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mir ist es so vorgekommen, als ob er das sagen wollte die Bestim mung habe, ein ultramontaner Staat zu sein und zu bleiben. Man ist uns dort vielmehr im wahren Protestantismus, in der praktischen Durchführung desselben, einigermaßen vorausgekommen. In dieser Glaubenseinheit müssen wir mit allen deutschen Brüdern stehen wollen. Ich bitte daher um Abänderung des Wortes in: Confessionseinheit. Das ist eine Hauptaufgabe, über die falsche Vorstellung aufzuklären, als wäre Glaube und das Fürwahrhalten irgend einer „Confession“ dasselbe. Unser Herr Christus und seine Aposte. haben nie etwas anderes gelehrt als, daß Glaube: Religion, Liebe zu Gott sei.

Professor Baumgarten aus Rostock:

Erlauben Sie mir noch ein paar Bemerkungen, die ich in Anlaß dessen, was über und zum Theil gegen meinen Vortrag gesprochen, hinzuzufügen habe. Mein verehrter College Schenkel spricht sich dahin aus, daß die Schult, welche ich der Kirche beimesse, nicht in dem Grade vorhanden sei, wie ich ausgesprochen habe. Ich glaube nun, daß mein verehrter College die Acten welche ich über den thatsächlichen Vorgang im Sinne habe, nicht genau vor Augen hat. Ich sagte: Die Bischöfe sind es gewesen, welche Constantin zum Erecutor der Concilienbeschlüsse machten. Nicht er selbst hat es aus eigenen Antrieb gethan. Ich erinnerte, daß nicht zuerst die Bischöfe es waren, welche ihn auf dieses Gebiet hinleiteten, sondern die Donatisten. Wir haben nod einen Brief des Kaisers, worin er unverkennbar seine Entrüstung und seinen Unwillen ausspricht über die Zumuthung, daß er als weltlicher Herrscher sich mischen solle in die Streitigkeiten der afrikanischen Kirche. Ferner sagte ich: Die zweite Schuld hat sich die Kirche selbst aufgebürdet in der Refor: mationszeit. Ich habe an die Visitationsichrift der beiden Hauptreformatoren gedacht. Mir wurde entgegnet: Daß die Reformatoren dem Kurfürsten von Sachsen die Oberleitung der Kirche übertrugen, sei ein welthistorischer Mo: ment gewesen. Dagegen muß ich mich ernstlich verwahren: Auf diese Weije kommt ein welthistorischer Moment nicht zu Stande. Man sehe die Acten stücke nach, in welcher unlogischen, halb ungrammatischen Weise die beiden großen Reformatoren das zuerst ausgedrückt haben! Mir ist entgegnet worden: Die Alternative sei gewesen, den Pastoren oder den Fürsten da: Regiment zu überlassen. Das bestreite ich. Wer hat zuerst die principielle Bedeutung der Gemeinde, welche nach der apostolischen Zeit verloren gegangen war, wieder hingestellt? Und mit welch historischer Kraft! Das war Luther! Ich erinnere an die mächtigen Schriften Luthers an den Adel deutscher Nation, und „de captivitate Babylonica.“ Warum wandelten sie nicht weiter in dem Lichte dieser Erkenntniß? Die Alternative, welche gestellt war, ist nicht die richtige. Sodann wurde gesagt: Das Gefährlichste sei die Theorie von dem membrum praecipuum. Die Spiße dieser Ausartung kenne ich sehr genau (Heiterkeit), aber es ist nicht richtig zu sagen, daß das

janz neu ist. Der Ausdruck ist über 300 Jahre alt. Ich meine, er ist von Melanchthon. Hätte dieser und mit ihm die nachfolgende Zeit dieses Wort nicht so in die Kirche und in die Staatsentwicklung hineingetrieben, ein Mann wie Kliefoth würde nicht existiren. (Heiterkeit.) Sodann danke ich Herrn Pfarrer Bulle dafür herzlich, daß er sich für die Stadt Bremen des Appells, wie er sich ausdrückt, angenommen hat. Jndessen mögen mir auch da einige Bemerkungen gestattet sein. Auch er sucht die Schuld der Kirche zu schwächen und sagt unter anderm: Es sei nicht die Weise des lieben Gottes, hundertjährige Fehler so hingehen zu lassen. Das ist eine sehr bedenkliche Rede. Wer hat das gesagt, daß der liebe Gott es gemacht hat? Ich bestreite das ganz und gar: Es ist Menschenwerk, Werk des Unglaubens, ich wiederhole es, des geschwächten, gedämpften Protestantischen Glaubens. Freilich ist Gott der Herr groß genug, und genugsam Meister der Geister, daß er auch die Fehler und Schwächen der Menschen so zu leiten vermag, daß sie den Grund nicht umstoßen. Aber an uns ist es, scharf zuzusehen, wo sie beginnen. Gerade, wenn die Noth an uns herantritt, wenn wir alle die traurigen Folgen sähen, so müssen wir unser Auge schärfen, da dürfen wir die Sache nicht abschwächen und bemänteln. Namentlich gilt das von dem, was von Seiten derer geschieht, welche die Stimme geführt. Denen liegt die größte Verantwortung ob. In der Kirche müssen wir die Einheit des Lebens, welche durch die Zeiten geht, vergegenwärtigen. Daher weiß ich nicht, wie wir den hochbedeutenden Vortrag anders ehren sollen, als daß wir in irgend einer Weise zur That übergehen, denn mit dem Reden wird man niemals fertig. Es handelt sich um eine fünfzehnhundertjährige Tradition, die in der Weltgeschichte eingegraben ist und nun rectificirt werden soll. Allerdings, wenn so wie heute geredet wird, nun es sich ergiebt, daß Alle einnerstanden sind, so ist ein Anfang gemacht: Aber zum Handeln muß es kommen, und der Protestantenverein ist dazu da, daß er dieß einleite.

Ich muß noch Eines schließlich berichtigen, worin Herr Pfarrer Bulle mich mißverstanden hat. Ich habe absichtlich gesagt, daß ich die Persönlichkeiten, Kräfte und Thätigkeit derer, welche auf der positiven Seite stehen, ehre und anerkenne. Ich hoffe, daß Sie mir darin nicht blos nicht Unrecht geben, sondern folgen. Das hebt aber das andere nicht auf, was ich anderweitig schon sagte und wovon ich glaubte, daß es sich hier von selbst verstände. Aber da es schien bestritten zu werden, will ich es hier wiederholen, und öffentlich wiederholen: Ich wünschte, daß alle die Herren ich weiß nicht, wie viele es find – hier wären und mein Wort hörten. Ich wünsche jedem Einzelnen ins Gesicht zu sagen: Sie haben einen Fehler gemacht, haben eine Sünde gethan, haben das Band der Gemeinschaft, welche Ihnen angeboten ist, willkürlich zerrissen, Sie müssen Buße thun für diesen Schritt. Das ist das Erste, was in Bremen geschehen muß. Wenn diese That geschehen, dann kann auch ein Mehreres geschehen. Darum bleibe ich dabei: Bremen beginne!

Pfarrer Dr. Man chot in Bremen:

Mich drängt es, dem Herrn Referenten meinen Dank nach einer Seite hin auszusprechen, nach der er, wie mir scheint, noch nicht ausgesprochen worden ist. Es thut allerdings, namentlich dem Theologen, ein wenig wehe und muthet uns hart an, wenn wir aus dem Munde eines Staatsmanne mit einer gewissen Mühle und Zurückhaltung, gleichsam mit vorgeschobenen abweisenden Händen, von den Dingen reden hören, welche uns so nahe angehen und uns die höchsten und besten sind. Wir sind auch gewohnt, , immer aus der idealsten Bedeutung heraus das Verhältniß von Kirche und Staat zu begründen. Gerade deßhalb aber gilt mein Dank dem Schmerze

, welchen dieses kühle Auseinanderhalten bereitet; denn es• ist höchst bedeutsam, daß uns hier, was wir unter uns kaum vernehmen, aus der Gemeinde vor: gehalten wurde: Die wirklichen Verhältnisse sehen die Dinge anders an. Ja, ich halte selbst, was mit einigem Nachdruck von einem der Herren Vorredner getadelt worden ist, für unsere Belehrung wohlthätig, daß nämlich dem Staat gegenüber Religion und Confession beinahe zwei Worte sind, von denen er das eine für das andere gebrauchen kann. In der Weise, wie der Referent davon ausgegangen ist, das eigene Gebiet des Staats zu erfassen und für sich auszuführen, thut er Nichts, was ihn allein herausstellt von andern Bestrebungen. Es ist derselbe Zug, welcher durch die Naturwissen: schaft, durch die Geschichtsforschung geht, ja sich jeßt überall geltend macht: Die eigentlichen wirklichen grundlegenden Verhältnisse müssen zuerst ins Auge gefaßt werden, man darf sich den klaren Blick für diese nicht blenden lassen, durch die alleinige Betrachtung der Ziele, zu welchen treue Arbeit auf rechter Grundlage führen kann. Wenn der nächste Schritt, den wir vorwärts thun können, sicher, gerade und recht geseßt wird, so werden wir auch an dem Ziel ankommen, wo wir in die große Harmonie der verschiedenen Gebiete hineinsehen. Nicht darauf kommt es an, daß wir die vollkommensten Vor: stellungen von Staat und Kirche haben, sondern darauf, daß wir uns Chri: sten zurufen: jemehr du selber wahrer Christ bist, um so kräftiger wird dein Leben im Staate beitragen, den Staat zur vollkommensten Entfaltung aller sittlichen Güter, die in ihm begründet sind, deren Schüßer und Vertreter er ist, zu befähigen. Von hieraus gesehen, möchte ich auch nicht gesagt sein lassen, es sei der begangene Fehler allein Schuld der Kirche; ich glaube viel: mehr, daß es an dem wahren Christenthum gefehlt hat, daß man zu leicht und viel theologisirt hat, statt persönliches christliches Leben zu fördern. Daran will ich noch ein Wort in Betreff der besondern Bremischen Dinge anknüpfen. Sie sehen, die Meinungen über die wahre Schuld des Uebels sind gar verschiedenartig und aus diesen Meinungen heraus werden auch die Urtheile

er das, was zunächst geschehen müsse, abweichen. Ich möchte daher den dnern danken, die von den Bremer Angelegenheiten abgesehen haben und ht weiter auf gemachte Anregungen eingegangen sind. Es ist eine eigene ift in Bremen. In Mitteldeutschland geboren und erzogen, bin ich, ehe

hierherkam, drei Jahre lang am Fuße der Alpen in der Schweiz Prediger wesen. Auf der ganzen Linie von Süd nach Nord habe ich nirgends in ner Bevölkerung einen solchen mit fich fortreißenden Zug und Schwung funden, der jeden Ankommenden in das eigene Leben, in die geltenden nteressen fo hineinstellt, der eine solche Kraft anzuziehen, zu verschmelzen, h Alles zu eigen zu machen besißt, als das hier in Bremen der Fall ist. eber einem unserer Thore standen die Worte: „Bremen wes bedächtig, lat ich mehr in, denn du bist mächtig." Mit Bezug auf diese Worte ist hier Is eigenthümliche Wesen Bremens neulich von höchster Stelle treffend be ichnet worden: Wir werden selber alles dessen mächtig, was in unser Leben ereinkommt. In der Selbständigkeit unserer Gemeinden liegt eine genügende Sürgschaft, daß unsere besonderen Bremischen Angelegenheiten nicht anders, (s im Geiste christlichen Gemeindelebens weiter geführt werden können. Und as gerechte und weise Kirchenregiment des hohen Senates wird diefe Selbändigkeit der Gemeinden schüßen. Wie fest und unangetastet es dasteht, aben Sie dieser Tage gesehen. Die bloße Zeitungsnachricht, daß der preu: ische Cultusminister es versucht habe, einen indirecten Druck auf unser tirchenregiment auszuüben, hat man in Berlin für wichtig genug erachtet, im sie ausdrücklich als unrichtig erklären zu lassen. Bei dem vorhandenen ichtigen Verständnisse unserer Interessen, bei dem unantastbaren Charakter völliger Selbständigkeit der Gemeinden, bei dem eigenartigen und selbständijen Gemeindeleben, das wir hier besißen, muß ich mich dahin aussprechen, vaß der Protestantenverein auf seiner wandernden Versammlung, je mehr er nit den in unsern Anfängen geltenden Grundsäßen einverstanden sein muß, im so weniger den Bremischen Verhältnissen vorschreiben möge, was hier weiter zu geschehen habe. Die Selbständigkeit unserer Gemeinden ist so gejund und kräftig, daß ich glaube: anderwärts, wo man die Einführung großer Gesammt-Verfassungen der Kirche anstrebt, wäre es ein größeres Glück, wenn man zuerst diese Selbständigkeit der Gemeinden erlangen könnte, als wenn diese großen Gesammtverfassungen gar zu bald eingeführt werden. Das Schlußwort des Geheimrath Dr. Blunts chli.

Hochgeehrte Herren! Ich danke für die Freundlichkeit, mit welcher Sie meine Arbeit aufgenommen haben. Ich will mich kurz fassen und habe nicht im Sinn, die Diskussion noch weiter auszudehnen. Ein Theil der gegen meine Thesen vorgebrachten Bemerkungen hat mehr ein sprachliches, als ein fachliches Interesse. Wenn z. B. der Ausdruck „Sivilisation“ angezweifelt worden und

man statt dessen lieber das Wort „Cultur“ gewünscht hätte, so würde ich nici dagegen haben; nur erlauben Sie mir zu bemerken, daß auch die „Civilisation" ihr großes Recht hat und an das große Wort des größten italienischen Dichters, Dante, zu erinnern, welcher schon im dreizehnten Jahrhundert di Civilisation, d. h. die Entwicklung des Menschen zur Humanität, für die größte Aufgabe des Staates erklärt. Wenn ebenso der Unterschied zwischen Religions - Staat und Confessions - Staat betont worden ist, so gebe ich zul, daß ich zuweilen von meinem Standpunkte aus diesen Unterschied nich gan scharf hervorgehoben habe; indessen mit voller Absicht habe ich den mittel alterlichen Staat als Religions- und den Staat seit dem sechzehnten Jahr hundert als Confessions-Staat deßwegen bezeichnet, weil im Mittelalter be sonders zwei große Religionen in Europa und Asien mit einander um die Herrschaft rangen, der Islam und das Christenthum, und beide Religioner

: die Staaten beherrscht haben. Es waren also Religions-Staaten. Seit dem ist es in dem Christenthum anders geworden: es sind die Confessionen ein: ander gegenüber getreten und deßwegen ist die confessionelle Natur stärker hervorgetreten, als die der Religion.

Einer der Redner, welcher Bedenken, die in seinem Lokalverein zur Sprache gekommen, vorgebracht, hat offenbar Manches in meinem Vortrage und meinen Thesen gänzlich mißverstanden. Es würde mir viel zu schwer sein und zu viel Zeit kosten, auf das Einzelne näher einzugehen; ich will nur daran erinnern, daß auf dem Gebiete des Staats, auf welches ich mich gestellt habe, ich von jeher einer der Vertreter derjenigen Meinung gewesen bin, den modernen Staat scharf zu unterscheiden, sowohl von dem antiken Staat, welcher das Gesammtleben, Religion und Politik, in Eins umfaßt, als von dem mittelalterlichen Staat. Der moderne Staat ist viel reicher als der mittelalterliche, aber er ist nicht so allumfassend, wie der antike.

Der Dualismus von religiöser Lebensgemeinschaft und politischer Ge: meinschaft, welche man mit den Worten Kirche und Staat bezeichnet, ijt charakteristisch für die heutige Zeit. Die Mischung dieser beiden Dinge würde uns unglüdlich machen. Ein Glück für die Religion und den Staat ist es, wenn es erst dahin gekommen sein wird, daß man auf beiden Seiten die Grenze der eigenen Macht kennen gelernt hat und fich davor hütet, in fremder Gebiet einzugreifen. Dann sind wir besser im Staat und der Kirche bestellt. Die Confeffionen, die mehr oder weniger eine religiös-doktrinäre Politik der: folgen, müssen überall aufhören, sie müssen aufhören im Staat und in der Kirche.

Wenn ferner der politischen Dinge Erwähnung geschehen und eine Anspielung auf Desterreich und Preußen mit politischer Färbung gemacht worden ist, so erlauben Sie mir noch einige Bemerkungen. Meine Ueberzeugung ist die, daß allerdings geschichtlich Preußen vorzugsweise auf dem Boden des Protestantismus entsprungen und vorzugsweise geschichtlich berufen ist, den

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