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otestantismus zu vertreten; daß aber in neuerer Zeit, wenn, wie ich zu tt hoffe, es gelingen wird, ganz Deutschland zu einigen, auch dieser specifisch ifessionelle Charakter mehr und mehr abgestreift und der rein politische arakter in aller Macht hervortreten muß. Ebenso ist es mit Desterreich, r ist Desterreich in diesen Dingen viel später zum Bewußtsein gekommen. ivor hat Preußen dieses Princip als Staatsprincip anerkannt. Ich freue ch, daß in neuerer Zeit auch Desterreich auf diesen Boden übergetreten ist id anfängt, die verschiedenen religiösen Kreise politisch gleichmäßig berechtigt

behandeln; aber man kann sich nicht verbergen, daß die Errungenschaften r neuesten Zeit hier noch zu ungeheure Kämpfe zu erwarten haben, als iß man zuversichtlich des Erfolgs sicher sein könnte. Die katholische Kirche : eine vollkommene Weltmacht und wird nicht, glaube ich, in Folge von nigen Geseßen ihre Rechte aufgeben. Wir sind jedoch in der Emancipation des taats vorangegangen und wollen Desterreich gerne in seiner Befreiung unterüßen. Wir sind voran, find weiter und reichen dem Bruderstamme und dem folk, das in Folge einer verkehrten ultramontanen Politik lange Zeit seine rößten Lebens-Aufgaben vernachlässigt und die deutschen Dinge zum Elend erdammt hat, hülfreich die Hand.

Wenn sodann endlich vom religiösen Standpunkt aus Einsprache eroben worden ist gegen den Ausdruck, der Staat sei vorzugsweise Menscheneich und nicht Gottesreich, so begreife ich das vollständig und halte es sogar om Standtpunkt des Theologen für richtig, wenn man im Menschenreich as Gottesreich erkennt. Das ist feine Anschauung; aber wir vom Standpunkt ses Staats können darauf vor der Hand nicht eingehen, wir müssen das menschliche Reich behalten, denn nur mit dieser Beschränkung erhalten wir die Freiheit gegenüber der Hierarchie. Ich weiß recht gut, daß, wenn der Mensch das thut, wozu ihn Gott erschaffen hat, daß dann auch das Gottesreich mit dem Menschenreich sich vereinige.

Wenn endlich - und ich erkläre das als den schwächsten Punkt in meinem Vortrage ein besonderer Angriff gegen meinen Saß, daß die Glaubenseinheit kein Vortheil für den Staat sei, darauf aufmerksam gemacht worden, wir strebten die Union an; so erlauben Sie mir noch eine kurze erklärende Bemerkung, um das Urtheil in dieser Beziehung etwas gelinder zu machen. Ich gebe zu, daß eine wirkliche, freie · Glaubenseinheit kein Unglück, sondern vielleicht ein großes Gut wäre; auch ich sehe mit einem gewissen inneren Verlangen des Herzens diesem zukünftigen Momente entgegen, der aber wahrscheinlich erst nach Jahrhunderten, wenigstens ficherlich nicht in der Periode, in welcher wir leben und schwerlich in der, in welcher unsere Kinder leben werden, eintreten wird. Jede Zeit wird confessionelle Gegensäge hervorbringen, nicht blos zwischen Reformirten und Lutheranern; jede Zeit wird die undankbare Aufgabe sich nicht nehmen lassen, die Menschen

unter einander zu reizen, sich das Leben zu verbittern und zu vergif Ich sehne mich auch nach dem Zeitpunkt, wo diese Gegensäße mehr i mehr verschwinden und eine religiöse Gemeinschaft hergestellt werde, die deutsche Nation auch den Katholicismus zu uniren versteht.

Gegenwärtig schon deuten Anzeichen darauf hin; heute schon, wenn darauf ankäme, daß die Laien in Deutschland, die gebildeten Laien, die Fr zu erledigen hätten, sie würden fich verstehen. Ich weiß von sehr bedeuteni Männern, welche der Katholischen Kirche angehören, sie sehen mit gro innerer Befriedigung und Hoffnung auf das Leben und Gedeihen des P testantenvereins, denn sie finden darin Rettung auch für fich; sie sehen Zukunft entgegen, in welcher sie uns die band reichen können. Denn können sie jest nicht, sie können nicht den Katholicismus aufgeben, um irgend welche protestantische Fesseln geschmiedet zu werden. Wenn aber di dogmatischen Formen beseitigt und das, worauf es in Wahrheit ankomr die wirklich tiefreligiösen Elemente im Christenthum zur Herrschaft gela sind, dann können sie uns die Hand reichen, denn in diesem Sinne find Christen, so gut wie wir. Das wird jedoch noch eine Weile dauern. We ich troßdem erklärt habe, daß ich die Glaubenseinheit - ich wiederhole Ausdruck, denn er ist durch die Geschichte correct geworden nicht i einen Vortheil ansähe; so erinnere ich in dieser Beziehung an die Glauber einheit, welche in Tyrol eine so enorme Rolle gespielt hat; überall ist den päpstlichen Erlassen von der Glaubenseinheit die Nede. Wenn m sagt: Es ist immer ein großes Glück für den Staat, seinen Bewohne Glaubenseinheit zu geben, so zeugt die Geschichte dagegen. Ohne diese Sd dung wäre Luther nicht gekommen, hätte der paritätische und der confession lose Staat nie entstehen können. So ist es im Leben überhaupt: Der W zur Wahrheit führt durch den Frrthum und der Weg zur Einigung fül durch die Unterscheidung. Lassen Sie mich damit schließen. Unsere Best bungen sind wesentlich Bestrebungen der nationalen Union und zugleich religiösen Union. (Bravo!)

Mit dieser Rede des Herrn Präsidenten Geheimrath Bluntfchli wur die Verhandlung geschlossen. Der Präsident bemerkte noch, daß es bist nicht Gebrauch gewesen sei, über die einzelnen Thesen besonders abzustimme sondern es sei die Versammlung gefragt worden, nicht ob sie mit jedi Wort und Saße einverstanden sei, sondern ob sie im Allgemeinen den Grui charakter und die Tendenz der Thesen, mit dem Vorbehalt der einzeln Mitglieder, gelegentlich diese oder jene Bemerkung daran zu knüpfen, thei Er fordere daher Diejenigen, welche nach der Meinung des Referenten des Thesen im Allgemeinen ihre Zustimmung ertheilen, auf, die rechte Hand erheben.

Den Thesen wurde in diesem Sinne einstimmig die Zustimmung erthei Präsident Geheimrath Bluntschli: Der engere Ausschuß hat gestern in ig auf die Feier von Schleiermachers Geburtstage einen Beschluß ßt, worüber ich Herrn Prediger Müller aus Berlin das Wort gebe.

Prediger Müller: Der Herr Dekan Zittel hat einen Antrag formulirt, n gehend: „ Die Versammlung beauftragt den Ausschuß, dahin zu wirken,

der Geburtstag Schleiermachers in würdigster Weise gefeiert werde.“ Art, wie dieser hundertjähriger Geburtstag im November dieses Jahres iert werden kann, dieß zu überlegen, wird danach dem Ausschuß weiter classen werden müssen. Von Seiten meiner Freunde habe ich im Eintändniß und Auftrag meines Collegen Dr. Sydow dazu zu bemerken: ; in Berlin werden wahrscheinlich an den Protestantenverein mit der te kommen, zur Grundsteinlegung des Denkmals Schleiermachers in lin zu rechter Zeit uns hülfreiche Hand zu leisten. Andererseits sind

in Berlin gern bereit, einer Anregung, welche von dem engeren AusTse an uns ergehen sollte, um für eine solche würdige Feier von Schleierchers Gedächtniß in Berlin eine Versammlung zu veranstalten, Folge zu ten. Wir sind gern bereit, zu diesem Zwecke ein Comite zu, ernennen, ljen dabei aber bemerken, daß im Hinblick auf die vorhandenen Verhält: e in Berlin dieses Comite nicht zusammengesekt sein kann aus Mitgliedern

Protestantenvereins allein, noch selbst des Berliner Unions - Vereins, bern daß es nothwendig sein wird, auch andere Herren mit in dieses mite aufzunehmen. Das ist die Erklärung, welche ich im Auftrage meines llegen Sydow und meiner Mitdeputirten aus Berlin abzugeben habe.

Herr Justizrath Fischer aus Breslau bemerkt: Sie wissen, daß Breslau 3 Glück hat, der Geburtsort Schleiermachers zu sein, obgleich seine Hauptcksamkeit in Berlin gewesen ist. Wir haben deßhalb auch schon daran jacht, diesen Tag in entsprechender Weise durch eine Feier zu begehen.

Geheimrath Bluntschli: Es sind zwei Männer, welche als Repräseniten der Bestrebungen des jeştigen Protestantenvereins dastehen, der eine

Theologe, der andere ein weltlicher Kritiker: Schleiermacher und Lessing. is Gedächtniß des Ersteren wird in diesem Jahre gefeiert und ich betrachte

als eine Ehrenpflicht des Protestantenvereins, das in würdiger Weise zu un. Der Antrag des Herrn Dekan Zittel wurde einstimmig angenommen I hierauf die Versammlung um 444 Uhr Nachmittags geschlossen.

VI. Das apoftolische Siegel des deutschen Protestantenverei Eine Festpredigt für den 3. deutschen Protestantentag gehalten von

Profeffor Dr. Baumgarten.

Es möge Niemand unter uns befremden, daß wir auch heute, ehe an unser Tagewerb gehen, zuvor zu gemeinsamer Andacht vor dem Anges Gottes uns versammeln. Im Hinblick auf die Größe und Verantwortlid des heiligen Werkes, in welchem wir begriffen sind, ergreift uns das i Gefühl unserer eigenen Unvollkommenheit, ergreift uns das sehnliche Ver! gen nach dem göttlichen Beistand. Darum erheben wir auch heute, wie stern in dieser Morgenstunde unsere Herzen und suchen das in Gnaden le tende Antliß unseres himmlischen Vaters, bittend um seinen kräftigen Seg darum begehret unsere Seele nach einem Wort aus dem Born der ewi Weisheit, um uns durch dasselbe zu weihen und zu stärken für unsere meinsame Arbeit. Vernehmet denn das heilige Wort, welches wir mit ander beherzigen wollen, wie wir es geschrieben finden 1. Kor. 4, 20:

Das Reich Gottes stehet nicht in Worten sondern in Kraft.

Dieses paulinische Wort habe ich aus dem Grunde gewählt, weil ich demselben das apostolische Siegel unseres deutschen Protestantenverei erkenne. Es ist mein herzliches Verlangen, diese erhebende und heilige Erkenntniß, daß wir in dem vernommenen Wort das apostolische Sie unserer Gemeinschaft besißen, in Euch Allen, geliebte Brüder, zu begründ

Allerdings ist es eine ehrwürdige Sitte, daß wenn Christen zu ei kirchlichen Vereinigung und Thätigkeit zusammentreten, sie sich auf Grr eines bestimmten Glaubensbekenntnisses verbinden. Wir nun, obwohl 1 uns für ein hohes Ziel kirchlichen Wirkens verbündet haben, sind dieser S absichtlich nicht gefolgt. Diese unsere Neuerung erregt bei sehr Vielen, de Urtheil uns nicht gleichgültig sein darf, Anstoß, Verdacht und Feindsch Indessen hier wollen wir uns mit Denen, die uns gegenüber stehen, nicht fassen, sondern wollen als unter uns an der Hand des perlesenen Wor uns des christlichen Grundes jener Neuerung mit zweifelloser Zuversicht wußt zu werden suchen. Um nun die Bedeutung dieses Wortes für die genwart und für unseren Verein zu erkennen, wird es zweckmäßig sein, u zuvörderst klar zu machen, wie fich der Sinn desselben in dem Spiegel i christlichen Ürzeiten gestaltet. Wenn Paulus Wesen und Bestand des göttlich ches nicht in Worten sondern in der Kraft beschlossen findet, so be hnet er die Kraft als das Höchste. Welches ist diese so hoch gefeierte Kraft? ulus spricht sich so aus, als ob es überall nur eine Kraft im wahren me des Wortes gäbe und Jeder daher wissen müsse, daß er nur diese hier Sinne habe.

Wir werden deßhalb erst dann sicher sein, den Apostel verstanden zu ben, wenn wir diejenige Kraft gefunden haben, welche fich vor Jederinns Gewissen als die unvergleichliche ausweist. Zu dem Ende müssen wir 3 auf die Höhe des weltgeschichtlichen Standpunktes stellen, den der Heinapostel einnimmt, er, der die Länder, Inseln und Meere durchzog vom ufgang bis zum Niedergang, der die Zeiten der Menschheit vom Anfang z zum Ende der Tage mit seinen Gedanken umspannte. Wie war nun die imalige Welt beschaffen? Ich fürchte, die Meisten unserer Zeitgenossen würin jene Welt, wenn sie ihnen gegenwärtig wäre, für etwas ganz Anderes tlten, als sie ist. Das äußere Leben hatte in dem Mittelpunkte des Verhrs einen solchen sinnverwirrenden Zauber, daß alle gegenwärtige Herrlichit dagegen geringfügig erscheinen muß. Und diese Pracht wurde getragen on einer auserwählten Geistesbildung. Auch muß man nicht meinen, daß n Worten der Weisheit und Lehren der Tugend. Mangel gewesen. Bestände as Reich Gottes in Worten, es hätte vor und ohne Christus erscheinen tüssen. Aber bei aller Herrlichkeit, aller Bildung, aller Fülle von wahren Borten und weisen Lehren ist in dem innersten Lebensgrunde der Menscheit alle Kraft ermattet und alle Begeisterung erloschen, in dem eigentlichen Jerzen des menschheitlichen Körpers offenbaren sich die Zeichen des Todes ind der Verwesung mit einer welterschütternden Gewißheit. Vernehmet zwei Stimmen aus den beiden Hälften der damaligen geschichtlichen Menschheit ind zwar außerhalb des Kreises der biblischen Zeugen. Kurz vor der Geyurt des Heilandes sprach ein Mann aus dem jüdischen Volke mit lauter Stiinme zu wiederholten Mafen vor dem versammelten Haufen folgende Worte: „vernichtet ist die Wahrheit, das Recht ist gemordet, die Herrschaft führen Lügen und Schlechtigkeit und diese haben eine solche Wolke über die menschlichen Dinge verbreitet, daß die schwersten Leiden der Menschen vor ben Augen verborgen bleiben.“ Und aus dem Heidenthum hört die Stimme eines Mannes, der mit der Gelehrsamkeit und Weisheit des ganzen Alterthums sich genährt hat, der über ein fürstliches Vermögen gebietet und mit einer machtvollen Stellung in der unmittelbaren Nähe des Kaiserthrones bekleidet ist. Dieser Zeitgenosse des Paulus schreibt: „es nüßt Nichts, die Ursachen des persönlichen Kummers zu entfernen, denn je zuweilen drängt sich auf der Widerwille gegen das ganze Menschengeschlecht, man schaut die Masse der glücklichen Verbrechen, man nimmt wahr, wie selten die Redlichkeit, wie unbekannt die Unschuld ist, wie es kaum Treue giebt, außer wenn

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