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Kampfe der Geister die scharfe Klinge zu führen; wie herzlich aber auch schüttelte nach demselben die nämliche Rechte die Hand des Gegners! Wer kann sie vergessen, die kraftvolle Gestalt, den charaktervollen Kopf mit dem Auge, das Menschen und Dinge bis auf's Innerste prüfend erforschte, init dem Munde, aus dem wir so manches herzliche Lachen vernommen!

Und wie im Leben, so war er ein Mann auch auf seinem langen, schmerzenreichen Krankenlager. Schritt für Schritt mußte der Tod mit ihm ringen um den Sieg, Zou um Zot nur konnte er vorwärts dringen: und in allen diesen langen Wochen und bangen Nächten blieb der Heimgegangene innerlich Sieger über seinen Gegner, der ihn nur äußerlich zu überwältigen vermochte, so daß auch theologische Gegner bewundernd gestanden, hier habe der Tod seinen Stachel verloren.

Und doch war der Mann, der hier ein erhebendes Beispiel des geduldigsten, gelassensten Duldens gab, im Grunde durch und durch ein Mann der That. Was er in Schrift und Wort, in öffentlicher Versammlung wie im Freundeskreise je und je so eifrig verkündete: „Selbst ist der Mann“, bei ihm war es nidyt, wie bei so Vielen, eine falte graue Theorie, sondern eigenes Leben, sein ureigenstes Selbst. Weil er zu allen Zeiten erst sorgfältig erwog, ehe er seine Entschlüsse faßte, weil sein Thun alles auf der gründlichsten Prüfung ruhte (wie namentlich auch die Reden, die er gehalten, und die Artikel, die er geschrieben, das Produkt der gewissenhaftesten Verarbeitung waren, so daß er deren Form wieder und wieder umänderte), stellte er beim Einzelnen wie beim Ganzen Alles auf die eigene Arbeit ab, anf freie Initiative und thatfräftige Ausdauer.

Diesem Thatendurst entsprang auch sein Optimismus: ein Optimismus nicht von der Art, die Alles gehen läßt, wie es eben gehen wil, sich damit einschläfernd, es werde schließlich schon recht herauskommen; sondern der Optimismus, der, weil er an das Gute und den Sieg desselben glaubt, auch dafür einsteht mit Leib und Seele, für das Gute lebt und stirbt. Eben dieser Glaube an den Sieg des Guten bewahrte ihn aber auch vor überstürzendem Ungestüm, das entweder alles will oder nichts. Audi für den geringsten Fortschritt dankbar, war er froh, wenn heute nur etwas geschah, überzeugt, daß morgen auch noch ein Tag sei und die Gedanken nie stille stehen.

Darum ein Mann der Zukunft war und blieb er stets jung im Geiste. Mit Vorliebe mahnte er daher auch seine Genossen an das fommende Geschlecyt und ihre Pflichten gegenüber demselben. Was unjere Väter gethan, das diente bei ihm nicht, wie leider bei so Vielen in unserm engern und weitern Vaterlande, der eigenen Trägheit und Bequemlichkeit zium bequemen Ruhekissen, sondern es brannte ihm auf der Seele, sich derselben würdig 311 zeigen, damit unsere Kinder sid, ihrer Väter nicht zu schämen, sondern zu rühmen hätten. Nicht durch schöne Worte und glänzende Feste wollte er die Thaten unserer Väter gelobt und gelohnt wissen, sondern durch die eigenen Thaten ihrer Söhne.

Insbesondere seines geliebten Bernerlandes Ehre und Größe lag ihm am Herzen. Keiner hat dessen Wesen und Bestimmung mit tieferin Verständniß erfaßt als er. Nidit blos seinem Charakter nach, auch in seinen Ideen und Idealen war er des richtigen Berners Ur- und Vorbild. Seine Ruhe, sein nüchternes Prüfen und Wägen, sein durch und durch offenes und ehrliches Wesen, seine biedere Herzlichkeit gegen Jedermann, vor Allem aus aber die eiserne Arbeitskraft und die ausdauernde Zähigkeit jeines Willens: Alles das sind die besten Züge des Bernercharakters, die sich in ihm zu Herzerquickender Harmonie vereinigten. Und alle diese Kräfte setzte er in rastloser Arbeit, ohne Rücksicht auf sein eigenes Wohl und Wehe, ein für sein heißgeliebtes Bern, in dem er das Herz des Schweizerlandes erkannte. Er wußte, daß Bern's Größe die Größe der Eidgenossenschaft, ein Sinken Bern's ein Sinken audy für die Eidgenossenschaft bedeutet. Weil er ein treuer Eidgenosje war, war er ein guter Berner.

Albert Bißius war fein Mann der großtönenden Worte. Es hat feinen entschiedeneren Feind der Phrase gegeben, als ihn. So weit ging diese Antipathie in ihm, daß ihm z. B. nichts jo „auf die Nerven gab“, wie er sich ausdrückte, als das Wort Reform und Reformer. Darum prahlte er auch nicht, wie es gegenwärtig nachgerade allgemein Mode geworden, mit dem Worte Demokratie. Aber er war ein Demokrat der That. Aus dieser seiner Demokratie entsprangen alle seine politischen und religiösen Grundsätze und Sandlungen. Und daß der demokratische Gedanke in unserem Geschlechte, das dod so viel davon spricht, noch so wenig That und Wahrheit geworden, das empfand er jo oft auf's Schmerzlichste. Es ist noch kein Jahr her, daß er diesem Gefühle im Großen Kathe (anläßlich der Debatte über die Wiedereinführung der Todesstrafe am 24. November 1881) in folgenden ergreifenden Worten Ausdruck gab:

Es kommt eine neue Generation, die auch noch fester demokratisch ist, als wir. Wir sind noch umgeben von monarchischen Staaten und erst seit 50 Jahren aus dem aristokratischen Regimente entlassen. Darum spüren wir Ade Eines noch nicht so sehr, nämlich den innigen Zusammenhang aller Glieder eines Volkes, und den Schmerz, wenn eine solche That radikaler Chirurgie an dem Voltsleibe vorgenommen wird. Aber es kommt ein Geschlecht, das diesen Zusammenhang lebhafter als wir empfinden wird. Ihm wird eine solche That ein unerträglicher Schmerz am Volkskörper sein, es wird viel besser spüren, daß, wenn der Verbrecher schuldig ist, wir mitschuldig sind, indem wir da und da an ihm gefehlt haben, und barum, auch darum wird's ändern.“

Seine politisch demokratische wie seine religiös freisinnige Richtung stammten eben aus seiner rein menschlichen Humanität. Im geselligen und im öffentlichen Leben war ihm wie Pestalozzi „der Mensch sein

Leben.“

Albert Bißius hat nun ausgerungen. Vom Herzen hat er gelebt, vom Herzen kam ihm der Tod. In den Herzen seiner Zeitgenossen aber bleibt sein Bild lebenschaffend fortbestehen und in den Herzen der Nachwelt wird ihm je und je neues Leben erstehen, wo immer große Gedanken zu kräftigem Leben erblühen!

Ein neues Gesangbuch für die evangelische Kirche der deutschen Schweiz ist im Werden. Die idweizerische Predigergesellschaft hat drei Pfarrer (H. Weber, Th. Barth und A. Volz) mit dem Entwurf beauftragt und dieser liegt vor, allerdings nur im Tert, 450 Nummern stark.

Gegen dieses neue Gesangbud), welches, wohl gemerkt, nicht nur in der Kirche, sondern aud in der Seelsorge, besonders bei Krankenbesudjen, im Jugendunterricht und als Erbauungsmittel licht- und trostbedürftiger Christenleute dienen soll, läßt sich ein zweifaches Verfahren einschlagen.

Es kann der Zürcher und der Berner und der Basler und der Appenzeller 11. . w. kommen und darüber klagen, was in seinem kantonalen Gesangbudy nod Alles für schöne Lieder stehen, die dein neuen Werke fehlen. Es kann der Orthodore jdmerzlich thun, daß so manch ein liebes , Kernlied“ keine Aufnahme gefunden und es kann der ostschweizerische Reformer wahre Perlen seines vierörtigen Gesangbudjes vermissen und dem neuen Entwurf ein ellenlanges Register von spradyliden und metrischen Härten, von unverdaulichen dogmatischen Brocken und offenbaren Geschmacklosigkeiten aufhalsen. Es kann ein Jeder von seinem kantonalen Büchlein aus imperatorisch und pochend erklären, wenn man das und jenes Lied nicht nehme, so mache er der Centralisation den Krieg, daß es den armen Vätern der Sammlung kalt über den Rücken läuft. Das Alles kann man und darf man und ist bereits auch geschehen und war zu erwarten. Nur gibt es auf diesem Weg in Ewigkeit nie ein einheitliches evangelisch - schweizerisches Kirchengesangbuch oder nur ein so dickes und sdweres, daß den Leuten die Achsel weh thut, wenn sie es am Sonntag in die Kirche schleppen.

Das andere Verfahren dem Entwurf gegenüber ist, daß die Inhaber der verschiedenen kantonalen Gesangbücher zum Voraus sich sagen, es müsse bei der Centralisation Jeder ein gutes Stück seiner Eigenheit dran geben, sonst gehe es absolut nicht; man müsse baber den Entwurf nicht bloß darauf ansehen, was er nimmt, sondern auch auf das, was er gibt. Dieses Verfahren wollen wenigstens wir in Basel einschlagen. Unser Kirchengesangbuch ist unter allen in der Schweiz das beste genannt worden, aber zu einer Zeit, wo die orthodor-pietistische Richtung hier noch allein Kirchenlieder sang, denn für die freie Richtung ist es das von ferne nicht, sondern das der Kantone St. Gallen, Appenzell, Thurgau und Bündten, ganz zweifellos. Wir sind daher im Fall, überaus dankbar zu sein für jedes wirklich schöne Lied mehr, das uns zu den im Basler Buch reichlich vorhandenen in Aussicht gestellt wird. Einige solcher Lieder, die wir bisher schmerzlich vermißt haben, oder doch einzelne Verse daraus, gedenken wir dem neuen Entwurf zu entnehmen und unsern Lesern vorzulegen.

Die reformirte Synode von Baselstadt hat am 21. September bei Berathung einer neuen Gottesdienstordnung einige unbedeutende Neuerungen besdhlossen, erstens die Reduktion der vier Sonntagnachmittagsgottesdienste auf zwei, nicht bloß wie bisher während des Somiers, sondern des ganzen Jahres, und den Wegfall der Nachmittagspredigt am Neujahrstag; zweitens das Verbot, daß ein von der Landeskirche angestellter Geistlicher nicht inehr gegen einen seiner Kollegen zu gleicher Zeit einen Konkurrenz-Gottesdienst abhalten darf (gerichtet gegen das Vorgehen zweier Pfarrer in der St. Theodorsgemeinde). Im Uebrigen ist das Ábhalten von außerordentlichen Gottesdiensten jedem Geistlichen erlaubt, wenn er sich dazu die Erlaubniß des betreffenden Kirchenvorstaudes einholt. Es ist eine merkwürdige Thatsache, daß soldie Dinge, welche anderwärts schon lange für selbstverständlich gelten oder gar nie versucht worden sind, in unserer Stadt Basel nur durch viel Stunden lange Verhandlungen erobert werden können. Fortseßung der Berathung am 5. Oktober.

Schwyzer-Dütsch. Wir haben wieder Bettag gefeiert, uns des Vaterlandes gefreut und ihm treue Liebe bis an's Grab gelobt. Zur Vaterlandsliebe gehört aud), daß man die Heimath kennen lernt, ihre Gesdhichte versteht, mit ihrer Seele eins wird. Darum nennen wir es ein gutes Werk, daß Professor 0. Sutermeister in Bern es unternommen hat, das Charaktervollste und Beste, was in Schweizermundart geschrieben ist an Erzählungen, Sagen, Liedern und Sprüchen, zu sammeln und in kleinen Heften à 50 Cts. herauszugeben. Ein Dußend dieser Heftchen aus den verschiedensten Rantonen sind bereits erschienen und da jeßt die langen Abende wieder einrücken, wollen wir diese geistige Nahrung, die unendlid viel gesunder ist, als was die gewöhnliche Romanfabrik leistet, unseren Familien dringend zum Genuß empfehlen. Es

viel zum herzhaften Lachen brinn, was in dieser ,böjen Zeit“ nicht zu verachten ist, zumal der hier gebotene Scherz nur die Umhüllung frommen und tiefen Ernstes ist. Nicht nur im Aargau, überall ist es wahr:

Es flügt keis Vögeli so höcy, es loht sie wieder nieder;
Wenn Eine no so zornig ist, de Zorn, de leit sie wieder.
Wart e wyli, beit e wyli, fibi e wyli nieder,
Und wenn d’e wyli gjässe bist, lo chum und säg mer’8 wider. u.
Basler Kirchenzeddel Sonntag den 24. Sept.

Münter St. Peter St. Leonhard št. Theodor Morgenpredigt 9 Uhr Stoďmeyer Miville Bränoli E. Linder

(Communion) (Communion) (Communion) (Communion) Kinderlehre 11

Edflin

Böhringer Altherr Schaffner Abendpredigt 3 Preiswerk A. Linder Noth

Th. Barth Druck und Erpedition von J. Frehner, Steinenvorstadt 12, Basel.

Fünfter Jahrgang.

No 39. Samstag, 30. Sept. 1882.

Sdweizerishes Proteftantenblatt

Herausgeber:
Pfr. A. Altherr und E. Linder in Basel, Pfr. Bion in Zürich.

Wir sollen nur nicht in Sinn nehmen, daß der Heilige Geist gebunden sei an Jerusalem, Rom, Wittenberg oder Basel, an beine oder eine andere Person. In Christo allein ist die Fülle der Gnade und Wahrheit.

Decolampad an Suther.

Erscheint jeden Samstag. Man abonnirt auf jedem Postamt der Schweiz und des Auslandes. Preis halbjährlich franko zugesandt 2 Fr. Wer das Blatt in Basel gratis erhalten will, kann dasselbe in der Buchdrucerei I. Frehner, Steinenvorst. 12, abholen.

Am Grabe von 2. Bikius.
Auf dem Friedhof ist es stille, und zerstoben ist der Schwarm:
Im entseelten Haus in Thränen löst sich neu der Seinen Harm.
Und auf manchem Weg und Stege, in der Heimat weitem Kreis,
Tönt in schmerzlichem Gesprädie unsers todten Freundes Preis.
Auf dem Friedhof ist es stille, Blumen buften Herbstlich mild;
An den frischen Grabeshügel tritt ein ernstes Männerbild.
Zu dem reichen Wald von Kränzen, von den Freunden hingelegt,
Legt er, ihn nod; zu ergänzen, einen Lorbeer tief bewegt.
Auf dem Friedhof ist es stille, leis nur spricht der ernste Mann,
Während eine heiße Thräne ihm aus feuchtem Auge rann:
, Welche reichen Blumenspenden! – Ramen doch von Freunden nur !

Nimm jegt auch aus Feindeshänden seiner Liebe eine Spur!
„Nimm ihn hin den grünen Lorbeer, edler Ritter stark und treu;

Was dir groß das Herz erfüllte, du verfochtest's sonder Scheu.
,,Groß das Ziel und rein die Waffen - deine beste war dein Herz! --
Du auch wolltest Heilung schaffen deines Volkes tiefstem Schmerz.
„Du auch warst ein Eidgenosse, du auch warst ein frommer Christ;
Diesen Kranz der Ehren raubt dir keines Eif'rers schwarze List. —
Lebe wohl! Mög' Gott mir schenken solchen Feind im Rampf wie du
„Immerdar! - Heut' will ich senken auch mein Schwert zu heil'ger Rub!“
Auf dem Friedhof ist es stille. Stille geht der Mann davon. ;
Hordy! die Blumen beten leise für bes Volkes besten Sohn.
Und ein friedliches Versöhnen wehet ob dem Friedensort,
Wo die Feinde Feinde krönen mit der Liebe Kranz und Wort.

D. .

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Wenn ich nur dich habe! Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und nach Erde !“ singt der fromme Dichter des nicht auszulesenden 73. Psalmes. Ein nüchterner Verstandesmensd; wird gegen dieses Wort die Anklage reli

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