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machtlos, wenn mir nicht die allmächtige Kirche zu Hülfe käme.“ Dadurch wird aber auch die Kirche zum Handlanger des Staates in Bagatellprozeffen gemacht. Wenn Einer lügt, dann soll man ihn nicht noch zwingen, nun auch noch den Namen Gottes zu lästern, und ich bin überzeugt, daß Gott, wenn er einst über soldie Lügner zu richten haben wird, diese Zwangslage als „mildernden Umstand“ gelten lassen wird. Wir glauben, daß die Grundfäße, deren Verwirklichung wir anstreben, uns dereinst zu einer Kirche gelangen lassen würden, in die man wieder gern geht, wir hoffen, daß diese Versammlung wie ein Posaunenton hinausschalen und die Tausende Gleichdenkender um die Fahne der Partei sammeln wird, und der Gott, an den wir glauben, wird uns dazu helfen.

Die Rede Munfels machte einen großen Eindruck auf die Versammlung und wurde mit lebhaftem Beifall belohnt. Und in der That mußte es Jeden, der vorurtheilsfrei sie anhörte, in tiefster Seele freuen, einen so verstandesklaren, scharfsinnigen Juristen mit solcher Wärme und Begeisterung über religiös - kirchliche Fragen reden zu hören. Es sprachen hierauf Dr. Ralthoff, der unermüdliche, überzeugungstreue Vorkämpfer für christliche Freiheit, und der Gemeindevertreter von St. Markus, Mar Schulz, welche das Programm der neuen Partei mittheilten und erläuterten. In feuriger Nede brachte Reichstagsabgeordneter Dr. Wendt aus Hamburg die Grüße der religiös Freigesinnten, der kirchlichen Republikaner“, seiner Heimat und erklärte unter Hinweisung auf das Vorbild opferfreudiger Hingabe für die Sache evangelischer Wahrheit und Freiheit, weldje einst die Protestanten Frankreicìs in Zeiten schwerer Verfolgung gegeben, daß auch wir in ähnlicher Weise für unsere Ueberzeugung einstehen und freudig jedes Opfer bringen sollen und wollen.

Die einzelnen Punkte des Programms famen dann zur Abstimmung und wurden einmüthig angenommen, ebenso nach kurzer Debatte zwei Resolutionen, von denen die eine dem Unwillen darüber Ausdruck gab, daß der Versammlung die Benüßung einer Kirche zum Festgottesdienst verweigert wurde und die andere die Bildung von Gemeindevereinen empfahl. - Hiefür vom Connite ersucht, sprach noch Pfr. Bion ungefähr folgende Schlußworte: „Was Sie heute sich zum Ziele Ihres Strebens gesegt haben, besißen wir bereits in der Schweiz und befinden uns wohl dabei. Die Frucht der Freiheit, welche wir genießen, ist Leben und Friede. Nur wo Freiheit ist, ist auch Mannigfaltigkeit und die Mannigfaltigkeit bedingt den Reichthum und die Schönheit des Lebens, wie in der Natur, so auch auf geistigem Gebiete, in der Kirche. Die Freiheit bringt auch den Frieden. Der Zwang in geistigen Dingen erbittert, die Freiheit versöhnt. Auf ihrem gesegneten Boden lernt man sich vertragen und achten. Es ist in meinem Vaterlande schon vorgekommen, daß größere, in ihrer Mehrheit freisinnige Kirchgemeinden dem religiösen Bedürfnisse einer orthodoren Minderheit in der Weise Rechnung trugen, daß sie zu ihren freisinnigen Geistlichen einen strenggläubigen wählten. (Z. B. St. Gallen.) Der Apostel sagt: Der Herr ist der Geist, wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Es ist nach meiner Ueberzeugung ein betrübendes Zeichen, daß der Geist des Herrn von einer Kirche gewichen ist, welche ihren Gliedern nicht Freiheit des Glaubens und Gewissens gewährt. Ich wünsche der Kirche, welche Sie bauen wollen, den Geist des Herrn, den Geist der Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Liebe!

Es sind in den verschiedenen politischen und kirchlichen Blättern Berlins und Deutschlands sehr verschiedene Berichte und Urtheile über die Versammlung der kirdylidhen Volkspartei am 23. und 24. Sept. in Berlin, darunter auch manche ganz oder theilweise falsche und ungerechte erschienen. Daß die hyperorthodoren und konservativen Organe sich über dieselbe yödyft ungünstig äußern werden, ließ sich erwarten, wenn auch freilich eine so perfide

' Berichterstattung, wie sie in dem „Evangelisch-kirchlichen Anzeiger“ von Berlin enthalten ist, eine Gesinnung verräth, welche auf alles eher, als auf das Prädikat „christlich“ Anspruch machen kann. Daß aber auch einige Hauptorgane des deutschen Protestantenvereins zu der neuen Partei, die ja doch im Grunde nichts anderes anstrebt, als ein freies christlich-religiöses Leben im deutschen Volke, und namentlich in Berlin, zu wecken und zu fördern, sid, zum mindesten gesagt so unfreundlich stellen und deren Versammlung so abschäßig beurtheilen, das ist dem Schreiber dieses Berichtes nicht verständlich. Er kann sich dieses hödystens aus der, wie es scheint, in den leitenden Kreisen des Protestantenvereins verbreiteten Meinung erklären, daß die ganze Bewegung gegen jie gerichtet sei. Diese Meinung ist aber eine unrichtige. Einmal, was den Festprediger anbetrifft, so kam derselbe durchaus nicht in dieser Absicht nad, Berlin und nahm aud seine Mission nur mit der bestimmten Erklärung an, daß er nicht gegen den Protestantenverein oppositionell auftreten könne und werde und nachdem ihm die klarsten Zusicherungen gegeben worden waren, daß dies durchaus nicht die Tendenz der Versammlung sei, an der ja manche Mitglieder des Protestantenvereins selbst Theil nehmen werden. Und so war es denn auch. Es wurde gegen den Protestantenverein kein einziges feindseliges Wort gesprochen. Ja nur ein einziger Redner berührte überhaupt denselben, (Mar Schulz) indem er sagte, dass dieser Verein feinen Boden im Volfe habe, was ja, wenigstens in Hinsicht auf Berlin, leider nur zu wahr zu sein scheint, und wovon sich auch unsere (chweizerischen Abgeordneten bei der lebtjährigen Versammlung des Protestantenvereins in Berlin zu ihrer eigenen unangenehinen Ueberrasdung überzeugen mußten. Gegen die Versamm: lung vom 24. September wird einmal der Vorwurf erhoben, sie sei keine der Sache würdige gewesen, indem sie bei Bier und Tabak abgehalten wurde und hie und da laute Beifallsäußerungen, mitunter auch ein Gelächter hörbar wurden. Es ist wahr, daß nachdem der größte Theil der Versammlung ca. zwei Stunden im Saale zugebracht hatte, Bier servirt und von Mandjen eine Cigarre angezündet wurde. Es wäre dies entweder gar nidyt oder doch weniger aufgefallen, wenn die Versammlung nicht in demselben Lokale stattgefunden hätte, in dem eine halbe Stunde vorher der Gottesdienst abgehalten worden war. Daß aber für den Gottesdienst keine Kirche bewilligt und die Versammlung in demselben Lokale, wie jener abgehalten werden mußte, daran sind ganz andere Leute Sduld als die, denen man hieraus einen Vorwurf inacht. Aus der Thatjadje aber, daß Bier getrunken und geraucht wurde, so viel Wesens zu machen, scheint mir dodh geradezu kleinlich-pedantisch, um nicht mehr zu sagen, zu sein. Als ob nicht ein Luther mit seinen Freunden auch bei den ernstesten Verhandlungen über heilige Fragen ein Kännchen Bier getrunken und wohl auch geraucht hätte, wenn damals schon das edle Tabakskraut bekannt gewesen und ihm geschmeckt hätte; als ob nicht ein weit Größerer und Gerechterer, als Luther und wir Alle sind, bei Gastmahlen seine erhabenen Lehren verkündigt hätte; (wofür er denn freilich von den „Pharisäern“ auch scharf getadelt wurde) als ob nidt in unsern Tagen ganz allgemein auch bei ernsten Verhandlungen über wichtige und selbst religiöse Fragen, welche längere Zeit andauern, getrunken und geraucht würde! (sogar in geistlichen Kapiteln und Pastoralversammlungen.)

Die Hauptsacje bei der Versammlung der kirchlichen Volkspartei war denn doch die, daß diese Versammlung von gegen 2000 Männern stundenlang mit der größten Aufmerksamkeit und Stille den gehaltenen Vorträgen lauschte, und die lebhaften, oft stürmischen Aeußerungen der Zustimmung sind ja am Ende nur ein Zeugniß für das vorhandene große Interesse. Wenn nun hie und da ein kräftiges Wißwort fiel und Gelächter erregte, so darf man dies bei einer Volksversammlung von Berlinern, welche hierin bekanntlich start sind, ruhig mit in den Kauf nehmen. Ein gemeines, frivoles Wort wurde nicht gesprochen. Das Derbste, was unsers Wissens und zwar nicht von der Tribüne aus, sondern von einem stämmigen Bürger aus dem Schooße der Versammlung heraus gesagt wurde, lautete: „Stöcker rede vom Käuschen des preußischen Aars, das sich in der von ihm hervorgerufenen Bewegung kundgebe und es sei dies doch nur das Rauschen einer Nachteule.“ Da hat denn ein Luther wahrlich oft viel derber sich ausgedrückt, und wird in den Versammlungen der lutherisch-orthodoren Partei und in deren Organen noch ganz Anderes über die freisinnige Richtung ausgesprochen. Ueber solche deußerlichkeiten, die übrigens manche in der Versammlung anwesende Freunde der Sache selbst lieber bei Seite gelassen gesehen hätten, woran sie aber doch kein Vergerniß nehmen konnten, jollten fid wirklich freisinnige und gebildete Männer hinwegsetzen können. Auf den Neferenten, der eine profane Behandlung heiliger Dinge, so entschieden als nur Semand verwirft, machte die Versammlung im großen Ganzen einen erhebenden, mitunter geradezu ergreifenden Eindruck. Es wehte durch dieselbe etwas von reformatorischem und prophetischem Geiste. Allerdings war dies kein vornehmes Theekränzchen, wo nur in gewählten Worten gesprochen wird, sondern eine richtige Volksversammlung, in der oft ein ungesuchtes Wort als der Ausdruck unmittelbarer erregter Stimmung geredet wurde, aber dafür auch Leben und Begeisterung herrschte. Wenn in einem Blatte des Protestantenvereins die Manen von lang und Bißius gegen die Volkspartei aufgerufen werden, so muß dies uns Schweizern geradezu komisch vorkommen, indem Niemand mehr als eben diese Männer am Vorgeben der kirchlichen Volkspartei und an der Versammlung vom 24. Sept. ihre helle Freude gehabt hätten. Bißius sprach übrigens nicht lange vor seinem Tode noch gegenüber Dr. Ralthoff seine lebhafte Zustimmung zu dessen Bestrebungen aus. Der Berichterstatter hat auch die fefte Ueberzeugung, daß die schweizerischen Freunde des freien Christenthums insgesammt denselben guten Eindruck von der Versammlung der kirchlichen Volkspartei bekommen und dieselbe, wie er, mit dem Gefühle verlassen hätten : , Das ist Geist von unserm Geiste!“

Nebst der Form der Versammlung wird nun auch das Programm derselben heftig angefochten. Da dasselbe beinahe nichts enthält, als was wir in der Schweiz selbst eifrig angestrebt und schon errungen haben und bei dem wir uns gut befinden, so kann für uns nur noch in Frage kommen, ob dies Programm für preußische Verhältnisse angemessen sei oder nicht. Darüber zu entscheiden müssen wir unsern Gesinnungsgenossen in Deutschland allerdings überlassen. Immerhin aber ist zu bedenken, daß dieses Programm sehr vernünftige und christliche Forderungen enthält, und wenn es vorderhano eben als ein Programm, als ein Ziel, das man sich stellt und von dem man nicht meint, es müsse sogleich erstürmt und gänzlich erreicht werden, angesehen und behandelt wird, es gewiß auch seine zeitgemäße Berechtigung hat. Es wird nun Alles davon abhangen, wie die neue Partei vorgeht. Sucht sie wirklich nichts anderes, als die Grundfäße evangelischer Wahrheit, Freiheit und Liebe in fester und besonnener Weise zu verbreiten und zu verwirklichen, wofür der ernste, ideale, tief religiöse Sinn so Vieler ihrer Angehörigen und namentlich auch leitender Persönlichkeiten bürgt, so wird sie ein Salz für die Kirche Deutschlands werden und großen Erfolg haben. Dürfen wir ihr einen Nath geben, so wäre es der, sich einerseits von allen unlautern Elementen ferne zu halten und zu reinigen, welche sich so gerne jeder derartigen Bewegung anhängen, und andererseits mit dem deutschen Protestantenverein in kein feindseliges Verhältniß zu treten, sondern sich als dessen linker Flügel zu betrachten, der mit ihm stets Fühlung behält und, wo es immer nur angeht, gemeinschaftlich kämpft und baut. Denn ein Bruch zwischen dem deutschen Protestantenverein und der kirchlichen Volkspartei käme am Ende ja nur ihrem gemeinsamen Gegner zu gute. Und ist uns schließlich erlaubt, auch den Führern des deutschen Protestantenvereins ein wohlmeinendes Wort zu sagen, so wäre es das: unterschätet und verachtet nicht diese aus dem Volke hervorgegangene religiös-kirchliche Bewegung, sondern sucht sie zu verstehen und zu würdigen, und so weit ihr sie verstehen und würdigen könnt, auch zu unterstüßen; denn sie verdient solches. Durch eine aus augenblicklicher Mißstimmung hervorgehende anhaltende feindselige Behandlung der neuen Partei würdet ihr euch nur die Wurzeln eures eigenen Lebens untergraben und wir Schweizer, die wir zu euch seit Jahren in so herzlich-freundschaftlichem Verhältnisse stehen, müßten zu unserm größten Bedauern Luther gegenüber Zwingli Recht geben und schmerzlich fühlen: „Wir Schweizer haben einen andern Geist.“

B.

Zur Abendmahlsfeier. Die reformirte Synode von Basel-Stadt hat in ihrer Sizung vom 19. Oktober mit 33 gegen 31 Stimmen in Sachen der Abendmahlsfeier beschlossen, daß die gemeinsame Feier desselben durch die Gemeindegeist= lichen als Regel und die Aufkündung der Gemeinschaft als Ausnahme zu gelten habe und zu bulden sei. Künftig in die Landeskirche gewählte Geistliche dürfen also nicht mehr ohne Weiters von sich aus ihren freisinnigen Kollegen an derselben Gemeinde die Gemeinschaft verweigern, sondern müssen sich dazu jeweilen vom Kirchenrath ermächtigen lassen.

Der Vorschlag der kirchenräthlichen Mehrheit lautet: „Der Geistliche, der die Predigt zu halten hat, an welche sich die Freiheit des Heil. Abendmahls anschließt, hat für die Zudienung zu demselben, sowie für die Vorbereitung auf dasselbe zu sorgen.“ Der von der kirchenräthlichen (freisinnigen) Minderheit vorgeschlagene und nun beschlossene Zujatz lautet: „Die Zudienung liegt zunächst den Geistlichen der betreffenden Gemeinde 06. Sollte die gegenseitige Unterstüßung bei der Abendmahlsfeier bei einem Geistlichen Gewissenbedenken hervorrufen, so hat er dieses dem Kirchenrath anzuzeigen, welcher Disspensation bewilligen, beziehungsweise die Beiziehung anderer hiezu berechtigter Personen gestatten wird.“

Daß der Beschluß init bloß 33 freisinnigen Stimmen gegen die große Minorität von 31 Stimmen und nur mit einem vier Stunden langen Redekampf errungen werden konnte, das mag der kirchlich freisinnigen Bevölkerung die Augen darüber aufthun, welchen schweren Stand, troß des guten Ausfalls der lezten Wahlen, ihre Vertreter immer noch haben. Eine er: sprießliche Arbeit derselben wird noch wesentlich erschwert durch den gesetzlichen, aber widersinnigen Umstand, daß die Mehrheit im Kirchenrath ihre Anträge von ihrem orthodoren Standpunkt aus formulirt und so in allen wichtigen Punkten Unter- und Oberbehörde zum vornherein widereinander sind. Alle Geduldsproben, seunststücke und Schreckschüsse, welche die Verhandlungen mit sich bringen, durchzumachen, das ist eine Ascese, mit der man hoffentlich den Himmel verdient.

A.
Basler Kirchenzeddel Sonntag den 22. Oktober.

Münster
$t. Þeter St. Leonhard

St. Theodor Morgenpredigt 9 Uhr Stockmeyer Miville Brändli Barth Kinderlehre

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E. Linder Abendpredigt Wirth A. Linder Altherr Schaffner

(für Taufen) Altherr Abendfeier für

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Rinder.

Druck und Erpedition von J. Frehner, Steinenvorstadt 12, Basel.

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