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dert, unberegt, bis auf den Tag, da man dem Heie land um den Hals fällt, da man ihn küßt, da man ihn siehet, da man völlig besikt, was man hier in der Zeit To gerne geglaubt hat. Und die Wahrheit unsers Glaubens nimmt uns so ein, daß sie uns dringt, so lange wir hier wallen, mit unserm Manne alles auszustes hen, um seinetwillen uns zu leiden, in allen unsern Hands lungen uns auf ihn hinzuwagen, uns sein und seis ner Worte nicht zu schämen, uns bei Tag und Nacht mit ihm zu vergnügen, zu erfreuen, zu trösten, und alles, was wir zu unserer Seligkeit brauchen, bei ihm zu holen und aus seiner Fülle zu nehmen.

Er ist mein, mein Mann, der Höchstverdienteste um mich. Er hat sein Leben für mich gelassen. Er hat fein Blut für mich vergossen. Ich weiß Niemanden in Zeit und Ewigkeit, den ich mit ihm vergleichen könnte, der das für mich gethan und ausgestanden hätte oder aus: stehen hätte können und wollen. Er hat mich sauer er: arbeitet. Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.“ „Herr Jesu! Dir leb ich; Herr Jesu! Dit sterb ich; Herr Jesu! Dein bin ich todt und lebendig.“

Zu solcher Beständigkeit bringt uns der Glaube. In diesem Glauben steht man auf. Mit diesem Glaus ben legt man sich schlafen. Der Glaube ist das Iriebs rad aller unsrer Handlungen, Gedanken, Worte, Werke, und unsers ganzen Lebens. „Und so geht's fort von Zeit zu Zeit, bis daß wir ganz sind zubereit,“ und endlich beim Schlusse unsrer Wallfahrt ausrufen können: „Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.“ [2 Tim. 4, 7.]

Und das, ihr Lieben! das heißt „glauben," und zugleich, „fich seines Glaubens bewußt seyn. Wem es nicht wohl ist, bis er diesen Glauben und dessen Gewiß: heit hat, der gehe hin und falle dem Mann, zu Fuß, ber uns den Glauben schenken muß.

Den Armen wird das Evangelium gepredigt. Mer also kein armer Sünder ist, noch sein mag, wer keine -Last hat die ihn drückt, darunter er seufzet und deren er gern los wäre, der kann es mit seinem Glauben nicht versiegeln, daß der Heiland gekommen ist. Es ist daher Kein Wunder, daß die Leute, die, wie sie sagen, in ihrem Leben so viel Gutes und so wenig Böses gethan ha: ben; die sich so vieler guten Werke, aber nicht vieler bösen Werke, nicht vieler Schandthaten zu erinnern wissen, die Gott und dem Herrn Jesum, wie sie uns versichern, von Jugend auf im Herzen gehabt; fo in Nacht und Nebel dahingehen, und daß ihnen das Wort vom Heiland, vom Lamme, von seinem Fleisch und Blut, von seinen Wunden, „vom Wasser, welches auf den Stooß des Speers, aus Jesu Seite floß," anstößig, ärgerlich, und ein dunkel Räthsel ist, dabei fie ausruz fen: „Wir wissen nicht, was er redet.“

„Dahingegen sind das edle Seelen, die da arm am Geiste sind, die ihr Elend recht bedauren, die sich kennen, daß sie blind, und in ihren Feffeln trauren; denen fällt der Trost in ihren Schooß: Ihr sevd los!“

Ihnen bricht der Sag an, vor dem die Nacht nicht bleiben mag. Die Ungewißheit fält weg. Sie erleben die Zeit, da sie nicht mehr fragen, sondern mit Johanne [ 1 Joh. 5, 20.] ausrufen: Wir wissen, daß der Sohn Gottes gekommen ist, und hat uns einen Sinn gegeben, daß wir erkennen den Wahrhaftigen, und find in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohne, Iefu Chrifto. Dieser ist der wahrhaftige Gott, und das ewige Leben. Amen.

Lieber Heiland ! Du bist es, der hat kommen sollen und wir würden vergebens eines andern warten. Wer an Dich nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm. Wer will den schůben, den Du nicht schůbest? Wo wil der eine Zus flucht und Bergebung finden vor dem Wetter des Born's und vor dem Regen der Blige, der nicht zu Dir flie. bet und in Deinen Wunden seinen Aufenthalt sucht? Und was wil den verdammen, der an Dich glaubt? Nun, wir preisen Gott, wir alle, denen deine Zukunft lieb ist; danken Gott, auch schon zum voraus im Namen derer, welchen sie ins - künftige noch lieb wer: den wird, mit Herzen Mund und Handen; daß er Dich, der Sünder Iroft und Rath, zu uns her: gesendet hat. Wer an Dich glaubt, der hat solches Zeugniß bei ihm. Ertheile Du uns auch dasselbe, und mit demselben einen neuen Namen, den Riemand tens net, als der ihn empfahet. Du giebst doch deine Gaben aus Gnaden nur hin. Sonst würden wir uns nicht un: terstehen dürfen, das von Dir zu bitten. Nun aber ers warten wir es mit Zuversicht. Amer.

Am vierten Abvents - Sonntage.

Reine Flammen, brennt zusammen, macht mich licht durch euern Schein Sesu Liebe! süße Liebe! nimm mein ganzes Wesen ein. Umen.

Es ist gewiß: Man zündet nicht ein Licht an, und setzt es unter einen Schef: fel, sondern auf einen Leuchter; fo leucha tet es denen allen, die im Hanfe find.

Der Heiland führt zum Beweis dieser Wahrheit seiz nen Vorläufer Johannes den Täufer an, wenn er ihm Joh. 5, 35. das Zeugniß giebt: Er war ein brennend und scheinend Licht. Er war nicht das Licht der Welt, sondern Christus. Indessen war er doch ein Licht, aber ein angezündetes Licht. Der Heiland war das Licht an fich selbst und von Natur. Er war der Morgenstern, fein Glanz leuchtet so fern vor andern Sternen klar.

Johannes war ein Mensch, und wie ein ander Mens shenkind von sündlichen, gefallenen Heltern gezeugt und

geboren, die ihm unmöglich eine andere Natur anerben konnten, als sie selbft hatten, daher die Schmach des Falleg auch auf ihm ruhete. Er war also kein Licht von Natur, sondern aus Gnaden und durch die Gnade des wahrhaftigen Lichts, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen (Joh. 1,9.], ein anges zündetes Licht.

Bon Gottes Gnaden war er, das er war. Ein Licht. In Ansehung des großen Lichts, von welchem er allen Glanz empfing, war er ein kleines Licht. Wenn die Sonne im Reiche der Natur aufgeht, so verliert der Morgenstern seinen Glanz, das heißt, er verschwindet aus unserm Gesicht, weil die Klarheit des großen Lichts, welches den Sag regiert, unsre Augen ganz einnimmt. Und da die Sonne der Gerechtigkeit, der Uufgang aus der Höhe uns besuchte, und als der schöne Glanz Got: tes 8. aus Bion hervorbrach; o ward pieb

, kleine licht verdunkelt, und gieng endlich, im Gefängniß durch einen Schwerdtschlag ausgelöscht, blutroth unter.

Indeß war Johannes doch ein Licht. Sein Name bringt es mit sich, daß er es aus Gnaden war. Er würde den Namen Johannes, das ist, ein begnadigter Gottes, nicht mit Recht haben führen können, wenn er et: was gehabt, daß er nicht aus Gnaden empfangen hätte. Und weil er das wußte, so rühmte er sich auch nicht. Uber seinen Herrn rühmte er sehr. Er war in feinen Augen gar klein und niedrig. Uber in Gottes Augen, der auf das Niedrige siehet im Himmel und auf Erden, war er darum auch so groß.

Man kann es an ihm fehen, daß die wahre Gnade keine stolzen Heiligen macht, die sich vermessen fromm zu seyn und verachten die andern, sondern daß sie einen Menschen von allen Höhen herunter lebt und sehr tief zur Erden, in den Staub beuget. Er muß wachsen, sagt Johannes, ich aber muß abnehmen. (Joh. 3, 30.]

Man kann zugleich an ihm sehen, wie der Herr den Geringen aufhebt aus dem Staube. [Pf. 113, 7.] Man muß erstaunen, wenn man die Lobreden lieset und höret, welche ihm der Heiland hält. Wir dürfen nur in das vorige Sontags Evangelium noch einen Blick thun, so werden wir davon überzeugt werden. „Da die hingiens gen, fieng Iesus an zu reden zu dem Volke von Johanne: Bas send ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder, was send ihr hinausgegangen zu sehen? Woltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was send ihr hinausgegangen zu sehen? Boltet ihr einen Prophetert sehen? Ja! Ich fage euch : Der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ists, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir' her, der deinen Weg vor dir bereiten soll." (Matth. 11, 7-10.] Und jegt giebt-ihm der Heiland das herrliche Zeugniß : : Er war ein brennend und scheinend Licht. Er war ein Licht, das brannte im Glauben, in der Liebe, im Eifer für Gott und seine Ehre. Er war ein scheinend Licht, das auf einen Leuchter gesegt war, und leuchtete allen, die im Spause waren.

Bas Johannes war, das sollten wir alle fenn, die wir uns nach dem Namen Christi nennen. Und was wir nicht sind, das können wir werden. Der Geist Gottes ist beschäftigt, eben den Glauben, der in Johannis Herz fo hell brannte, daß deffen Strahlen durch die dicken Mauern des Gefängnisses fchies nen, auch in unsern Herzen als ein Licht anzuzünden. Nur Herzen her, die die Finsterniß nicht lieber haben, als das Licht! Nur Seelen her, die das Feuer nicht länger mit Gewalt löschen und der unseligen und

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