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Šo geht es fort und fort. Verheißung und Erfüllung wechseln in gewissen Zeiträumen immer mit einander ab. Alles Wahre und Gute blißt zuerst nur vereinzelt auf, da und dort, wie fernes Wetterleuchten : das sind dann eben Verheißungen, Feuerzeichen, Prophetenstimmen, Weis„sagungen der Zukunft. Sie versinken vielleicht wieder spurlos in dunkle , Nacht; sie verballen vielleicht ungehört, wie eine Stimme in der Wüste, „bis unversehens die Sonne hinter den Bergen emporfteigt und der Morgenruf durch die Welt dallt: „Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt!“ Die Zeit der Erfüllung ist da! Aber dann ist die Sache erst „wieder nicht fertig, es fängt wieder eine neue Entwicklung an; es tauchen wieder neue Fragen, neue Bedürfnisse, neue Aufgaben und Zielpunkte auf, aus demselben Geiste geboren, aus dem ewigen, nie ruhenden Geist der

Entwicklung und des Fortschritts. So gibt es immer wieder neue Ver„heißungen und neue Erfüllungen und wieder Verheißungen und wieder Erfüllungen fort und fort bis an's Ende der Tage."

Das ist die Ebbe und Fluth im geistigen Leben der Mensdyheit, die sich ablösen nach wunderbarer, ewiger Ordnung; das ist der majestätische „Wellenschlag der Weltgeschichte, dessen Wogen sich heben und senken in erhabenem Gleichmaß; das sind die Stationen in der göttlichen Erziehung „des Menschengejchlechtes. Es wird immer wieder Advent und wird immer „wieder Weihnacht in der Welt, und im Hinblick auf diese erlabene Gottes,,ordnung rufen auch wir mit dem Apostel : Wie groß und wunderbar sind ,,deine Wege !“ *)

So sei uns gegrüßt und jedes Jahr hoch willkommen, du schöne Ad: ventszeit. Du gießest frohe Hoffnung in's bange Herz; dem Kinde eröffnest du die Aussicht auf nahe Festfreude, und dem Manne zeigst du auch in trüber Zeit eine schönere Zukunft !

L.

Die Schwestern vom rothen Kreuz.

I.

Als Gehülfin des Arztes. Unser Freund, Pastor Kradolfer in Bremen, hat daselbst eine bereits im prächtigsten Gedeihen stehende Anstalt von solchen Diakonissinnen gegründet, welche die Krankenpflege ohne pietistische Propaganda in rein christlich-humanem Geiste besorgen. Da auch in Zürich dieser Tage eine solche Anstalt ins Leben tritt, gegründet vom zürcherischen Verein für freies Christenthum, so werden unsere Leser gerne etwas aus dem Vortrag vernehmen, den Kradolfer jüngst über die Aufgabe der Schwestern vom rothen Kreuz gehalten hat. Er weist diesen Schwestern eine dreifache Aufgabe zu, als Gehülfin des Arztes, des Armenpflegers und des Seelsorgers zu wirken. Daß die Gemeindeschwester in erster Linie die Gehülsin des Arztes ist, sollte kaum noch eines Beweises bedürfen. Den größten Theil ihrer Berufsbildung hat sie am Krankenbette empfangen. Weitaus in den meisten Fällen ist es das Auftreten einer mehr oder weniger heftigen Krankheit, was ihr Erscheinen in einem Hause veranlaßt. Entweder sind es die Angehörigen des Kranken, welche ihren Nath und ihre Hülfeleistung sich erbeten haben, oder aber der Arzt selbst hat ihre Dienste in Anspruch genommen. Sie soll die Temperatur eines Kranken messen, denselben verbetten, ihn vor dem Durchliegen düşen, sie jou dem Arzt bei einer Operation behülflich sein, eine Wunde verbinden helfen. Nicht selten ist sogar der größte Theil der Behandlung und Verantwortung in die Hand der Schwester gelegt. Lassen wir uns von einer derselben ein Beispiel als Beweis geben.

*) Zwingli Wirth, alte Wahrheit für die neue Zeit, øg: 5.

Irgendwo auf dem Laude, in einem einsamen Gehöft, ist der Typhus ausgebrochen. Der Arzt wohnt Stunden weit davon entfernt und fann hödystens einmal des Tages dahinkommen. Er requirirt eine Schwester, gibt ihr die nöthigen Anweisungen, auf welche Symptome sie besonders zu achten, wann sie die Kranken zu baden, wie sie ihre Diät einzuridten hat, und überläßt sie mit ihren Pflegebefohlenen ihrem Sdickjal. Je den zweiten, dritten Tag verspricht er vorzukommen, wenn nicht etwas Besonderes seine Gegenwart ihr nothwendig erscheinen läßt.

Beim Eintritt in das Haus hat die Schwester sich bald überzeugt, daß die Eine ihrer Patienten hoffnungslos ist. Es ist die Mutter des Hauses, eine Frau von fünfzig Jahren, welche zuerst von der Krankheit ergriffen wurde. Ein heftiger Schüttelfrost stellt sich bei ihr ein, durch weld)en eine akute Lungenentzündung eingeleitet wird. Den andern Tag ist sie gestorben. Wer weiß, ob sie nicht gerettet worden wäre, wenn man nicht, wie dies leider auf dem Lande beinahe die Regel ist, zu spät nad dem Arzte geschickt, wenn Hilfe und Pflege gleich zur Stelle gewesen wären !

Die ganze Aufmerksamkeit der Sdwester ist nun auf die übrig gebliebenen Patienten gerichtet. Ein Sohn der Verstorbenen befindet sich entschieden auf dem Wege der Besserung; Fieber sind nur noch des Abends. Schwierig wird die Pflege nur dadurdy, daß der Patient sich nicht nach den diätetischen Vorschriften richten will; sein Appetit steht mehr nach dem eingesäuerten Rohl, nach Speck, Wurst und geräuchertem Fleisd), als nach der Bouillon, weldje die Schwester ihm bereitet. Da gilt es für diese sich in Respekt zu setzen und darauf zu achten, daß nicht hinter ihrem Rücken gesündigt wird.

Bei umsichtiger Behandlung bessert sich der Kranke zusehends, aber die Hoffnung, daß mit der Genesung des Sohnes die Seuche besiegt sei, hat sich als eine trügerische erwiesen. Nach und nach werden fast sämmtliche Hausgenossen von derselben ergriffen. Die Kräfte Einer Sdwester, die zugleich den größten Theil der Wirtschaft führen muß, wenn nicht alles drunter und drüber gehen soll, reichen nicht mehr aus; eine zweite Schwester wird aus der Anstalt hergeholt, und nun theilen sich die beiden in die Arbeit. Die Patienten fangen jetzt an, die Wohlthat einer guten Pflege anzuerkennen: die Genesenden suchen sich auf alle mögliche Weise erkenntlich zu zeigen, und die Sdwestern selbst freuen sich, wie es in den Räumen, die sie wie eine große Stallung vorgefunden, immer eleganter und beyaglicher wird.

Auch der freundliche Arzt hat seine Freude daran und führt eines Tages der Familie ein Lamii zu, das geschlachtet wird und an dem Genejende und Sdwestern wie an einer Opfermahlzeit sich erlaben. Von acht erkrankten Personen sind sieben gerettet; das ganze Dorf ist über das frohe Ereigniß entzückt, und während das Haus im Anfang wie die Pest gemieden war, so stellen sich jeßt Besuche von Jung und Alt ein.

Ist das nicht ein Stück Rriegsleben mitten im Frieden ? Immerhin noch ein ziemlich harmloses Bild, wenn wir es mit den Anforderungen vergleichen, weldie etwa in Thyphusepidemien des sächsischen Erzgebirges an die Albertinerinnen aus Dresden oder vor Jahren an die russischen Schwestern vom rothen Kreuz bei einer furchtbaren Diphtheritis-Epidemie im südlichen Rußland gestellt worden sind. Und doch ein der unmittelbaren Wirklichkeit entnommenes Bild dessen, welche Dienste eine Schwester dem Arzte leisten kann, welche Verantwortung auf ihre Schultern gelegt ist. „Es war etwas schlimm hergegangen“, schreibt eine derselben, „solche Nächte habe ich noch nie erlebt. Dennoch finden wir es hier prachtvoll

, eine wunderschöne Pflege ist es, ich habe es mir immer so gewünscht: ..“

Wo die Pflegerin in solcher Weise ihren Beruf auffaßt und versteht, da entwickelt sich in der Regel zwischen Arzt und Schwester ein Verhältniß gegenseitigen Vertrauens, der Achtung und des Wohlwollens, wie es in dem Maße in der gewöhnlichen Privatpflege kaum sich entwickeln kann. Beide wissen, was sie an einander haben und was ihre vereinte Kraft vermag. Arzt und Pflegerin, dadurch, daß sie Gefahren, Freud und Leid miteinander getheilt haben, sind Freunde, Kriegskameraden geworden, ohne daß die Disziplin, die Autorität des Arztes und die Subordination der Schwester barunter gelitten hätte : im Gegentheil !

Soziale Süffe. Aus dem wüsten Treiben gegen den umgebrachten, eidgenössischen Schulsekretär hörten wir doch wenigstens einen uns sympathischen Ton. Die Gegner rebeten sehr laut von sozialen Nothständen, wie Bund und Rantone dem armen Volk zu Hülse kommen sollten und ein Erdäpfelsekretär viel nothwendiger wäre, als ein Schuljefretär. Von der Seite war uns dieser Ton neu; daß das bloße Almosengeben niemals die Quellen der Armuth verstopft, eher Bettler und Heuchler pflanzt, daß den nothleidenden Klassen in viel wirksamerer Weise geholfen werden muß, die Erkenntniß bricht durch und dato hat kein Gesek vom Volt angenommen zu werden Anssicht, wenn es den unteren und mittleren Klassen neue Lasten aufbürbet, ftatt die alten zu erleichtern. - Der jeßige Große Rath Basels ist auf Grund ziemlich deutlicher Versprechungen in dieser Richtung gewählt worden und zeigt sich bestrebt, dieselben zu erfüllen. Er hat bis jeßt einige ganz kleine, bescheidene Schritte gethan, indem er z. B. die mindestbegüterte Klasse von der Genreindesteuer erleichterte und die Banknotenemission mit einer bescheidenen Steuer, drei vom Tausend, belastete, aber wer trat auch diesen leisen Fortschritten entgegen ? Eine Aufgabe viel tiefergrei

fender Natur, welche dem Basler Großen Rath obliegt, ist indeß die obligatorische Kranken- und Begräbnißversicherung für alle Einwohner des Kantons. Eine dafür niedergesepte Kommission hat darüber einen Bericht zu Handen des Großen Rathes veröffentlicht, der eine Richtung einschlägt, in welcher dieses Werk zu einer Lösung führen würde, die man als wichtige soziale Hülfe bezeichnen dürfte. Die Kommission will nämlich die obligatorische Kranken- und Begräbnißversicherung nicyt, wie die Regierung und ein Vorschlag des Herrn Dr. Fr. Müller, bloß für einzelne Kategorien von Einwohnern, sondern auf sämmtliche Einwohner ausdehnen. Der große Unterschied springt in die Augen. Bei dem Zwang der Versicherung bloß für eine einzelne Klasse müßte ein so hoher Versicherungsbeitrag erhoben werden, daß die Einführung derselben eher als Last denn als Wohlthat empfunden würde. Dagegen, wenn von jedem Einwohner über sechszehn Jahren ein bestimmter Beitrag an die Anstalt gefordert wird, so ist vorauszusehen, daß wenigstens ein Fünftheil der Versicherten, nämlich die Begüterten, von dem Vortheil der Versicherung keinen Gebrauch machen, sondern den Hausarzt beibehalten, somit dem übrigen Vierfünftheil der Bevölkerung auf dem Weg des Gesekes eine große Wohlthat erweisen würde. Die Kommission vertheidigt diese Lösung in ausgezeichneter Art und komint auf Grund von statistischen Erhebungen zu dem Schluß, die jährliche Prämie von 12 Franken für einen Erwachsenen würde genügen, um ihm selbst und allen seinen Kindern unentgeldliche Arzthülje, Medikamente und Beerdigung zu verschaffen. Der unbemittelte und wenig begüterte Familienvater rechne einmal aus, was das für ihn und seine Familie für eine große Hülfe und Be ruhigung wäre ! Die Armenpflege würde dadurch von enormen Ausgaben entlastet und könnte den Armen im Notfall die Prämie bezahlen helfen. Schon bestehende Krankenkassen könnten ihre gesegnete Wirkjamkeit dadurch fortseßen, daß sie statt der bisherigen Pflege ihren Betheiligten ein entsprechendes Krankengeld verabreichten. Der Anstaltsärzte müßte die Anstalt jedenfalls eine so große Zahl haben, daß jedem Einwohner die Wahl zwischen mehreren seines Bezirks freigestellt werden könnte. ALS Besoldung dieser Anstaltsärzte ist pro Jahr 6-8000 Franken in Aussicht genommen. Daß die Gesellschaft der hiesigen Aerzte diesem großartigen Projekt nicht sehr freundlich gesinnt ist, indem sie eine daherige Schädigung des ärztlichen Standes in materieller und ideeller Hinsicht befürchtet, dieß kann man bedauern, darf aber nicht zu schwer in's Gewicht falen, denn es handelt sich um eine eminente, soziale Hülfe für das Volk, wobei nicht das Interesse eines einzelnen Standes entscheiden kann.

Einem andern Eimvand, der natürlich auch erhoben werden wird, dem nämlich, daß diese Versicherung der Bedürftigen auf Kosten der Wohlhabenden eine sozialistische Maßregel sei, begegnet sogar der sehr konservative Professor von Miastowsh) mit folgendem Worte: Es ist das Wesen der Versicherung, daß sie die Lasten der Alle bedrohenden, aber nur einen Theil wirklich treffenden Gefahr für diejenigen, die sie trifft, erträglich macht, indem sie die Lasten auf Ade, von derselben Gefahr Bedrohten vertheilt. Und eine Bevölkerung, die aus eigenem Willen die progressive Einkommenssteuer, den Schulzwang, den Normalarbeitstag u. s. w. besigt, die wird sich von der Einführung des Kassenzwangs durch das nur auf politische Kinder berechnete Sdyreckgespenst, daß diese Maßregel eine sozialistische oder gar kommunistische sei, wohl kaum abhalten lassen. Das ganze Werk ist wie gesagt erst im Stadium der Vorberathung und in den Tagen des vor seiner Geburt erstickten Schulsekretärs läßt sidy auf nichts mehr schwören; aber nach unserer Ansicht fann der Basler Große Ráth seine Thätigkeit mit keinem andern Werk schöner krönen und möchten wir den Bericht der Kommission (Dr. I. G. Wackernagel, Rob. Bindschedler, Prof. Fr. Burckhardt, Dr. Göttisheim, Prof. Kinkelin, Dr. Fr. Müller, Karl Nyhiner, N. Schweizer, Dir. P. Weißenbad)) Jedermann zur Prüfung empfehlen. In andern Kantonen ist die Reduktion der Mitglieder des Großen Kathes im Werf, weil das Volf doch über jede wichtige Vorlage entscheiden fann, und weil jo manche Behörde das bemühende Schauspiel darbietet, daß eine Partei die andere systematisch an der Arbeit hindert, wobei ein Pferd den Wagen vorwärts, ein anderes ihn rückwärts zieht und

Wagen bei aller Kraftanstrengung an gleicher Stelle verharrt. We aber Basels Großer Nath in nächster Zeit auch noch die Krankenversicherung zu einem glücklichen Ende bringt, so hat er seine Lebensfähigkeit mehr als bewiesen.

Die bernische Kirchensynode gewährte wieder ein Bild des Friedens. Die vermittelnde Partei dominirt darin, die Orthodorie zur Rechten und die Reform zur Linken, gibt sie einer geben, was ihr gebührt. Der dogmatische Streit ist für diese Synode vorüber und ebenso sind die organisatorischen Fragen durch das gute Kirchengesetz erledigt. Die evangelisch reformirte Kirchensynode beschäftigt sid) mit Fragen des praktischen Lebens, wie dem Pfarrermangel abzuhelfen wäre, wie für die zerstreuten Protestanten in katholischen Bezirken von der Landeskirche aus besser gesorgt werden könnte, wie dem Konkubinat zu steuern und was für die bessere Ernährung und Bekleidung armer Schulkinder zu thun sei. Der Synodalvorstand erläßt ein Girkular an die Pfarrämter, worin diese aufgefordert werden, in letzterer Beziehung die Initiative zu ergreifen und das Werk, wo es von Andern begonnen ist, zu unterstüßen. Das ist einmal eine glückliche Synode. Nadidem in Basel die nothwendigen, organisatorischen Fragen erledigt sind, dürfen wir hoffen, daß auch die Basler Synode sich allmälig aus einem Streitkollegium in eine Gesellsdaft guter, christlicher Werke umwandeln werde. Basler Kirchenzeddel Sonntag den 10. Dezember.

Münster St. Peter St. Leonhard | St. Theodor Morgenpredigt 9 Uhr Wirth

A. Linder Altherr E. Stähelin Rinderlehre

V Preiswerk 11

Miville Brändli Th. Barth

( Wirth Abendpredigt 3 Stockmeyer Böhringer Roth

E. Linder Anzeige. Der Frauenverein J. $t. I. gedenkt auch dieses Jahr armen Kindern der St. Leonhardsgemeinde eiiie Weihnachtsfreude zu bereiten. Die Mitglieder sind freundlich ersucht, ihnen bekannte, arme, brave Familien anzumelden.

Druck und Erpedition von J. Frehner, Steinenvorstadt 12, Bajel.

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