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Hochzeit, in Anwesenheit seiner Söhne und Töchter, Enkel und Urenkel, die zusaminen eine Festversammlung von 146 Personen bildeten. Den fürstlichen Glanz dieses Familienfestes heiligte der Patriarcy durch eine Freude, die er den Armen der Stadt und seinen Arbeitern bereitete. Jede Person in der Stadt, die Armenunterstüßung genießt, erhielt 1 bis 10 Thaler und jeder der Tausende von Arbeitern in den Dolfuß'schen Fabriken einen ganzen Monatslohn zum Geschenk. Eingeweihte wissen, daß das Fest den Jubilar über eine halbe Million fostete; das Schönste daran ist aber nicht die große Summe, sondern des Gebers weitherziger Sinn, der auch bei diesem Anlaß, wie sonst, bei seiner Wohlthätigkeit nur die Bedürftigkeit der Leute und nicht ihren Glauben berücksichtigte. Möchten daran ein Beispiel nehmen Diejenigen unter uns, die nur wohlthun unter der Bedingung, daß man ihren Glauben habe oder diesen ihren Glauben wenigstens heuchle! Gegen dieses „Wohlthun“ sagt A. Lammers im „Deutschen Protestantenblatt:

Niemand kann etwas dagegen haben, wenn Glaubensgenossen, mögen sie den Begriff ihres gemeinsamen Glaubens weiter oder enger fassen, einander Gutes erweisen wollen vor allen Uebrigen. Es ist auch an sich nichts einzuwenden wider Bestrebungen oder Anstalten, die das Wohlthun mit der Bußpredigt vermischen, vorausgeseßt, daß sie sich zu dieser ebenso offen und frei bekennen, wie zu jenem, und nicht die Falle der Bekehrung aufstellen hinter dem Köder der Hilfe in dringender Noth. Aber man soll sich nicht einbilden, daß auf diese Art in unserer Zeit allen Nachbarn und Landsleuten zu helfen wäre. Derartige Anstalten und Bestrebungen reichen nicht von ferne aus für das Hilfsbedürfniß der vielgläubigen Gegenwart. Besser sind, weil allgemeiner zugänglich, Jedem gleich genehm, diejenigen menschenfreundlichen und gemeinnüşigen Unternehmungen, welche sich auf die leibliche Hilfe besdhränken, nicht aus Gleichgültigkeit gegen Religion oder Moral, wie das in den Lagern der Glaubensparteien gewöhnlich angesehen wird, sondern zu einem Theile wenigstens vielmehr aus religiösem Respekt vor dem Heiligthum des inneren Lebens und vor den mancherlei Wegen Gottes zur Menschenseele. Algemach muß doch jeder hinlänglich gebildete, unbefangene Geist erkennen, daß es keine alleinseligmachende Auffassung von den höchsten und letzten Dingen gibt, sondern daß in gar verschiedenen Auffassungen, heißen sie nun Glaube oder Weltanschauung, seien sie in irgend einem alten Bekenutniß formulirt oder aus gangbaren Philosophien entlehnt oder irgendwoher individuell gewonnen, der Mensch gut, stark, ruhig und selig werden kann. Mit dieser Erkenntniß, die sic), ich möchte sagen, idon statistisch aufdrängt, muß die Achtung vor der geistlichen Selbstbefreiung wachsen; sie

wächst auch thatsächlich bis in die konservativsten kirchlichen Reihen hinein, denn man hört immer seltener von Bekehrungsversuchen einer Diakonissin oder barmherzigen Schwester am Krankenbett, und die Scheu vor der öffentlichen Meinung, der Befehl der sonst eine Art öffentlicher Aechtung besorgenden kirchlichen Oberen können diese glückliche Enthaltsamkeit allein dody kaum erklären. Offenbar greift das Gefühl um sich, daß der alte, rohe Seelenfang weder so verdienstlich vor Gott

, noch so vortheilhaft auf Erden fei, wie frühere Fahrhunderte wähnten. Grade weil das innere Leben der Menschenseele in uuserer gegenseitigen Würdigung gestiegen ist, weil wir es nicht als todten Thon dem von der Kirche geweihten und bestellten Töpfer überlassen wollen, daß er es nach seiner' Kunst und seinem Ideal zurechtknete, sondern weil wir die Unabhängigkeit dieses persönlichen inneren Lebens, seine Hoheit im Vergleich zu allen äußeren Eingriffen anerkennen, -- grade deshalb wünschen wir die Hilfs-Anstalten von den Heils-Anstalten getrennt, und jene Jedermann ohne Ausnahme offen, diese denen die ihr Heil in der da gebotenen Form am ehesten zu erlangen meinen.“

Die flüchtige Zeit. Manchem ist es beim Durchblättern eines Kalenders schon aufgefallen, daß der 27. Juni dem Andenken „der sieben Schläfer“ gewidmet ist. Mancher hat sich wohl auch schon gefragt, was denn damit gemeint ist; und dem möchte ich die alte legende erzählen, auf Grund deren die katholische Kirche die sieben Schläfer dadurch auszeichnete, daß sie ihnen einen Ehrenplaß im christlichen Kalender gegeben hat.

In der Mitte des 3. Jahrhunderts, als der römische Kaiser Decius jenes furchtbare Edift erließ, das den Christen nur die Wahl gab, Christum zu verleugnen und den Göttern zu opfern, oder als gemeine Staatsverbrecher zu sterben, damals, als dieses Edikt mit raffinirter Grausamkeit im weiten Gebiete des römischen Reiches durchgeführt wurde, damals – so lautet die Legende flüchteten sich sieben Brüder vor den heidnischen Nachstellungen in eine Höhle in der Nähe von Ephesus, und diese Höhle wurde von ihren Verfolgern hinter ihnen zugemauert.

Da fielen sie denn in einen tiefen Schlaf und schliefen volle zweihundert Jahre. Als dort eines Tages Steinbrecher damit beschäftigt waren, Mauersteine fortzuschaffen, fanden sie die Höhle, und der erste Sonnenstrahl, der hineinfiel, weckte die Schläfer. Sie meinten nur einen Tag geschlafen zu haben. Da sie aber großen Hunger verspürten, schickten sie einen der Shrigen fort in die Stadt, Speise zu kaufen. Wie erstaunte dieser aber, in der ihm so wohl bekannten Gegend alles so ganz anders zu finden, als er gewohnt war? Eine Heberraschung folgte der andern. Die Mensdien waren alle so auffallend gekleidet; sie redeten einen ihm fast unverständlichen Dialekt; sie staunten ihn an wie eine fremde Erscheinung. Der Dianatempel, dieses Wunder der Welt, war verschwunden. Das ganze Aeußere der Stadt hatte sich gewaltig verändert. Nur wenige Häuser heimelten ihn an. Was ihn am meisten wunderte, das waren die Kirchen, die er sah an Stelle der alten Tempel. Von Christenverfolgung keine Spur. Und wie er nun in einen Laden ging, um Brod zu kaufen und bezahlen wollte mit den Münzen, die in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts geprägt worden waren, da ließ ihn der Bäcker, dem er gleich verdächtig vorgekommen war, verhaften. Er kam vor den Richter. Er erzählt seine wunderbare Geschichte und kann es selbst am wenigsten fassen, daß er zweihundert Jahre geschlafen haben soll. Die Geschichte wird schnell ruchbar in der Stadt. Der Bischof und eine unabsehbare Volksmenge geht mit ihm hinaus zur Höhle, wo die übrigen Brüder sind. Aber es währt nicht lange, und die sieben Schläfer finden im Tod ihre ewige Ruhe.

Ob ein Kern geschichtlicher Wahrheit dieser Legende zu Grunde liegt, läßt sich nicht sagen. Sie will offenbar die gewaltige Veränderung zuir anschaulichen Darstellung bringen, welche die schnell enteilende Zeit von zwei Jahrhunderten im Leben der Christen hervorgebracit hat. Und insofern trägt diese Legende eine ewige Wahrheit in sic).

Zur Abftimmung am 26. November erhält der Leser eine Beilage, die Jedem, dem es um die Sache zu thun, lauter und ohne Leidenschaft die Wahrheit jagt. Leider ist diese Schulfrage längst zu einem Rampf zwischen den zwei großen politischen Parteien geworden und so wird auch das Resultat der Abstimmung zu beurtheilen sein. Auf der einen Scite steht die jesuitischultramontane Partei nebst einem Anhang von orthodoxen Protestanten und Gegnern der Centralisation, auf der andern Seite die Partei der Freisinnigen, vom gemäßigten Lieberalismus bis zum linkesten Flügel der Radikalen. Diese zwei Heerlager stoßen am 26. November in der Schweiz aufeinander.

Anzeige: Auf die kommende Festzeit und für die Konfirmation dürfen als sehr passende Gesdienke bestens empfohlen werden: Der chriftliche Reisebegleiter, 500. Sprüche des neuen Testamentes mit Denkversen. Geheftet Fr. 2. 80, elegant gebunden Fr. 3. 60; und 250 Konfirmationsbent: sprüche in 5 Serien à 50 Blätter, die Serie zu Fr. 1. 20. Der Verfasser Beider ist der rühmlich bekannte Sängerpfarrer 3. Sprüngli, ehemals in Thalwil, nunmehr in Züridin hohem Greisenalter, aber noch in geistiger Jugendfrische lebend.

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Beilage zu Nr. 46 des „Schweiz. Protestantenblatte8“.

Der Referendumsfturm

gegen den

Schulartikel.

(Vortrag von J. Haber, Lehrer, in Basel.)

Schulsekretär und Art. 27. – Ueber diese Angelegenheit ist nun seit Monaten so viel gesprochen und geschrieben worden, daß sich heute ein Referent über diese gleichen Fragen wohl kaum mehr einbilden darf, noch Neues bieten zu können; und dennoch darf man nicht müde werden, in diesem To heftig entbrannten, für unser Vaterland so bedeutungsvollen Rampfe immer wieder mit neuem Eifer einzustehen. Wir dürfen nicht unterlassen, uns fortwährend an die große Bedeutung der Sache zu erinnern, für die wir kämpfen, und deren Tragweite uns übrigens gerade in dem erbitterten Kampfe selbst als eine nicht unbedeutende vor Augen gestellt wird.

I. Woher kommt der Art. 27, und wie ift er bis jeßt erfüllt ?

Indem wir nun zur Sache übergehen, wird es wohl kaum nothwendig sein, noch weitläufig auf die geschichtliche Entstehung der Streit frage einzatreten. Immerhin darf daran erinnert werden, daß der Art. 27 ein ächtes Kind des Volkes ist; denn aus der Mitte des Volkes und nicht von oben herab kam seiner Zeit der Wunsch, és möchte in der neuen Bundesverfassung auch ein Grundstein niedergelegt werden, auf dem das schweiz. Volksschulwesen einen festen Stügpunkt finden könnte.

Diese Bestrebung begegnete in den eidgenössischen Räthen begeisterten Freunden, aber nicht minder auch einer heftigen Opposition, und die Aufnaňme der Bestimmungen unseres Schulartikels war das Ergebnis einer heißen Redeschlacht. Der freisinnige Theil des Schweizervolkes aber begrüßte sie einstimmig unter den Perlen des neuen Grundgeseges, und sein Jubel galt nicht in legter Linie dieser Errungenschaft, die jedem Freidenkenden eine schöne Perspektive auf eine segensreiche Entwicklung der schweiz. Volksschule eröffnet.

In der Anwendung dieser , vom Schweizervolke so freudig begrüßten Grundfäße hat man sich bekanntlich keiner Ueberstürzung schuldig gemacht. Bald find neun Jahre verstrichen, seitdem das Fundament zum theilweisen Neubau des lieben Schweizerhäuschens gelegt wurde. Manches ist seither diesem stattlichen Unterbau angemessen renovirt und neu gebaut worden, und in verschiedenen Gemächern pulsirt ein neues Leben zum Segen des ganzen Haushaltes. Der Solbat ererzirt, der Nichtererzirende bezahlt, der Civilstandsbeamte liegt seinem minniglichen Geschäfte ob, der Fabrikarbeiter athmet bessere Luft, der wilde Strom wird eingedämmt und der Gebirgswald gepflegt.

Nun öffnet Mutter Helvetia die Schulstube, und siehe, ihre 25 Buben hantiren noch ganz nach der alten Verfassung. Der Eine liest Schiller und Göthe, sein Altersgenosse buchstabirt, ein Dritter memorirt Säße aus dem Syllabus, und in der Hintersten Bank fißt einer der ältesten und merkt noch kaum, daß er sein Lesebuch verkehrt vor sich hat. Wer sollte doch glauben, daß ihr alle meine Buben wäret ! klagt die betrübte Mutter, das muß anders werden, soll mein Haushalt nicht durch Zwietracht untergehen; drum her mit dem Art. 27.

Dieser nun von Mutter Helvetia unter dem Eindruck der traurigen Zerfahrenheit in der schweiz. Schulstube so energisch in Erinnerung gebrachte Schulartikel ist uns allen wohl bekannt. Seine Bestimmungen, um derenwillen nun der heiße Kampf entbrannt ist, gelten der Volksschule, soweit sie eine gemeinsame ist, für alle Kinder unseres Landes. Sie verlangen nämlich vom Primarunterricyt, daß er

1. genügend,
2. ausschließlich unter staatlicher Leitung,
3. obligatorisch,
4. unentgeltlich sei, und daß
5. die öffentliche Schule von den Angehörigen aller Bekenntnisse ohne

Beeinträchtigung ihrer Glaubens- und Gewissensfreiheit besucht
werden könne.

II. Welches ist die allgemeine Bedeutung des Schulartitelé ?

Betrachten wir nun die Bedeutung dieser Forderungen für die schweiz. Volksschule zuerst ganz kurz von einem mehr allgemeinen Standpunkte aus und hernach etwas eingehender in Bezug auf die religiöse Seite der Frage.

Die allgemeine Bedeutung wird sich uns hauptsächlich ergeben aus der dreifachen Forderung, daß der Primarunterricht genügend, obligatorisch und unentgeltlich sei.

Um diesen drei Forderungen Genüge zu leisten, müßte nach der Ansicht des Herrn Bundesrath Schenk und nach den auf Grund seines Programmes von schweiz. Schulmännern aufgestellten Postulaten ungefähr Folgendes geschehen.

Der Primarunterricht müßte eine allgemeine Bildung vermitteln, wie sie jedes Kind des Landes zur Vorbereitung auf das bürgerliche Leben nothwendig hat. Um diesen Zweck zu erreichen, hätten die Kantone für eine Lehrerbildung zu sorgen, welche für die Erfüllung der angedeuteten Forderung Gewähr bieten könnte, was gegenwärtig durchaus nicht überall geschieht.

Ferner wäre für die auf einen solchen Primarunterricht zu verwendende Zeit ein für Alle verbindliches Minimum festzuseßen und dafür zu sorgen, daß ein Lehrer gleichzeitig nicht allzu viele Schüler zu unterrichten hätte, weil sonst schwächere Kinder nicht genügend berücksichtigt werden können. Ebenso hätten die Kantone ihre Schulen mit den nöthigen Anschauungslehrmitteln auszustatten, wodurch dem Eintrichtern eines zum großen Theil unverständlichen und nußlosen Gedächtnißkrames Einhalt gethan würde.

Damit das Obligatorium nicht illusorisch gemacht würde, wäre das Absenzenwesen genau zu regeln ; und für den Fall, daß in abgelegenen Gegenden eine größere Zahl von Kindern durch einen allzu weiten Schulweg am regelmäßigen Schulbesuch gehindert wäre, hätte der betreffende Kanton auf eine Theilung des Schulkreises hinzuwirken. Im Bedürfnißfal würde der Bund solchen kleinen und in der Regel auch armen Gemeinden mit einer Subvention beistehen.

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