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Armen, die nichts haben, und nicht wissen, wo mati doch die Dinge findet, die die Seelen haben müssen, verkläret der Heilige Geist den Heiland, Joh. 16, 14. bringt sie zum Glauben an ihn, und verwandelt also ihre Armuth in einen ewig dauernden Reichthum. Er weis set alles, was arm, was elend, was mühfelig und bes laden ist, zu ihm hin. Die in Noth, in Sdulden stekken, und betrübtes Herzens sind, freuen sich schon, wenn sie hören, daß ein Jesus für sie da ist, und find leicht zu bereden, daß sie sich nach ihm umsehen.

Wer da kommt, wird angenommen. Denn er ftoss fet Niemanden hinaus. Joh. 6, 37. Und da siehet der Glaube eines armen Sünders in seiner heiligen Person, in seinem Amte, in seinen Wegen und Werken lauter Zeichen, lauter Bunder. Er thut selbst, was er Jes. 58, 7. von uns fordert: Er bricht den Hungrigen sein Brod, und die, so im Elend sind, führet er ins Haus. Ben er naďt siehet, den kleidet er, und entzieht sich nicht von seinem Fleisch.

Solchen Glauben können wir uns nun nicht geben. So wenig wir dazu etwas haben beitragen können, daß wir als Menschen in diese Welt gebohren sind; so wenig können wir auch dazu etwas thun, daß wir als neue Menschen in die neue Welt kommen, da man an einen Gott glaubt, zu dem man sagen kann: Wir sind dei. nes Geschlechts ! Apostelgesch. 17, 28. Wir sind dein Blut, Fleisch und Bein, du aus unserem Geschlechte, Mensch und Knecht der Knechte. So wenig ein Hunga riger sich Brod aus der Erde verschaffen kann; so wenig können wir uns das Brod verschaffen, damit der Hun. ger unsers Geistes kann gestillet werden.

Aber eben darum wird uns in diesem Armuthsstande der Glaube aus Gnaden geschenkt; der Glaube, der uns unserm Gotte, und unsern Gott uns so nahe bringt, daß wir in ihm bleiben, und er in uns. Diesem Glauben mzird die Herrlichkeit Jesu offenbar. . Dieser Glaube überliefert uns den Heiland mit allen Verdienfien feines Gehorsams, mit feinem Blute, mit seiner Versöhnung, und allen ihren seligen Folgen, daß wir sagen könnten: Er gehöret mir an! Ich nehme an allem, was er gethan und gelitten hat, Sheil, als an meinem Eigenthume. Er ist mir gemacht von Gott zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung. 1. Kor. 1, 30. Dieser Glaube kleidet uns in die volls kommenste Gerechtigkeit ein, weil es die Gerechtigkeit unsers göttlichen Mittlers ist; eine Gerechtigkeit, vor welcher Gott selbst eine Hochachtung hat, die unaus: sprechlich ist. Dieser Glaube erfähret, schmecket und siehet, wie freundlich der Herr ift. Ps. 34, 9. Dieser Glaube macht uns zu Hochzeitleuten, die nicht können Leid tragen, weil der Bräutigam bei ihnen ist. Matth." 9. 15. , Er macht uns zu gehorsamen Kindern, die vor des Bräutigams Augen einher gehen, und den Spuren seines göttlichen Pfades, die er mit seinem Blute gezeich: net hat, mit geheimen Liebetrieben, mit verliebten Nei: gungen ynd untermengtem Jauchzen folgen. Kurz: Dieser Glaube macht uns gerecht ohne Werke; liebreich ohne Eigennuk; fromm ohne Verstellung; selig ohne Prahlerei ; zufrieden ohne Siderheit. Er zeigt sich der ganzen Welt, thut die Mayrheit, und kommt an das Licht, damit seine Werke offenbar werden. Denn sie sind in Gott gethan. Das ist der Glaube, an dem alles liegt. Ainen.

Lieber Heiland! Du bist die einzige, Zuflucht aller armen Sünder. Wir haben Dich in dieser Stunde auf der Hochzeit zu Kana gesehen, da Du bei der Verrich: tung eines Wunders Deine Herrlichkeit offenbartest, und Deine Jünger dadurch in ihrem Glauben an Dich stark: test. Wenn Du uns doch auch Wunder und Zeichen se: ben liesseft, damit wir an Dich glauben könnten. Wir verlangen kein anderes, als welches von Dir zu fordern Du uns selbst die gnädigste Erlaubniß gegeben haft. „Er: schein uns in dem Bilde, wie Du für unsre Noth, am Kreuze Dich so milde, geblutet hast zu Tod!“ Wenn wir das Zeichen sehen, so werden wir glauben. Wenn wir vor Freuden dabei noch unglaubig waren, die Schwachbeit, den Unglauben wirst Du uns nicht zurechnen. Wenn wir aber aus Feindschaft gegen Deine blutige Gestalt, uns im \Inglauben verhårteten, so müßten wir perdammt werden. Und das von rechtswegen. Davor behút uns Jesu, lieber Herr Gott. Amen!

Am dritten Sonntage nach der

Erscheinung Christi.

Du bist, o Seelenbräutigam, ein állgemeines Wesen, wer krank auf Erden zu Dir kam, den liessest Du genes Ten; Uch! hátt ich Dich auch angerührt, und Deine Wun: derkraft verspürt! Amen.

In den Tagen, da Jesus fichtbar in einer armen, niedrigen Knechtsges ftalt auf der Erde wandelte, war es doch ganz anders, wie in unsern Tas gen. Man fragte nach ihm. Man suchte ihn auf. Man war nicht zufrieden, daß man so vieles Gute von ihm hörte, sondern ein jeder, der feiner nöthig hatte, beeiferte sich, ihn kennen zu lernen, und ihm wenigstens so nahe zu kommen, daß er ihn anrühren konnte. Das ist es, was wir Luc. 6, 19. lesen: und alles. Volk begehrte ihn anzurühren. Denn es gieng Kraft von ihm, und heilte sie alle. So war P6 zu der Zeit. Man suchte ihn, den Jesus von Naza:

reth. Jedermann kam zu ihm. Joh. 3, 20. Man wollte Jesum gerne sehen. Joh. 12, 21. Die Menschen drangen sich nicht nur zu ihm, zu hören das Wort Got: tes; Luc. 5, 1. sondern sie suchten auch in allem Anliegin, es mochte mun ihre Seele ober ihren Leib betreffen, bei ihm Rath, Trost und Hülfe. Woher kam das? Was zog denn die Seelen so häufig zu ihm? Etwa irdis sche Majestät? Reichthümer, und Kleinodien, Schäbe, welche er denen austheilte, die ihn verehrten? Nichts von dem allen. Sein Reich war nicht von dieser Welt. Gar heimlich hielt er seine Gewalt, er gieng in einer ar: men Gestalt. Er war der Allerverachtetste und Unwer: theste, sogar, daß er diejenigen schon selig pries, die sich nicht an ihm ärgerten. Matth. 11, 6. Man sah an ihm kein äußerliches Gepränge. Seine Reisen durch das Land that er zu Fusse, daher er oft müde ward. Ioh. 4, 6. Und von den Gütern der Erde besaß er selbst nichts. Einige Weiber unterhielten ihn zu einer gewissen Zeit, gaben ihm etwas mit, und thaten ihm Handreis dung von ihrer Habe. Luc. 8, 3. Und sonst hatte er nicht, da er sein Haupt hinlegte. Luc. 9, 58. Wer der: gleichen bei ihm suchte, der hielt nicht lange bei ihm aus.

Was war es denn, dadurch alles Volk in die Sehnsucht gebracht wurde, ihn anzurühren?: Es gieng eine Kraft von ihm aus und heilte sie alle, Das war es. Daher suchte Jedermann in seine Nähe zu kommen.

Das ist nun in unsern Tagen so nicht. Wir nennen unfre Sage, in denen wir leben, Sage des Lichts, Sage der Reformation oder Verbesserung. Und in gewissem Verstande haben wir recht. Denn das wahrhaftige Licht ist in der Welt aufgegangen, das alle Menschen erleuch: tet. Joh. 1,9. Und der Sohn Gottes ist dazu erschie: nen, daß er den Unglauben, den Aberglauben, und alle daraus herstammenden bösen Sitten, zerstöre, 1. Ioh. 3, 8. und als Werte des Teufels zu Grunde richte. Allein wir reden von diesen Tagen so, wie der Blinde des Mittags spricht: Die Sonne scheinet jegt sehr helle! Und wie ein lasterhafter Bube fagt: Es sind sehr gefittete Zeiten. Wir lieben die Finsterniß, und sind dem feind, der uns reformiren oder ändern will; wir suchen den Heiland nicht. Wir verlangen ihn nicht anzurühren. Wir nehmen uns gar wohl in acht, daß wir ihm nicht zu nahe kommen. Und weil wir es doch nicht alles mal verhindern können, daß wir die Kraft, die noch immerfort in seinem Worte und den Sakramenten von ihm ausgehet, fühlen, so reben wir uns mit aller Macht dagegen, und schreien: Mache mir keine Unruhe! Die Shüre ist zugeschlossen. Luc. 11, 7. So machen wir es in den Jagen des Lichts. Wir fündigen nicht wie die Heiden ohne Licht, sondern wir fündigen am hellen Sage wider das Licht. Das Licht erfreuet uns nicht, sondern es macht uns Verdruß.

Ich brauche keine anderen Zeugen zu dieser betrübten Wahrheit, zu dieser Klage, damit ich meine Rede anfangen muß, aufzurufen, als euch selbst, die ihr hier versammelt send. Ich darf nicht durch die Gassen des längst zerstörten Jerusalems gehen, um zu schauen, zu suchen und zu erfahren auf ihren Straßen: Ob ich jemanden finde, der recht thut, und nach dem Glauben frage; Jer. 5, 1. o nein! ich darf nur auf unsern Gassen bleiben, und mit der größten Mühe suchen, ehe ich jemanden finde, der nach Gott fraget. Und wenn mir auch jemand begegnet, der vorgiebt, daß er den lebendi. gen Gott suche, so ist es doch entweder falsch, oder er suchet nicht den wahren Gott. Das ist der Heiland. Der Mensch gewordene Gött. Der Gott am Kreuz. Der Gott, den alles Volk begehrete anzurühren. Und was ist es da für ein Wunder, daß man bei allem Ges schwäg vom Lichte, in Nacht und Nebel dahin gehet!

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