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erdichtet, am allerwenigsten von einem Propheten wie Jesaja, sondern aus der Überlieferung entnommen. Hat der Prophet ein bestimmtes Königskind im Auge, so muß er sich an einen festausgeprägten Stil angeschlossen haben, bei dem mythische Termini nicht auffällig sind. Bei einer absoluten Zukunftshoffnung muß erst recht eine Tradition vorausgesetzt werden. Denn kein Israelit, kein Prophet konnte in einer so späten Zeit die Hoffnung auf einen mit göttlichen Eigenschaften ausgestatteten König aus der Luft greifen. Selbst die kühnsten Erwartungen sind trotz all ihrer Kühnheit noch lange nicht mythisch. Hätte Jesaja sie zum ersten Male ausgesprochen, so hätte er diese nicht nur für uns, sondern auch für seine Zeitgenossen ungeheuren Behauptungen näher erklären und begründen müssen.

Jesaja kann nicht der Autor der Ideen sein. Waren sie aber zu seiner Zeit im Volke gang und gäbe, so haben wir keinen Grund, die Verse ihm abzuerkennen und in ein späteres Jahrhundert zu verlegen. Das ist um so weniger möglich, weil sie bei einem jüngeren Schriftsteller noch unverständlicher sind. Aus einer messianischen Umprägung der Immanuelweissagung (VOLZ S. 59) sind sie nicht begreiflich, da in ihnen mythische Elemente erhalten sind, die sich nicht durch bloß literarische Beziehungen oder Abhängigkeitsverhältnisse gebildet haben können. Diese mythischen Dinge sind ihrer Natur nach auf jeden Fall alt, mögen sie nun früher oder später aufgezeichnet sein. Man hat mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß die Messiasnamen von Jes. 95 niemals wiederkehren. Das ist sehr beachtenswert. Späte Abfassungszeit daraus zu erschließen, ist falsch, da die erwähnte Tatsache dadurch nicht erklärlicher wird. Im Gegenteil, je älter Jes. 9.ff. datiert wird, um so leichter wird man annehmen können, daß hier noch eine alte Tradition vorliegt, die nachmals ganz verschollen ist.

Jes 95 lernten wir göttliche Prädikate des Messias kennen: Heldengott, Ewigvater. Jes. 715 haben wir Milch und Honig als umgedeuteten Überrest der Götterspeise auffassen zu müssen geglaubt. Wir dürfen den Messias darum mit Recht als eine Art Halbgott bezeichnen. Was liegt näher als in der Gebärenden Mch. 52 und dem Weibe Jes. 714 den letzten, verhallenden

Wengott, Eroty Überrest

Messias

Nachklang der Gottesmutter zu hören 1? Ein strikter Beweis läßt sich nicht führen; wir müssen uns mit dem indirekten Grunde begnügen, daß das göttliche Kind eine göttliche Mutter voraussetzt. Ob die Mutter als Frau oder »Jungfrau« gedacht ist, läßt sich aus dem Jes. 714 gebrauchten Worte nicht entscheiden, da 723y beides heißen kann. Es ist jedoch kein Grund vorhanden, die traditionelle Deutung auf die »Jungfrau« anzufechten. Später hat die Geburt des Messias eine noch größere Rolle gespielt. Die Rabbiner reden von Christuswehen (avn? .052na), die bereits im Neuen Testamente (Mark. 139) auf die dem Ende vorangehenden Drangsale bezogen sind. Daß der Ausdruck nicht von Anfang an diese Dinge bezeichnen sollte, ist klar. GUNKEL 3 hat ihn wohl richtig mit Apk. Joh. 12 kombiniert, wo die Geburt des Messias durchsichtiger als im Alten Testamente auf eine mythische Figur zurückgeführt wird, ein Weib, gekleidet in die Sonne, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Kopfe ein Kranz von zwölf Sternen, und sie war schwanger und schrie in Wehen und Qualen der Geburt. Die Tradition, die bei den Propheten als halb verschollen vorausgesetzt werden muß, ist hier wieder lebendig. Sie muß aufs neue aus der Fremde eingeströmt sein.

Denn der ausländische Ursprung ist sicher. Eine Gottesmutter hat in Israel nie existiert. An welche Göttin wir speziell zu denken haben, läßt sich heute noch nicht entscheiden. Man hat für die apokalyptische Gestalt auf babylonische, ägyptische und griechische+ Parallelen hingewiesen: die babylonische Damkina, die Mutter des Marduk, und die ägyptische Hathor, die Mutter des Horus, streiten vor allem um die Palme des Sieges. Vielleicht darf man auch an Ištar erinnern, die in dem Hofstil, wie wir gesehen haben, als Königsmutter erwähnt wird. Dann würden sich am Ende die sieben Hirten und acht Fürsten der Menschen erklären (Mch. 54), da fünfzehn die Zahl der Ištar ists. Doch ist diese Frage verhältnismäßig gleichgültig gegen

1. So zuerst GUNKEL: Forschungen I S. 24.
1. Volz: Jüd. Esch. S. 173. 3. Schöpfung S. 271.

4. GUNKEL: Schöpfung S. 386. BOUSSET: Kommentar zur Apk.; Rel. S. 486. ZIMMERN KAT: S. 360. GUNKEL: Forschungen I S. 56.

5. ZIMMERN KAT3 S. 454.

über der Hauptsache, daß die Gestalt der Messiasmutter aus der Fremde nach Israel gewandert ist. Das muß bereits in alter Zeit geschehen sein, da die ursprünglich mythische Tradition so, wie sie uns in den Prophetenschriften begegnet, bis auf ganz geringe Spuren verloren gegangen und in israelitischem Geiste umgeprägt ist.

Ebenso wie die Messiasmutter stammt auch der Messias aus der Fremde. Wir können das nicht nur um seiner mythischen Züge willen behaupten, sondern auch deshalb, weil die Salbung, nach der er später seinen Namen führt, gar keine Rolle spielt und völlig nebensächlich ist. Im Ganzen haben wir drei Elemente unterschieden, die vielleicht drei verschiedene, chronologisch aufeinander folgende Stufen derselben Gestalt repräsentieren, vielleicht aber auch drei verschiedenen Gestalten entsprechen. Die älteste, weil undeutlichste, Gestalt ist die eines göttlichen Kindes, das gleich nach seiner Geburt der Welt (Israel) das Heil bringt. Etwas konkreter ist die (vielleicht mit der ersten identische, vielleicht erst später mit ihr kombinierte) Gestalt des Gottkönigs mit göttlichen Epitheta und göttlichen Funktionen. Am anschaulichsten ist die völlig israelitisierte Gestalt des Davididen, eines künftigen Herrschers aus dem nationalen Königsgeschlecht, der am Ende die ganze Welt beherrscht und keine Nachfolger mehr hat. Wenn wir ganz genau sein wollen, so dürfen wir nur die letzte Gestalt »einen« Messias nennen. Denn » der« Messias war damals noch nicht zu einer fest konsolidierten Größe geworden, und es scheint nicht ausgeschlossen, daß z. B. ein Jesaja noch mehrere eschatologische Gestalten neben einander kannte (Immanuel, Davidide).

Jetzt verstehen wir bis zu einem gewissen Grade, wie in der Heilseschatologie Jahve durch den Messias verdrängt werden konnte. Was bei einem einfachen Könige unbegreiflich ist, wird begreiflicher bei einem Gottkönige. Durch seine halbgöttliche Natur wird der eschatologische Herrscher näher an Jahve herangerückt und kann dessen Funktionen leichter übernehmen. Die allgemeine religiöse Voraussetzung, unter der sich allein eine Gestalt wie der Gottkönig bilden konnte, ist die zwar nicht in Israel, wohl aber bei seinen Nachbarvölkern nachweisbare Königsvergötterung. In der Eschatologie aber handelt es sich nicht nur um diese allgemeine religiöse Anschauung, sondern der Messias ist eine ganz spezielle Figur, die ihr Dasein einer bestimmten Vorstellung und vielleicht einem bestimmten Mythus verdankt. Trotzdem muß man die Möglichkeit im Auge behalten, daß hier verschiedene Wurzeln zusammengewachsen sind, die bis in ihre entferntesten Ausläufer zu verfolgen unsere nächste Aufgabe sein muß.

8 26. Der Paradieskönig. Es ist beachtenswert, wie selten der Messias als Besieger der Feinde auftritt. Wo von dem Weltreich die Rede ist, geschieht es meist mit einer flüchtigen Erwähnung oder aber es wird geschildert, wie Israel oder Jahve – nicht, wie der Messias – seine Gegner bezwingt. Der Messias ist trotz seiner Herrschernatur kein Kriegsheld, kein »Beutevater«, sondern ein Friedensfürst. Die Tätigkeit jedes Königs ist zweifacher Art: im Frieden zu richten und im Kriege zu führen. Die zweite Aufgabe aber kommt beim eschatologischen Könige fast gar nicht in Betracht. Wie er die Weltherrschaft gewinnt, erfahren wir nicht. Er hat sie eben und übt sie aus im Sinne eines gerechten Richters. Er braucht keine Waffengewalt, um seine Macht aufrecht zu halten, sondern es genügt ein Hauch seiner Lippen, ein Spruch seines Mundes. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, obwohl es über diese Welt sich streckt. Das Hauptcharakteristikum seiner Regierungszeit ist der ewige goldene Friede, wie er einst im Paradiese, in der Urzeit herrschte. Daneben fehlen auch andersartige Züge nicht ganz, allein sie treten in den Hintergrund; sie sind einzeln, verloren, abgerissen und werden niemals zu einem konkret-lebendigen Bilde gestaltet.

So heißt der Messias Zach. 99f. zwar siegreich, aber das, was der Verfasser schildert, ist kein Sieg und kein Siegesfürst: Freue dich sehr, Tochter Zion, brich in Jubel aus, Tochter Jerusalem, denn dein König kommt zu dir; gerecht und siegreichi ist er, demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. Er wird die Wagen aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem vernichten, und vernichtet wird der Kriegsbogen;

1. Vielleicht ist mit den LXX yang hülfreich zu lesen (GUNKEL nach schriftlicher Mitteilung). 2. Lies . LXX.

er schafft den Völkern Frieden durch seinen Spruch, und seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Euphrat bis zu den Enden der Erde. Der Messias tut das Gegenteil von dem, was sonst ein Herrscher zu tun pflegt. Statt seine Rüstung zu stärken, rüstet er ab. Wenn er sich dabei auf Ephraim und Juda zu beschränken scheint, dürfen wir dies der mangelnden Anschauungskraft des Verfassers zur Last legen, dessen Blick auf Palästina gebannt ist. Der Schriftsteller, der hier zu uns redet, arbeitet mit überkommenen Stoffen, ohne sie völlig zu durchdringen. Das Reiten des Messias auf einem Esel, das hier als Zeichen der Demut aufgefaßt ist, hat man bisher als etwas Selbstverständliches hingenommen, ohne sich darüber zu wundern. Nirgendwo sonst wird der eschatologische König als besonders demütig gedacht, auch die Ausrottung der Kriegswagen und die Schaffung des Völkerfriedens gilt nirgends als Ausfluß seiner Demut. Der Messias wird nur hier als demütig hingestellt. Dieser Gedanke bildete sich im Anschluß an einen der Tradition entlehnten, aber nicht mehr verstandenen Zug. Jer. 1725. 224 wird betont, wie der König der Zukunft einen herrlichen prunkvollen Einzug hält auf Wagen und Rossen, 80 wie es sich für einen mächtigen, siegreichen Herrscher geziemt. Erst seit der Zeit Salomos wurden Pferde in größerem Maße eingeführt, blieben aber auf die Könige und die vornehmen Leute beschränkt. Die Ärmeren begnügten sich mit dem Esel. Wenn darum der Messias auf einem Esel reitet, so konnte das in der späteren Zeit als Zeichen der Demut gedeutet werden. Aber nur die Deutung ist neu, der Zug selbst ist alt. In der älteren und bis in die königliche Zeit hinein war der Esel das Reittier der Fürsten (Jdc. 104. 12 14. II Sam. 1927). Unsere Zacharjastelle scheint von Gen. 4911 (oder einer verwandten Tradition) abhängig, wo ebenfalls der Esel oder das Füllen der Eselin als Tier des Messias genannt wird: Nicht weicht das Szepter von Juda noch der Stab zwischen seinen Füben, bis sein (eschatologischer) Herrscheri kommt, dem die Völker gehorchen, der seinen Esel an den Weinstock bindet, an die Rebe seiner Eselin Füllen, der sein Gewand in Wein wäscht, in Traubenblut sein Kleid, dessen Augen vom Weine

Püßen das Szepter als Tier des

1. Lies "Sup.

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