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digen und verfolgen; dann seid ihr Kinder eures himmlischen Vaters, denn er läßt seine Sonne aufgehen über Gute und Böse iind läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ , Die Liebe ist der Geseßes Erfüllung." Wenn ich allen Glauben hätte, daß ich Berge verseken könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts." In Christo Jesu gilt nur der Glaube, der in der Liebe thätig ist!“

Das sind urchristliche Worte. Und nun frage man sich: Weß Geistes Kinder sind wir? Weß Geistes Kind sind unsre Kirchen? Die Antwort wird nicht schwer sein. Unsre Kirchen waren bisher zum großen Theil vom strafenden, verdammenden Eliasgeist geleitet, und es ist hohe Zeit, daß in denselben der Geist Jesu Christi, den er vor bald zwei Fahrtausenden der Welt eingepflanzt hat, die Oberhand gewinne ! Es ist hohe Zeit

, daß anstatt des herrschsüchtigen und verfolgungssüchtigen Priestergeistes, der sich fälschlich allein wahres Christenthum“ nennt, der freie, milde Geist des Heilandes einkehre !

Dazu gehört einmal, daß die Kirche nicht glaube, die fertig Wahrheit in einer menschlich gemachten Formel z u besigen und Allen auf zwingen zu können, sondern daß sie die Freiheit der Gedanken achte und ehre. Als jene beschränkten Samariter Jesu die Herberge, verweigerten, weil sie ihn für einen Angehörigen einer ihnen feindlichen Religionsgemeinschaft hielten, hat er nicht über diese Samariter gescholten, sondern über seine Jünger, die sich auf einer ähnlichen Verdammungssucht betreffen ließen. Er selbst stand hoch über der Einseitigkeit der Samariter, wie der Juden. Er hat das bewiesen in jenem Gespräch mit dem Samariterweibe am Brunnen zu Sichem, welchem er auf die damals brennend religiöse Frage, ob in Garizim oder Jerusalem der rechte Ort der Anbetung sei, geantwortet hat: „Es kommt die Zeit, wo man weder hier noch dort allein wird meinen, zu Gott beten zu können, wo man ihn vielmehr überall im Geist und in der Wahrheit anbeten wird."

Diese Anschauung haben aber die wenigsten der feitherigen Kirchen in sich getragen und gepflegt. Obichon eigentlich ächte Frömmigkeit nicht denkbar ist ohne die Freiheit der Ueberzeugung, obschon auch der iingelehrteste Mensch weiß, daß die Gedanken zollfrei sind und daß man mit Zwang nicht eine Ueberzeugung, sondern nur das Nachbeten eines Bekenntnisses erzwingen kann, obschon die Gefahr auf der Hand liegt, daß die denkenden Menschen durch Glaubenszwang nur von der Kirche abgestoßen und dafür eine zahlreiche Heuchlerzunft gezüchtet wird, trop alledem hat es sich das sogenannte Bekenntnißchristenthum nicht nehmen lassen, bestimmte Lehrformeln für die alleinseligmachende Wahrheit auszugeben und zur Anerkennung derselben in stärkerem oder schwächerem Maße physische oder moralische Gewaltmittel anzuwenden! Diese fatholischen Machthaber, fragten sie denn viel nach wirklicher Ueberzeugung bei ihren Kirchengltedern? Wenn sie nur gut päpstlich waren! Waren sie es, jo drückten die Priester ein Auge zu gegen Vieles, das wahrlich den Bestand einer Kirche tiefer untergräbt, als Lehrunterschiede; waren sie es nicht, so wurden sie zum Widerrufe genöthigt oder verbrannt. Diese protestantischen Konsistorien und Synoden, die sich überbieten im Eifer für den Bekenntnißstand der Kirche, und wegen difficiler Lehrunterschiede die geschehene Wahl einer Gemeinde einfach tafsiren oder ignoriren, wissen sie denn nicht, daß die Großzahl der Kirchenglieder die Säße des apostolischen Bekenntnisses nicht mehr glaubt? Freilich wissen sie das; aber die Haupsache ist ihnen, daß es stille wird in den Kirchen; so sieht's doch wenigstens aus, wie Glaubenseinheit, – und die Kirche ist gerettet!

Es gibt ja eine religiöse Wahrheit, und wehe uns, wenn wir dieselbe verloren; aber keine Kirche foll glauben, daß sie dieselbe in fertiger abgeschlossener Form besitzen könne. Wie in allen andern Dingen des Menschen Denken und Erfahren weiter führt von Klarheit zu Klarheit, wie sich in allen Erkenntnißgebieten die Spreu vom Waizen, die Schale vom Rern sondert, so auch im Gebiete der Religion. Darum halte eine wahrhaft christliche Kirche die Freiheit der Ueberzeugung in allen Ehren und betrachte diejenigen als ihre besten Glteder, welche das Heiligthum der woblerworbenen Ueberzeugung achten und darauf sehen, daß überall der Glaube Herzenssache sei!

Und nicht minder gehört zum wahren' christlichen Geist die konfef= fion8loje Nächstenliebe. Es ist wahr: jene Samariterbauern haben schwer gefehlt, wenn sie dem Herrn eine Nachtherberge verweigerten um seiner Reise nach Jerusalem willen; sie trugen eben noch den vorchristlichen Geist des Glaubensbasses in sich. Jesus selbst aber hat es durch seine Reden, zumal durch das Gleichniß vom barmherzigen Samariter hinlänglich bewiesen, daß er hoch über den konfessionellen Unterschieden stand und sich feine Jüngerschaar von einem Geiste beseelt dachte, welcher auch über die Schranken der Meinungsunterschiede die Bruderhand reichen kann.

Die Kirche Christi hat das bisher nur in Augnahmefällen gethan. In der Regel athmete sie den Geist der Ausschließlichkeit und bildete sich darauf noch etwas ein. Die mittelalterliche Kirche stellte zwar den schönen Grundsatz auf: «Ecclesia non sitit sanguinem», zu deutsch: „die Kirche dürstet nicht nach Blut“, allein das hinderte sie nicht, massenweise die freier Denkenden hinzurichten, freilich auf eine Weije, bei der kein Blut vergossen ward, sie verbrannte dieselben. Und die protestantische Kirche glaubte, sobald sie sich zu einer einheitlichen Organisation zusammengeschlossen hatte, in ähnlichen Pfaden wandeln zu follen; sie rief die Strafmittel des Staates zu Hülfe, wenn Jemand nicht streng wie das kirchliche Bekenntniß dachte. Sie riefen nicht Feuer vom Himmel — weil sie es nicht konnten - aber sie wendeten an, was in menschlicher Gewalt stand, und heute noch wird dieselbe Praxis, wenn auch in minder schädlicher Weise, geübt, indem eine Menge von Rirchenmännern und kirchlich Frommen eß für ihre Pflicht halten, die einfachsten Gebote des Anstandes, der Nächstenliebe, der Höflichkeit im Verkehr, mit Füßen zu treten, und sich gar noch etwas darauf einzutbilden, sobald es fich um einen Andersdenkenden handelt. Wie sehr diese Shroffheiten von dem bisherigen Kirchenthum gepflegt worden sind, zeigt fich eben darin, daß dieselben in vielen Kreisen als ein Merkmal besonderer Gläubigkeit gelten und hoch gepriesen werden. In der That offenbart sich hierin aber ein bedenklicher Mangel an Religion, und wenn eine christliche Kirche, wie sie doch soll, den Geist des Meisters pflegen und verbreiten wil, so muß sie Front machen gegen dieses ausschließliche Wesen, es als unchristlich bezeichnen und den alten vielverfannten Weg der konfessionslosen Nächstenliebe einschlagen.

Möge unsere Basler Kirche jich bekehren und endlich einmal ihres Meisters Worte verstehen und befolgen !

Das wahre Ideal einer christlichen Kirche.

,,Eine christliche Kirche, wie ich sie verstehe, ist eine Gesellschaft von Männern und Frauen, die sich vereinigt in dem gemeinsamen Wunsch nach religiöser Vervollkommnung mit beständiger Rüdjicht auf Jesum von Nazareth, den sie als das edelste Beispiel der Sittlichkeit und Religion betrachtet. Es ist nicht die Form, weder des Rituals, noch der Lehre, sondern der Geist, der eine christliche Gemeinde gründet. Sie muß sich die Aufgabe stellen, ihre Angehörigen zu Christen zu machen, wie Jesus der Christ war, Menschenföhne und Söhne Gottes, wie er. Er ist christlich, alle Wahrheiten der Bibel zu glauben; ebenso christlich ist es, alle Wahrheiten zu glauben, die nicht in der Bibel stehen. Der Christ darf bei keiner menschlichen Grenze stehen bleiben und sich durch kein Buch bes schränken lassen. Gott ist nicht todt und schläft nicht; er begeistert die Menschen heutzutage nicht weniger, als ehedem, die Offenbarung Gottes hört nie auf. — Aber die christliche Kirche muß ihre Wahrheit in der Welt zu verwirklichen, diese nach dem Muster ihrer Ideale umzugestalten suchen: jie muß eine Gesellschaft zur Beförderung guter Werte sein Feder Mensch, der in Unwissenheit aufwächst und im Elend zu Grund geht, jedes Gefängniß, ieder Galgen, jede Sünde des Volkes ist eine Anklage gegen die christliche Kirche. Sol inmitten der Ungerechtigkeiten und Sünden die Kirche nicht sagen, nicht8 thun? Wenn ich das dächte, würde ich nur noch ein einziges Mal die Kirche betreten und dann meine Schultern beugen, um ihr männlichste Werf zu verrichten und ihre starken Pfeiler niederreißen, wenn ich mich, wie Simfon, unter den Trümmern dieses Tempels begraben sollte, im Namen der Menschheit, im Namen Christi, ja im theuren und heiligen Namen Gottes thäte ich es. Die christliche Kirche foll nicht eine streitsüchtige fein, die nach Art alter Leute gegen die Sünde im Allgemeinen eifert, sondern eine Kirche, die gegen das Uebel zu Felde zieht, nur so kann sie eine triumphirende werden. Wenn die Kirche weniger Zeit verschwendete, um Paläste theologischer Spekulation zu bauen, Paläste, die in der Hauptsache aus Stroh bestehen, wenn sie nicht so viele Schlachten schlüge, um diese Strohpaläste zu vertheidigen, würde sie mehr Zeit haben, sich an den guten Werken der Gegenwart zu betheiligen. Gine wahrhaft christliche Kirche, die Christum als ihr Vorbild anerkennt, muß bei jedein jittlichen Unternehmen, das unmittelbar die Wohlfahrt der Menschen fördert, vorangehen. Es gab eine Zeit, wo die christlichen Kirchen diesen Weg einschlugen. Thun sie es noch ? Ich spreche eine traurige Wahrheit aus und ich spreche sie mit Schmerz aus: Ein Prophet, der von Liebe zu den Menschen und von Liebe zu Gott erfüllt ist, fühlt sich in den heutigen Kirchen nicht mehr zu Hause. Das ist die schlimmste Art, Christum zu leugnen, daß man ihn Herr nennt und nicht nach seinem Gebot thut, daß man durch die Autorität seines Namens die frrthümer und Sünden der Menschen bemäntelt und heilig spricht. Wir wollen eine Kirche haben, die es wagt, den Heldenmuth Jesu nachzuahmen; wir wollen Offenbarung suchen, wie er, das Alte beurtheilen, wie er, in der Gegenwart wirken, wie er, beten, wie er betete, wirken, wie er wirkte. Man hat euch den Namen Christen versagt, weil ihr mich gebeten habt, hieher zu kommen. Zeigt den Menschen, daß ihr das Wesen habt, wiewohl sie euch den Namen vorenthalten. Habt nicht das Christenthum der Straße, sondern das Christenthum Christi tragt dort hinaus. Das wahre Sakrament unserer Kirche sei ein Leben in der Liebe zu Gott und den Menschen, wozu Wasser und Wein bloße Hülf&mittel sind.“

(Th. Parker.)

Die Gesellschaft gegen Hausbettel in Basel hatte im Jahr 1881 eine Einnahme von Fr. 7685. 70 und eine Ausgabe von Fr. 7760. 43. Mit Fr. 5 Jahresbeitrag kann jedermann Mitglied der Gesellschaft werden und damit ein wohlthätiges Werk fördern helfen. Das Fnstitut hat nicht den Zweck, seinen Mitgliedern die hier niedergelassenen und rechtschaffenen Armen vom Halse zu schaffen, sondern es ist gegen Durchreisende gerichtet, mit denen Basel besonders von Deutschland her, wie kaum eine andere Stadt, gesegnet ist. Jedes Mitglied bezieht so viele Karten, als es wünscht, und mit einer solchen farte bekommt der Elockenzieher Suppe mit Brod oder Nachtlager gratis. Seit dem dreijährigen Bestand dieses Instituts ist der Gassenbettel schon um ein Beträchtliches eingeschränkt worden. Der dritte Fahresbericht spricht sich folgendermaßen aus: „Unser Institut hat von Nah und Fern großen Zuspruch gefunden, ja es gibt manche, die ein förmliches Recht auf die üblichen Unterstüßungen zu haben meinen. Unsere betreffenden Einrichtungen sind den meisten Handwerksburschen ganz genau bekannt, noch ehe sie Basels Boden betreten; deßhalb wenden sich die meisten, beinahe alle, direkt an unser Büreau, was unsern Zwecken ganz entspricht. Nun aber verlegen sich die Bettler von Profession und die Arbeitsscheuen doch noch auf's Betteln an den Häusern und suchen durch allerlei lügenhafte Angaben das Mitleid zu erregen, um noch Geld oder Kleidungsstüde, die sich leicht in Geld umseßen lassen, zu erhalten, welches in den meisten Fällen vertrunken wird. Es gibt immer noch viele Leute, welche sich durch falsche Angaben, durch Unverschämtheit und Schimpfen zu Geldgaben verleiten lassen, obschon die hiesigen Einrichtungen in Gewährung von Unterstüßungen sehr liberal sind. Ale Durchreisenden, die sich melden, erhalten in der Ar men herberge 1 Nachtlager und 3 Suppen und in unserm Bür e a u, wenn es Schweizer sind, 2 Machtlager und mehrere Suppen mit Brod, sind es Ausländer, 1 Nachtlager nebst Suppen gratis angewiesen. Wenn einer bescheinigen kann, daß er in 1--2 Tagen hier Arbeit erhält, so werden noch weitere Nachtlager gewährt. Auch über die Sonn- und Feiertage ist ausreichend gesorgt, sowie auch Kleidungsstücke verabfolgt werden, wenn solche dem Verwalter übergeben werden. Selbst wenn einer spät Abende noch zugereist kommt, so kann er durch Anmeldung auf der Armenherberge, wo möglicherweise kein Plaß mehr ist, durch unsere Einrichtungen ein Nachtlager und Suppe bekommen."

Man meldet sich beim Präsidenten Herrn R.. Bifchof an.

Treffende Worte.

Die Geistlichen der griechischen Kirche dürfen sich nur einmal verheirathen. Darum haben es die griechischen Pfarrfrauen so gut! (Marheineke.)

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Ein junger Mann, der, während seine Frau auf dem Todbett lag, bis in den Morgen hinein getanzt und bald nach ihrem Begräbniß einem Dußend Schönen des Dorfes den Hof machte, sprach, so oft er die Tribüne betrat, nur von der Liebe und Treue, diesem süßen Heiligthum des Herzens, und dabei legte er feuchten Auges die Hand auf die linke Seite der Brust. Da sagte ein ergrauter Presbyter aus der Versammlung: Jegt verstehe ich das Bibelwort, daß Fudas unsern Heiland mit einem Kuß verrathen habe ! (Unit. Herald.)

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Ein württembergischer Brediger ermahnte jüngst seine Gemeindemitglieder, daß sie die Häuser mit Blißableitern versehen möchten. Davon

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