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aten, bewiesen sie den ruhmreichen Muth, an welchem die Kraft von Fahrinderten zerschellte; da wußten sie und erkannten, was die Propheten und postel sind, da schauten sie hinein in das innere Geheimniß der Schrift, gründeten den Sinn des Buchstabens, erfaßten, was diese Helden vor ihnen (ehrt, und blickten in ihr Inneres hinein, so daß Luther von ihnen sagt: 3 brennt in den øerzen des Propheten, wie in einem Kamin, da ist ein euer, in welchem das Materielle der Welt verzehrt wird. – Da ist in der formatorischen Zeit diejenige Anschauung der Bibel erwachsen, welche fo ele Früchte getragen hat. Ich bin der Meinung, daß wir diesen Kampf icht hinter uns haben, sondern vor uns; ich sehe die Zeit an als eine sehr :nste, wo wir, die Hauptsache, den Berg noch zu übersteigen haben, und da tüssen wir die Mittel, welche für die Erforschung der Bibel uns zu Gebote ehen, gebrauchen. Wir werden aber, wenn wir in diesen Kampf treten, inschauen müssen in das innere Leben dieser Heldengeister, und ich glaube, vir werden noch Manches sehen, wir werden sehen, wie das Menschliche nd Göttliche- sich verbindent in dem Leben dieser heroischen Gestalten; da ierden wir viel Neues lernen; da werden wir das, was uns bisher noch dunkel var, was wir nicht einsehen konnten, wir werden es leichter erkennen, wie leides zusammen geht und Beides zu vereinigen ist. Wir sind durch den Proestantenverein darauf angewiesen; wir können nicht zurück, wir müssen vorjärts; wir sind aber auf dem besten Wege, die bisherige Unterscheidung ufzulösen, nicht durch allerlei Künste, sondern so, daß jeder erkennt: das it die lebendige Gegenwart des Geistes. So hoffe ich denn mit dem Voredner, daß das Buch der Bibel ein Volksbuch werde, nicht wieder werde, venn sie ist es noch nicht gewesen, sie muß es erst werden. Die Ueberseßung luthers ist nur ein Anfang, sie hat manche Lücken, sie muß fortgeseßt und rklärt werden, denn die buchstäbliche Ueberseßung Luthers hemmt sehr oft jas Verständniß. Dazu ist der Protestantenverein da; - dieses ist so zu agen eine Ergänzung der Bibelgesellschaften. Legtere haben das Fhrige gehan: Die Bibel ist überseßt in alle Sprachen, in allen Ländern ist sie verjreitet. Nun muß der Kampf kommen, und wie er enden wird, wissen wir noch nicht; Niemand kann das sagen; Niemand ist im Stande, zu bestimmen, pelche Wirkungen die Fülle des Geistes, die wir erschließen können in den heiligen Büchern des alten und neuen Testaments, haben wird. Von Jahr zu Jahr wird aber die Macht der Bibel kräftiger werden durch den Protestantenverein. Geheimrath Dr. Bluntschli:

Hochgeehrte Herren! Ich habe vielleicht die erste Veranlassung auf dem Protestantentag, welcher im vorigen Jahre in Neustadt gehalten wurde, dazu gegeben, diese Frage einer ausführlichen Discussion zu unterwerfen. Meine Aeußerungen sind damals ziemlich heftig angegriffen worden, und wenn ich heute das War ergreife über eine solche Frage, so kann ich mir recht gut benken, daß be jenige, was ich jeßt zu sagen habe, ebenfalls in theologisch-gebildeten Ohrid wie ein Mißklang ertönen wird. Ich werde nicht die Sprache der Theologe sprechen, sondern die Sprache, wie sie unter uns Laien und Männern de Wissenschaft Sitte ist.

Meine Herren! Der Gedanfè eines inspirirten Religionsbuchs ist nit dem Christenthum eigenthümlich, sondern findet sich überall, wo es Religioner mit Religionsbüchern giebt, und wenn Professor Hengstenberg aus Berlia einmal Gelegenheit hätte, nach Bochara zu kommen, so würden ihm die islamitischen Theologen mit großem Eifer beweisen, daß er ein schreclider Keßer und des Todes würdig sei, weil er nicht jedes Wort des Korang für richtig erklären würde. Damit will ich nicht die Bibel mit dem Koran ar eine Linie stellen, aber das Kaisonnement der Theologen stelle ich auf eine Stufe. Ich erinnere mich des großen Eindrucks, welchen in meiner Jugend ein Wort von Niebuhr auf mich gemacht hat. Er sagte: Man hat bisher nicht die Geschichte betrachtet, als wäre sie wirklich geschehen, sondern als wäre sie ganz so geschehen, wie sie uns überliefert ist in einigen Darstellungen. Das Wort hat auf mich einen tiefen Eindruck gemacht, und von da an habe ich mir jedesmal, wenn ich ein altes Buch las, die Frage vorgelegt: Sit dai so geschehen, hat es so geschehen können, oder ist vielleicht etwas in die Darstellung hineingerathen, was nicht der Wirklichkeit entspricht? Niebuhr hat schon damals gegen uns das grauenhafte Wort ausgesprochen: Ich hoffe, daß die Zeit kommen wird, in welcher man die Bibel so liest, wie jedes andere alte Buch. Die Bibel ist auch ein Buch und fällt daher unter die Gelege der Schriftstellerei. Die Herren, welche sich vorstellen, daß Gott, der heilige Geist, das alles dictirt habe, find so ziemlich auf demselben Standpunkt, auf welchem sich die islamitischen Theologen befinden, welche glauben, daß die Suren des Rorans, geschrieben auf Papier mit Feder und Dinte, von Engela dem Mohamed überliefert sind. Die islamitischen Theologen haben noch nicht erklärt, wie das zusammenhängt; denn wie man dazu kommt, unter den Engeln Papier und Dinte und Federn zu haben, das begreift ein natürlicher Menschen eben nicht. (Heiterkeit.)

So verhält es sich auch hier; die Auffassung ist dieselbe, wie sie bei einem großen Theile unserer Theologen bestanden hat. Ueberdem mußte man fich die Frage vorlegen: wie kommt es denn, wenn das Ales so wäre, daß der göttliche Geist sich einer möglichst unvollkommenen Sprache bedient hat? Denn die hebräische Sprache steht an Vollkommenheit hinter den arischen Sprachen zurück. Wie kommt es denn, wenn das alles so wahr wäre, daß das Griechische des alten Testaments weniger gut ist, als das Griechische der klassischen Literatur der Hellenen? Glauben die Herren etwa,

velche sich Gott so vorstellen, ihm die Unehre erweisen zu dürfen, daß er nicht das beste Griechisch gesprochen habe? Die Bibel ist allerdings ein Buch, in welchem mit die größten religiösen Wahrheiten für die ganze Menschheit verkündet sind; das hindert mich aber nicht, an dieser Stelle auszusprechen: Es sind unzählige Frrthümer darin, welche heute von Jedem zugestanden werden. Die ganze Natur-Anschauung der Bibel ist die der alten kindlichen Vorstellung von der stillstehenden Erde und der um die Erde wandelnden Sonne; der Himmel ist Anfangs noch ganz klein in der Bibel, er ist dann in unsern Vorstellungen gewachsen, wie die ganze Natur gewachsen ist. Ebenso ist es mit den geschichtlichen Bildern; auch da sind eine Menge Jrrthümer, wie in anderen Büchern. So auch ist es mit den Wahrheiten. Ist heute z. B. die Vorstellung von dem zürnenden Gott noch die alte, wie sie sich im alten Testamente findet? Unser Gott ist ebenfalls reiner und humaner geworden, als der Gott, welchen die alten Juden angebetet haben. Die ganze Auffassung der Bibel ist somit noch eine recht kindliche. Geben wir das also auf, es ist dabei nichts verloren. Der Gott, welcher auch unter den Juden gewirkt und große religiöse Offenbarungen in diesem Volke gemacht, hat fortgele bt in der Weltgeschichte und hat von Zeit zu Zeit die Menschheit bewegt, nicht blos damals. Nur in diesem geistigen Zusammenhange kann man Gott verstehen und das Endere ist todter Schall, über welchen wir hinwegkommen müssen. (Bravo!) Hosprediger Schweißer:

Hochgeehrte Versammlung! Die beredten Worte, welche wir eben gehört haben, und alles, was der Vorredner über die heil. Schrift gesagt, kann ich mir von ganzem þerzen aneignen. Es frägt sich nun aber: wird unter den so bewandten Umständen, wie sie der Vorredner geschildert hat, wird nicht die Bibel für mich aufhören eine Autorität zu sein? Aber nein, gerade die Erfahrung meines Lebens und die Resultate meiner Forschung haben mich dahin geführt, daß die Bibel für mich eine Autorität bleibt, eine Autorität im Streben nach Heiligung, im Glauben an Christus, eine Autorität in dem Amte, in welchem ich mit ganzer Liebe stehe. Ich habe mir oft die Frage vorgelegt: inwiefern ist sie dir eine Autorität und wie ist sie dir eine Autorität, so daß du es ber Gemeinde und im Confirmandenunterricht klar machen kannst? und da bin ich immer von den Worten der Schrift aus: – wer Jesum seinen Herrn nennt, der hat den heil. Geist - auf die Vorstellung gekommen, daß diese Herrschaft Jesu keine buchstäbliche, sondern nur eine rein geistige sein könne, kein Geset der Knechtschaft, sondern der Freiheit. Diese Herrschaft finde ich erklärt in einem Wort Jesu, wo er uns ein neues Gebot gegeben hat, daß wir uns einander lieben sollen, mit der Liebe, mit der er uns geliebt hat. Das ist nach meiner Auffassung der Bibel und des Christenthums das einzige Gebot des Christenthums. Neben diesem darf kein anderes Gt bot und Geseß aufgerichtet werden. Und dieses Gebot finden wir ganz be sonders erklärt in dem Worte Christi, daß wir uns selbst verleugnen, sein Kreuz auf uns nehmen und ihm nachfolgen sollen bis zum Tode.. So if der Herr der Geist, und ich glaube, es ist durchaus widerchristlich und itn: protestantisch, daß buchstäbliche Gefeße aufgestellt werden in der Kirche

. Darum soll auch die Bibel nicht zu einem buchstäblichen Geseke gemad: werden. Es ist auch widerschriftlich, und wir Schriftgläubigen müssen uni dagegen verwahren.

Das neue Testament ist die älteste Urkunde von der Predigt der heiligen Gottesliebe, welche Jesus offenbart. Das ist eine Erfahrung der Kirche iowie des einzelnen, Christen, welche mit der Sehnsucht der Liebe Gotte: dieses Buch gebraucht. Das neue Testament ist die Urpredigt von der Gottes liebe in Christum. Nur in dieser Beziehung hat das neue Testament für mich eine dauernde Autorität, so lange eine dauernde Autorität, bis ich erfahre, daß ich in dieser Liebe die Vollendung erlangt habe, daß ich dieser Autorität nicht mehr bedarf. Das wird mir aber nicht gelingen. So hat sie auch eine dauernde Autorität in der Kirche, denn diese wird auch nicht frei von der Sünde.' Das alte Testament ist die Urkunde von den Vorbereitungen, welche Gott getroffen hat, um sich in Jesu in seiner Liebe zu offenbaren. Wenn uns Allen nun in dieser Weise die Bibel eine Autorität ist, so hängen wir nicht ab von dem menschlichen Buchstaben; sondern es wird an uns das Wort des Propheten erfüllt, worauf Jesus hinweist: Wir werden von Gott gelehrt; denn wir werden durch die Predigt der Gottes liebe in Christo gelehrt. Es giebt keinen größeren Lehrmeister in allem fitt: lichen und geistigen Leben und Zielen, als diese Liebe Gottes im Herzen. So werden wir von Gott gelehrt, und die Bibel, soweit sie diese Gottesliebe in mir lebendig macht, so weit ist sie für mich Gotteswort, heiligt mich, und ist darum heilige Schrift und dadurch, daß fie fich weltgeschichtlich ausgebildet hat seit Christus, als ein solches Buch, welches Liebe predigt, ist sie eine dauernde Autorität für mich, welche uns auf dem Lebenswege frei macht.

Pfarrer Schellenberg von Mannheim: Ich knüpfe an die Thatsache an, daß die Bibel im Leben unseres Volkes die Stellung nicht einnimmt, welche ihr gebührt; sie ist weder so gekannt, wie es sein sollte, noch lebt die innige Freude an ihr unter uns, wie sie doch über dem Besiße eines so köstlichen Kleinodes unter uns bestehen sollte; die Gebildeten der Gegenwart sind zwar mit der Literatur der alten und neuen Zeit vertraut, von einer wahren Be: kanntschaft mit der Bibel aber kann man fast nur noch in Conventikeln reden.

Fragen wir nach den Ursachen dieser Erscheinung, so tritt uns zweierlei entgegen: einmal Mangel an religiösem Sinn; ein Buch vermag ung

ur bann zu fesseln, wenn das Leben und der Geist, die es darstellt, uns erwandt sind, einen Widerhall in unsern Herzen haben; nun aber ist das eben, welches durch die Schrift geht, das religiöse; es stammt aus Gott ind geht zu Gott; es zeugt von dem Ewigen, und stellt Welt und Menschen n das Licht des Ewigen. Darum kann auch rechte Liebe, rechten Sinn für as Buch nur der haben, in welchem solch ein Leben wohnt und sich regt; iber eben dieses religiöse Leben mangelt so vielen; die Zeit mit ihren mächigen politischen und gewerblichen Unternehmungen, mit ihren zahllosen rdisch-sinnlichen Zerstreuungen hat nicht wenige dem religiösen Sinne entremdet, daher sie auch keinen rechten Sinn mehr für das Buch haben, velches vor allem das Buch der Religion ist.

Aber dazu kommt noch ein zweiter, bereits von Vorrednern berührter Grund, welcher unleugbar zu der Entfremdung des Volkes von der bel mitgewirkt hat, es ist die ganz veränderte Betrachtung 8 w eise der Bibel, sie ist uns nicht mehr das Gottesbuch im Sinne der alten Zeit, wclche mit kindlich gläubigem Sinne in jeder Erzählung, in jedem Buchstaber die unmittelbare Kundgebung und Sprache Gottes sah; in Folge der großen geistigen Umwandlung, wie sie der Referent heute uns vorgeführt, können wir die Bibel nicht anders als zugleich mit prüfendem Auge ansehen; unsere Stellung zur Bibel ist nicht mehr blos, wie früher, eine gläubig hinnehmende, sondern zugleich eine untersuchende, prüfende; wir können nicht mehr glauben, blos weil es geschrieben steht, wir müssen innern Grund der Wahrheit haben.

Dieß ist so sehr eine Thatsache und Forderung unserer Zeit, daß selbst unter Solchen, die sich nicht ohne Nachdruck „Gläubige“ zu nennen pflegen, fich doch nur wenige finden, welche in Wahrheit „Thoren der heiligen Schrift“ zu werden, d. h. geneigt find, jeden Buchstaben als Werk des heiligen Geiftes zu verehren; auch sie fühlen sich gezwungen, zwischen Göttlichem und Menschlichem in der Schrift zu unterscheiden.

Der aber, welcher das Recht der freien Prüfung gegenüber der Schrift forderte und übte, ist Niemand anders als Luther; bei der gläubigsten Verehrung der Schrift, bei der vollen Ueberzeugung, daß es Gott sei, ber in ihr zu unserm Geschlecht rede, hat er sich doch eine freie Stellung zu ihr gewahrt; er unterscheidet unter ihren Büchern; „mein Geist kann sich in das nicht schicken,“ sagt er von der Offenbarung; den Brief Jakobi nennt er frischweg eine „stroherne Epistel“; er will „sein Barett wetten“, daß jatobus und Paulns sich nicht reimen; er sieht alle Bücher nur darauf an, ob fie ,,Christum treiben", ,,was Christum nicht treibt, ist nicht apostolisch, wenn es gleich St. Peter oder Paulus lehrt; wiederum was Christum predigt, das wäre apostolisch, wenn's gleich Judas, Þannas, Pilatus oder Herodes thät": d. h. Luther wahrte und übte das Recht, an die Schrift den Maßstab freier

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