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Ausführungen hierüber nicht mehr zu befassen brauchen. Auch über den weiteren geschichtlichen Verlauf der Unterdrückungen des jüdiîchen Volkes durch Antiochus können wir hinweggehen, da dies über den Rahmen unseres Buches hinausführen würde. Nur wollen wir zum Schlusse unseres Kapitels noch erwähnen, daß das jüdische Volt durch seine Gottesfürchtigkeit, und nicht zum mindesten auch, durch seine ganze Lehre gestärkt, wirklich all den Drangsalen und Peinigungen widerstand und schließlich erlöst wurde. Die Bücher der Makkabäer berichten uns hierüber ausführlich.

VI. Kapitel.

Das Buch „der Prediger Salomo“ und das Budi

„Judith“.

Befasien wir uns zunächst mit dem Buch „der Prediger Salomo". Wie schon der Name des Werkes andeutet, wird auch dieses Werk der Geistesthätigkeit des Königs Salomo zugeschoben; dieser gilt in der Heiligen Schrift als Versasser des Buches. Und doch ist dieser Irrtum schon aufgeklärt. Wir können uns betreffs dieser Thatsache ruhig an die Aussagen bekannter Forscher halten, welche diese Unterschiebung schon aufgedeckt haben.

So spricht sich Schenkel in seinem Bibellerikon, welches sich uns immer mehr als ein treuer Beistand erweist, unter „Roheleth“ in recht bestimmter, nicht zu deutelnder Art und Weise aus. Wir glauben am besten zu thun, wenn wir Schenkels Betrachtungen und Ansichten hier im Wortlaut wiedergeben.

Er sagt: Die herkömmliche Annahme, daß Salomo dasselbe verfaßt habe, ist jetzt allgemein aufgegeben und bedarf feiner Widerlegung mehr. In Betreff seiner Abfassungszeit teilen sich die Ansichten der Ausleger, indem die einen (vengstenberg, Ewald) das persische, andere (insbesondere Hißig) das macedonisch - ägyptische Zeitalter annehmen. Hengstenberg rückt das Buch, namentlich aus apologetischen Gründen, weil er mit der Zeit des Xerres und Artaxerres die Sammlung des alttestamentlichen Kanons für geschlossen hält bis in die Zeit Esras und Nehemias hinauf, wogegen Ewald („, Die Dichter des Alten Bundes“) dasselbe erst in der spätern Zeit der persischen Herrschaft seine Entstehung finden läßt. Daß es einer sehr späten Periode der alttestamentlichen Litteratur angehört, dafür legt schon die Sprache Zeugnis ab. Bereits finden sich eine Reihe aramäischer Wörter und Wortformen vor, und selbst talmudische Ausdrüce fehlen nicht (f. Hißig, „Der Prediger Salomo"). Ter Verfasser kennt die erilische und nacherilische Litteratur und hat sie benugt (nach Hißig Stellen, die auf Bekanntschaft mit Jeremia hinzudeuten scheinen). Er lebt in einer Zeit, wo des Büchermachens bereits kein Ende mehr, das viele Lesen zur leiblichen Qual geworden, wo die Schriftgelehrten das große Wort führten, und die Nation statt einer politischen nur noch eine litterarische Eristenz hat. Der Tempel war längst wieder hergestellt, die Priester wieder im Vollbesig ihres Ansehens, die Zeiten der milden perfischen Herrschaft unter Esra und Nehemia waren vorüber, der Zorn des Herrschers ist zu fürchten; derselbe ist ein Despot, der Narren auf große Höhe stellt und Reiche erniedrigt; der König ist ein Anabe, vertändelt seine Zeit bei schwelgerischen Gelagen, und alles geht im Lande so schlecht wie möglich. Das zeigt sich namentlich in allgemeiner Rechtsunsicherheit; Bedrückungen und Gewaltthaten sind an der Tagesordnung. Ein Großer beschüßt die Schlechtigkeiten der andern. Nach allgemeiner Erfahrung wird während des Kriegs den Mannschaften keinerlei Urlaub gewährt, daher deutet der Ausspruch, Kapitel 8,8 auf harte Kriegszeit. Wenn Ewald annimmt, der Druck der persischen Herrschaft, die immer verblaßter geworden, sei die nächste Veranlassung zu dem Buch gewesen, und es seien ihm Reizungen zu Ungeduld und Empörung vorangegangen, so sind die von ihm hiefür angeführten Stellen doch viel zu allgemein gehalten, um seine Annahme wahrscheinlich zu machen. Auch hat das Buch keinen patriotisch-natio nalen Zweck, ebenso wenig als das ihm geistesverwandte Buch Hiob. Es wird vielmehr ein praktisch-ethisches Problem darin verhandelt, welches den Verfasser um so nachhaltiger beschäftigt, als eine befriedigende Lösung der verworrenen Verhältnisse Jsraels, seiner Ueber: zeugung gemäß. nicht mehr auf dem Wege einer entscheidenden That, sondern nur vermittelst moralischer Reflexion und frommer Ergebung in den Gang der göttlichen Weltregierung zu hoffen war. Ein solcher sinnreicher und frommer Betrachtung angehöriger Versuch zur Lösung des Problems, wie das üble Schicksal, von dem Israel betroffen war, mit der göttlichen Weltregierung in Einklang zu bringen sei, eine Theodice im Kleinen, eignet sich besser für die griechische als für die persische Periode. Bereits waren die Juden, namentlich durch die Bekanntschaft mit der platonischen Philosophie (1. Alerandrinische Religionsphilosophie) zum Nachdenken über ethische Probleme angeregt. Insofern könnte man die Abfassung des Buches nac) Alerandrien verlegen. Dagegen spricht jedoch die wiederholte Erwähnung des Regens, der in Aegypten sehr selten fällt. Die Erinnerung an den Besuch des Tempels, an den „Ort der Heiligen" und die Erwähnung der Stadt" läßt nur auf Jerusalem schließen, wenn auch der Verfasser nicht in Jerusalem selbst, sondern in der Nähe Jerusalems seinen Wohnsiß gehabt zu haben scheint. Dazu würde auch Kapitel 12, 11, wo der Verfasser sich einen Hirten (doppelsinnig: Lehrer und Heerdenbesiger) nennt, gut passen. Die Vermutung Hipigs, daß im Kapitel 8, 2, fg. (,ich nehme in Acht das Gebot des Königs auch wegen des Eides Gottes"), der von Ptolemäus lagi den Juden abgeforderte Unterthaneneid gemeint sei (Fosephus, Alterthümer XII, 1), hat um so größere Wahrscheinlichkeit für sich, als kein früheres Beispiel eines von den Juden abgeleisteten eigentlichen Unterthaneneides bekannt ist. (Der von Zedekia dem Nebukadnezar geleistete Vafalleneid gehört nicht hierher.) Damit stimmt auch Kapitel 8, 10, da Ptolemäus zur Zeit der Eidesabnahme, dem Zeugnis des Josephus zufolge, viele Gefangene, insonderheit aus der Gegend von Jerusalem, nach Aegypten hatte abführen lassen. Diese Eidesabnahme schwebt dem Verfasser als ein noch in frischer Erinnerung gebliebenes Ereignis vor, weshalb die Entstehungszeit des Buches wohl nicht unter die lezten Jahre des Ptolemäus Lagi herabgeseßt werden darf. Die Stelle Kap. 10, 16, welche Hißig scharfsinnig auf dem beim Tode seines Vaters Philopatos erst fünfjährigen Epiphanes bezieht, in welchem Falle die Schlußredaktion des Buches in das Jahr 204 fiele, würde nach unserer Voraussegung auf die legten Jahre der Regierung des Ptolemäus Lagi (285-283) hinweisen, der seinem jüngsten Sohn, dem Ptolemäus Philadelphus, zwei Jahre vor seinem Tode die Regierung übergeben hatte, ein Verfahren, wodurch das Erstgeburtsrecht verleßt wurde, und der nächste Thronerbe, Ptolemäus ferannos, zu Racheunternehmungen entflammt worden war. Der Ausspruch (Kapitel 10, 16, fg) „Wehe dir land, dessen König Anabe, Dessen Fürsten am Morgen schmausen! Heil dir land, dessen König ein Edler, Dessen Fürsten zur Zeit essen, Zur Stärkung, nicht zur Völlerei !" scheint sich auf die beiden Jahre zu beziehen, in denen zwei Könige im Lande waren, der alte Lagi und der junge Philadelphus, wobei jener sich in ein bescheidenes Privatleben zurückgezogen hatte. Dann wäre auch die Stelle Kapitel 4, 15: „Ich sah alle Lebendigen, die unter der Sonne wandeln, im Vergleich mit dem andern Jüngling, welcher an seine Stelle trat", auf die Thronfolge des Philadelphus zu beziehen. Die Schilderung der herrschenden Rechtsunsicherheit und der vorkommenden Bedrückungen ist für das Zeitalter des ersten Ptolemäus nicht ungeeignet, da derselbe sich der Stadt Jerusalem mit List und Verrat an einem Sabbat bemächtigt, und dann in ihr sehr gewaltthätig gehaust hat. Nach der Darstellung des Josephus (Altertümer XII, 1) war seine Herrschaft in Syrien schon wegen beständiger Kriegsunruhen sehr drückend und sein Zuname ,Retter" klang wie Hohn. Insonderheit hatte Jerusalem sehr viel von ihm zu leiden; diese Leidenstage hatte der Verfasser des Roheleth mit: erlebt, und eine unauslöschliche Erinnerung daran bewahrt. War doch die Tempelstadt unter Ptolemäus auch einmal an Antigonus verloren gegangen. Die Verseßungen vieler ihrer Bewohner nach Aegypten, wohl meist als Kriegssklaven, hatten manchen Familien schwere Wunden geschlagen. Erst spät, nachdem die Kämpfe zwischen Demetrius und Ptolemäus ihre Endschaft erreicht hatten, traten ruhigere und friedlichere Zeiten ein. Neue Gefahr drohte nach der Abänderung der Thronfolge von Ptolemäus Kerannos; darnach scheint unser Buch in der Nähe von Jerusalem entstanden zu sein.

Aus dem Angeführten, im Wortlaut Schenkels Bibellerikon entnommen, ergibt sich der Beweis für die spätere Unterschiebung des Buches ,,Der Prediger Salomo" so klar und deutlich, daß ein Weiteres darüber zu sagen sich wohl von selbst erledigt. Auch beruft sich Schenkel verschiedentlich auf die Aussprüche anderer hervorragender Gelehrten, sodaß fich hieraus ergibt, daß er mit seiner Meinung keineswegs vereinzelt dasteht, sondern daß sich dieselbe so ziemlich mit der Ansicht der gesamten litterarhistorischen gebildeten Gelehrtenwelt deckt. Wir wollen aber auch noch die treffende Kritik Schenkels über das Buch „Der Prediger Salomo“ oder auch das „Buch Roheleth", wie es noch genannt wird, wiedergeben; dieselbe dürfte durch ihre sachliche Behandlung des Stoffes in weitesten Kreisen Interesse erregen: Ewald erklärt die das Buch durchziehende schneidende Kälte gegen alles irdische Trachten und eitle Streben, die in bittern Hohn überschlagende Verachtung alles Einseitigen und Verkehrten im gewöhnlichen Treiben der Menschen, den im Auffinden aller menschlichen Eitelkeiten und Thorheiten unermüdeten Scharffinn aus der eingetretenen Abnahme der alten Begeisterung in JSrael, aus der Verwirrung und dem heftigen Streit alter und neuer Ansichten, und der dadurch gesteigerten Schwierigkeit, in dem neuen Rätsel der Zeit das rechte Heilmittel und den wahren Trost zu finden. Nach seiner Ansicht hatte der Verfasser des Buches den Plan, in diesen Finsternissen und Verkehrtheiten des Lebens das wahrhaft Belehrende und Aufrichtende zu zeigen. Diese Belehrung und Aufrichtung soll aber in dem damals ganz neuen Sap bestanden haben: die Freude am Leben sei das Gut des Lebens, welches Gott selbst den Menschen als die schönste Gabe reiche; und weil das Leben keinen so nahen und so sichern Zweck habe, als in Gottes furcht und wohlthun sich seiner zu freuen, so könne niemand heiter genug den flüchtigen Tag genießen. Mit dieser Charakteristik des Buches ist jedoch umsoweniger das Richtige getroffen, als man dabei fich gezwungen sieht, eine Reihe von Aussprüchen ihres wahren Sinnes zu entkleiden und euphemistisch umzudeuten. Die Freude, welche Roheleth am Leben als dem höchsten Gut empfiehlt, soll nämlich keine blos sinnliche, keine schlechte oder unreine, sondern die wahre und reine Freude sein, „welche nur in Gott und im Licht alter göttlichen Wahrheiten, sowie im Leben nach diesem“ ist. Der Verfasser des Buches soll eine wahre und unreine Freude gar nicht kennen, obwohl es doch an Aussprüchen in seine Buche nicht fehlt, in welchem die sinnliche Freude, die „Wollust der Menschen“, Tafelfreuden und Liebesgetändel empfohlen und gepriesen werden. Das der Verfasser die Gottesfurcht hochstellt, ja am höchsten, ist keinem Zweifel unterworfen, daß er aber die Gottesfurcht, ,, die heitere und der göttlichen Gnade bewußte, welche ohne stets frische Zufriedenheit und Zuversicht unmöglich ist“, zugleich als Lebensfreude empfehle, das ist eine entschiedene Mißkennung des Geistes und Zweckes unseres Buches.

Wie wir schon sagten, stüßt sich Schenkel in seiner gesamten Abhandlung über das Buch , Der Prediger Salomo" auch auf die Ansichten und Veröffentlichungen anderer Gelehrten. Namentlich zieht er Hißig, Hengstenberg und, wie wir schon im Tert unseres Auszuges lasen, Ewald in Betracht; wir können also mit unserer Meinung vollkommen zurückhalten. Jedenfalls aber werden wir durch alles dieses in den Stand gelegt, versichern zu fönnen, daß das Buch „Der Prediger Salomo" feineswegs, entgegengeseßt der Graez'schen Behauptung, gegen Herodes gerichtet war. Der rachsüchtige Charakter des Königs hätte jedenfalls schon die schriftstellerischen Anfänge eines gegen ihn gerichteten Werkes im Keime erstict. Helfers: helfer standen ihm in großer Anzahl zur Seite; ein Geheimhalten eines solchen dichterischen Unternehmens wäre also vollkommen unmöglich gewesen. Um aber einer gegen ihn gerichteten Bewegung die Spige abzubrechen, hätte Herodes kein Mittel gescheut; Tausende von Menschenleben hätte er mit dem größten Gleichmut seinem Ehrgeiz, seiner Sicherheit geopfert. Das Buch „der Prediger" ist nach unserer Meinung gegen alle jüdischen Könige gerichtet. Von Rehabean an, welcher ein Sohn des Königs Salomo war, erfreuten sich sämtliche jüdische Throninhaber eines bedenklich schlechten Rufes; sie zeichneten sich durch Unmoralität, Grausamkeit und Völlerei aus; allen möglichen und unmöglichen Lastern wurde von den jüdischen Königen gehuldigt. Wir nehmen an, daß das Buch „Der Prediger Salomo“ von dem Propheten Esra, 480 vor Christus, gedichtet worden ist; dem König Salomo ist das Werk bestimmt nur unterschoben worden.

Ueber das Buch Judith können wir ebenfalls durch Schenkels Bibellerifon ausgiebigen Aufschluß erhalten, so daß wir nicht an stand nehmen, einen Auszug aus den Schenkel'schen Aufzeichnungen in unser Buch aufzunehmen: Judith, der Bedeutung nach Jüdin, hieß man 1. Mose, 26, 34 eine Frau des Ejau, eine Hethiterin und eine jüdische Witwe, nach dem nach ihr als Hauptperson genannten Buch, das unter den Apogryphen des Alten Testamentes Aufnahme gefunden hat. Der Name wurde in späterer Zeit ein beliebter Frauenname bei Juden und Christen.

Der assyrische König Nebukadnezar in Ninive bekriegte im zwölften Jahr seiner Regierung den medischen König Aspharad, der seine Residenz Ekbatana sehr stark befestigt hatte. Während die Völkerschaften der Berggegend und die am Ephrat, Tigris und Hydaspar ihm Hülfe leisteten, wiesen dagegen die Berser und die westlich woh nenden Völker, die Cilicier, Damascener, die Bewohner des Libanon und Antilibanon, und überhaupt die bis Aethiopien hin Wohnenden, seine Gesandten schnöde ab, so daß er an ihnen furchtbare Kache zu nehmen ichwor. Im 17. Jahr wurde Aspharad besiegt und selbst getötet, Ekbatana zerstört. Nachdem der König zur Feier des Sieges sich und seinem Heere in Ninive eine üppige Ruhe von 120 Tagen gegönnt hatte, beschloß er im ersten Monat des 18. Jahres die geschworene Rache zu vollziehen und ernannte den Holophernes mit dem Befehl zum Oberfeldherrn, ihm vorausziehend die volle Ergebung der Widerspenstigen im Occident zu verlangen, die sich Ergebenden zur Strafe aufzubewahren, die Widerspenstigen dem Haub und Tod zu weihen.

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