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Ausführung zu viel Schwierigkeiten in den Wey legen. Ich glaube, Sie dürfen mehr Vertrauen in Behörden und Volt haben. Das großartige Projekt fand jetzt schon die Zustimmung von Männern aller Parteien. Basel ist mit solchen humanen Hülfswerken, durch welche das Christenthum in die Gesezgebung sich einleben soll, immer vorausgegangen, wie die Progreßsteuer beweist. Viele der mit Glücksgütern gesegneten Einwohner werden mit Freuden 12 Fr. per Jahr bezahlen, um Tausenden die schweren Frankheitszeiten etwas erleichtern zu helfen. Die Einsichtigen unter ihnen müssen sich ja zudem sagen, daß sie auch Pflichten haben gegenüber der Arbeiterbevölkerung, durch deren Mitwirkung sie ihre großen Reichthümer ansammeln konnten. Ich erwarte also von dieser Seite keine Heftige Opposition und wenn sie käme, wäre sie erst recht nicht zu fürchten. Die Gegner des planirten Fortschritts find mehr unter denjenigen zu suchen, welche mit allen Schwierigkeiten, welche die Einführung desselben mit sich bringt, vertraut sind. Die Aerzte besonders befinden sich in dieser Lage. Die befürchtete Schädigung ihres Standes ist ihnen selbst gewiß eher eine Nebensache als die Hauptsache. Sie heben namentlich hervor, daß den armen Leuten durch unentgeltliche ärztliche Hülfe und Medikamente sehr wenig gedient sei, wenn es sonst an allen übrigen Bedingungen einer richtigen Krankenpflege, wie Licht und Luft und Reinlichkeit und entsprechende Nahrung fehlt, und im Weitern glauben sie, daß wenn in Basel die Versicherung eingeführt würde, die Kranken von allen Seiten (daarenweise in unsere Stadt einziehen und diese bald zu einem großen Spital machen würden. Daran ist auch sicher etwas, aber es lassen sich Mittel dagegen finden, und die Aerzte werden das Projekt auch nicht verhindern, gewisse Volksabstimmungen der letzten Zeit sind ein sicherer Beleg dafür. Ich fürchte, die größere Gefahr für das Werk könnte eher von Seite derjenigen kommen, denen es am meisteri zu Gute kommen jou, weil eben die 12 Fr. auf das Erwachsene, alio 24 Fr. für Mann und Frau per Jahr, Etliche abschrecken mögen. Hierin muß dann eben für gehörige Belehrung gesorgt werden, damit der Familienvater es an den Fingern abrechnen kann, wie gut er fährt, wenn er diese Last auf fid nimmt. Wenn dann etwa diejer oder jener Gegner das als Geschütz in's Feld führen will, der Zwang zur Versicherung sei ein Eingriff in die „persönliche Freiheit“, so erkennt Jedermann, daß dies eine verrostete Ranone ift. Profesjor v. Miaskowsky nennt sie ein Schreck gespenst für politische Kinder. Der Steuerzwang und der Schulzwang und der Militärzwang müßte ja jener „persönlichen Freiheit“ zu lieb auch wieder abgeschafft werden.

Kirdliche Minderheiten sind in Städten viel besser daran als auf Dörfern. In der Stadt gibt es eine große Auswahl von Kirchen. Mag Jemand in seine Gemeindekirche nicht gehen zu dem Prebiger, welcher gerade an der Reihe ist, so findet er fünf oder zehn Minuten weiter sicher den Prediger nach seinem Herzen. Wenigstens in Basel ist es so und an gewöhnlichen Sonntagen hat noch immer Jedermann Plaß gefunden. Das gegen auf dem Dorf, das nur einen einzigen Prediger besitzt, gestaltet sich die Sadie viel schwieriger, denn bis zur nächsten Dorfkirche ist es oft

stundenweit. Finden sich dort starke Minderheiten, denen es der Prediger nicht kann (es ist freilich oft nur mangelhafter guter Wille von beiden Seiten), so werden diese darnach trachten, in der eigenen Kirche von Zeit zu Zeit einen Prediger ihrer Nichtung hören zu können. Dieses Bestreben zeigt sich jeßt in zwei Nachbargemeinden Basels, nämlich in Liestal und Niehen, dort gegenüber einem konservativen und hier gegenüber einem freisinnigen Geistlichen. An beiden Orten ist es natürlich dem Pfarrer sehr unangenehm und wissen wir noch nicht, wie die Gemeinden entscheiden. Uns scheint es schon ein bedeutendes Zugeständniß, wenn der Minderheit die Kirche für den Sonntag Nachmittag und Abend zur Verfügung gestellt wird.

A.

Festgeschenke. Festgeschenke auszulesen ist immer eine schwierige Sache ; vielleicht erweise ich einigen Lesern einen Gefallen, wenn ich sie auf folgende drei Bücher für die Frauenwelt aufmerksam mache. Karoline Perthes, geb. Klaudius, dargestellt von W. Brandt. Dritte Auflage. (Gotha, Perthes. 1882.)

Es ist die Tochter des bekannten Wandsbecker Boten, Mathias Klaudius, eine ihres Vaters in jeder Beziehung würdige, seltene und edle Frau, die uns hier in einem hödyst interessanten Lebensbilde, zum großen Theile in ihren eigenen Briefen vorgeführt wird. Wie sich in einer Frau das lebhafteste Interesse und Verständnis für die höchsten Lebensfragen zugleich mit der Fürsorge für die kleinsten häuslichen Angelegenheiten verbinden kann, tritt uns lebendig in dieser Biographie entgegen, die noch erhöhtes Interesse dadurch gewinnt, daß sie uns in jene Sdyrecenszeit der französischen Herrschaft versetzt, unter der auch Hamburg im Anfange unseres Jahrhunderts zu leiden hatte. Was unsere Mutter auf Erden erlebt hat. (Gotha, Perthes. 1881.)

Ein einfadies und bescheidenes Frauenleben, das in keiner Weise weitere Kreise bewegt hat, wird uns hier von der Hand der Tochter gezeichnet in jener breiten Behaglichkeit und religiösen Wärme, wie sie das Frauengeschlecht liebt. Mit Interesse und gemüthvoller Theilnahme verfolgt man das stille und engbegrenzte Leben der uns unbekannten Frau, die aus einem reichbewegten, an Liebe und Leid übervollen Dasein siebzigjährig wie eine volle Garbe heimgeführt wurde. An die Braut, von einer Silberbraut. Aus dem Dänischen überseßt von L. Fehr. (Gotha, Perthes. 1881.)

Wer einer Braut etwas auf den Weihnachtstisch legen will, wird mit diesem Büchlein vielen Segen stiften. In freisinnigen, warmempfundenen Betrachtungen stellt die Verfasserin das Ideal einer glücklichen Ehe dar und giebt auf Grund ihrer langen Lebenserfahrungen, der Braut treffliche Winke, wie sie am besten dieses Ideal erreiden kann. Aber auch jede Gattin und Mutter wird aus dem Büchlein stets neue Anregung und Belehrung gewinnen, wie unendlid, viel fie durch Sorgfalt und Umsicht, durch Liebe und Treue zum Familienglück beisteuern kann.

P. Böhringer.

Es hat

Ein bedeutsames Buch, ein rechtes Adventwerk, ist die alttestamentliche Weissagung von Professor 6. v. Orelli, Breis Fr. 12. 50. einmal den großen Vorzug, daß es die Frucht wissenschaftlicher Forschung in einer, jedem Gebildeten verständlichen Sprache mittheilt, und zwar, ohne daß dem Leser der Weg mit dem Handwerkzeug des Gelehrten, d. h. mit zahllosen Citaten verlegt wird. Das Bud) wirkt erbaulich, nicht allein duch die edle Spradhe, sondern aud durch seinen Inhalt, aus dem der Leser erfährt, wie Jahrhunderte 'vor Christus im Herzen der erleuchtetsten Israeliten die Hoffnung auf ein Herbeikommen des Reidyes Gottes entstanden ist, sich entwickelt und durch die Propheten den mannigfaltigsten, großartig bilderreichen und schönen Ausdruck erhalten hat. Aber bedeutsam nennen wir das Budy deßhalb, weil hier ein der sog. „positiven“ Richtung angehörender Theologe die bisher so vielfach blind verlästerten Ansichten der freisinnig kritischen Richtung zum großen Theil muthig anerkennt und sie dadurch hoffentlich in den spezifisch strenggläubigen Kreisen einbürgern wird, denn diesem Manne wird man es endlid glauben, daß eine mit frommem Sinn geführte Kritik das Bibelbuch oder also zunächst das alte Testament dem Christen nur noch großartiger er: scheinen lassen und theurer machen muß. Das große Zugeständniß wird allerdings vom Verfasser in einer bisweilen noch sehr gewundenen Form gemacht, wie z. B. beim Danielbudy, aber schließlich wird es doch auf den Antiodus Epiphanes gedeutet und dessen jeßige Rebaftion als in seinen Tagen entstanden anerkannt. Wir sehen den Tag kommen, wo alle wissenschaftlidyen Bibelauslagen nicht bloß über das alte, sondern auch über das neue Testament in allen Hauptfragen einig sein werden, dann muß es allmälig auch die Gemeinde werden, und in diesem Sinn ist uns das Buch eine rechte Adventsstimme.

A. Anzeige. Dem ungenannt sein wollenden Armenfreund M. wieder herzlichen Dank. Basler Kirchenzeddel Sonntag den 17. Dezember.

Münfter St. Peter St. Leonhard St. Theodor Morgenpredigt 9 ihr Stocmever Böhringer Roth

Th. Barth Kinderlehre

Edlin

A. Linder
Sartorius

Altherr La Roche
Abendpredigt

Wirth Miville Brändli Schaffner Einladung zum Abonnement. Das „, Schweizerische Protestantenblatt“ hofft auch im neuen Fahr erscheinen zu können, wenn nämlich seine bisherigen Leser ihm treu bleiben. Kann jemand in seinem Freundes- und Bekanntenkreis ihm einen neuen Leser gewinnen, so ermuthigt er die Herausgeber in ihrer nicht unbeträchtlichen Arbeit, für die ihre Zeit oft außerordentlich knapp bemessen ist, und er hilft eine Lebensanschauung verbreiten, welche den Frieden Gottes im Herzen drinn und in der Welt draußen schaffen helfen möchte.

Das Blatt kann auf jedem Postamt abonnirt, aber auch bei der Erpedition, Steinenvorstadt 12, Bajel, direkt bestellt werden. Preis halbjährlich 2 Fr.

Druck und Erpedition von I. Frehner, Steinenvorstadt 12, Basel.

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Fünfter Jahrgang.

N: 51. Samstag, 23. Dezember 1882.

Sdweizerifdes Proteftantenblatt

Her a usgeber:
Pfr. A. Altherr und E. Linder in Basel, Pfr. Bion in Zürich.

Wir sollen nur nicht in Sinn nehmen, daß der heilige Geist gebunden jei an Jerusalem, Rom, Wittenberg oder Basel, an deine oder eine andere Person. In Christo allein ist die Fülle der Gnade und Wahrheit.

Decolampad an Suther.

Erscheint jeden Samstag. Man abonnirt auf jedem Postamt der Schweiz und des Auslandes. Preis halbjährlich franko zugesandt 2 Fr. Wer das Blatt in Basel gratis erhalten will, kann dasselbe in der Buchdruđerei J. Frehner, Steinenvorst. 12, abholen.

Vor Weihnachten. Welch ein Leben ist das vor Weihnachten! Man wird mit seinen zwei Händen kaum fertig. Allenthalben wird die Bescheerung gerüstet. Die für das eigene Haus ist noch am schnellsten bereitet. Mehr zu thun gibt schon das Ein- und Auspacken an Verwandte und Freunde in der Ferne, und von ihnen. Am meisten Arbeit bringt so eine größere Bescheerung in Verein und Gemeinde, bis da jede Anmeldung berücksichtigt, der Vorrath sortirt und repartirt ist. Wohl bekomm's, ihr armen Leute! Ja, das ist prächtiges Leben. Wie nie sonst das Jahr über thun sich die Herzen und die Hände auf. Gar kein Mensch weiß, wie viel du gethan wird, denn diejenigen, die ihre Bescheerungen an die große Glocke der Zeitung hängen, sind glücklicherweise Ausnahme. In aller Stille arbeiten hunderte von kleinen und großen Vereinen, orthodore und freisinnige, Pensionatsvereine, Jungfernkränzchen, Billard-, Jagd- und sonstige Clubs aller Art, Sonntagsschulvereine und Gemeindevereine, selbst Gesellschaften, die sonst lediglich ihrem Vergnügen dienen, mühen sich ießt, Andern eine Freude zu machen. Das ist die Zaubermacht des Christuskindleins, die große Verheißung einer bessern Zukunft, wo „im Himmel und auf Erden glänzt der Liebe Gnadenschein, Friede foll's noch einmal werden und die Liebe Rönig sein.“ Aber wenn das geschehen soll, so darf die Liebe nicht bloß über die Weihnacht am Nachthimmel wie ein Meteor erscheinen und wieder verschwinden, sondern sie muß Sonne und Mond werden unseres Lebens. Es ist gar wohlfeil, ja nichtssagend, ein paar Tage lang mitleidig und das ganze übrige Fahr durch hart zu sein. Sorgen wir darum, daß die Weihnachtsstimmung nidit ein schnell verfliegender Traum, sondern daß es unsere Lebensstimmung werde: wie Gott die Welt geliebet in Jesu Christo, so laßt uns ihn wieder lieben in den Menschen.

Ansere Zeit und ihr Heiland. Unsere Zeit schaut nach Hülfe, nach einem Helfer aus. Mehr als in manchen andern Zeiten gährt es in fast allen Lebensgebieten und will sich eine Umwandlung vollziehen. Menschen, die vermöge ihrer Bildung und Erfahrung einen weiten Blick haben und auf hoher Warte stehen und nicht allein am Augenblick des Alltagslebens haften, sagen, das sei der Charakter unserer Zeit, daß es dränge und treibe überall, aber das lösende Wort sei noch nicht gefunden, es fehle noch der zündende Funke, der al diese aufgeschichteten Kräfte und Erkenntnisse in Bewegung seße zum Bau einer neuen Zeit, einer neuen Weltanschauung. Einzelne Lebensgebiete sind in ihrem ftilen Wirken von diesem Zustande weniger berührt oder empfinden ihn weniger stark, aber wenn einmal die eine große Frage unserer Zeit, die sogen. Foziale Frage, die Bildung einer neuen Gesellschaftsordnung, in Gang kommt, werden alle andern Lebensgebiete, Haus, Schule, Kirche und Staat, mit hineingezogen und werder genöthigt sein, Stellung zu nehmen und ihr Gebiet neu zu ordnen. Einstweilen regt sich nur auf allen diesen Gebieten ein gewisses unbestimmtes Unbehagen, eine gewisse Unsicherheit, ein Suchen und Fragen noch ohne rechte Antwort. Wie wenn das Eis eines festgefrornen Flusses zu brechen anfängt, in wenigen Augenblicken die ganze Eisdecke gesprengt und ans Ufer geschleudert und der Fluß wieder frei wird

ähnlich ergeht es in großen Umwandlungszeiten; und wie vor einem erfrischenden Gewitter es schwül und beengend wird und die Wolken sich häufen und thürmen, so spürt unsere Zeit in allen ihren Gliedern ein bedeutungsvolles Unbehagen. Das sind die Zeiten, da falsche Messiasse auftreten, weldie, die allgemeine Unzufriedenheit kennend, die Unwissenheit der Menge benüşen und vorgeben, sie seien etwas, die Seelen ängstigen und auf Frrwege ableiten; das sind die Zeiten, da die Pharisäer und die Sadicäer, die lesglauber und die Allesleugner oben auf sind, die Zeiten der Spannung und des Streites. Das sind die Zeiten, da die Religion und ihre einfache Freundesstimme hintangeseßt wird oder aber in einseitiger, abergläubischer Weise gepflegt; da wird in fieberhafter Verbesserungshaft das einfache naturgemäße Heilmittel leicht mißachtet, bei dem Haschen nach materieller Hülfe die Pflege des Gemüths und die Hülfe von innen heraus als unwirksam und altväterisch verlacht; da kann es auch einem sonst bewährten Frommen kommen, ängstlid, mit dem Gefangenen zu fragen: Bist du es oder sollen wir lieber eines Andern warten? und an der Knechtsgestalt des sanften Knechtes Gottes Anstoß zu nehmen. Das sind die Zeiten der zerfallenen Hütte Davids, die Zeiten, da wir „nichts als Einsturz schau'n,

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