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hauptet nämlich, daß die Erde brennen werde, wenn alle Sterne, die jetzt verschiedene Wege gehen, im Krebs zusammenkommen ... daß eine Überschwemmung stattfinden werde, wenn dieselbe Schar von Sternen im Steinbock zusammenkommt1. Diese Anschauung wird als alt bestätigt durch die Ominaliteratur, in der häufig Schilderungen einer Fluchzeit begegnen, z. B.: (Wenn unter den Planeten die und die Bewegung stattfindet), so werden die Götter zürnen, ... wird das Helle trüb, das Reine schmutzig werden, werden die Regengüsse und Hochwasser aufhören, ... werden die Länder in Verwirrung geraten, . . . wird Er. hörung des Gebetes nicht stattfinden, werden die Vorzeichen der Wahrsager nicht günstig sein). Hier wird zwar nicht genau dasselbe gesagt wie bei Berossus, immerhin aber ist die Parallele so frappant, daß man bei anderer Konjunktion von einer künftigen Sintflut oder einem Weltfeuer zu hören erwarten könnte. Mit bestimmten Konjunktionen sind natürlich feste Perioden ohne weiteres verbunden. Ich muß es den Assyriologen überlassen, diese Dinge weiter zu verfolgen.

Mit den Weltkatastrophen ist außer der Periodentheorie noch eine Plagentheorie verbunden, die man nach dem Vorgange der rabbinischen Theologie mit dem mißverständlichen und aus einem ganz anderen Ideenkreis stammenden Terminus3 messianische Wehen zu nennen pflegt. Es handelt sich um ein formales Schema, dessen Inhalt nach Belieben wechselt: Eine große, gewaltige, endgültige Katastrophe wird vorbereitet und angekündigt durch mehrere vorläufige kleinere Plagen. Dies Schema erscheint bereits als fest ausgeprägt bei dem ersten der schriftstellernden Propheten Amos 46—12. Nach diesen Versen hat Jahve die Israeliten mehrfach gewarnt und zur Umkehr

1. Berosus . . . conflagrationi atque diluvio tempora assignat. Arsura enim terrena contendit, quando omnia sidera, quae nunc diversos agunt cursus, in cancrum convenerint, sic sub eodem posita vestigio, ut recta linea exire per orbes omnium possit; inundationem futuram, quum eadem siderum turba in capricornum convenerit. Illic solstitium, hic bruma conficitur; magnae potentiae signa, quando in ipsa mutatione anni momenta sunt (SENECA: Nat. Quaest. III 29; MÜLLER: Fragm. hist. graec. II 510).

2. ZIMMERN KAT.3 S. 393.
3. Vgl. GUNKEL: Schöpfung S. 271 ff. Forschungen, Heft I S. 54.

gemahnt. Aber sie wollten keine Buße tun. So ist denn die letzte Vernichtungskatastrophe unvermeidlich geworden. Wer nicht hören will, muß fühlen.

Eine wichtige Frage, die bisher von den Exegeten weder gestellt noch beantwortet wurde, ist die, ob der Prophet durch zeitgenössische Plagen zu der skizzierten Auffassung genötigt wurde oder nicht. Er beschreibt nach einander eine Hungersnot, eine Dürre, Kornbrand und Heuschrecken, Pest und Krieg, eine Zerstörung wie die Sodoms und Gomorrhas. Nun ist es möglich und vielleicht notwendig anzunehmen, daß alle diese Plagen während eines Menschenalters eingetreten sein können, falls sie genügend klein gedacht und über einen genügend langen Zeitraum verteilt werden. Damit ist aber der eigentümliche Tenor dieser Rede nicht erklärt. Amos erzählt nicht, wie vor zehn Jahren einmal eine furchtbare Pest stattfand, die in dieser Stadt über ein Drittel der Menschen dahinraffte, wie ein Jahr darauf der Krieg mit den Aramäern so unglücklich verlief, daß Tausende von Jünglingen getötet wurden, wie vor vier Jahren ein entsetzliches Erdbeben erfolgte, durch das einige bekannte Städte zerstört wurden gleich der Katastrophe von Sodom und Gomorrha. Im Gegenteil, es wird so dargestellt, als ob die Plagen Schlag auf Schlag sich aneinander reihten, nur eine kurze Pause dazwischen, damit die Israeliten Zeit fänden zur Buße. Und nicht allein das Chronologische fehlt, sondern man vermißt überhaupt alle individuellen Züge, die dem Bilde erst Leben und Wirklichkeit verleihen. Alles ist farblos, verallgemeinert und typisch, ohne Rücksichtnahme auf konkrete Einzelheiten. Statt durch den Hinweis auf bekannte, selbsterlebte Dinge, die noch nach Jahren im Gedächtnis der Leute haften geblieben sind, die Erinnerung an die furchtbaren Plagen von neuem wirksam aufzufrischen, begnügt sich Amos mit einer fast statistisch trockenen Aufzählung.

Das Schematische dieses Abschnittes ist unverkennbar. Man versteht überdies nicht, wie Amos selbst die vielen Plagen als Vorläufer einer größeren Katastrophe betrachtet haben kann, wenn beide nicht schon vorher durch eine Theorie mit einander verbunden waren. Heuschrecken, Dürre, Hungersnot, Krieg, Pest und Erdbeben mochten selten sein, aber wenn sie vorkamen, waren sie doch nicht so außergewöhnlich, daß man auf die Idee verfallen konnte, das Ende der Welt oder der Tag Jahves sei da. Und selbst dann, wenn sie in kürzeren Abständen einander ablösten, mochte man das Unglück für groß und den Zorn Jahves für gewaltig halten, aber daß die Gottheit nun obendrein noch gänzliche Vernichtung beschließen werde, ist kein Gedanke des Glaubens, sondern Ausfluß einer feststehenden Theorie. Nur durch die Annahme eines Schemas fällt Licht auf diesen Abschnitt des Amos. So begreift es sich, warum der Hauptnachdruck nicht auf die einzelnen Plagen, sondern auf ihre Häufung gelegt wird. Denn erst wenn viele Plagen eintreten, wenn eine Mehrzahl von Plagen die Erde verwüstet, ist die Katastrophe nahe. Da Amos überzeugt war, das Ende stehe bevor, so forderte das Schema notwendig eine Reihe vorläufiger Plagen, durch die das Volk nicht zur Buße gebracht war.

1. V. 7f. fallen etwas aus dem Tenor der übrigen Verse heraus und sind darum teilweise für unecht erklärt worden. Wahrscheinlicher vermutet GUNKEL (nach mündlicher Mitteilung), daß nach V. 7a der Refrain ausgefallen sei.

Die Katastrophe kann abgewendet werden durch die Bekehrung des Volkes, kann aufgehalten werden durch die Fürsprache eines Propheten. Amos berichtet 7iff. von drei (resp. vier) Visionen, die ihm zuteil geworden seien. Zunächst habe er Heuschrecken gesehen, die das ganze Land fressen sollten, dann ein Feuer, das den großen Ozean und den Himmel(?) verzehren sollte. Der Prophet habe für Jakob um Vergebung gebeten und Jahve habe zugesagt, die Plagen sollten nicht geschehen. Als Jahve aber zum dritten Male selbst mit dem Lot in der Hand erscheint, verbietet er jede fernere Einmischung; denn das Ende ist unumstößlich beschlossen. Es ist gewiß nicht » nur von psychologischem Interesse« (SMEND S. 183), daß Amos zuerst eine Heuschreckenplage, darauf ein gewaltiges Feuer und schließlich erst das Ende erwartete. Denn zunächst haben wir hier eine deutliche Parallele zu 46ff; nur der Inhalt des Schemas ist modifiziert, das Schema selbst ist dasselbe. Wozu werden zweitens immer neue Plagen genannt? Warum

1. Von einer »Dürre«, wie die Exegeten behaupten, redet der Text nicht. Das Bild ist vielmehr mythologisch, wie der Name Tehom lebrt.

wird nicht eine und dieselbe mehrfach zurückgewiesen? Oder umgekehrt, warum erscheint nicht Jahve von vornherein und wird um die Zurücknahme seines Vernichtungsbefehles gebeten? Warum werden vorher noch zwei Plagen vorausgesetzt? Die Antwort kann nur lauten: Weil ein Schema vorhanden war, das vor der endgültigen Katastrophe noch mehrere Plagen verlangte. Wer freilich in den Heuschrecken und in der angeblichen » Dürre« nur Bilder für die Assyrer zu sehen vermag, ohne sie gradezu allegorisch aufzufassen (wie SMEND), wird das Problem in dieser Fassung nicht anerkennen. Aber auch für ihn erhebt sich dieselbe Schwierigkeit, warum die Assyrer in immer neuen Bildern dargestellt werden. Mit dem bloßen Worte » Vision« oder »Psychologie« ist das nicht erklärt noch das Recht begründet, die genannten Plagen irgendwie umzudeuten.

Ferner lehrt Jes. 97–104. 525—30, daß das Strafgericht Gottes in mehreren Schlägen sich vollzieht, die auf einander folgend das Land verheeren, bis das Ziel, die endliche Vernichtung Israels, erreicht ist. Die Variante weicht insofern ab, als die Plagen hier nicht zur Besserung des Volkes dienen sollen, sondern nur als Äußerungen des gewaltigen Zornes Jahves angesehen werden, der sich nicht genug tun kann in seinem Zerstörungseifer. Schließlich sei daran erinnert, wie bei Jeremia und Ezechiel in sehr vielen Fällen drei oder vier Plagen, zwar nicht zeitlich an einander gereiht, aber doch aufs engste mit einander verbunden werden (vgl. o. S. 88f.). Hier haben wir den sachlichen Übergang vom festen chronologischen Schema zur gänzlichen Formlosigkeit, die in der vorexilischen Prophetie vorherrscht. So mannigfach sonst die Farben sind, mit denen die Katastrophe gemalt wird, so existieren doch die meisten Einzelbilder für sich. Der Tag Jahves wird bald so bald anders gezeichnet, ohne daß irgend ein Zusammenhang aufzuweisen wäre. In der nachexilischen Zeit hingegen sind die Gemälde oft zu größeren Gesamtkompositionen mehr oder weniger gut zusammengeordnet. Das Ende ist zu einem wirklichen Drama in verschiedenen Akten geworden. Auch hier, 80 sehen wir jetzt, handelt es sich nicht um etwas absolut, sondern nur relativ Neues. Bereits in der älteren, vorprophetischen Zeit war ein Schema vorhanden ge

wesen, das verschiedene Plagen chronologisch an einander reihte, bis die Katastrophe eintrat. Die Zahl der Plagen bleibt unbestimmt und wird erst in der Apokalypse Joh. durch die heilige Vier und Sieben normiert.

Dasselbe Schema begegnet uns außerhalb der Eschatologie noch einmal bei den ägyptischen Plagen des Buches Exodus (78-1110). Der schematische Charakter ist hier besonders klar, obwohl er von den Exegeten bisher verkannt wurde 1. Denn diese Häufung der Wunder ist zunächst durchaus unverständlich. Ein Pharao, der nach zehn (resp. neun) furchtbaren Plagen noch so verstockt bleibt, daß ein elftes nötig wird, um seinen Sinn zu brechen, ist weder in der Geschichte noch in der Sage begreiflich. Die Vermutung, Ägypten sei »zu der Zeit, als die israelitischen Stämme ihre Auswanderung vorbereiteten, von besonders schweren Kalamitäten heimgesucht worden« (BAENTSCH), beruht auf Rationalismus. Denn es handelt sich teilweise nicht mehr um mögliche Plagen, sondern um unmögliche Wunder. Wenn aber BAENTSCH von dem »phantasiebegabten Volksgeist redet, der »recht wohl von selbst auf jene Heimsuchungen verfallen und sie zu jenen lebensvollen Erzählungen gestalten konnte«, so hat er grade die Hauptsache ins Gegenteil verkehrt. Denn die Geschichten sind alles andere eher als lebensvollc. Die Verhärtung Pharaos ist psychologisch ein völliges Rätsel. Mochte er anfangs an Zauberei glauben, mußte er sich doch eines Besseren belehren lassen, als seine Weisen das Wunder nicht nachmachen konnten. Trotzdem geht das Spiel (auch nach dem Priesterkodex) weiter. Nur durch die Annahme einer Theorie kann man dies Problem lösen. Die vielen Plagen gehören von Hause aus zusammen; mag auch die eine oder andere später erdichtet sein, jedenfalls bilden sie als Mehrzahl eine bestimmte Tradition. Wie bei Amos sollen sie die Betroffenen zur Umkehr bringen. In Wirklichkeit würden ein oder zwei Plagen reichlich genügen. Da jedoch die Theorie viele Plagen kennt, so muß notwendig der Widersinn entstehen, daß selbst bei fünf- oder zehnfacher Wiederholung die Buße nicht erzwungen werden kann.

Die Theorie verlangt ihrem Wesen nach, daß eine Plage

1. Richtig GUNKEL: Forschungen I S. 54.

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