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Orakels ein göttliches Wunder an: Jahve selbst wolle die Worte seines Propheten bestätigen. Ahas verzichtet, und nun gibt ihm Jesaja von sich aus ein Zeichen: Siehe, das Weib ist schwanger und gebiert einen Sohn und wird seinen Namen Immanuel heißen. Sahne und Honig wird er essen um die Zeit, wo er weiß, das Böse zu verschmähen und das Gute zu wählen. Denn bevor der Knabe weiß, das Böse zu verschmähen und das Gute zu wählen, wird verödet sein das Land, vor dessen beiden Königen dir graut. Bringen wird Jahve über dich und über dein Volk und über das Haus deines Vaters Tage, welche nicht gekommen sind seit dem Tage, wo Ephraim abfiel von Juda. Aus dem Zusammenhang, in dem diese Worte überliefert sind, geht zweierlei deutlich hervor: Erstens muß es sich nicht um ein nur vorgestelltes, sondern um ein wirklich erwartetes Ereignis, um die Geburt eines Knaben handeln, die sofort oder in absehbarer Zeit geschehen sollte. Ein eschatologischer Messias, der erst am Ende der Tage kommt, kann dem Könige Ahas nicht als Bestätigung für die Richtigkeit der prophetischen Worte dienen. Damit scheint die messianische Deutung ausgeschlossen. Zweitens will hier der Prophet offenbar ein Wunder verkündigen (MEINHOLD). Der Zusammenhang wird erst dann glatt, wenn man beide Seiten gleichmäßig betont: Das Kind soll wirklich geboren werden; aber mit dieser Tatsache ist zugleich ein großes Wunder verknüpft.

Die Schwierigkeit beginnt bei der Frage, worin das Wunder besteht. So viele Ausleger, so viele Meinungen! Die Verödung Arams und Ephraims, die Verheerung Judas, das Essen von Sahne und Honig sind keine Wunder. Ein beliebiges Kind als verkleidete Zeitangabe, wie viele Exegeten vermuten, ist ebensowenig ein Wunder. Überdies spielt der Prophet, wie auch der Artikel bezeugt, auf ein bestimmtes, auf das Weib an (172397). Denkt man speziell an die Frau des Jesaja oder des Ahas, so taucht ein neues Rätsel auf: Woher weiß der Prophet, daß die Schwangere grade einen Sohn gebären wird? Es ist überhaupt verfehlt, wenn man genauer fragt, welches historische Weib Jesaja im Auge gehabt habe, weil man doch keine Antwort darauf erhält. Das ist ja gerade die Eigentümlichkeit des Orakels, jedes Orakels, nur geheimnisvoll anzudeuten. Hätte Jesaja nicht absichtlich év uvotngio sprechen wollen, so hätte er sich mit LeichtigForschungen zur Rel. u. Lit. d. A. 0. NT. 6.

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keit klarer ausdrücken können, indem er mein oder dein Weib oder etwas Ähnliches sagte. Daß das Weib dabeigestanden und er mit dem Finger darauf hingewiesen hätte, scheint mir eine Verlegenheitsauskunft zu sein, die den Charakter der prophetischen Rede verkennt. Immerhin wäre das Wort ganz unverständlich, wenn nicht Jesaja durch den Artikel (das Weib) auf eine damals bereits vorhandene Tradition anspielte.

MEINHOLD (der heilige Rest S. 122) behauptet freilich, das Wunder sei eben »die Voraussage des Propheten, daß die 78501 einen Sohn gebären und er diesen Immanuel nennen werde«. Aber das wäre ein Wunder, das nicht den geringsten Zusammenhang aufwiese mit der politischen Situation, in der wir uns hier befinden, ein Wunder, das mit der Vernichtung Ephraims und Arams gar nichts zu tun hat, während doch der geweissagte Knabe in die engste Beziehung zu dieser Tatsache gesetzt wird. Einer weiteren Schwierigkeit entgeht MEINHOLD nur durch den Gewaltakt der Streichung: Um die Zeit, wo der Knabe gut und böse unterscheiden kann, d. h. wo er etwa 4-5 Jahre alt ist, wird Juda, Aram, Ephraim verwüstet sein und der Knabe selbst wird Milch und Honig essen müssen. Diese Speisen gelten hier also als Zeichen der Hirtenkost, des ärmlichen Nomaden. Es ist bereits oben (S. 215) betont worden, wie auffällig dieser auch von MEINHOLD beanstandete Zug ist. Aber deshalb ist es doch verfehlt, wenn MEINHOLD ihn so, wie er überliefert ist, auf die messianische Heilszeit beziehen will (S. 117). Man wird diesem Kritiker zustimmen müssen, sobald er seine Behauptung dahin einschränkt, daß diese Einzelheit ursprünglich einmal vielleicht die Fülle der paradiesischen Zeit veranschaulichen sollte, daß er aber im jetzigen Zusammenhange wahrscheinlich das Gegenteil besagt.

Wir möchten das um so mehr annehmen, als V. 22 dieselbe3 Anschauung ausgesprochen wird.

Dann aber zerstört V. 15, genau so wie V. 17, den Sinn der ganzen Szene. Denn wir erwarten keine Unheils-, sondern eine Heilsweissagung: Ephraim und Aram sollen vernichtet, aber

1. MEINHOLD denkt an Jesajas Frau. 2. MEINHOLD liest apgap. 3. Der Unterschied von 33 und 4827 ist bedeutungslos.

Juda soll gerettet werden. Das war doch die Botschaft, die der Prophet dem Ahas auszurichten hatte, und dazu paßt auch der Name des Kindes: Gott mit uns, Gott mit Juda. Und trotzdem soll der Knabe Milch und Honig essen, dann wenn er 4-5 Jahre alt ist? Wie reimt sich das mit einer Rettung Judas, da dies Wort vielmehr die Verödung des Landes voraussetzt? Im Gegensatz dazu verkündet V. 16 die Verheerung des Landes, vor dessen beiden Königen Ahas graut, also Ephraims und Arams. Wir dürfen aus diesem Verse stillschweigend ergänzen, daß Juda dem Verderben glücklich entgeht. Dagegen greift nun V. 17 in stilistisch sehr unschöner Weise auf V. 15 zurück: Über Juda sollen schreckliche Tage kommen, wie sie seit dem Abfall Ephraims nicht dagewesen sind. Hält man V. 15 und 17 für echt, so muß man auf eine Erklärung dieser Szene verzichten. Denn eine Unheilsweissagung läßt sich weder mit dem Namen Immanuel noch mit dem Anfang dieses Kapitels vereinigen.

Man hat auch kein Recht, eine ganze Geschichte zu konstruieren, etwa so: Wenn das Kind geboren ist, d. h. in spätestens neun Monaten, ist Gott mit Juda gewesen und hat es vor Ephraim und Aram gerettet. Zur Erinnerung an diese Gottestat wird dem Kinde der symbolische Name Immanuel zu teil, der ihm auch bleibt, trotzdem er später nicht mehr paßt, sondern eigentlich Gott wider uns lauten sollte.

Denn wenn der Knabe zwischen gut und böse unterscheiden kann, also etwa vierjährig geworden ist, dapn wird Juda ebenso verwüstet sein wie Ephraim und Aram. Diese Konstruktion ist unmöglich, weil sie erstens die Hauptsache, nämlich die Rettung Judas, ergänzen muß, weil sie zweitens die stilistisch unschöne Auseinanderreißung von V. 15 und 17 nicht erklärt, weil sie drittens der Stimmung nicht gerecht wird, die in den Worten liegt: das Land, vor dessen beiden Königen dir graut. Das ist keine Drohung, sondern eine Verheißung.

Es scheint also nichts weiter übrig zu bleiben, als V. 17 zu streichen, der den gröbsten Anstoß enthält. Bei V. 15 ist das nicht unbedingt notwendig, da er für sich allein und nur mit V. 16 verbunden auch in glückverheißendem Sinne aufgefaßt werden kann. Wenn nur V. 15 und 16 echt sind, so ist der Zusammenhang vielleicht verständlich. Ich sage mit Ab

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sicht »vielleicht«; denn es bleiben auch dann noch eine Reihe von Schwierigkeiten. Wir fragen erstens: Soll denn nur Immanuel die Segenszeit erleben, als deren typische Güter Milch und Honig genannt werden? Sollen nicht alle Israeliten daran teilnehmen? Wir fragen zweitens: Warum soll Immanuel allein um die Zeit, wo er gut und böse unterscheiden kann, diese Speisen genießen? Warum nicht auch fernerhin ? Drittens: Warum wird dieser Zug überhaupt erwähnt, da er in dem Zusammenhange durchaus überflüssig ist? Diese Erwägungen könnten uns wohl verleiten, auch V. 15 zu streichen. Aber V. 16 ist nicht weniger bedenklich, wenn man den genauen Wortlaut beachtet: Juda soll allerdings gerettet, Ephraim und Aram sollen verödet werden, das paßt vorzüglich in die Situation hinein –, aber das soll doch erst geschehen, bevor der Knabe zwischen gut und böse unterscheiden kann! Bis dahin, d. h. innerhalb der nächsten 4-5 Jahre, aber hätten Ephraim und Aram grade genügend Zeit, um Juda zu verwüsten und zu bedrücken! Also scheint auch dieser Vers keine Verheißung, sondern eine Drohung zu sein. Trotzdem ist der Zusammenhang vielleicht verständlich, sobald man sich entschließt, hier eine von Jesaja benutzte Tradition anzunehmen.

Es gab, so müssen wir vermuten, zur Zeit Jesajas eine bekannte Weissagung von der Geburt eines wunderbaren Knaben, der den Namen Immanuel erhalten, in seiner Kindheit Milch und Honig essen und, ehe er zwischen gut und böse unterscheiden gelernt hätte, d. h. noch ehe er fünf Jahre alt sei, der Befreier seines Volkes oder der Bringer des Glückes werden sollte. Das Wunder, das Jesaja dem Ahas prophezeit, besteht darin, daß er die Erfüllung dieser Weissagung für die Gegenwart ankündigt: Das Weib, das du kennst, König, ist schon schwanger, und über eine Weile wird der Retter Immanuel geboren, wie es das alte Orakel verheißt! Hier tritt uns der gewaltige Glaubensmut und die imponierende Kühnheit Jesajas klar vor die Augen. Er wagt, das für wirklich und gegenwärtig auszugeben, was für die anderen in einer ungewissen Zukunft liegt. In dem Augenblick, wo man einen von Jesaja der Tradition entlehnten Stoff annimmt, kommt man über die oben erwähnten Schwierigkeiten hinweg. Denn von da an darf

man auf die Einzelheiten kein Gewicht mehr legen, weil sie nicht ad hoc erfunden, sondern überliefert sind. Man darf die Worte nicht mehr pressen, sondern nur auf die Pointe achten, die in ihnen enthalten ist: Jetzt, in der allernächsten Zeit wird der Immanuel erscheinen, der uns aus aller Not befreit.

Trotzdem so die Worte einigermaßen verständlich werden, wage ich auch diese Erklärung nicht mit Sicherheit vorzutragen. Denn das ganze Kapitel ist in einem so traurigen Zustande, daß wir über Fragmente, Lücken und Widersprüche schwerlich hinausgelangen. Nur V. 1–7 geben einen guten und klaren Sinn. Die historische Situation wird anschaulich geschildert, der Ort genau angegeben, an dem die Szene stattfindet, und das Orakel deutlich verkündigt: Ephraim und Aram wollen Juda vernichten, aber nicht soll's bestehen und nicht soll's geschehen! (V. 7). Damit ist die Geschichte zu Ende; eine weitere Fortsetzung erwartet man nicht. Die beiden nächsten Verse (8. 9) geben so, wie sie heute lauten, keinen Sinn. Was heißt denn das: Das Haupt von Aram ist Damaskus, von Damaskus Resin, von Ephraim Samaria und von Samaria Pekach? Hier muß irgend etwas ausgefallen sein. In V. 10 tritt plötzlich ein ganz unmotivierter Personenwechsel ein. Jetzt ist nicht mehr von Jesaja und Ahas, sondern von Jahve und Ahas die Rede. Ebenso wenig begreift man, warum Ahas sich ein Wunder erbitten soll. Daß der König an der vom Propheten vorgetragenen Prophezeiung Zweifel hege, ist nur eine Vermutung der Exegeten, die durch den Text nicht gerechtfertigt ist. Man möchte mit V. 10 eine ganz neue Situation beginnen lassen. Das ist wieder deshalb sehr schwierig, weil sie der vorigen zu ähnlich ist. Ebenso sind V. 18 f. und 20-25 lose angefügte Texte, die mit dem Vorhergehenden nicht zusammenhängen, obwohl V. 22 (Milch und Honig) darauf zurückweist. Das Kapitel muß von einem späteren Redaktor so stark überarbeitet sein, daß man am besten tut, die einzelnen Verse für sich allein zu behandeln.

Fassen wir nun noch einmal das zusammen, worauf es für uns hier ankommt: Die Immanuelweissagung muß auf eine damals bekannte Tradition anspielen, da die einzelnen Züge ganz abrupt sind und nicht erklärt werden: Das Weib, das Essen von Milch und Honig in der Kindheit, der Knabe Immanuel

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