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Herz gedrungen ist, schriftlich ausgesprochen. Derselbe war freisinnig seinen Ansichten, aber durch und durch fromm, er war nicht orthodor firehla und dennoch für das kirchliche Leben von dem größten Interesse erfül Davon zeugt, was er in Höchst und Nied für die Gründung einer protestantijde Gemeinde gethan. Er trat später dem Protestantenverein bei. In dient Stellung wirkte er im Stillen im Herzogthum Nassau, in einer Weise, die 13 bewundern müssen. Es war ihin keine Mühe dabei zu groß, und er hat so nicht gescheut, an solchen Orten den Protestantenverein zu rechtfertigen, a vielleicht sonst kaum irgend Einer es gewagt hätte. Er hat nie bei de Ausschuß - Versammlungen, bei den öffentlichen Versammlungen gefehlt. O war noch in Neustadt vor einem halben Jahre, in seinem hohen Alter. Heu fehlt er zum ersten Male in unserer Mitte. Er ist heimgegangen. Ich bin Sie, fich zu seinem ehrenden Angedenken von Ihren, Sißen zu erheber (Dieß geschieht.)

Ich komme nunmehr zur Diskussion über die vorgelegten Thesen, deres sehr ausführliche und gründliche Begründung Sie vorhin gehört haber Es wird wohl kaum möglich sein, in diese Ausführung selbst einzugehen und etwa den eigenen individuellen Standpunkt bazu hier jeßt darzulegen.

Wenn man das thun wollte, so würden wir noch einige Tage beijamme bleiben müssen. Das kann auch in der That niemals die Aufgabe de Protestantenvereins fein. Denn wir sind nicht hier, um theologische Diếpu tationen unter einander zu halten, sondern das darzulegen, wie der Vereit seinen Principien gemäß zu dem in der Kirche vorhandenen Streit sich ver halte. Wir sind nicht hier ich kann es nicht genug betonen – un irgend eine besondere Richtung in dieser Beziehung zu vertreten, wir sini nicht hier um Propaganda zu machen für irgend eine, etwa die rationalistisda Ansicht über diesen Gegenstand, wir sind nicht hier um über irgend ein Anschauung in dieser Beziehung zu Gericht zu fißen. Wir wollen kein Glaubens-Gericht sein, sondern wir wollen einen solchen Zustand herbeiführen in dem jede Richtung vollständig berechtigt ist, sich Geltung zu verschaffen so viel sie das je nach der Kraft der Wahrheit, die in ihr liegt, vermag Wir haben aus diesem Grund denn auch einen Antrag, den ich hernach mit theilen werde, zur Zustimmung der Versammlung formulirt. Ich will nu noch bemerken, daß dieser Antrag fich darauf gründet, daß, wie schon gesagt, allen verschiedenen Richtungen in der Kirche auch über diesen Gegenstand freier Raum gelassen werden muß, so lange sie überhaupt eine wissenschaft liche Berechtigung im Laufe der Zeiten gewonnen und mit dem christlichen Bewußtsein nur irgend wie in Uebereinstimmung stehen. Es ist nicht unsere Absicht, nur so ins Blaue hinaus einen allgemeinen Boden zu schaffen, aui welchem überhaupt nur jede Meinung, welche sie auch sei, in der Kirche foll eine Geltung gewinnen. Nein! Wir haben nach zwei Seiten eine bestimmte frenzung: nach der einen Seite, da, wo überhaupt alle religiösen Anpfungspunkte fehlen und wo dann natürlicher Weise auch die heilige srift keine andere Geltung mehr hat, als die eines veralteten Märchenhs. Das ist nicht, was wir in Schuß nehmen wollen, dem treten wir

entschiedenster Weise entgegen. Wir haben ebenso auf der andern ite eine Grenze, nicht etwa die, daß wir eine 'supranaturalistische Aufung desapouiren wollen, nein! Der ganze Streit zwischen der rationaischen und supranaturalistischen Auffassung hat für uns gar keinen Sinn. nn wir sind alle zusammen zugleich Supranaturalisten und Rationalisten, nn Sie wollen; denn sobald überhaupt noch von Gott die Rede ist, so ist * Verhältniß zu einer übersinnlichen Macht im Menschen gesegt. Das bildet

und für sich das supranaturale Element und ohne dieses giebt es keine Ligion. Ebenso sehr betont jeder unter uns wiederum seine eigne Indivialität, das eigene Recht, über diese Dinge zu denken und sich die religiöse ahrheit für sich zum persönlichen Eigenthum zu schaffen. Die Grenze er nach dieser Seite ist für uns da, wo der Orthodorismus beginnt, der rundsaß der Aleinberechtigung einer festgestellten theologischen Ansicht. Das

das Wejen und der Schwerpunkt unseres Vereins, daß wir diese Abließung nicht wollen. Unduldsamkeit ist es, was wir nach jeder Seite fämpfen, die orthodoxe und rationale, lektere noch viel entschiedener. Denn : ist darum die widerwärtigste, weil sie mit fich felbst in Widerspruch steht to ihr eigenes Wesen ertödtet. Unser Antrag lautet wie folgt:

,,Die Versammlung erklärt: innerhalb des Protestantenvereins ist, wie e oft ausgesprochenen Grundsäße desselben bezeugen, jede Anschauung über is Wesen der Offenbarung Gottes und die Entstehung der heiligen Schrift erechtigt, welche im Laufe der geschichtlichen Entwickelung sich wissenschaftlich n Streben nach Wahrheit herausgebildet hat und in der Ueberzeugung des ıristlichen Gewissens Boden findet. Deßhalb vermögen sowohl Vertreter der ipranaturalen wie der rationalen Anschauung in dem Vereine wie in der irche einträchtig mit einander zu wirken, und es ist keine der beiden Rich: ingen befugt, das Recht der andern zu leugnen.“

Ich will eine Bemerkung hinzufügen, sie ist praktischer Art. Daß wir ieß hier ausgesprochen haben, ist mehr die Feststellung eines Grundsaßes. lber die Ursache, warum wir dieses auf die Tagesordnung geseßt haben, it eben die, daß wir die Frage über die Geltung der Bibel in der rotestantischen Gemeinde für eine hochwichtige halten. Wir halten sie für hochrichtig, weil sie nicht etwa nur in den theologischen Systemen, sondern in ver ganzen Anschauung der Gemeinde eine andere geworden ist, als früher. šch selbst bin in meiner Jugend in dem Saße gewissermaßen aufgewachsen: Es steht geschrieben und darum ist es also." Es hat oft in meiner Wirksamkeit schwer auf mir gelastet. Ich bekenne gern: Befreiet bin ich von dieser Fessel erst vollkommen worden, als Strauß zuerst sein ,,Leben Jesu“ scheinen ließ, obgleich ich in den Ergebnissen desselben nicht zusammengestim habe. Erst seitdem ich es wagte, die Bibel, wie jedes andere Buch, I kritischem Auge zu betrachten, ist sie mir das wahre Religionsbuch geword ich danke ihr, was ich in religiöser Beziehung bin, mein ganzes innerji Leben, und ich bin auch überzeugt, daß dieß die Erfahrung Aller i welche mit vollkommener Unbefangenheit an dieselbe herantreten. Was das für ein Buch, das im Laufe der Weltgeschichte solche Resultate liefert wie dieses! Wo ist ein anderes Buch, welches ihm an die Seite geie werden könnte, welches eine solche Umwälzung im ganzen Menschengeschler erzeugt hätte! Wenn das so ist, so muß man davon mit Respect red: Deßwegen halte ich es von höchster Wichtigkeit, daß in unserer protestantijú: Kirche dieses Buch fortwährend gelte als das eigentliche Volksbuch. Dara beruht unser Protestantismus gegenüber der katholischen Kirche. Er ist dara. gegründet und wird nicht anders halten, als so lange er darauf steht. A der Geltung der Bibel beruht die eigentliche Religiösität, im Gegenfu gegen den Dogmatismus, dessen Herrschaft wir befämpfen. Davon werde wir nicht anders erlöst, als wenn dieses Buch dem Volke nahe georad wird. Es ist nicht mehr das Volfsbuch, es soll es wieder werden. Meir Herren! Warum ist es das nicht mehr? Weil és nicht mehr verstande wird. Hat man es früher in dem naiven Glauben hingenommen: „W. geschrieben steht, ist dictirt vom heiligen Geist," so hat dieser Glar! aufgehört. Jeßt, wo man es mit andern Augen anschaut, weiß man nid was man daraus machen soll. Das Pof muß in das rechte Verständn der Bibel eingeführt werden. Das ist ein Wunsch, den ich ausspreche, de ich aber nicht etwa zu einem Antrag machen will. Ich wünsche, ac tüchtige Kräfte sich daran machen, nicht nur eine gute Ueberseßung di Bibel, namentlich zunächst des neuen Testaments und einzelner Abschnitte de alten Testaments (es könnte wohl dazu die von Bunsen gebraucht werden sondern auch eine Einleitung und Erklärung der einzelnen Schriften un Schriftstellen zu liefern, so nämlich, daß Diejenigen, welche nicht Theologi studirt haben, doch erfahren, woher denn diese Schriften kommen, wer sie go schrieben hat, so viel man noch entdecken kann, unter welchen Umständen uu Verhältnissen sie geschrieben sind, was für eine Tendenz sie gehabt haben und aus welchen Anschauungen sie hervorgegangen sind. Damit wird das protestantische Volk in den Stand geseßt, in dieser Bibel den Schap den unaussprechlich großen Schaß, der darin liegt, zu heben und sich anzu eignen. Ich habe diesen Wunsch nur hier au gesprochen, vielleicht finder sich Kräfte in dieser Versammlung, welche sich daran machen. Wenn du Einzelne unter Ihnen die Sache überlegen will, so möge es ihm Herzenia gelegenheit werden, auf diesem Wege dahin zu wirken, daß das Buch, de .ns allen so unendlich viel ist, dem Volk wieder auf einem anderen Wege, (3 früher, das werde, was es ihm war.

Professor Baumgarten. Ich befinde mich in einer schlimmen Altertative: was ich sagen möchte und auf dem Herzen habe, das kann ich nicht lussprechen, weil mir die Zeit nicht zu Gebote steht. Andererseits kann ich bensowenig schweigen. Ich muß also mit meinem Redeschifflein zwischen viesen beiden Klippen hindurch zu steuern versuchen und dabei die gütige Nachsicht der Versammlung in Anspruch nehmen.

Ich will mich auf das Nothwendigste beschränken.

Zunächst kann ich nicht umhin, dem verehrten Herrn Referenten auszusprechen, daß er dieses große Thema in einer Weise behandelt hat, daß man die persönliche Ueberzeugung, die ganze theologische und christliche Persönlichkeit, auf der diese Gedanken ruhen, zu schauen bekommt. Und das ist die einzige Weise, wie wir über kirchliche und theologische Fragen und Themata pers handeln sollen.

Zweitens muß ich und wir Alle müssen es ihm danken, daß er den freien Muth hat, dieß außzusprechen. Denn es ist nicht gerade, diejenige Ansicht und Anschauung von der heiligen Schrift, welche allenthalben gewünscht und beliebt wird. Wir müssen uns erinnern, daß es viele und weite Ortschaften und Länder giebt, wo das freie Wort nicht so geschäßt mird, wie in Baden und Bremen. Andererseits aber bringt mich diese Wahrnehmung dahin, daß mir doch nicht Alles genügt, was in dem Vortrag enthalten ist. Besonders vermisse ich darin, was ich nothwendig, wenn einmal von der Sache die Rede hier ist, hervorheben muß, was ich mich verpflichtet halte nicht zu verschweigen. Der Protestantenverein ist einerseits und ich, das eine Mitglied, bin andererseits verleumdet worden, dahin: daß der Verein darauf aufgehe, meinen Glauben zu beschränken, und ich hätte mich dem gefügt. Damit sind wir beide verdammt. Ich erkläre hiermit, daß Beides falsch ist. Beides eine Verleumdung. Ich habe keine Beschränkung meines Glaubens innerhalb des Protestantenvereins erfahren und habe auch nicht aus inneren oder äußeren Gründen mich bewogen ge. funden, von dem Glauben, der ich erlebt habe, der mir erfahrungsmäßig Fest steht, irgend etwas, während ich Mitglied war, aufzugeben. Siun aber ist, was mir die Hauptsache ist, wesentlich dadurch erleichtert, daß von der Seite des eben gehörten Redners ein bestimmter Antrag gestellt ist, der mein Gewissen vollkommen salvirt. Ich freue mich, daß er von der Seite gestellt ist; das ist das Wahre in unserm Veiein, daß wir immer mehr lernen, "was an Untersdjieden und Gegensäßen vorhanden, daß sich das frei aus: spreche, aber andererseits auch wieder anerkannt werde. Das ist auch der einzige Weg, wie wir mit großen Schritten weiter kommen können. Denn ganz kann ich dem Vorredner darin nicht beistimmen, daß der Gegeiisaß, den er den rationalen und ben supranaturalen nennt, so nur vorhanden wäre, daß wir nicht zwei Seiten fortwährend unterscheiden müßten, die wirklid berechtigt sind. Wir müssen also vorläufig diese zweiseitigkeit als gleich be rechtigt anerkennen. Wenn man uns nun entgegenhält: also habt ihr einz Ansicht von der Bibel, die wie Ja und Nein steht, so ist das irrthümlidi. Es giebt Eines, was über diesem Dualismus steht, ihn in Bewegung leti und einem Ziele zuführt, das höher liegt, als Alles, was bisher in der Kirche und der Theologie vorgekommen ist.

Darüber ein paar Bemerkungen. Ich schließe an an den Vorredner und den Referenten, in Beziehung auf das, was fie in ihrer Weise gejagi haben. Es ist aber nicht ganz das, was ich meine, nämlich: ich bin der Meinung, daß wir noch nicht in der Lage sind, wiederum auf new Weise für lange Zeit festzustellen, was wir an der Bibel haben können. Wir haben solche Zeiten gehabt. Zuerst ist die Bibel in der kirchlichen Zeit nur sehr unvollkommen erkannt worden. Es ist keine Scheidung zwischen heiligen und andern Schriften gewesen. Aber auf dem Wege der Erfahrung und des Rampfes bildete fich in den ersten Jahrhunderten eine Anschauung. Die Christenheit wurde in den Kampf mit den zeitigen und äußerlichen Mächten des Heidenthums und Judenthums hineingestellt, und nachdem er fortgegangen und bis zu seiner Spiße gekommen war, da zeigte sich, daß int der Christengemeinde die Bedeutung der Bibel eine sehr bestimmte geworden war. Als vie diocletianische Verfolgung anbrach und weil die Heiden gemerkt hatten, daß in der Stellung der Gemeinden zur Bibel eine wunderbare Macht lag, die sie sich nicht erklären konnten und wobei man davon ausging, daß man nur die Bibel in die Hand nehmen müsse, um Aufklärung zu erhalten, was zeigte sich da? Wir hörten die einfachsten Leute, Frauen, die mit den ärgsten Qualen bedroht werden und fie ausstehen, fie sollen die heilige Schrift verrathen, sollen angeben, wo sie die Bücher haben. um sie zu verbrennen; da fehen wir eine begeisterte Liebe zu diesem Buche, da haben wir noch eine Stimme aus jenem hohen Alterthum, wo es heißt: Verbrennen mögt ihr die Bücher, aber sie sind in uns. Weltgeschichtlich zeigte es fich, daß das Buch in den Herzen stand und dort wie eine Säule stand, an der sich die Seelen aufrichten unter den Todesmartern.

In der Zeit der Reformation gab es, wie in unserer Zeit, viele Hülfamittel, welche man bisher nicht kannte, um dem menschlichen und geschicht: lichen Charakter der Bibel nahe zu treten, und das hatte eine bessere Anschauung der Schrift zur Folge. Erasmus war weit mehr philosophisch und fritisch vorgebildet, als Luther und Melanchton, aber in Fällen, wo seiner besseren Erkenntniß Gefahr drohte, da zog er sich ängstlich zurück, bas kleine Männlein. Die anderen Reformatoren kannten diese Furcht nicht, sondern boten den Gefahren Troß und in dem Kampfe, in welchen sie

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