung einnehmen soll gegenüber dem Treiben der Sektirer und Missionsleute, und dann, daß die Unterstüßung und Pflege der in katholischen Landen zerstreuten protestantischen Gemeinden (der sog. Diasporagemeinden) von der Landeskirche statt von dem bisherigen freiwilligen sogen. Protestantisch-kirchlichen Hülfsverein übernommen und besorgt werden soll.

In Bezug auf den erstern Punkt scheint man in Bern nachgerade haarsträubende Erfahrungen gemacht zu haben. Uebrigens auch anderwärts. Da drängen sich die Sendlinge der verschiedenen Sekten, wie der Methodisten, ferner die der evangelischen Gemeinschaft, der Missions- und Bibelgesellschaft ohne Weiteres in die Gemeinden ein, nehmen mit der Einwilligung der Pfarrer, die gegenüber solchen Leuten eine besondere Nücksicht schuldig zu sein meinen, Kirche und Kanzel in Anspruch und benüßen stets diese Anlässe, um die Landeskirche zu untergraben und für ihre pietistischen Sonderbestrebungen Propaganda zu machen. Ganz recht, wenn man diesen unberufenen und in der Regel auch wissenschaftlid, unfähigen Leuten, soweit es die offiziellen kirchlichen Lokale und Zeiten betrifft, den Niegel steckt !

Noch wichtiger ist der zweite Punkt: Die Stellung der Landeskirche zum protestantisch-kirchlichen Hilfsverein. Die Berner klagen, daß die Leitung desselben seit seinem Bestehen in der Hand der evangelischen Gesellschaft in Verbindung mit der kirchlichen Orthodorie liege. Die Bestrebungen, dieses Hilfswerk der Gesammtkirche zu übergeben, habe bisher (mit Ausnahme einer einzigen Bezirkssynode für den freiburgischen Seebezirk) zu keinem Ziele geführt. In den letzten Jahren seien nun sowohl der Vorort des Hilfsvereins, nämlich das Comite in Basel, als die leitenden kantonalen Comites mit einer Aus dhließlichkeit vorgegangen, die ein längeres Schweigen und Zuwarten unmöglich macht. Der protestantischkirdliche Hülfsverein ist Domäne des Pietisinus und der kirchlichen Orthodorie geworden und steht dainit im Gegensatze zu den geltenden kirchlichen Ansdauungen. In den reformirten Kirchen der Sdweiz ist bereits die Gleichberechtigung der verschiedenen Richtungen ausgesprochen und die Gemeinden haben das freie Wahlrecht; beides aber wird von den Comites des protestantisch-kirchlichen Hülssvereins einfach, als nicht vorhanden angesehen; sie handeln und unterstützen, als ob noch wie in der alten Zeit der Glaube an das apostolische Bekenntniß allein Christenthum wäre. Daher Uebernahme dieser Thätigkeit durch die Landeskirche, resp. Sammlung von Geldern und Unterstützung von Diasporagemeinden durch die Sinode.

Wir begrüßen von Herzen diese wahrhaft praktische Anregung und wünschen ihr allen Erfolg. fn Bern ist es für den Augenblick möglich, solches zu erreichen, anderwärts wäre es gegenwärtig schwieriger. Aber daß es überall so kommen muß, liegt auf der Hand. Es ist Pflicht der Kirde als solcher, ihre auswärts zerstreuten und des Gottesdienstes wie des protestantischen Unterrichts entbehrenden Glieder zu versorgen. Bisher hat das ein freiwilliger Verein besorgt, aber derselbe ist unter dem unglückseligen, ten kirchlichen Frieden schädigenden Einfluß des orthodoren Fanatismus zum Partheiverein geworden. Die Geldbeiträge nimmt er zwar auch von den Liberalent, aber Unterstüßungen gibt er nur an solche Gemeinden, welche orthodore Pfarrer wählen und Lehrer aus den pietistischen Seminarien anstellen. Die liberale Nichtung wird dadurch fort und fort geächtet, und das freie Wahlrecht der Gemeinde wird mit Füßen getreten. Als Ragat einen liberalen Pfarrer wählte, da hatte der Basler Verein kein Geld mehr für jene Kirche, wohl aber für den Bau einer zweiten Kirche und die Anstellung eines ,gläubigen" Pfarrers an dieselbe. Als Rheinfelden anstatt des vom Basler Comite ihnen präsentirten „gläubigen“ Candidaten einen liberalen Geistlichen wählte, wurde der Gemeinde der jährliche Beitrag entzogen, und der Präsident des Comites, der, nebenbei gesagt, einst selbst Pfarrer der Diasporagemeinde Rheinfelden gewesen, scheute sich nicht, auf geschehene Reklamation hin die Uebergehung des vom Comite vorgeschlagenen Candidaten als Motiv der Beitragsentziehung anzugeben.

Solchen aristokratischen Willkürlichkeiten und unchristlichen Mißbräuchen gegenüber ist der von den Bernern projektirte Weg der einzig richtige. Möge es ihnen gelingen! Andere Stantone werden dann nachfolgen.l.

Ein Wort über religiöse Literatur. Es gibt religiöse Büdyer, welche die Seele durch ihren unmittelbaren Einfluß wecken, die uns zur Frömmigkeit, zur Sittlichkeit anregen, Bücher, in welchen Männer, die in der Religion weit vorgeschritten sind, die Er: fahrungen ihres Lebens niedergelegt haben. Manche derselben haben die ganze Religion zum Zweck, Andere die verschiedenen Einzelheiten derselben. Diese Bücher sind Rornsäcke, die aus einem Lande in ein anderes geführt werden, um als Aussaat zu dienen, und tausendfältig ihre goldene Frucht tragen. Solcher Bücher gibt es nicht viele in der Welt. Es gibt wenig Meisterstücke der Dichtkunst auf der ganzen Erde; das Schulränzel eines Sinaben würde sie alle fassen, von Griechenland und Rom, Italien, Deutschland und England. Die Meisterstücke der frominen Literatur sind am seltensten von allen. Im Cabinet eines Mineralogen welche Massen von Quarz, Glimmer, Hornblende, Schiefer und Sohle und gemeine Metalle zu Haufen; versteinerte Reptilien und Fische; blos hier und dort ein Sma: ragd, und Diamanten außerordentlich selten. Ebenso ist es mit den Edelsteinen des frommen Gedankens. Wir finden einige Psalmen aus der Bibel, wiewohl selten ein ganzer Psalın der Seele des Menschen wahrhaft entspricht dann und wann ein Orakel von einem Propheten der Hebräer, der vol Glaubens an Gott, ein Held der Frömmigkeit war die einen Plaß in einem religiösen Cabinet verdienen, wiewol zwei oder drei tausend Jahre verflossen sind, seitdem ihre Verfasser aufhörten, sterblich zu sein. Aber das Belebendste in der ganzen religiösen Literatur findet sich noch in den drei ersten Evangelien des Neuen Testaments, in den Gleichnissen und Neden, diesen lieben beseligenden Neligionsblüthen; ihre Schönheit wird die Pyramiden überdauern. Doch auch das Neue Testament muß mit der Vorsicht eines freigebornen Menschen gelesen werden. Selbst in den Worten des Heilands ist Vieles blos hebräisch und bewegt sich in den Grenzen der Nation und des Individuums.

Der große Fehler der sogenannten religiösen Literatur besteht darin, daß sie das Werk von engherzigen Männern, von Sektirern und oft von Bigotten ist, die nicht über den Bereich ihrer kleinen Gemeindekapelle hinaus sehen können; von Männern, die überhaupt wenig, noch weniger aber von dem Menschen und am wenigsten von der wahren Religion wissen. Welchen Maßstab legen solche Männer an edle Menschen? Den Maßstab, den eine Auster für eine Drossel, ja bisweilen den eine häßliche, giftige Kröte für eine Nachtigal hat. Die Literatur dieser Art ist ein Fludy. Im Namen Gottes führt sie gewöhnliche Menschen von der Religion ab und gibt die Veranlassung, daß kräftige Menschen sie selbst oder wenigstens ihren Namen hassen. Sie beugt sdhwache Gemüther nieder, bis sie ihr Leben lang zittern und beben. Es fehlt mir an Worten, um meinen Abscheu für solches Machwerk auszudrücken, das aus sektirerischem Gewinsel und abergläubischer Furcht zusammengebraut ist. Ich zittere, wenn ich daran denke, welche Dunkelheit diese Literatur über das menschliche Leben breitet, welche Krankhaftigkeit sie dem menschlichen Geschlecht einimpft, und weldie feige Furdit jie auf das Gesicht ihrer Verehrer malt. Blicken wir auf die Geschichte des Athanasianischen Glaubensbekenntnisses und des Westminster-Ratechismus. Sie haben, wie es mir scheint, die religiöse Entwickelung des Christenthums mehr aufgehalten, als alle die unsauberen Werke anerkannter IIngläubigen, von Lucian, dem Könige der Spötter, bis auf unsere Tage. Die amerikanische Traktatengesellschaft scheint mir bei den besten Absichten in der Welt der Nation mehr Nachtheil zuzufügen, als alle Branntweinverkäufer und alle unsittlichen Dirnen des Landes.

Manche Bücher über religiöse Gegenstände sind das Werk fähiger, wohlerfahrener Männer, die aber falsche Ansichten von Gott, dem Men= schen und dem Verhältniß beider zu einander, falsche Ansichten vom Leben, vom Tode und von der andern Welt haben. Solche Männer waren Barter und Edwards und viele Andere – Protestanten und Satholiken, Christen, Hebräer, Buddhisten und Mohamedaner. Alle solche Büdyer muß man mit Vorsicht und Mißtrauen lesen. Dennoch kann ein weiser Mann mit religiösem Geiste in der religiösen Literatur der Welt, von Confucius bis Emerson viel finden, was seine Frömmigkeit fördert.

Auch andere, nicht rein religiöse Werke können dem Manne, wenn er das Mannesalter der Frömmigkeit erreicht hat, viel helfen. Wissenschaftliche Bücher, welche den Gedanken Gottes nachweisen, wie er in der sinnlichen Welt niedergeschrieben ist; Geschichtswerke, welche denselben Geist in der Entwicklung der Mensdheit offenbaren, die langsam, aber beständig und regelmäßig wie das Wachsthum einer Ceder oder die Entwickelung eines Eies fortschreitet; Newton und Laplace, Descartes und Stant regen mittelbar durch ihre Wissenschaft fromme Seelen zu innigerer Frömmigkeit an. Ein denkender Mensch löst die Materie des Weltalls auf, so daß nur ihre Kräfte zurückbleiben; er löst die Erscheinungen der Geschidyte der Menschheit auf, so daß nur der unsterbliche Geist übrig bleibt; er studirt das Gesetz, die Thätigkeitsform dieser Kräfte und dieses Geistes, welche die sinnliche und die menschliche Welt bilden; und ich sehe nicht ein, wie er nicht mit Ehrfurcht, Vertrauen, mit grenzenloser Liebe zu dem unendlichen Gotte erfüllt werden sollte, der diese Gesetze der Sinnen- und der Geistes: welt gab und dadurch dieses wunderbare Welt- und Menschenall trägt. Auch die Wissenschaft hat ihr neues Testament. Die Beseligungen der Philosophie berühren die innersten Saiten der Menscheit; in den bestimmten Gesetzen der Sinnen- und der Geisteswelt haut beständig der Zuruf des Schöpfers: „Rommt Her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, idy will euch erquicfen.“

Parker.

Telefrüchte. Wenn sich das Herz erkältet, so ist das hundertmal ärger, als wenn man sich die Füße, Kopf und über und über die ganze Faut erkältet. Unsere Erde wird alle Tage älter und wie die Gelehrten sagen, kühlt sie sich immer mehr ab auf der Oberfläche, so daß es ganz sittig und manierlich auf ihr zugeht. Aber ihr Herz bleibt heiß, glüht fort und fort in allerheißester Gluth und diese Gluth des Herzens erhält die Erde, bewahrt ihre Fruchtbarkeit, bereitet uns das milde liebe Wohnen auf der alten guten Mutter. So soll es auch beim Menschen sein. Das Haar wird grau, steif werden die Beine, langsamer bewegen sich die Glieder, langsamer rolt das Blut durdy die Adern, aber warm soll das Herz bleiben, feurig in der Liebe, und schöner ist wohl nichts auf Erden als ein grau Haupt über einem warmer Liebe vollen Herzen. Aber bös wird's, wo das Herz erkaltet, während die Sinne glühen, wie schön auch die Locken um das Jaupt flattern mögen, wüft wird doch das Thun, ein bös Leben gestaltet sich und ein gräßlich kalt Grab wartet am Ende dem schon hier erkalteten Herzen.

Jer. Gotthelf. In der Fluth von Großraths- und Parlamentsreden schwimmt hie und da ein Gedanke, welcher der Aufzeichnung werth ist. So hat jüngst der Abgeordnete Bennigsen im deutschen Reichstag gegen die Manchestertheorie hervorgehoben, daß der sozialen Bewegung gegenüber, welche seit langer Zeit Europa unterwühlt, der Staat die Pflicht des Eingreifens habe. Ich glaube nämlich nicht, daß wir es hier mit einer Bewegung zu thun haben, die nur durch Agitation hervorgerufen und unterhalten wird; ich glaube, daß wir hier an einem Wendepunkt der ganzen Geschichte der zivilisirten Menschheit in Europa angelangt sind, wo es nothwendig ist zu prüfen, was in diesen Bewegungen, die so ungeheure Massen an sid) gerissen haben, der gesunde Kern und was nur Auswüchse sind. Der Staat und die bürgerlichen Klassen haben die Verpflichtung, auch ans Religiosität oder Humanität an diese Dinge heranzutreten, und dasjenige, was darin wirklich berechtigt ist, zu einer ernsthaften und nachhaltigen Aufgabe für die Gesetzgebung zu machen.“ Kirchenzeddel Sonntag den 27. August 1882.

Münster St. Peter St. Leonhard St. Theodor Morgenpredigt

9 Uhr A. Wenger Miville Altherr E. Stähelin Kinderlehre 11 Ecklin

Böhringer Roth

Tb). Barthy Abendpredigt

Edlin

A. Linder Brändli E. Linder
nur für Taufen nur für Taufen
Druck und Expedition von J. Frehner, Steinenvorstadt 12, Basel.

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