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Antlitz Jahves herrührt. Diese Worte stehen folglich im strikten Gegensatz zu Ex. 3321ff., wonach Mose trotz seines Bittens das Antlitz Jahves nicht sehen dürfe, wenn anders er

am Leben bleiben wolle. Die Geschichte dieser Theophanie ist im Lauf der Zeit mehrfach überarbeitet worden, wie andere Züge bestätigend lehren. Eine jüngere Quelle weiß von einer Lichtglorie des göttlichen Antlitzes, während die älteren nichts davon berichten. Dem entspricht die religionsgeschichtliche Wandlung. Während die ältere Zeit es vermeidet, Jahve zu beschreiben, und das Göttliche in den Schleier keuschen Geheimnisses hüllt, haben wir in Ez. 1 die erste wirkliche Schilderung der göttlichen Gestalt Jahves. Aber mag sie auch jünger bezeugt und später zur Geltung gelangt sein, so ist sie ihrem Ursprunge nach nicht erst damals entstanden und keineswegs aus der Luft gegriffen. Eine zweite, noch auffälligere Tatsache findet sich im selben Zusammenhang. Denn auf das Flehen des Mose, Jahve möge sein Volk geleiten, antwortet dieser: mein Antlitz soll mitgehen (Ex. 3314). Und ähnlich heißt es Dtn. 437: mit seinem Antlitz führte Jahve Israel aus Ägypten. Ein Antlitz kann nicht führen. Man hat daher gesagt, panim sei Engelname (SMEND' S. 124). Das ist aber ausgeschlossen durch Jes. 639, wo nur Jahve selbst gemeint sein kann: Nicht Botel noch Engel, (sondern) sein Angesicht rettete sie. Dazu kommen noch Ps. 444: Das Licht deines Antlitzes verschaffte ihnen den Sieg, und Thren. 416: Jahves Antlitz hat sie zerstreut unter die Völker. Diese Ausdrucksweise ist im Israelitischen ihrem Ursprung nach unverständlich. Es handelt sich hier folglich nicht um genuine, sondern um übernommene Vorstellungen, deren Deutung unsicher und hypothetisch bleibt. Die Kanaaniters kannten ein Epitheton Antlitz des Baal, der Göttin nan beigelegt, und nannten darnach verschiedene Stättenbad (Gen. 32 31), Iroj ngbowntov (STRABO XVI 2, 15f.). Eine ausreichende Erklärung dieser ebenfalls rätselhaften Tatsache ist noch nicht gegeben. Hieran darf man jedenfalls noch eher erinnern als an die babylonischen Siegelzylinders, auf denen öfter nur das

1. Lies may DUHM. 2. Vgl. BAETHGEN S. 56 f.

3. PINCHES: Collection of Sir Henry Peek. Part. III S. 65. NIELSEN: Altarab. Mondreligion S. 179. NIELSENS Thesen vermag ich mir nicht

Gesicht eines Gottes dargestellt wird, während der übrige Körper fehlt. Wir müssen uns zum Verständnis der israelitischen Phrasen mit der Annahme begnügen, daß den Hebräern das Antlitz Gottes als eine geläufige Bezeichnung der Gottheit selbst (Jes. 639) und als im himmlischen Lichtglanz strahlend von irgendwoher vermittelt wurdel.

Hierher dürfen wir endlich die Vorstellung von dem Becher in der Hand Jahves ziehen. Eine im Arabischen gebräuchliche Redensart lautet: Ogins culs Wür den Todesbecher trinken, die zweifellos vom Giftbecher hergenommen ist. Im Alten Testamente ist sie nicht nachweisbar. Statt dessen findet sich die

anzueignen, da er lediglich Vermutungen ohne Beweise und ohne innere Anhaltspunkte aufstellt.

1. EICHHORN macht mich auf die wichtige Tatsache aufmerksam, daß die Gottesvorstellungen der Genesis toto coelo verschieden sind von denen des ganzen Alten Testamentes. Die Erde erbebt nicht, wenn Jahve erscheint, die Hütte wird nicht hell von seinem Antlitz, wenn er eintritt, der Mensch stirbt nicht, wenn er die Gottheit sieht. Nur in der Genesis, sonst nie wieder, wird Jahve so menschlich gezeichnet. Mit Adam wandelt er durchs Paradies, bei der Sintflut schließt er persönlich die Arche zu, den Duft von Noahs Opfer saugt er mit Behagen ein; bei Abraham ist er zu Gaste und stärkt sich durch ein Frühstück. Mit Jakob ringt er und unterliegt. Man merkt, hier weht eine ganz andere religiöse Luft als sonst im Alten Testamente. Diese Geschichten müssen in einem anderen Kreise entstanden sein, da in ihnen eine eigentümliche Atmosphäre herrscht, die wir nur hier kennen lernen. Der Unterschied zwischen der Genesis und z. B. dem Buche Exodus in dieser Beziehung ist so offenkundig, daß ihn nur ein Blinder übersehen kann. Wie man ihn erklären will, ist eine zweite Frage. Ich nehme an, daß die Geschichten der Genesis von den Kanaanitern entlehnt sind, die gleich Homer in einer kulturübersättigten Zeit lebten, wo die Religion sich zu zersetzen und in Rationalismus aufzulösen begann. Man hat die Scheu vor der Gottheit verloren und zieht sie ins Menschliche herab. Die scheinbare Naivität ist in Wirklichkeit Hyperkultur. Sonderbar ist nur, daß die Israeliten niemals das Bedürfnis empfunden haben, die spezifischen Züge der Gottesoffenbarung, mit denen wir uns in diesem und in den vorhergehenden Paragraphen beschäftigt haben, nachträglich in die Genesiserzählungen einzufügen.

Einen dritten denkwürdigen Kreis, der wieder für sich steht, bilden die Josephsgeschichten. »An die Stelle des Glaubens an die Gotteserscheinungen ist der Vorsehungsglaube getreten« (GUNKEL

S. 351).

Forschungen zur Rel. u. Lit. d. A. N. NT. 6.

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Phrase: aus dem Zornesbecher oder aus der Zornesschale trinken, die auffälligerweise nur ein einziges Mal (Hab. 215 nach der Konjektur WELLHAUSENS) in profanem Sinne begegnet, sonst stets von Jahve ausgesagt ist. Das Bild ist nicht ohne weiteres klar. Man möchte es ebenfalls auf den Giftbecher zurückführen, da das Wort 77an sowohl Gift wie Zorn heißt? Weil Gift und Zorn für das semitische Sprachbewußtsein eng zusammengehören, darum kann von einem Becher und von einem Ausgießen (Ez. 14 19. 2033. 2222. Hos. 510. Thren. 24. 411) und von einem Trinken (Job. 2120) des Zornes gesprochen werden. Wir erwarten demnach, daß die Schilderung der Folgen, die das Trinken des göttlichen Zornesbechers hervorruft, sich decke mit den Erscheinungen, die durch Giftgenuß verursacht werden.

Von einem Giftwasser Jahves redet unzweideutig Jeremia. Sammelt euch, laßt uns in die festen Städte ziehen und dort untergehen; denn Jahve, unser Gott, läßt uns untergehen und tränkt uns mit Giftwasser; denn wir haben gesündigt wider Jahve (Jer. 814). Anderswo sagt Jahve: Darum will ich dies Volk mit Wermut speisen und mit Giftwasser tränken (Jer. 914 2316). In allen diesen Versen ist ein Gift gemeint, das von einer uns unbekannten Pflanze genommen wird, wie wir auch die von uns mit Wermut übersetzte Pflanze nicht genau identifizieren können. Soweit sind die Bilder klar.

Die Unklarheit beginnt schon an der Stelle, die man ohne Grund als die Quelle dieser ganzen Idee angesehen hat: Denn so sprach Jahve, der Gott Israels zu mir: Nimm diesen Weinbecher aus meiner Hand und lasse ihn trinken alle Völker, zu denen ich dich sende. Und sie sollen trinken und ins Schwanken geraten und ins Rasen durch das Schwert, das ich unter sie sende. Und ich nahm den Becher aus der Hand Jahves und ließ ihn trinken alle Völker, zu denen Jahve mich gesandt hatte ....

Du aber sollst zu ihnen sagen: So spricht Jahve der Heerscharen, der Gott Israels: Trinkt, daß

1. Die Urbedeutung ist »Gift«, wie die Übereinstimmung des Assyrischen (imtu), Arabischen üs), Äthiopischen (chqot: Galle) und Syrischen (

Raw) lehrt. 2. Man denkt an Artemisia absinthium, die aber nicht giftig ist. sein.

ihr trunken werdet und speit und hinfallt, ohne aufzustehen, vor dem Schwerte, das ich mitten unter euch sende (Jer. 2515ff. 27). Hier sind zwei Bilder mit einander vermengt: das vom Trinken des Bechers Jahves und das vom Gefressen werden durchs Schwert. Möglich war dies, da beide inhaltlich identisch sind und den gewaltsamen Tod bedeuten. Der Verfasser war sich des bildlichen Charakters gar nicht mehr bewußt und brauchte darum beide metonymisch. Um dieses abgeblaßten Sinnes willen kann die Phrase vom Becher Jahves nicht erstmalig durch Jeremia geschaffen, sondern sie muß um vieles älter

Wollte man selbst mit DUHM das Schwert als Glosse streichen, so ist doch nicht jeder Anstoß entfernt. Denn das Bild bleibt trotzdem unklar. Obwohl der Becher ausdrücklich als Weinbecher bezeichnet ist, paßt die folgende Schilderung nicht dazu. Vom Wein kann man zwar trunken werden, speien und hinfallen, aber man steht wieder auf, man stirbt nicht davon noch gerät man durch ihn in Raserei. Der Wein ist überhaupt völlig ungeeignet, um das Unheil zu symbolisieren, das er hier symbolisieren muß. Denn er ist in erster Linie ein köstlicher Trank, ein Freudespender und Sorgenlöser, und er behält diesen Charakter trotz der unangenehmen Wirkungen, die sich an den übermäßigen Genuß knüpfen.

Von diesem Gesichtspunkt aus ist Ps. 605 ebenso auffällig: Du hast dein Volk Hartes sehen lassen, du hast uns Taumelwein trinken lassen. BAETHGEN erklärt: »Der Taumel selbst ist das Gift, welches das Volk getrunken hat«. Aber es handelt sich hier, wie aus dem Parallelismus hervorgeht, einfach um eine technische Redensart. Du hast uns mit Taumelwein getränkt d. h. du hast uns Unheil bescheert. Der Taumelwein hat hier dieselbe Bedeutung wie im Neuen Testamente rrot Lov Unheil (Matt. 2022. 26 89). Vom Weine aus ist diese Begriffsentwicklung schlechterdings unverständlich. Ebenso kennt Ps. 759 nur den Unheilsbecher: Denn ein Becher ist in der Hand Jahves mit gärendem Wein voller Würze, und er schenkt davon, und auchi seine Hefen müssen trinken, müssen schlürfen alle Gottlosen auf Erden; ich aber will jubeln für immer. Der Fromme trinkt den Most Jahves nicht. Wäre wirklich himmlischer Wein im Becher Jahves, so müßte der Gerechte zu allererst davon kosten. Der Weinbecher kann demnach nicht ursprünglich sein, sondern muß als ein späteres Substitut aufgefaßt werden.

1. Lies WELLHAUSEN.

An einer anderen Reihe von Stellen wird das Getränk nicht näher bezeichnet. So heißt es Jer. 51 39: .. ich will bereiten ihren Trank und will sie trunken machen, damit sie zusammenbrechen1 unil entschlafen zu ewigem Schlaf ohne Erwachen, spricht Jahve. Wie hier der Tod als eine Wirkung des göttlichen Trankes ausdrücklich genannt wird, so auch Ob. 16: Denn so wie ihr auf meinem heiligen Berge habt trinken müssen, werden alle Völker beständig trinken, trinken und wieder trinken, und sein, als wären sie nie gewesen. Dieselbe Idee scheint Ez. 2332f. (vgl. V. 25ff.) vorausgesetzt zu sein: Den Becher, der deiner Schwester gereicht ward, sollst du trinken, den tiefen, weiten .... der viel zu fassen vermag .... den Becher des Schauers und des Schauders. Anderswo ist es nicht der Tod, sondern die Schmach, die den Trinker trifft. Freue dich und sei fröhlich, ... die du wohnst im Lande Uz, auch an dich wird der Becher kommen, du wirst dich berauschen und entblößen (Thren. 421). Wehe dem, der den Anderen zu trinken gibt aus der Schale seines Zorness bis zur Berauschung, um an ihrer Schande sich zu weiden. Trink nun auch du und taumlet, es kommt an dich der Becher aus der Rechten Jahves, und du wirst dich sättigen an Schmach statt an Ehreb (Hab. 215f.). Wieder an anderen Stellen wird Ohnmacht oder Wahnsinn als Folge des Trinkens genannt. Ermuntere dich, ermuntere dich, steh auf, Jerusalem, die du getrunken hast von Jahves Hand den Becher seines Grimmes, die du den Kelch des Taumels getrunken, geschlürft hast .. Deine Söhne lagen ohnmächtig... wie die Antilope im Netz. Sie waren voll vom Grimm Jahves, vom Schelten deines Gottes. Darum höre dies, Elende und Trunkene, doch nicht vom Wein. So spricht Jahve, dein Gott, der da hadert für sein Volk: Siehe, genommen habe ich von deiner Hand den Becher des Taumels, nicht wirst du ferner mehr trinken den Kelch meines Grimmes (Jes. 51 17ff.). In über

1. Lies bym GIESEBRECHT. 2. Lies 1399; vgl. das arab. Je 3. Lies par son WELLHAUSEN. 4. Lies by LXX. 5. Vgl. WELLHAUSEN und NOWACK Z. St.

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