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die Vertiefung von dem höheren Begriff von Gott und von der Verehrung desselben, wie es sich im Geschichtsgang des Volkes Israel fund gegeben, konnten den gestern noch an der Sklavenkette geschmiebeten nicht zugemutet werden.

Dafür wurden erst ihre Söhne und Enkel reif gehalten. Diesen prägte Mose kurz vor seinem Hingange in der deuteronomischen Schrift den Begriff der Liebe zu Gott ein: , Ihwh ist einzig, und du sollst Jhwh, deinen Gott, mit ganzem Herzen, mit deinem ganzen Wesen und mit deiner ganzen Araft lieben.“ Was verlangt, o Israel, dein Gott von dir ? Nichts weiter als ihn zu verehren, in seinen Wegen zu wandeln, ihn zu lieben, ihn anzubeten mit ganzem Herzen und ganzem Wesen.“ Bei allen Völkern der Erde war die Frömmigkeit eine Tochter der Furcht; der Schauer vor dem Unsicht bar-Gewaltigen, dem rätselhaften Wesen in den Wolken oder in den schauerlichen Plägen hat die Anie sinken gemacht und die Mittel der Gottesverehrung, Altäre, Tempel, Opfer, Bitten, dienten nur dazu, die Uebermächtigen versöhnlich und freundlich zu stimmen. Der Abstand zwischen dem Göttlichen und dem Menschen wurde nach Himmelsfernen gedacht. Das deuteronomische Gefeßbuch offenbarte zuerst die Liebe zu Gott, als Beweggrund zur Frömmigkeit und Sittlichkeit, und es brachte dadurch den Menschen der Gottheit näher, viel näher. Es machte das Menschenherz zum Tempel, in dem das göttliche Wesen verehrt sein will und gestaltete sein Verhältnis zu ihm zu einem innigen, wie das des Sohnes zum Vater. Der Mensch braucht nicht mehr vor der Gottheit, wie der Sklave vor seinem finsteren Herrn zu zittern, sondern er dürfe sich ihm in findlicher Freundlichkeit nahen. Diese hehre Erkenntnis von der Liebe zu Gott ist eine stetige Wiederholung in der deuteronomischen Schrift. Das Geseß ermahnt diese Erkenntnis von der ausschließlichen Einheit, Größe, Erhabenheit und Vorsehung Gottes sich in's Herz zu prägen, sie sich stets gegenwärtig zu halten, in den Kindern lehrend einzuschärfen, auch sie äußerlich kenntlich zu machen, sie als Zeichen an die Hand zu binden, als Stirnbinde am Kopf zu tragen und endlich sie an die Pforten des Hauses und an die Eingänge der Städte aufzuzeichnen. Beherzigt das Voll diese hehre Erkenntnis von seinem Gott, so wird es ihn zum Vorbild nehmen, Gerechtigkeit und Erbarmen üben, sich gleich ihm der Verlassenen, der Waisen und Witwen annehmen und auch den Fremdling lieben. Die höhere Tugend, die liebevolle Behandlung der Schwachen und der Fremden ist ebenfalls eine stetige Annahme dieser unvergleichlichen Geseßgebung. Die Selbstsucht, die Herzensverhärtung, die Verstocktheit würden von selbst aus Liebe zu Gott schwinden, das Volk würde dadurch die Vorhaut seines Herzens beschneiden und seinen harten Naden beugen.

Die hohe Erkenntnis und diese gehobene Gesinnung sollen sich durch Betätigung von Geseßesvorschriften verwirklichen. Die Geseke bilden den Mittelpunkt des deuteronomischen Buches. Vor Allem dringt es auf Beseitigung und vollständige Bertilgung des Gößentums und alles dessen, was damit zusammenhing; es führt zum Bewußtsein, daß dieses nicht blos verwerflich, sondern auch albern und kindisch sei. Es schickt daher die Erhabenheit Gottes voraus, daß er keine Gestalt haben könne, und daß selbst, als er sich am Horeb dem ganzen Volke offenbart hat, in keinerlei Gestalt sich der sichtbart, sondern nur eine Stimme habe vernehmen lassen. ungereimt erscheint es daher, von Gott sich ein Bild zu machen, eine männliche oder weibliche Gestalt – nach Art der Phönizier oder gar sich die Gottheit unter einer Tiergestalt vorzustellen nach Art der Aegypter -- und selbst die Gestirne des Himmels als göttliche Wesen anzubeten nach Art der Assyrier und Babylonier. Diese falsche Vorstellung von Aftergottheiten führte zu den empörendsten Freveltaten; die Verehrer dieser Gößen verbrennen sogar ihre Söhne und Töchter zu Ehren und zur Versöhnung derselben. Das deuteronomische Gefeß warnt nachdrüdlich gegen diese gräuliche Verirrung, hebt hervor, daß fie Gott ein Gräuel sei, und daß es eine Fälschung sei, Kinderopfer als gesegliche Vorschrift anzudichten: „Ihr follt zum Geseße nichts hinzutun und nichts davon abnehmen." Da das Gößentum jeder Art ein Hohn auf den Gott Israels ist, so prägt das Gefeß ein, alle Stätten für Gößenkultus zu beseitigen, Altäre, Spißsäulen, heilige Bäume, Bildnisse von Holz und Silber zu zerstören. Weiter verfügt das Geseß, daß ein Prophet oder Träumer, welcher die Menge zum Gößendienst verführen wollte, selbst wenn er ein Zeichen gäbe und etwas voraus verkündete, das eingetroffen, mit dem Tode bestraft werden sollte, weil er von dem Gott Israels abwendig machen wollte“. Dieselbe Strafe sollte auch die nächsten Verwandten oder Herzensfreunde treffen, welche zur Beteiligung am Dienste fremder Götter näherer oder fernerer Völker überreden sollten. Ohne Schonung sollten solche Verführer dem Tode durch Steinigung überliefert werden. Eine Stadt, deren Bevölkerung sich zum Gößendienste verleiten ließe, sollte samt ihrem Gute verbrannt werden. Mit den kanaaitischen Völkerschaften sollten die Israeliten kein Ehebündnis eingehen und überhaupt kein Bündnis schließen, weil diese es darauf anlegten, zu ihrem Gößendienste zu verleiten. Dagegen dürfen Idumäer und Aegypter in die Gottesgemeinde wenigstens im dritten Geschlechte aufgenommen werden, jene als Stammverwandte und diese aus Dankbarkeit, weil die Israeliten als Fremdlinge in deren Land waren. Eingewanderte Ammoniter und Moabiter sollten nicht einmal im zehnten Geschlecht zugelassen werden, weil sie sich lieblos gegen Israel gezeigt hatten.

Mit derselben Wichtigkeit, wie die Beseitigung des falschen Göttertums wird die Weise des Gottesdienstes, besonders die Verehrung des ureigenen Gottes in dieser Gesebesgebung behandelt. Hierbei fällt der verhältnismäßig geringe Wert auf, welcher auf die Opfer gelegt wird. Allerdings bestimmt die deuteronomische Geseka gebung, daß nur in einem bestimmten Orte, den Gott auserwählen werde, geopfert werden dürfte, erkennt also den Opferdienst als berechtigt und gottgefällig an. Allein sie will ihn außerordentlich beschränkt wisien. Außerhalb der den Mittelpunkt bildenden Stätte fod gar nicht geopfert werden. Fleisch braucht außerhalb derselben nicht nach hergebrachter Sitte opfermäßig geweiht oder in Weihe genossen, sondern darf schlechthin, reines mit unreinem vermischt, ver zehrt werden. Dadurch würde den Privatkultusstätten und Höhen der Boden entzogen werden Denn nur dadurch, weil das Herkommen bestimmt hatte, daß Fleisch von zahmen Tieren nur opfermäßig bereitet werden müßte, und es zu unbequem war, mit jedem Lamm oder Rind zum Haupttempel zu wallen, waren die Privataltäre ein unentbehrliches Bedürfnis geworden und zu Ansehen gelangt, von dem sich das Volk nicht lossagen konnte. Die Strenge des Königs Ahiskija gegen die ,, Anhöhen“ vermochte sie nicht zu beseitigen. Diese Höhen mit Altären waren aber zugleich der fruchtbare Boden für das Wuchern des Gößentums. Das deuteronomische Gesetz wollte also das Volk von den Rultusstätten entwöhnen. Auch das Opferwesen im Centraltempel wollte diese Geseßgebung beschränkt wissen. Nur der Zehnten, die erstgebornen Tiere und die Gelübdeopfer sollten in dessen Räumen opfermäßig genossen werden. ,,Wenn du unterlassest, Opfer zu geloben, so wird keine Sünde an dir sein. Nur den Ausspruch deiner Lippen sollst du erfüllen." In diesem Punkte geht die deuteronomische Gejepgebung weit über die früheren hinaus. Der Zehnten, die Erstgeborenen und die Erstlinge brauchten nicht den Ahroniten übergeben zu werden, sondern der Eigentümer sollte sie selbst im Mittelorte verzehren dürfen. Nur darauf wird Gewicht gelegt, daß die Leviten und auch die Waisen, Witwen und Fremdlinge, die keinen Bodenbesiß haben, und besonders die Sklaven und Sklavinnen zu den Opfermahlen zugezogen werden sollten; sie sollten dadurch als Glieder der opfernden Familie betrachtet werden. Die Abgaben an die Nachkommen Ahrons sind in dieser Gesepgebung überhaupt verringert. Nur ein winziger Teil von der Getreide-, Wein- und Del-Ernte, ferner etwas von der Wollschur und endlich einige Stüde von den Opfern werden ihnen zugedacht. Der GetreideZehnten dagegen oder der Zehnten vom Zehnten ist ihnen entzogen und den Eigenthümern überlassen, sie, wie schon angegeben, im Mittelorte mit Hinzuziehung der Besißlosen zu verzehren. Nur jedes dritte Jahr, also zweimal in jeder Jahreswoche, soll der Zehnten nicht vom Eigentümer zu eigenem Gebrauche verwendet, sondern Undern zugewandt werden, nicht bloß den Leviten, sondern auch Allen, welche des Bodenbesiges entbehrten, auch dem Fremdling, der Waise und der Witwe.

Wir haben den Anfang des zum Beweis herangezogenen Aapitels im Wortlaut unseren geschäßten Lesern vorgeführt. Es würde zu weit führen, das ganze Kapitel hier anzugeben. Wir bitten also, in dem Werke dasselbe nachzuschlagen, und sich selbst den Beweis zu erbringen, daß wir, gestüßt auf diesen berühmten Gelehrten und sein Werk mit unserer Behauptung im Recht sind.

Das 5. Buch Moje ist erst in späterer Zeit, lange nach der Eristenz Mose den andern vier Büchern angefügt worden, ist also fälschlich von den Schriftgelehrten dem Propheten Moses unterschoben worden.

Sollten trozdem noch Zweifel bei unseren geschäşten Lesern entstehen, so verweisen wir noch auf folgende Werke, welche geeignet sein dürften, uns beweiskräftig zur Seite zu stehen.

Th. Hobbes, Leviathan III. 33.

J. Peyrerius, Systema theologicum ex Praeadamitarum hypothesi, 1655, Buch IV, Rap. 1 und 2.

B. Spinoza, Tractatus theologico politicus.
R. Simons, Histoire critique du Vieux-Testament.

J. G. Herder, Aelteste Urkunde des Menschengeschlechts, Salomons Lieder der Liebe.

J. G. Eichhorn, Einleitung in das Alte Testament.
I. Jahn, Einleitung in die göttlichen Bücher des Alten Bundes.

de Wette, Kritischer Versuch über die Glaubwürdigkeit der Bücher der Chronik mit Hinsicht auf die Geschichte der Mosaischen Bücher und Geseßgebung.

Recht gründliche Erörterungen unseres Themas über das 5. Buch Moje können wir auch noch in Schenkels Bibel Derikon nachlesen. Unter „Bibel“ und unter „Manon des Alten Testamentes“ giebt dieses Werk so eingehende, kurz zusammengefaßte Erläuterungen, daß wir über unsere Meinung gar nicht mehr im Zweifel sein können.

Wir lassen diesen Punkt jeßt also auf sich beruhen und wenden uns dem nächsten Kapitel zu, durch welches wir weiter interessante Aufschlüsse zu geben beabsichtigen.

IV. Kapitel.

Unterschiebung mehrerer Psalmen

und das Buch Hiob.

585 vor Christus. Als Nebukadnezar die Stadt Jerusalem und mit ihr den ersten Tempel zerstörte, zeigte er sich keineswegs als blutdürstiger Sieger, er war dem jüdischen Wolfe gegenüber nicht feindlich gesinnt; er behandelte den besiegten Feind menschlich, ja, er verstand es durch Milde und Nachsicht sich das Vertrauen des in Elend geratenen jüdischen Volkes zu erwerben. Er verfolgte damit einen ganz eigenen Zweck, er zeigte sich durch diese Taktik als gewiegten Diplomaten. Seine Absicht war, das chaldäische Land noch mehr zu vergrößern, und mit der Vergrößerung in enger Verbindung mußte natürlich auch eine Mehrbevölkerung stattfinden. Die von ihm räumlich bedeutend erweiterte Hauptstadt Babel sollte zum Mittelpunkt des geistigen Lebens, zum Mittelpunkt des ganzen, damals im Aufblühen begriffenen, asiatischen Handels werden. Ein vollkommen neuer Stadtteil entstand; um die alte Stadt aber ließ er eine Mauer aufrichten, welche nach Graeß den staunenswerten Umfang von neun Meilen hatte. Als nun aber die Stadt diese für damalige Verhält= niffe außerordentliche Größe erlangt hatte, mußte Nebukadnezar darauf bedacht sein, auch für die nötige Bevölkerung zu sorgen, da sonst all’ die enormen, prächtigen Baulichkeiten, die da aufgeführt worden waren, zwedlos brach gelegen hätten. Sein Schachzug war daher, die von ihm besiegten Völker, oder doch wenigstens einen Teil derselben, in seiner neuen Hauptstadt anzusiedeln, und zwar scheint er sich für diese Niederlassungen speziell den neuen Stadtteil ausgewählt zu haben. Durch diesen Plan Nebukadnezars erfuhren die Juden aber so manche Erleichterung in ihrer traurigen, gedrüdten Lage. Viele jüdische Gefangene erhielten dort in dem neuen Stadtteil Babels ihren neuen Wohnsiß angewiejen, sie erhielten Ader zum Bebauen, geboten über Sklaven, Maultiere, sel und sonstige Haustiere, und es dauerte gar nicht lange, fo lebten sie in ziemlich geordneten Verhältnissen. Die richtige, unausbleibliche Folge hiervon war, daß sich Viele von ihnen in verhältnismäßig kurzer Zeit ein hübsches Vermögen zusammenscharrten. Durch den gesellschaftlichen und geschäftlichen Verkehr aber mit der chaldäischen Bevölkerung verrannten sich gerade die zu Vermögen gekommenen Juden immer mehr und mehr in die Landessitten und Gebräuche, so daß sie der jüdischen Religion und ihren Vorschriften, dem jüdischen Aultus überhaupt, recht bald untreu wurden. Ja es gab sogar welche, die sich nicht scheuten, auch die jüdischen Speisegeseße zu verachten, die sich z. B. ruhig dem Genuß von Schweinefleisch u. s. w. hingaben. Der Prophet Jesaia giebt uns im Kapitel 65 Vers 3, 4 und 5 trefflichen Aufschluß: Ein Volk, das mich entrüstet, ist immer vor meinem Angesicht, opfert in den Gärten, und räuchert auf den Ziegelsteinen; Sist unter den Gräbern, llnd bleibt über Nacht in den Höhlen; Fressen Schweinefleisch. Und haben Greuelsuppen in ihren Töpfen; Und sprechen: „Bleibe daheim, Und rühre mich nicht an; Denn ich bin für dich heilig." Solche sollen ein Rauch werden in meinem Zorn, Ein Feuer, das den ganzen Tag brenne. In Kapitel 66 Vers 17 finden wir noch eine weitere Bestätigung: Die sich heiligen und reinigen in den Gärten, Einer hie und der andere da, Und essen Schweinefleisch, Greuel und Mäuse, Sollen weggerafft werden miteinander, spricht der Herr.

Diese nun in der Verbannung reich gewordenen Juden lebten jich in die neuen Verhältnisse immer mehr und mehr hinein, sie gewannen ihren neuen Aufenthalt immer lieber, bald vergaßen sie ihre alte Heimat, vergaßen sie Jerusalem, und Viele von ihnen wollten von einer Rückkehr nach Palästina und in die alten Verhältnisse überhaupt nichts mehr wisien. Daß diese Vaterlandsverächter sittlich und auch moralisch immer mehr der Verkommenheit anheimfielen, ist wohl nicht zu verwundern.

Wieder giebt uns der Prophet Jesaia in seinem III. Kapitel Aufichluß über die immer mehr der Corruption anheimfallenden Ver

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