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Die Segenszeit, die jeder König heraufführt, beschränkt sich nicht auf sein unmittelbares Wirken, sondern zeigt sich indirekt in alledem, was als Folge seiner guten, gerechten und friedvollen Regierung zu betrachten ist. Das Gedeihen des Landes in Handel und Wandel, das sorglose Genießen des Glückes in Haus und Familie, der regelmäßige Gottesdienst, die Prachtbauten der Tempel, Paläste und Häuser, diese und manche Dinge mehr sind Motive, die gewiß in den Hofliedern ebenso oft wiedergekehrt sind, wie sie uns heute beim eschatologischen König oder in den Schilderungen der Endzeit überhaupt begegnen. Besonders beliebt ist nach hebräischem Geschmack die Hervorhebung der zahlreichen Kinder und Einwohner: Dann wird die Zahl der Kinder Israel dem Meeressand gleichen, der nicht gemessen und gezählt werden kann (Hos. 21). Der Kleine wird werden zum Stamm und der Geringe zu einem starken Volk (Jes. 6022). Dorfweise soll Jerusalem bewohnt werden wegen der Fülle von Menschen und Vieh in seiner Mitte (Zach. 28). Denn dann wirst du zu eng sein für die Bewohner (Jes. 4919). Juble, Unfruchtbare, ... brich aus und jauchze, die nicht kreißte! Denn mehr sind die Söhne der Verwüsteten als die Söhne der Vermählten, spricht Jahve (Jes. 541). Auch das Betonen der Freude und Lust, unter einem so von Jahve begnadeten Könige zu leben, gehörte wohl zum ständigen Material der Hofsänger, wie man aus dem babylonischen Hofstil und der israelitischen Heilseschatologie schließen darf: Da kommen sie denn und jubeln auf Zions Höhe und strömen herbei zum Segen Jahves, zu Korn, zu Most und ÖL und zu jungen Schafen und Rindern, und ihre Seele wird wie ein gewässerter Garten, und sie brauchen nicht länger zu darben. Dann freut sich die Jungfrau im Reigen und die Jünglinge und Greise zumalı, und ich wandle ihre Trauer in Jubel und tröste sie und erquicke sie in ihrem Kummer. Und ich letze die Seele der Priester mit Fett, und mein Volk nährt sich von meinem Segen, spricht Jahve (Jer. 31 12ff. vgl. 3019. 3311. Jes. 61 iff. Zach. 84f.).

Babylonien verwandt. Wenn der Hofstil überhaupt aus der Fremde stammt, so wird auch dies Prädikat mit ihm gewandert sein.

1. Vgl. den oben zitierten Brief an Assurbanipal.

Der Hofstil forderte, den jeweiligen König als den Bringer der Segenszeit zu feiern. Dieselben Motive, die in diesem Stile vielleicht nur rhetorische Floskeln waren, bei denen sich schwerlich selbst der loyalste Hofpoet viel dachte, führten ein lebendigeres Dasein im eschatologischen Stil. Denn der Messias sollte wirklich all die »frommen Wünsche« und Erwartungen erfüllen, die man vom regierenden Herrscher hegte; er sollte das wahr machen, was von dem gegenwärtigen König höchstens cum grano salis galt. Und so stand dem Israeliten das berückend schöne Bild der eschatologischen Segenszeit als eine ferne, aber doch gewisse Hoffnung vor der Seele: jene Zeit, wo unter dem Szepter des machtvollen, gerechten und freundlichen Messias das Volk Israel als die Auslese der Menschheit anerkannt wird, wo im Innern Jubel und Glück, Gesundheit und Überfluß walten, wo das Reich nach außen hin geachtet und gefürchtet ist. Alle Welt ist Israel unterworfen, alle Welt bietet ihm ihre Kostbarkeiten und alle Welt huldigt seinem Gotte. Da sind die Tore Jerusalems bei Tag und Nacht geöffnet, um den endlosen Strom der Fremden einzulassen, die ihre heimatlichen Schätze als Tribut herbeischleppen. Da sind die Straßen mit Gold gepflastert, und die Israeliten brauchen keine Sklavendienste mehr zu tun; denn Könige sind ihre Handlanger und demütigen sich vor ihnen im Staube. Mit welcher Liebe mochte sich der Israelit in dies herrlich schöne Bild versenken! Wer will ihn deshalb schelten? In dies Gewand der Zukunft konnte er die zahllosen Wünsche hineinweben, die eine traurige Gegenwart in ihm hervorrief, und es mit den leuchtenden Goldfäden seiner Zeit durchwirken.

Zum Teil berühren sich die Motive der Segenszeit mit denen des goldenen Zeitalters, und sie mögen darum zum Teil zurückgehen auf die Anschauung vom Paradies und vom Götterlande. Es ist begreiflich, daß die Farben, mit denen die Regierungszeit des Herrschers und des Messias gemalt wird, von dem Gemälde der seligen Urzeit entlehnt sind, zumal wenn eine Wiederkehr dieser Zeit erwartet wurde. Der Hauptsache nach aber liegen hier andersartige Elemente vor. Es fehlt das mythische Kolorit. An die Stelle des übernatürlichen Friedensreiches ist das natürliche Weltreich getreten. Aus der Gottesstadt mit ihrer Wundermauer ist eine irdische Stadt mit Festungsmauern geworden. Die Gestalt Jahves, der Gottheit, ist ersetzt durch den Messias, einen König. Das ist ein wesentlicher Unterschied, den man sich ganz klar machen muß: Das goldene Zeitalter kann um seiner mythischen Art willen ursprünglich nur von der Gottheit heraufgeführt werden. Wenn diese Heraufführung trotzdem als eine Tat des Messias gilt, so sind ihm hier Funktionen beigelegt, die ihm als einem Könige von Hause aus nicht zukommen. Der Anbruch der Segenszeit hingegen kann allezeit von einem machtvollen Herrscher erhofft sein. Hier ist es unnötig, eine sekundäre Übertragung aufzunehmen. Der Einfluß des Hofstils auf den eschatologischen Stil ist begreiflich, sobald der Messias als der eschatologische König vorhanden ist. Aber unerklärt bleibt noch das Problem, wie der Messias an die Stelle der Gottheit treten konnte.

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EMIAS

§ 25. Die göttliche Geburt. ALFRED JEREMIAS: Babylonisches im Neuen Testament. Leipzig 1905.

An dem babylonischen Hofstil ist für uns von großem Interesse, daß er mythische Bestandteile in sich aufgenommen hat.

1. Die Mauern der Stadt wieder aufzubauen, ist Sache des einheimischen Königs. Jesaja c. 60 ist als dichterische Übertreibung begreiflich, wonach fremde Fürsten die Maurer Jerusalems sind. Auffälliger erscheint mir Ps. 102 17: Denn Jahve wird Zion bauen, in seiner Majestät sich offenbaren. Der Psalmist hat den Ausdruck sicher nicht 80 wörtlich aufgefaßt, wie er lautet, sondern als poetische Metapher gedeutet. Aber was jetzt nur noch stilistische Form ist, war einstmals vielleicht lebendig-konkret. Wir kennen aus späteren Nachrichten die mythische Gestalt des großen Baumeisters, der die himmlische Gottesstadt erbaut (II Hen. Einl., Zwei gnostische Hymnen ed. PREUSCHEN S. 13 Z. 18; FLÜGEL: Mani S. 71. Z. 15). Überdies haben wir gesehen, daß in Israel tatsächlich eine einst reichere mythische Tradition über die Gottesstadt existiert hat (vgl. 0. S. 112 f. 228 f.). Diese mythische Stadt ist meist durch das (himmlische oder irdische) Jerusalem ersetzt. Während an die Stelle des ursprünglich mythischen Erbauers meist der irdische König getreten ist, so hätten wir Ps. 102 noch eine letzte, fast ganz verwischte Spur einer älteren Zwischenstufe, sodaß die historische Reihenfolge gewesen wäre: Der große Baumeister, Jahve, der irdische König, genau entsprechend der anderen Entwicklung: Die mythische Gottesstadt, das himmlische Jerusalem, das irdische Zion.

Das ergibt sich besonders schön aus dem Gebet des Assurnasirpal II. an Ištar: Ich wurde geboren inmitten von Bergen, die niemand kennt, nicht war ich eingedenk deiner Herrschaft, nicht betete ich beständig (zu dir), die Leute von Assyrien wußten nichts von deiner Gottheit, flehten nicht zu ihr: da hast du, o Ištar, furchtbare Herrscherin unter den Göttern, mit dem Blick deiner Augen mich ausersehen, Verlangen getragen nach meiner Herrschaft, hast mich hervorgeholt aus den Bergen, zum Hirten der Menschen mich berufen, hast mir ein gerechtes Szepter verliehen". Da Assurnasirpals Vater, der Sohn Tiglat-Pilesars II., ebenfalls König von Assyrien war, so können die unbekannten Berge nur dem Mythus entstammen. Sargon, der Gründer von Babylon sagte: Meine Mutter war Vestalin (?), mein Vater unbekannt, während der Bruder meines Vaters das Gebirge bewohnt, und ebenso erklärt der Priesterfürst Gudea der Göttin GA-TUM-DUG: Ich habe keine Mutter, du bist meine Mutter; ich habe keinen Vater, du bist mein Vater ... an einem heiligen (bez. verborgenen) Orte hast du mich geboren. Diese drei Beispiele, die einander sehr ähnlich sind, lassen keinen Zweifel daran, daß es sich hier um einen typischen Stil handelt, der mythische Elemente benutzt. Nimmt man die bereits oben (S. 256) zitierten Stellen hinzu, an denen von der Ernährung der Könige durch Göttinnen die Rede ist, so soll wohl durch die Geburt in den (himmlischen) Bergen die göttliche Abstammung des Herrschers zum Ausdruck gebracht werden. Mit ZIMMERN wird man vermuten dürfen, daß die Züge, die uns hier begegnen, ursprünglich einem Mythus entliehen sind, der die Einsetzung des ersten Königs erzähltes. Der Urkönig ist das Prototyp aller folgenden Herrscher gewesen. Wir würden uns nicht wundern, wenn wir ebenso im israelitischen Hofstil mythische Züge anträfen. Allein sie sind dort aus Mangel an Dokumenten nicht mit Sicherheit nachweisbar. Nachweisen können wir ähnliche Elemente nur im eschatologischen Stil, wo sie mit der Gestalt des Messias zusammenhängen; aber es dürfte nicht zu kühn sein, auf Grund der babylonischen Belege zu vermuten, daß das, was wir jetzt vielleicht nur vom eschatologischen Könige hören, einst von jedem israelitischen Könige ausgesagt werden konnte?.

1. Zeitschrift für Assyr. V S. 66 ff. 79 f. ZIMMERN KAT : S. 382. 2. JEREMIAS a. a. 0. S. 28 f.

3. ZIMMERN denkt speziell an den Etana - Mythus (KB VI, 1. S. 583 f.); das ist nicht ganz sicher, da wir von diesem Mythus bisher nur den Anfang kennen.

Die Messiasidee ist so, wie sie uns heute vorliegt, aufs engste mit der davidischen Dynastie verknüpft. Der eschatologische König ist überall, wo er uns begegnet, ein Davidide. Diese Verherrlichung des jüdischen Königshauses kann aus inneren Gründen ebenso gut zur Zeit Davids wie später erfolgt sein. Vorher ist sie natürlich undenkbar. Aber es ist falsch, wenn man daraus den Schluß zieht, daß deshalb auch die Messiasidee an sich, abgesehen von ihrer Verquickung mit dem nationalen Herrschergeschlecht, vorher nicht ausgeprägt sein und nicht existiert haben könne. Die Kritiker, die diesen Schluß ziehen, hätten tatsächlich Recht, wenn die Gestalt des Messias restlos in der Verherrlichung der davidischen Dynastie aufginge, wenn jeder einzelne Zug daraus begreiflich wäre. Das ist nicht der Fall; es bleiben einige mythische Überreste, und um dieser Dinge willen, die weder zur Zeit Davids noch nachher noch überhaupt im Licht der Geschichte entstanden sein können, muß die Messiasidee älter sein als die Prophetie. Ihre Verbindung mit dem Hause Davids ist eine sekundäre Neuerung, die mit der ursprünglichen Vorstellung vom Messias nichts zu tun hat.

Wir gehen aus von der vielumstrittenen Gestalt des Immanuel (Jes. 714ff.). Als Jesaja seinem Könige Ahas die Rettung Judäas im syrisch-ephraemitischen Kriege verheißt, bietet er ihm, wie man meint, zum Beweis der Richtigkeit seines

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1. Die mythischen Elemente bereiten dieser Annahme keine Schwierigkeit. Ich erinnere noch einmal daran (vgl. o. S. 256), daß wir in Ps. 45 den urkundlichen Beleg für die Anrede des Königs als Gottheit haben. Diese letzte Spur deutet auf einen einst sebr viel reicheren Hofstil, dem auch mythische Elemente nicht gefehlt haben.

2. Wenn Hos. 35. Ez. 34 23f. 37 24 David selbst als der eschatologische König genannt wird, so ist das Wort einfach mit Davidide zu übersetzen. Eine Auferstehung oder Wiederkehr Davids ist ausgeschlossen, weil wir davon nichts wissen.

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