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immer größer ist als die andere oder daß mindestens am Ende eine grandiose Plage, anders ausgedrückt, eine Katastrophe steht, durch die der Abschluß erreicht wird. Im Exodus haben wir die Tötung der Erstgeburt, in der Eschatologie die Vernichtung Israels am Ende. Beide Katastrophen sind den vorhergehenden Plagen viel zu ähnlich, sie sind zu klein, als daß sie ursprünglich sein könnten. Warum läßt sich Pharao durch die Tötung der Erstgeburt bestimmen, während die Pest doch mindestens ebenso schlimm war? Die Wunder beim Auszug sind aus anderem Zusammenhange hierher übertragen worden, sodaß sich über den ursprünglichen Schluß nichts Sicheres ausmachen läßt. Für die Eschatologie kommt jedoch,

wie wir schon oft und mit vielen Gründen zu beweisen gesucht haben, denen hier ein neuer angereiht wird — anfänglich eine Weltkatastrophe in Betracht. Sie allein eignet sich und paßt vortrefflich an den Schluß vorgängiger kleiner Plagen.

Dieselbe Theorie findet sich bereits in Babylonien, wie es scheint, und ist dort mit der Sintflut auf's engste verknüpft. Auf Dürre, Mißwachs und Unfruchtbarkeit folgt zweitens eine Fieberseuche; denn die Sünden der Menschen haben nicht abgenommen, sondern haben sich gegen früher noch gemehrt«. Nach einer abermaligen kleineren Plage bricht endlich die Sintflut herein und vernichtet die Menschheit. Die Plagen sind hier schon ethisch begründet, und das ist als alt begreiflich, obwohl es psychologisch, wie oben ausgeführt, unverständlich ist. Denn jene Theorie ist ursprünglich ästhetischer Herkunft. Die Dichter lieben es, das Unheil nicht mit einem Male als vollendet darzustellen, sondern es langsam, ruckweise anschwellen zu lassen, bis es schließlich gleich einer Lawine hereinbraust. Als das Motiv für die fortwährende Steigerung der Plagen bis zur endgültigen Katastrophe ist die Verstocktheit und Unbuffertigkeit der Menschen hinzugekommen. Erst als die ästhetisch stilisierte Weltkatastrophe feststand, wurde sie nachträglich ethisch begründet.

1. Vgl. KAT.3 S. 552 f.; GUNKEL: Forschungen I S. 54.

$ 17. Der Nördliche.

Der Tag Jahves ist in der Prophetie vielfach als ein nahe bevorstehender irdischer Kampf aufgefaßt. Das gewöhnlich angewandte Schema lautet, daß Jahve ein fremdes Heer herbeiruft, um Israel und Juda zu verderben. Für das Schema ist es gleichgültig, welches Volk gemeint ist. Überall nun, wo eine bestimmte historische Gefahr in den Gesichtskreis der Propheten tritt, wechselt der Inhalt des Schemas entsprechend der jeweiligen politischen Situation. Sind es anfangs Assyrer und Ägypter, so sind es später Babylonier, Perser, Griechen und Römer, durch die das Ende Israels herbeigeführt und die Erwartung vom Tage Jahves in Wirklichkeit umgesetzt wird. Diese Variationen im einzelnen zu verfolgen, hat für uns in diesem Zusammenhange keinen Wert, sobald das Schema klar erkannt ist. Man darf es bereits für vorprophetisch halten, weil die Ausfüllung des Schemas trotz aller geschichtlichen Bedingtheit in eigenartig unbestimmter, stereotyper Weise erfolgt. Die Propheten haben sich an bereits vorhandene stilistische Vorbilder angelehnt und die jeweiligen Feinde Israels nach älteren Mustern geschildert.

Denn wo auch immer gewisse Völker mit Namen genannt werden, niemals kann man aus der Beschreibung erschließen, welches Volk nun grade an dieser Stelle gemeint sei, da nur generelle, niemals individuelle Züge an-geführt werden. Oder durch welche Charakteristika werden etwa die Assyrer von den Chaldäern oder die Chaldäer von den Skythen unterschieden, sodaß kein Zweifel an der Identifizierung sein kann? Wo nicht zufällig Namen genannt werden, stehen wir vor den allgemein gehaltenen Schilderungen wie vor unlösbaren Rätseln, falls nicht aus anderen Dingen die Zeit fixiert werden kann. WELLHAUSEN gesteht diese Tatsache bezüglich der Skythen unumwunden ein, will sie aber einseitig auf dies Volk beschränken und aus einem bestimmten Einzelfalle erklären: »Jeremia kann im Jahre 626 nur die Skythen, nicht die Chaldäer im Auge gehabt haben. Daß das aus seiner Schilderung der Feinde nicht klar hervorgeht, muß allerdings zugegeben werden; das erklärt sich aber einfach aus dem zeit

lichen Zwischenraum von dreiundzwanzig Jahren, der in diesem Falle zwischen seiner ursprünglichen Weissagung und ihrer Niederschrift liegt, in der Gestalt, wie wir sie lesen. Wenn er von den Skythen ausgegangen war, als er sprach, so hat er, als er schrieb, ihre Schilderung so übermalt, daß sie auch auf die Chaldäer paßte« (zu Zeph. 215). Aber wenn wir nicht auf die Zeitverhältnisse, sondern nur auf die Beschreibung selbst achten, so können wir an jedes beliebige Volk des Nordens z. B. an die Aramäer denken. Der Verfasser von Ez. c. 38 f., der die früheren Weissagungen der Propheten auf Gog-Magog bezog, konnte das mit einem Schein des Rechtes tun und ohne die Furcht, mit dürren Worten widerlegt zu werden.

Die Propheten schildern eben keine individuellen Völkertypen. Selbst wo sie einen bestimmten historischen Feind weissagen, geben sie kein deutliches Bild von ihm, sondern zeichnen ihn mit herkömmlichen Zügen. Charakteristisch für diesen festausgeprägten Stil, den man fast überall konstatieren kann, ist die krasse Art und Weise, mit der die Farben aufgetragen werden, sind die ungeheuren Hyperbeln, die einen Stich ins Fabelhafte zeigen. So verkündet Jer. 115: Denn siehe ich werde rufen alle ... Königreiche des Nordens. Der auf fällige Plural wird von GIESEBRECHT so erklärt: > Daß sich ein Reich aus mehreren Völkerschaften zusammensetzte, war sonderlich bei den großen Weltmonarchien der damaligen Zeit nichts Seltenes«. GIESEBRECHT hat den Text ein klein wenig modifiziert und damit grade seine bezeichnende Nüanze wischt. Denn es handelt sich nicht um mehrere, sondern um alle Königreiche des Nordens. Eine solche Weltherrschaft hat Babylonien zwar nie ausgeübt, aber es gehört zum prophetischen Stil, solche Übertreibungen auszusprechen.

Als zweites Beispiel kommt die Tatsache in Betracht, daß nicht nur bei Jeremia, sondern auch anderswo neben dem Norden das Ende der Welt als Ausgangspunkt der Feinde genannt wird. So spricht Jahve: Siehe, ein Volk kommt aus dem Lande des Nordens, und ein gewaltiges Reich regt sich von den Enden der Erde (Jer. 622). Und erheben wird er ein Panier

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.ist handschriftliche Glosse משפחות .1

den Völkerni aus der Ferne und ihnen pfeifen vom Ende der Erde (Jes. 526). Obwohl Israel mit Assyrern und Babyloniern oft in Berührung war und sie aus eigener Erfahrung kannte, obwohl bereits die Kanaaniter mit ihnen vertraut gewesen waren und obwohl die Assyrer zur Zeit Jesajas bereits ein Jahrhundert lang wieder in den Gesichtskreis der palästinischen Völker getreten waren, konnte man dennoch sagen, sie kämen vom Ende der Welt. Man darf diese Worte nicht für bare Münze nehmen und weitgehende Schlüsse daraus ziehen, wie klein damals der geographische Horizont der Israeliten gewesen sei. Es handelt sich hier um technische Redensarten, die zum ständigen Repertoir solcher eschatologischen Dichtungen gehören.

Anderswo heißt es: ein altes Volk, ein Volk aus der Ewigkeit werde heranrücken (Jer. 515). Dem Propheten sollen hierbei nicht die Skythen vorschweben, die sich nach Herod. IV 5 als ein sehr junges Volk betrachteten«, sondern die » Babylonier«, die » das älteste Kulturvolk Vorderasiens waren« (GIESEBRECHT). Aber den Israeliten darf man schwerlich dieselbe geschichtliche Auffassung zuschreiben wie dem Herodot. Überdies paßt das Prädikat ewig, wenn man es genau nimmt, nicht einmal zu den Babyloniern. Denn es wird nur Göttern und göttlichen Wesen, wie den Riesen (Ez. 2619f. 32 27), und uralten Dingen wie den Bergen und der Zeit, niemals jedoch gewöhnlichen Menschen beigelegt. Die Übertragung auf die Chaldäer ergab sich von selbst, weil solche Übertreibungen nun einmal eine Eigentümlichkeit des eschatologischen und wohl überhaupt des dichterischen Stiles in damaliger Zeit waren. Die blühende orientaliche Phantasie läßt das feindliche Heer des Nordens aus lauter Recken (Jer. 516) bestehen in sorgloser Unbekümmertheit um die realen Tatsachen, die selbst bei der größten Tapferkeit genügend Ausnahmefälle lehren. Wer kein Pedant ist, könnte am Ende heute noch ähnliche Aussprüche tun. Und wenn Jesaja vom assyrischen Volke sagt: Kein Müder noch Strauchelnder ist in ihm, nicht schläft noch schlummert es (527), so darf man weder hinzufügen: »wo's Not tut« (DILLMANN) noch die Worte streichen, weil sie nur auf Gott paßten (DUHM). Klingt es nicht ebenso fabelhaft, wenn der Prophet fortfährt:

1. Eine Korrektur ist unnötig; vgl. KAUTZSCH: Gramm. § 145 m.

Die Hufe seiner Rosse sind wie Kiesel zu achten, und seine Räder wie die Windsbraut (Jes. 528)? Siehe, wie Wolken steigt er herauf und wie der Sturmwind sind seine Wagen, schneller als Adler sind seine Rosse (Jer. 413). Erinnert der Vers nicht an den Wirbelwindwagen Jahves (Jes. 6615)?

Noch phantastischer ist die Schilderung der Feinde Nineves: Der Schild seiner Recken ist gerötet, die reisigen Mannen sind purpurgefärbt1; wie Feuerfackelns ist der Wagen am Tage, wo er ihn lenkt, und die Rosses rasen. Auf den Straßen rennen die Wagen, galoppieren über die Plätze; sie funkelnwie Fackeln, wie Blitze fahren sie hin und her (Nah. 24ff.). Der Vergleich der Kriegswagen mit dem Zickzack der Blitze und dem Flimmern der Feuerfackeln ist sehr kühn, nach alledem aber, was wir bisher über den prophetischen Stil festgestellt haben, nicht unmöglich. Die gegebenen Beispiele genügen, um die Behauptung zu rechtfertigen, daß die Propheten bei der Beschreibung der Feinde nicht ein bestimmtes reales Volk vor Augen hatten, sondern bis zu einem gewissen Grade durch ältere Vorbilder beeinflußt waren.

Neben diesem ersten Schema, wonach Völker kommen und Israel vernichten werden, findet sich ein zweites, wonach Völker kommen und vor Jerusalem zu Grunde gehen werden. Eine Eigentümlichkeit des zweiten Schemas ist es, daß selten eine einzelne Nation genannt wird, daß vielmehr fast regelmäßig von vielen oder von allen Völkern der Welt die Rede ist. Nach WELLHAUSEN ist diese Variante »ein stehender Zug der eschatologischen Weissagung seit Ezechiel« (zu Mch. 411ff.). »Früher war es stets ein bereits im Hintergrunde drohender Feind, eine wirklich heranrückende Gefahr gewesen, wodurch die Erwartung eines großen, durch reichliche Ansammlung von Zündstoff im Innern längst vorbereiteten Brandes erregt wurde – seit dem Exil wurde von

einer allgemeinen Vereinigung Gott weiß welcher Völker gegen das Neue Jerusalem phantasiert, zu der

.כאש לפידות Lies .2

1. Natürlich vom Blute. An der Lesart zu zweifeln, liegt wegen des Parallelismus kein Anlaß vor.

". Zur Sache vgl. den nächsten Vers; zum Femin. Jdc. 44.

Die Worte sind verderbt durch ein misverstandenes Umstellungszeichen.

3. Lies beyond LXX. 4. Lies poxy WELLHAUSEN. Forschungen zur Rel. a. Lit. d. A. u. NT. 6.

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