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Mittlers seyn, wenn wir sehen, daß sein Blut fließet, das genug für unsre Sünden thut.

Die Wunde preßt ihm Geschrei und Shränen aus. Beides gehöret zu dem Opfer, welches er der beleidigten Gerechtigkeit für unsre Sünden gebracht hat. Sein Geschrei ist ein Gebet, nicht wider uns, sondern für uns. Seine Thränen steigen gen Himmel, und koms men vor Gott zu unsrer Versöhnung. Sie begleiten die Seufäer seiner Fürbitte bei dem Vater für uns.

Der Heiland vermischt seine Shränen mit seinem Blut. Wir erhalten also, wie bei der Vollendung seines blutigen Priesterthums, also auch gleich bei dem Anfange desselben Blut und Wasser. Er fängt sein Amt mit Blut, Shränen, und Geschyrei an; und entdeckt er uns nicht damit, wie heftig sein Verlangen nach unsrer Seligkeit sen? Er tritt mit seinem Mittlergeschrei auf den Kampfplak, und rüstet.sich zum Streite mit den Feinden, in deren Gewalt wir lagen. Er stellet sich dar, als unser Hoherpriester, der mit dem Opfer feines Leibes im Tode alles vollenden will. Seine erste Wunde hilft uns zur Beschneidung unsers Herzens.

Wenn wir ihn in den Sagen seiner Erniedrigung und Beugung für unsre Sünden büßen sehen; so se hen wir zugleid), wie er uns die Gnade erwirbt, durch welche wir uns auf dem von ihm bezeichneten Wege von den Banden die uns halten losmachen, und uns zur Freiheit der Kinder Gottes erheben können. Wir dürfen, um dies deutlicher zu erkennen, nur im Geist die Beschneidung des Erlösers ansehen. Der Heiland hat dies sein erstes Blut schon zur Vergebung unf= rer Sünden vergossen. Das ist eine Wahrheit, die uns der Glaube lehrt. Er hat ung aber auch zugleich damit ein Bild der Ertödtung unsrer gefährlichen Lüste vorgestellt, die ihn die Bitterkeit unsers Elendes zu kosten und es hinweg zu nehmen veranlaßt haben.

Seine heilige erste Wunde hilft uns zur Beschneidung unsers Herzens. Darin bez stehet eben die Hoheit der Gnade, daß ein Geschäft des Mittlers, in welchem er für unsre Ungerechtigkeiten gebüßet und uns die Vergebung der Sünden erwor: ben hat, uns zugleich ein Spiegel ist, darin wir sehen, wie wir der Gnade, in welcher wir stehen, würdiglich wandeln sollen.

Wie herrlich ist also diese Wunde an dem Leibe unsers Mittlers! Schade, daß cine so große Stille davon ist! Und was ist die Ursache? Die Geheimnisse der Gnade sind in unsern Tagen noch eben so anstößig, als sie ehemals waren. Das Wort vom Kreuz ist Menschen, die dem Worte Gottes nicht glauben und nur den Namen der Christen führen, noch eben so ärgerlich, wie ehemals den Juden, und so thõricht wie den Heiden. Und was denkt ihr, wenn wir euch ein Kind zeigen, das unter der Hand des Priesters liegt, und unter dem Messer der Beschneidung blus tet und weinet, und wenn wir euch dabei zurufen : Se: het! dae ist euer Gott! Jes. 25, 9. Die Herablas sung Gottes ist unbegreiflich. Die Vernunft siehet es für schimpflich, für unehrlich an, wenn man von Gott sagt: Er habe sich beschneiden lassen. Es scheint uns allzuverächtlich. Darum sucht man es so viel als möglich zu verbergen. Wenn man aber die Wunder der Weisheit, und der Barmherzigkeit in diesem Geheimnisse erkennet, 'da muß uns die Bunde nicht zu, sondern aufgedeckt, und recht bekannt gemacht werden. Denn ausserdem, daß sie eine versöhnende Wunde ist, wie wir schon gehöret haben, so hilft sie uns auch zur Beschneidung unsers Herzens. Sie ist die beständige Gegenwehr, daß die Sünde, die im Herzen ist und bleibt, nicht in volle Flammen ausschlägt, daß die vorüber rau: fichenden Fluthen der sündlichen Natur gehemmt werden, und daß sie nicht zum schändlichen Ausbrucı gelangen.

Die &ußerliche Beschneidung am Fleisch, hat nach der Ankunft des Heilandes von selbst aufgehöret und sich verloren. Denn sie hatte seitdem keinen Zweck und in Unsehung unsrer nicht den geringsten Nußen mehr. Die Völkerschaft, aus welcher derjenige, der der Saame Ubrahams im vorzüglichsten Verstande ist, nämlich Christus, entsprießen sollte, mußte jederzeit vor allen andern Geschlechtern auf Erden kennbar bleiben. Daher mußte sie dies Zeichen an sich tragen. Da nun aber der Saame, in welchem alle Völker auf der Erde gesegnet werden, gebohren ist, so darf deshalb auf die Art kein Volk mehr gezeichnet werden. Dagegen aber ist die Beschneidung des Herzens und des Fleisches durch die Beschneidung Jesu nicht abgeschafft, sondern vielmehr fest gestellet, wiewohl nicht im Vorbild durch das Wegschneiden der äußerlichen Theile im Fleisch, sondern es ist nun an die Stelle des Vorbildes die Sache selbst getreten. Sie geschiehet nun in der Taufe, äusserlich am Fleische, damit, daß wir ins Wasser getaucht oder mit Basser besprengt werden; innerlich durch den Glauben, dei das Blut Christi auffasset und uns in den Bund eines guten Gewissens mit Gott einleitet. 1. Petr. 3, 21.

Bei der Beschneidung der Juden wurden die Einsetungsworte derselben ausgesprochen; bei der Beschneidung unsers Herzens kommt es gleichfalls auf die Bes wahrung des Wortes Gottes an. „Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, auf daß ich nicht wider dich sündige.“ Das ist des Glaubens Sprache. Ps.119, 11. Und was ist das anders für ein Wort, als das Wort der Gnade, die aus Iesu Wunden strömet? Es ist wohl nichts bewährter, um sich von allen fleischlichen Lüsten zu enthalten, welche wider die Seele streiten, und dieselben, sobald sie sich regen und von neuem anmelden, mit Füssen zu treten, als die Bewahrung des Wortes von Iesu Blut und Wunden, von seinem schweren Leis den, dadurch die Sünder felig find. » Wenn mir fällt was Arges ein, laß mich denken deiner Pein, deiner großen Angst und Schmerzen, daß ich sie betracht im Herzen. Wenn die Welt mich will verführen, auf die breite Sündenbahn, wollst du mich also regieren, daß ich alédann schaue an, deiner Marter Zentnerlast, die du ausgestanden hast, daß ich kann in Andacht bleiben, alle böse Luft vertreiben.“

Wenn man den Kampf gegen die Sünde auf diese Art führet, so bleibt man Herr und Meister über dies Telbe; sie muß uns zu den Füssen liegen, so wie wir chemals unter ihren Füssen gelegen haben; und das ist ein Glaubenskampf. Wenn man aber mit eigenen, oder mit des Geseßes Waffen dagegen kämpfet, so begehet man Luftstreiche und fällt nur immer tiefer drein.

Bei der Beschneidung der Iuden bediente man sich eines Messers. Das Messer, welches bei der Beschneia dung unsers Herzens gebraucht wird, ist das Wort Gots tes, das nach Ebr. 4, 12. lebendig, und kräftig, und schärfer denn kein zweischneidig Schwerdt ist. Das ist das Messer zur geistlichen Besdneidung. Da sie das höreten, heißt es; Apostelgesch. 2, 37. gieng es ihnen durchs Herz, und sprachen zu Petro und zu den andern Aposteln: Ihr Männer, lieben Brüder! Was sollen wir thun? Was höreten denn diese Männer, das so tief durch ihr Herz schnitt? Sie höreten, daß sie Jesum von Nazareth, den Mann von Gott, angeheftet, getödtet, und erwürget hätten, und daß ihn Gott auferwecket habe. Er war daher im Stande, daß er sich auf das kräftigste an ihnen hätte rächen können. Weil er aber ihr Heiland wäre, der zur Vergebung ihrer Sünden gestorben, so rechne er ihnen die an ihm begangene Missethat nicht zu. Das Wort durchschnitt ihre Seelen.

Bei der Beschneidung unsers Herzens wird die Vorhaut, wenn sie weggeschnitten wird, nicht auf die Art

weggeschaft, daß sie nicht mehr da wäre. Nein! Sie ist und bleibt da, bis ins Grab. Allein die Schmad, die Schande derselben, die ehedem auf uns ruhete, ist schon durch die erste Wunde des Heilandes von uns genommen, Sie kann aber auch nicht weiter unser Herz bedecken. „Lasset die Süude nicht herrschen in euerem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüs sten!“ „ Haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestors ben send." Röm. 6, 11. 12. Wir sind durch den Leib, Christi, der Sünde getödtet. Wir stehen in keinem Zusammenhange mit der Sünde mehr. Darum kann uns auch, weder das Gesetz, der Sünde halber, nicht weiter verdammen, noch darf das Gewissen uns ihrets halben durch peinigende Anklage plagen.

Ein jüdisches Knäbchen konnte sich nicht selbst bes schneiden, und das Jesuskind ward auch von einem andern beschnitten. Eben so bei der Beschneidung unsers Herzens, können es unsre eigenen Kräfte nicht ausrichten. Der Herr dein Gott wird dein Herz beschneiden, und das Herz deines Saamens, daß du den Herrn deinen Gott liebest von ganzem Herzen, und von ganzer Seele, auf daß du leben mögest; so heißt es 5. B. Mos. 30, 6. Mit unsrer Macht ist hier nichts gethan. Darum ents bietet sich der Herr, daß Er es thun will. „Der Herr dein Gott wird dein Herz beschneiden.“ Wenn wir nur unser Elend und unvermögen erkennen, und uns nach Gnade und Kraft umsehen, so hilft er ung.

Seine heilige erste Wunde hilft uns zur Beschneidung unsers Herzens, und darum ist sie uns eine ehrwürdige Wunde. Sie heiliget unsre Glieder, und macht sie zu priesterli. chen und königlichen Heiligthümern, zu göttlichen Werkzeugen. Sie heiliget sie zu Christi Gliedern. Wenn unser Herz beschnitten ist; wenn wir wahrhaftig an den Gliedern getödtete Menschen sind, so verstehen wir, was Paulus 1. Thess. 4, 3. 4. 5. sagt: Denn das ist der

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