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als Befreier und Retter, ehe er zwischen gut und böse unterscheiden kann. Es muß sich hier um eine mythische Gestalt handeln, denn ein eben geborenes Menschenkind kann seinem Volke nicht helfen, wohl aber ein göttliches Kind« (GUNKEL). Dazu stimmt, was wir oben (vgl. S. 210 ff.) über Milch und Honig als die Götterspeise ausgeführt haben.

Genau so wie hier wird sonst in der Heilseschatologie auf die wunderbare Geburt des Messias angespielt. So heißt es Mch. 5iff.: Und du, Beth Ephrat, kleinster? unter den Gauen Judas, aus dir wird hervorgehen, der über Israel herrschen soll, und seine Herkunft stammt aus der Vorzeit, den Tagen der Urzeit. Darum wird er sie preisgeben, bis die Gebärende geboren hat; dann wird der Rest seiner Brüder zu den Kindern Israels zurückkehren. Und er tritt auf und weidet in der Kraft Jahves, in der Hoheit des Namens Jahves, seines Gottes, und sie werden (ruhig) wohnen; denn nun ist er groß bis zu den Enden der Erde hin. Und das wird der Friede sein: Wenn Assur in unser Land kommt und unser Gebiets betritt, so stellen wir wider es sieben Hirten und acht Fürsten der Menschen auf, und sie weiden das Land Assur mit dem Schwerte und das Land Nimrods mit dem Gezücktent und erretten) vor Assur, wenn es in unser Land kommt und unser Gebiet betritt. Der Verfasser singt ein Lied auf den Messias. Aus der Dynastie Davids soll ein künftiger König sprossen, der nicht nur Israel weiden, sondern dessen Herrschaft bis an die Enden der Erde reichen soll. Soweit ist alles verständlich. Daneben aber findet sich eine Reihe rätselhafter Einzelheiten.

Der Stil ist prophetisch-abrupt, das nicht genannte Subjekt wechselt fortwährend 6. Zunächst wird vom Messias geredet, dann von Gott (er wird sie preisgeben), darauf wieder vom Messias (er tritt auf) und endlich von den Judäern (wir). Wir fragen vergebens, warum besonders von der Gebärenden gesprochen wird und was die sieben Fürsten und acht Hirten der Menschen vorstellen. WELLHAUSEN meint, die erwähnte Geburt »lasse sich nur verstehen als Anspielung auf die Stelle Jes. 714, 1. Vgl. zum Folgenden GUNKEL: Forschungen I S. 24 f.

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3. Lies yanganx LXX. So mit Recht WELLHAUSEN. 5. Lies 15x WELLHAUSEN. 6. Mit der Ausscheidung von V. 2 ist nichts geholfen.

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die dann also hier schon als klassisch gilt. Dergleichen geheimnisvolle Andeutungen, mit literarischen Beziehungen, sind nicht im Stil der älteren Propheten«. Aber da die sieben Hirten und acht Fürsten der Menschen nur hier vorkommen und nicht aus der angeblichen Jesajaquelle geschöpft sein können, sondern aus einer besonderen, sei es schriftlichen sei es mündlichen, Tradition geflossen sein müssen, so ist nicht einzusehen, warum die Geburt des Kindes grade auf Jes. 714 zurückgehen soll. Hier liegt vielmehr eine alte vorprophetische Überlieferung vor, die auch Jes. 95 vorausgesetzt ist.

Jes. 91–6 ist die bereits erfolgte Geburt eines Kindes geschildert, das auf dem Throne Davids sitzen soll: Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und es kommt die Herrschaft auf seine Schulter ... zur Mehrung der Gerechtigkeit 1 und zum Frieden ohne Ende, auf dem Throne Davids und über sein Königreich, es zu festigen und zu stützen mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Zur Erklärung des Perfektums bleiben zwei Möglichkeiten. Entweder handelt es sich hier um die Verherrlichung eines wirklich gebornen Kronprinzen, der als die künftige Zierde und Stütze des Davidsthrones gepriesen wird. Dann haben wir es hier mit dem Hofstil zu tun. Oder es ist ein nicht weiter zu identifizierendes Kind gemeint, das eschatologische Kind, von dem jedermann wußte, daß es kommen sollte, und dessen in Zukunft erfolgende Geburt hier im eschatologischen Stil als bereits gegenwärtig beschrieben wird. In jedem Falle aber müssen wir einen Stil annehmen. Denn es lassen sich keine Tatsachen denken, auf Grund deren das Lied entstanden und gedichtet sein könnte. Mögen vielleicht an einen tatkräftigen, genialen Herrscher die kühnsten Erwartungen geknüpft werden, 80 ist dasselbe doch unmöglich bei einem eben gebornen Kinde. Wer sich für den Hofstil entscheidet, muß außerdem zugeben, daß hier eschatologische Motive benutzt sind. Das eschatologische Kolorit dieses Stückes ist unverkennbar aus V. 4: Denn jeder mit Gedröhn auftretende Stiefel und mit Blut befleckte Mantel, der wird werden zum Brande, eine Speise des Feuers. Mit der Wiederkehr der goldenen Urzeit verschwindet der Krieg und das Kriegsgerät. Dieser mythische Gedanke war zur Zeit des Propheten bereits geläufig. Die dichterische Form freilich, in die er gekleidet, und die besondere Ausprägung, die ihm gegeben wird, ist das originale Eigentum Jesajas, das man gewiß nicht gering schätzen darf. Aber soweit hier ein Stil vorliegt, kann Jesaja nicht der Schöpfer sein.

1. Auf diese Verderbnis hat mich GUNKEL aufmerksam gemacht. Ich lese auto vgl. Mal. 26.

Dasselbe folgt zweitens aus der literarischen Komposition des Stückes. Die Zusammenhangslosigkeit und Abruptheit der einzelnen Verse ist freilich eine Eigentümlichkeit der ganzen Prophetie. Aber aus den lose aneinandergereihten Dingen der Heilszeit gewinnt man überhaupt kein anschaulich-lebendiges Bild, das man von einem Autor wie Jesaja verlangen darf: Denen, die in der Finsternis wandeln, erglänzt ein großes Licht. Ein gewaltiger Jubel wie beim Erntefest und beim Beuteteilen erhebt sich. Denn das drückende Joch des Drängers wird zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Kriegsstiefel und jeder Kriegsmantel wird verbrannt. Denn der zukünftige König ist geboren und wird das Reich Davids befestigen. Trotz aller kausalen Partikeln ist keine organische Verbindung zwischen den einzelnen Tatsachen hergestellt. Wir fragen vergeblich, ob der Messias an dem Befreiungskampf gegen die Feinde beteiligt ist oder nicht, ob er erst nach dem Eintritt der Friedenszeit geboren wird oder nicht. Hätte Jesaja die drei Dinge erfunden, so hätte er sich nicht mit einer bloßen Aufzählung begnügen dürfen, wenn anders er von seinen Hörern und Lesern verstanden sein wollte. Lehnte er sich hingegen an eine damals bekannte und geläufige Tradition an, so bedurfte es für seine Zeitgenossen nur einer kurzen Erinnerung. Ein paar Schlagworte machten ihnen klar, was er zu sagen hatte. Je undeutlicher und verworrener sie für uns sind, um so heller und anschaulicher müssen sie in den Köpfen der damaligen Leute gelebt haben. Oder wenn man das nicht annehmen will, so kann man darauf hinweisen, daß grade im Stil viele Elemente von Generation zu Generation mitgeschleppt werden, die jedermann vertraut klingen, die aber dennoch verdunkelt sind. Mag dies oder jenes richtig sein, jedenfalls sind originale Ideen des Propheten ausgeschlossen.

Drittens sprechen die mythischen Überreste gegen Jesajas

Urheberschaft. Erwähnt ist bereits der eschatologische Friede, der durch kein Säbelgerassel gestört werden kann. Dazu kommen die geheimnisvollen Namen, die das Kind erhält, die nichts Nebensächliches sind, sondern das Wesen ausdrücken. Die Namengebung und Umnennung von Personen und Sachen, spielt eine große Rolle in den eschatologischen Reden (Hos. 21. 3. Jes. 1 26. 43. 58 12. 60 14. 18. 616. 62 12. Ez. 48 35). Sie ist vielleicht alt und hängt mit der großen Wendung des Geschickes (2920 nawi) überhaupt zusammen. Wie am Anfang der jetzigen Welt alle Dinge ihren bestimmten Namen empfangen haben, so werden sie auch in der künftigen Welt neu genannt. Der Wechsel der Namen bedeutet ursprünglich einen Wechsel in dem Wesen des Trägers. In dieser späteren Zeit mögen solche uralten, primitiven Anschauungen nicht mehr lebendig gewesen sein. Die Neunennung gehörte nun einmal zu den eschatologischen Schilderungen und man sprach davon, weil es so Brauch war. Durch die Abhängigkeit von einem solchen festausgeprägten Stil soll die Originalität der Propheten natürlich nicht verkleinert werden, obwohl sie im Einzelnen nicht immer nachgewiesen werden kann. Im Allgemeinen aber müssen wir überall bedenken, daß diese größten Männer Israels trotz des übernommenen Stils und trotz vieler Einzelheiten völlig selbständig sind. Die von Jesaja überlieferten Namen des eschatologischen Königs sind einer genaueren Betrachtung wert.

Er heißt ia be mächtiger Gott. Denselben Titel führen Jahve (7933.7 bitart 58.7 Dtn. 1017. Jer. 32 18 vgl. Jes. 1021) und die verstorbenen Giganten der Urzeit (097733 158 Ez. 3221), die zwar nicht unter die himmlischen Götter aufgenommen sind, wohl aber einen Ehrenplatz in der Seol innehaben. Die ElReligion ist, wie die Genesis lehrt, nicht israelitischen, sondern kanaanitischen Ursprungs! Zwischen einem 3x und einem 7132 ist nach kanaanitischer Auffassung kein großer Unterschied. > Wie ein starker El zu denken ist, wie weit seine Kraft reichte, das zeigt ja die Erzählung von dem El von Peniel (Gen. 32 25ff.) und seinem mißlungenen Angriff auf Jakob, der freilich auch übermenschlich stark ista« (DUHM zu Jes. 95). » Wie im Standesverhältnis der Edle zwischen dem König und Freien, so steht der Held zwischen Gott und dem Menschen. Aus den Edlen gehen Könige, aus den Helden Götter hervor. ñows éoti ég ανθρώπου τι και θεού σύνθετον, δ μήτε άνθρωπός έστι μήτε geós, naù ovvau pótegós éoti (Lucian in dial. mort. 3), doch so, daß das Menschliche vorwalte: ita tamen, ut plus ab homine habeat, sagt Servius zu Aen. 1, 200«1. Der von Jesaja erwartete Held ist menschlicher König und Gott zugleich, ist eine Art Halbgott. Wie immer man es erklären mag, die Tatsache selbst steht, ganz abgesehen von der Deutung, fest: Dem Messias ist hier ein göttliches Prädikat beigelegt.

1. Vgl. GUNKEL: Genesis? S. 165.

2. Vgl. Job. 41 17, wo ebenfalls oss dem Sinne nach so viel wie »Helden« bedeutet.

Ein zweites ebenfalls göttliches Epitheton ist 79-08. Die Übersetzung Beutevater ist an sich nicht einleuchtend und wird es durch den Zusammenhang noch weniger. Denn das folgende Fürst des Friedens bildet einen absoluten Gegensatz dazu, und das vorhergehende 733 be weist nach einer anderen Richtung. Jenes Epitheton heißt vielmehr Vater der Ewigkeit und ist so gut ein Attribut der Gottheit wie 7 12 w Bewohner der Ewigkeit, das Jes. 5715 von Jahve ausgesagt wird. Als altisraelitisches Beiwort der Gottheit ist Ewigvater, bei dem der Begriff des Vaters natürlich nicht gepreßt werden darf, sondern etwa als Herr aufzufassen ist, allerdings nicht belegbar, da die Ewigkeit Gottes in der älteren Religion noch keine Rolle spielt, wohl aber als altkanaanitisches, kennen wir doch einen bis 5e, einen Gott der Ewigkeit, als Numen von Beeršaba (Gen. 2133). Vielleicht dürfen wir an Ägypten erinnern (GUTHE), wo derartige göttliche Prädikate wie der große Gott, Herr über die Unendlichkeit, Fürst der Ewigkeit ganz geläufig sind und wo auch die vergötterten Könige damit geschmückt werden.

Ebenso geht das dritte Attribut der Wunder rät oder ein Wunder an Rat über die gewöhnlichen Königstitel hinaus. Nach Jes. 251 ist Jahve es, der Wunderbeschlüsse vollbringt,

-Wunder עשה פלא und einem פלא יועץ und zwischen einem

täter ist am Ende kein großer Unterschied. Selbst der Ausdruck Friedefürst, der sehr nahe zu liegen scheint, kehrt im Alten Testament nicht wieder. Solche mythischen Namen, wie sie hier, zum Teil sicher, vorliegen, werden nicht

1. GRIMM: Mythol. 14 S. 282.

2. So mit Recht DUHM.

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