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wir auf ihre ohnehin schwache Position feinen Stein werfen. Vielen von ihnen ist im römischen Heerbann ohnehin peinlich zu Muthe. Wenn wir uns tapfer wehren, werden wir später die meisten auf unserer Seite haben. Hoffen wir, daß sich auch von der Gruppe III noch Manche befinnen, bevor sie sich ernstlich in einen Kampf einlassen, der gegen die heiligsten Interessen des Volkes gerichtet ist.

Die IV. und legte Gruppe bildet sich aus Männern verschiedener Art. Zahlreich vertreten sind diejenigen, die eben von ihren Führern durch verschiedene Mittel gewonnen worden sind und nun mitziehen in der bestimmtesten Meinung, daß sie sich für eine gute Sache wehren, weil ihnen eine tiefere Einsicht in die ganze Bewegung vollständig abgeht. Diese Leute handeln korrekt und sind nicht zu tadeln. Andere dieser Gruppe huldigen dem Grundsak: Weß' Brot ich eß', beß' lied ich sing'.

Unter diesen sind nicht wenige, welche die Referendumsbogen mit schwerem Herzen unterschrieben, weil die Verweigerung für sie schwer empfindliche Folgen gehabt hätte. Es fehlt aber auch nicht an solchen, die sich aus Wohldienerei angesd lossen, etwa einem großen Herrn zu Gefallen. Diesen Charakterlosen gebührt die Verachtung.

Aus diesen vier Abtheilungen besteht der Feind, vor dem wir uns am Morgarten zu hüten haben.

IX.
Weldjes sind die Einwendungen der Gegner ?
Diese sind mannigfacher Art.

Es sei nicht nöthig, ein Schulgesetz zu erlassen. Und doch sind in einzelnen Kantonen die Bestimmungen des Art. 27 bis heute beinahe vollständig unbeachtet geblieben, trozdem die neue Bundesverfassung fdyon seit mehr als acht Jahren besteht.

Der Bund sei nicht berechtigt, ein solches Gesetz zu erlassen. Nun steht allerdings im Art. 27 der Passus: „Die Kantone sorgen für genügenden Primarunterricht 2c. und am Schluß heißt es: „Gegen Kantone, welche diesen Verpflichtungen nicht nachkommen, wird der Bund die nöthigen Verfügungen treffen.“ Kann es nun eine loyalere Ausführung geben, als wenn der Bund gemeinsame Gesebesbestimmungen für Alle er: läßt! Was für ein Geschrei würde erst dann entstehen, wenn er gegen diejenigen Kantone, welche der Bundesverfassung mit ihren Schuleinrichtungen geradezu Hohn sprechen, ertra eingeschritten wäre, wozu er doch gewiß das Necht gehabt hätte! Es ist mehr als sonderbar, dem Bund das Recht zur Ausführung eines Verfassungsartikels durch gesetzliche Bestimmungen abzusprechen, während die Verfassung selbst dieses Recht durchaus nicht bestreitet.

Uebrigens muß hier bemerkt werden, daß der Bund in den gejeglichen Bestimmungen zur Ausführung des Art. 27 nur die leitenden Grundsäße aufzustellen hätte. Gewiß denkt kein Mensch an ein eidgenössisches Schulgeset, welches ro in alle Details einginge, daß die Volksschule in der ganzen Schweiz nach einer einheitlichen Organisation eingerichtet werden müßte. Die Verschiedenheit der Verhältnisse würde ja jo etwas geradezu unmöglich machen. Die Geseßgebung nach den vom Bund auf

gestellten Normen müßte also selbstverständlich nach wie vor den Rantonen überlassen bleiben.

Man vergreife sich an der kantonalen Souveränität. Aljo wenn der Bund allgemeine Bestimmungen erläßt und sogar noch Subsidien in Aussicht stellt, um die Saumseligen zur endlichen Erfüllung eines der wichtigsten Verfassungsartikel anzuhalten, dann verstößt er gegen die Rechte der Rantone. Verleßt er diese Rechte etwa auch, wenn er mit seinen Millionen die verheerenden Ströme eindämmt, deren Verwüstungen die betreffenden Landesgegenden ohnmächtig gegenüber stünden?

Man störe den Wettkampf der Kantone. Diese Einwendung kommt von Solchen, die der Sache ein Bein unterschlagen wollen, ohne daß es Andere merken sollten. Sie schämen sich in den Ruf der Ertremsten einzustimmen, müssen aber ihre Haltung doch auch durch ein Schlagwort decken; und nun passirt es ihnen, von allen Schlagwörtern das bodenloseste zu haben. Man will im Gegentheil die im Schulwesen bis jegt Zurück gebliebenen zu einem Wettkampf heranziehen, an dem sie sich bis jeßt noch nie ernsthaft betheiligt haben. Und wenn es gelingt, das Volksschulwesen in Innerrhoden, Wallis, Freiburg xc. zu verbessern, werden dann die vorgeschrittenen Rantone ihren Wettkampf aus diesem Grunde einstellen? Diese Einwendung ist nicht eininal werth, besprochen zu werden.

Alle die genannten Wehrufe werden aber übertönt durch das Geschrei über Religionsgefahr. Wo ist denn die Religionsgefahr ? Verbietet etwa Jemand ben fonfessionellen Religionsunterricht? Nein. Man will ihn nur nicht mehr als Bestandtheil des Volksschulunterrichtes, sondern er foll den Geistlichen überlassen sein, der Kirche, einem Institut, dem die Eltern ihre Kinder übergeben können, wenn sie es wollen und wie sie es wollen, die Einen der orthodoren, die Andern der freisinnigen und die Dritten der israelitischen Kirche. Kommt denn der Katholizismus in Gefahr, wenn der Staat sagt: Es ist der für alle Landeskinder gemeinsamen obligatorischen Schule nur noch gestattet, zu lehren, was Alen gemeinsam ist. Sie darf nicht mehr vor unschuldigen Kindern Andersdenkende verfluchen, das darf nur noch der Pfarrer in seinem Unterrichtszimmer und in der Kirche. Kommt die Orthodorie in Gefahr, wenn die Schule den Religionsunterricht nur noch so weit ertheilen darf, als er sich stüßt auf die religiösen Grundfäße, die allen gutdenkenden Menschen gemeinsam sind? Gewiß nicht! Gegentheil. Für die wahre Religion wird auf diese Weise in den Herzen der Kinder ein fester Grund gelegt. In Gefahr kommt nur die Frreligion der Selbstgerechtigkeit, des Hochmuthes, der Lüge und der Verdammungssucht, die Religion, welche mur darauf ausgeht, das arme Volk in die Finsterniß des Aberglaubens zu verbannen, um es desto besser ausnußen zu können für selbstsüchtige Zwecke; die Religion, welche der Menschheit schon mehr Unheil bereitet hat, als alles Böse in der Welt zusammengenommen.

Auch in der Vorschrift, daß die Schule unter staatlicher Leitung stehe, ist absolut nicht gesagt, daß ein Geistlicher nicht Mitglied der Schulbehörde sein dürfe. Dagegen rol weder ein Pfarrer noch eine kirchliche Behörde von Amtswegen an der Schule betheiliget sein. Daß in einer Staatsschule Personen, welche in ihrer Eigenschaft als Lehrende auch den Weisungen religiöser Genossenschaften gehorchen müßten, nicht zugelassen werden sollen, ist selbstverständlich. Ebenso werden die Privatschulen nicht unmöglich gemacht, wohl aber den staatlichen Vorschriften strenger unterstellt, was nur recht und billig ist. Man sollte sie überhaupt so wenig als möglich be günstigen, denn sie sind vielfach Ursache, daß so viele Neidhe eine Mißachtung gegen das ärmere Volk beibehalten, weil sie dasselbe niemals kennen gelernt haben. Wir finden unter Kindern der Minderbegüterten Eigenschaften, die den sog. Hochgeborenen sehr zu wünschen wären. Aber wie schon be merkt, sollen auch die Privatschulen bestehen bleiben.

X. Was beabsichtigen die Gegner ? Ihre Rundgebungen aus der leßten Zeit können hierüber kaum mehr Zweifel besteheu lassen. Sie wollen eben keine bessere Volksbildung und würden nur zu gern die wieder aus der Welt schaffen, die wir heute haben. Sie wollen überhaupt alles Das nicht, was zur weiteren Volksbefreiung dienen könnte. Das Ziel ihres Rampfes ist selbstverständlich am allerwenigsten der Schulsekretär. Von diesem Schulsekretär, der die Aufgabe bekäme, den Stand des Volksschulwesens in den verschiedenen Kantonen zu untersuchen, um zu erfahren, ob und für welche Verhältnisse nachher gesetzliche Bestimmungen erlassen werden müßten, – von diesem habe ich mit Absicht bis jezt nicht gesprochen, weil es sich in diesem großen Kampfe, wie schon gesagt, längst nicht mehr um diesen handelt. Diese Herren sind nicht so unklug, den Schulsekretär mit seinen paar tausend Franken Gehalt als das Hauptmotiv für einen Referendumssturm hinzustellen; aber als „Bölima“ für die uneingeweihte Masse hat er ihnen gute Dienste geleistet, das müssen wir zugebeu.

Nein, ihr Ziel ist der ganze Schulartikel und in zweiter Linie die Bundesverfassung überhaupt in allen den Bestimmungen, die einer freiheitlichen Entwicklung unseres republikanischen Staatswesens Vorschub leisten, und die wir als die Perlen der Verfassung mit Jubel begrüßt haben.

Dieser Vorwurf gilt aber durchaus nicht den 180,000, welche die Referendumsbogen unterzeichnet; wir hätten Unrecht, denselben so weit auszudehnen. Glauben wir nur, daß weitaus die Mehrzahl dieser 180,000 die Ueberzeugung hat, dem Wohle des Volkes und der Nepublik zu dienen und somit in guten Treuen handelt. Ein gerechter Tadel trifft nur das Offizierscorps der Armee, die Rädelsführer, welche das Volk mit allerlei unwahren Vorgaben bethörten. Das sind unsere Gegner. Sie sind uns alte Bekannte; denn ihr Schlachtenruf tönt durch die ganze Geschichte hindurch, wo immer die gebeugte Freiheit des Volkes ihr Haupt erheben wollte. An Vorwänden hat es diesen Leuten nie gefehlt.

„Er hat Gott gelästert, was bedürfen wir weiterer Zeugen“ so hat einer ihrer Gesinnungsgenossen vom hohenpriesterlichen Stuhle zu Jerusalem herab dem großen Nazarener, dem größten Freunde der Volksbefreiuug zugerufen. Wie ertönte ihr Geschrei in unserem Vaterlande, als zur Zeit der helvetischen Republik auf den Trümmern der alten Vorrechte einzelner Familien, Städte und Stände der neue Bund für die gleichberechtigten Bürger aufgerichtet wurde; und wie bemühten sie sich bei jeder Gelegenheit, die Errungenschaften des Volkes wieder zu untergraben. Nicht minder zeigt sich der hartnäckige Widerstand dieser Partei gegen die Verwirklichung volksbefreiender Ideen in den Dreißigerjahren, und ebenso erinnern uns an diese Kämpfe die fahre 1845, 47, 72 und 74.

Ja, verehrte Freunde, machen wir uns klar, daß wir am 26. Novem= ber 1882 wieder die gleichen Gegner vor uns haben. Ihre Stimme ist die Stimme der Reaktion im Augemeinen und diejenige Noms im Besondern. Sagen wir es frei heraus: das Hauptquartier ihres Generalstabes ist im Vatikan. Unser Kampf ist heute nicht ein Schulfampf, sondern er ist ein politischer Rampf mit eminenter Bedeutung für die Zukunft unseres Vaterlandes.

XI.

Unsere Aufgabe. Welches ist nun unsere Aufgabe. Ich denke, sie ist uns klar vorgezeichnet. Wir dürfen, wie schon gesagt, nicht müde werden, uns und Andere über die hohe Bedeutung dieser vaterländischen Angelegenheit zu beYehren. Es steht uns hiebei der Vortheil zur Seite, daß wir offen hervor: treten dürfen mit dem, was wir wollen, weil wir eine gute Sache verfechten. Vertrauen wir auf die gute Sache, aber unterlassen wir nicht, für dieselbe zu arbeiten, ein jeder an seinem Plaße und nach seinen besten Kräften. Ermahnen wir in unsern Kreisen die Gesinnungsgenossen, damit am Tage der Entscheidung keiner unterlasse, seine Pflicht zu thun. Dann wird es vielleicht möglich sein, die stattliche Freiheitsarmee von 1874 wieder unter die Fahne des Fortschrittes zu rufen. Möge sie wie damals mit der Macht der redlichen Ueberzeugung an die Urne treten, um auf diesem Kampfplaße der Vollssouveränität über die Frage zu entscheiden, ob es heute noch ein freisinniges Schweizervolk gebe, das willens sei, die schönen Errungenschaften mit Erfolg zu vertheidigen, die wir vor acht Jahren so freudig begrüßten, oder ob es der Reaktion gelingen soll, mit der Zerstörung des schönen Werkes beginnen zu können.

Indem wir mit hoher Begeisterung für die Sache einstehen, sind wir anderseits weit davon entfernt, die überspannte Behauptung aufstellen zu wollen, daß die Volksbildung allein willens sei, alle die Uebelstände auf den verschiedenen Gebieten des sozialen Lebens zu heben; aber das dürfen wir behaupten, daß in der Jugendbildung eine mächtige Kraft liegt, um eine Besserung der gesellschaftlichen Zustände herbeizuführen. Handeln auch wir nach dem Loosungswort: Wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft. Die Zukunft unseres Landes aber gehört dem Fortschritt und der Freiheit; darum wollen wir uns geloben: Wir überlassen die Erziehung unserer Rinder nicht den Mächten der Lüge und der Finsterniß, die zur Knechtschaft führen, sondern wir wollen sie erziehen im Lichte der Wahrheit zur Freiheit, damit sie nach uns die treuen Wächter seien für die heiligsten Güter eines republikanischen Volkes.

Hoffen wir, daß uns der 26. November eine neue Gasse öffne für eine freiheitliche Fortentwicklung unseres republikanischen Staatswesens !

Es lebe unsere Jugend !
Es lebe das Vaterland!

Buchdruckerei I. Frehner, Basel.

Fünfter Jahrgang.

No 47. Samstag, 25. Novbr. 1882.

Schweizerisches Proteftautenblat

Her ausgeber:
Pfr. A. Altherr und E. Linder in Basel, Pfr. Bion in Zürich.

Wir sollen nur nicht in Sinn nehmen, daß der Heilige Geist gebunden jei an Jerusalem, Rom, Wittenberg oder Basel, an deine oder eine andere Person. In Christo allein ist die Fülle der Gnade und Wahrheit.

Decolampad an Suther.

Erscheint jeden Samstag. Man abonnirt auf jedem Postamt der Schweiz und des Auslandes. Preis halbjährlich franko zugesandt 2 Fr. Wer das Blatt in Basel gratis erhalten will, kann dasselbe in der Buchdruckerei J. Frehner, Steinenvorst. 12, abholen.

Die chriftliche Sirtenpflicht der rettenden Liebe.

(Lukas 15, 3—7.)

Als Rain, so erzählt uns eines der ersten Bibelblätter, von Gott gefragt wurde: „Wo ist dein Bruder Abel ?" da antwortete er mit trokig aufgeworfener Lippe: „Ich weiß es nicht! Soll ich etwa meines Bruders Hüter sein ?“ Diese Rainsrede war zu allen Zeiten die Rede des Egoismus; jenes kalten Egoismus, für welchen nur das eigene liebe ich einen Werth und eine Bedeutung hat; weldjer lächelnd zusieht, wenn zu seiner Rechten und linken, vor ihm und hinter ihm hunderte und tausende von Mitmenschen an Leib und Seele verbluten; welcher sogar mit vornehiner Eleganz beseitigt oder niedertritt, wer ihm hindernd ihm Wege steht. „Wenn nur ich satt bin, was geht mich der hungrige Magen der andern an; wenn nnr id tugendhaft bin, was kümmert mich das Laster der übrigen!“ so brüstet sich immer auf's neue der alte Rainssinn, redet gelehrt vom berechtigten Kampf um's Dasein.

Ueber dem Grabe Rains flogen einige Jahrtausende dahin. Da trat ein anderer Mann mit anderer Rede auf. Er nannte sich den Menschensohn. Den Zweck seiner Sendung faßte er zusammen in das Wort, daß er nicht gekoinmen sei, daß ihm gedient werde, sondern daß er diene, daß er suche und selig mache, was verloren sei. Er lehrte seine Jünger : Was ihr dem geringsten unter meinen Brüdern thut, das habt ihr mir gethan!“ Und um den Sinn dieser Worte klar zu machen, nahm er Kinder auf die Arme und segnete sie; rief er zu sich die Mühseligen und Beladenen im Volfe allzumal ; allen bot er seine rettende Hand, sein erbarmendes Herz

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