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funkelni und dessen Zähne weiß sind von Milch. Unter dem Messias wird Juda in ein paradiesisches Milch- und Weinland verwandelt, so daß der König die sonst sorglich gehüteten Rebstöcke zum Anbinden seines königlichen Reittieres benutzen kann. Wenn diese Erklärung der Zacharjastelle richtig ist, so zeigt sich hier an einer archäologischen Einzelheit, wie alt und richtig die traditionell messianische Deutung von Gen. 49 11 und wie unmöglich es ist, die Gestalt des Messias erst in dem oder nach dem Exil entstehen zu lassen; denn dann wäre niemals der Esel zu seinem Reittier gemacht worden. Nicht Demut, sondern königliche Gerechtigkeit ist das Kennzeichen des Messias.

Siehe, Tage kommen, spricht Jahve, da erwecke ich dem David einen gerechten Sproß, und er soll herrschen als König und sich einsichtig zeigen und Recht und Gerechtigkeit schaffen im Lande. In seinen Tagen wird Juda Hülfe erfahren und Israel sicher wohnen, und das ist sein Name, mit dem man ihn nennen wird: Jahve ist unsere Gerechtigkeit (Jer. 235f. vgl. Jer. 33 14ff.). Gerechtigkeit und Paradiesesfrieden lehrt uns auch Ez. 3423ff. als die Merkmale des eschatologischen Reiches kennen: Und ich werde einen einzigen Hirten über sie erwecken, der sie weiden soll, meinen Knecht David Und ich, Jahve, will ihnen zum Gotte sein, und mein Knecht David ist Fürst in ihrer Mitte; ich, Jahve, habe es geredet. Und ich werde meinen Friedensbund für sie abschließen und die schlimmen Tiere aus dem Lande beseitigen, daß sie in der Wüste sicher wohnen und in den Wäldern (ruhig) schlafen können.

Während Jes. 94 u. 5 Paradies und Paradieskönig nur lose mit einander vereinigt sind, ist ihre Verbindung Jes. 11iff. sehr viel enger: Hervorgehen wird ein Reis aus dem Stumpfe Isais und ein Sproß aus seinen Wurzeln Frucht tragen. Und niederlassen wird sich auf ihn der Geist Jahves, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und Furcht Jahves. Und nicht nach dem, was seine Augen sehen, und nicht nach dem, was seine Ohren hören, entscheidet er. Richten wird er in Gerechtig

1. Das Wort -3-5-7 hat GUNKEL richtig mit funkelnd übersetzt. Es hängt wohl (durch Metathesis) zusammen mit :na, dis die Augenschminke, durch die die Augen feurig und glänzend gemacht werden.

keit die Niedrigen und Entscheidung geben in Gradheit den Elenden des Landes, und schlagen wird er den Wüterich1 mit dem Stabe seines Mundes und durch den Hauch seiner Lippen töten den Gottlosen. Und es wird sein Gerechtigkeit der Gurt seiner Hüften und Treue der Gürtel seiner Lenden. Und nun folgt (V. 6—8) das schon behandelte reizende Genrebild, das den goldenen Frieden der eschatologischen Urzeit malt. Das Reich des Messias ist das Friedensreich des Paradieses; unter diesem Könige und Richter kehrt das goldene Zeitalter wieder, Wo Mensch und Raubtier sich befreunden und mit einander spielen.

Jetzt, wo wir den gesamten Stoff überschauen, müssen wir uns noch einmal seinen bruchstückartigen Charakter klar machen. Wir lesen in den prophetischen Schriften häufig Schilderungen des goldenen Zeitalters, ohne von einem Könige des eschatologischen Paradieses zu hören. Auf der anderen Seite vernehmen wir von einem eschatologischen König, ohne paradiesische Züge erwähnt zu finden. Das ist überall da der Fall, wo der Messias gewissermaßen ein verklärter David ist, wo er rein nationale Züge trägt. Hier ist offenbar eine völlige Israelitisierung eingetreten, durch die die ursprünglich mythischen Züge abgestoßen und umgeprägt sind. Wo diese aber erhalten sind (d. h. namentlich Jes. 714ff. 9iff. 11 iff. Mch. 5iff.), da begegnen uns zugleich andere mythische Elemente (vgl. Jes. 715. 94. 116ff. Mch. 56), die, wenn wir sie überhaupt erklären können, mit der Anschauung von der Wiederkehr des Paradieses zusammenhängen. Die Gestalt des eschatologischen Königs ist darum aus inneren Gründen vom Paradiese untrennbar. Das Nächstliegende ist es jedenfalls, wenn die eine Reihe der mythischen Elemente auf das Paradies hinweist, dann auch die andere Reihe von dorther abzuleiten. Die Trennung beider Reihen, die in den prophetischen Schriften – nicht immer, aber

1. Lies yon mit GESENIUS.

2. Die Deutung des Messias auf das Volk, die man besonders bei Ps. 2 versucht hat (SMEND? S. 374), halte ich für unmöglich. Sie kann weder durch den Hinweis auf Dan. 7 18ff. oder auf Clemens Alexandrinus noch durch die (ebenso falsche) kollektivische Deutung der Königspsalmen gerechtfertigt werden. Forschungen zur Rel. u. Lit. d. A. a. NT. 6.

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meist vollzogen ist, beruht eben auf dem bruchstückartigen Charakter der israelitischen Eschatologie.

Wie am Anfang dieser Welt, so steht am Anfang der künftigen das Paradies mit seinem Könige. Die Genesis kennt nur einen » Menschen«, Adam, und sein Weib, aber keinen

König« als den Bewohner des Paradieses. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als nach religionsgeschichtlichen Parallelen zu suchen. Leider wissen wir bis heute nichts von einem babylonischen Paradiesmythus1, dessen Mittelpunkt sehr wohl ein Halbgott oder König gebildet haben könnte entsprechend den zehn » Urkönigen«? Eine völlige Analogie aber finden wir in der indo-iranischen Religion: »Herrscher im Reich der Seligen ist des Vivasvant Sohn Yama, von dem der Atharvaveda sagt, daß er starb der Erste der Sterblichen, hinging als Erster in jene Welt (XVIII, 3, 13). Wir haben hier den bei den verschiedensten Völkern der Erde wiederkehrenden mythologischen Typus des Oberhaupts der Seelen .

Der Erzeuger des sterblichen Geschlechts wurde dann vielleicht schon in indo-iranischer Zeit als König des goldenen Zeitalters vorgestellt, in dem es nicht Alter und Tod, nicht Hitze und Kälte, nicht Mangel und Leidenschaft gab: zwar der Veda weiß davon nichts, aber die avestischen Zeugnisse von Yima des Vivanhvant Sohn treten in die Lücke ein. Und wie in der hesiodischen Sage von den fünf Weltaltern die Menschen des goldenen Geschlechts nach dem Tode zu besonders mächtigen Dämonen werden, so lebt im Avesta das Reich Yimas als ein Reich seliger, weiser Sterblicher fort, in ein weltentrücktes Wunder land versetzt. Wir überschreiten die Grenzen des Beweisbaren, aber nicht der berechtigten Vermutungen, wenn wir hinter diesen Vorstellungen einen Glauben der arischen Zeit zu erkennen meinen, daß die Seelen derer, die in der goldenen Zeit auf Erden mit Yama gelebt haben, auch im Jenseits den König als die Nächsten umgeben, eine Art Adel unter den Hinge

1. Der Adapamythus, auf den ZIMMERN (KAT. S. 520 ff.) u. a. hinweist, hat nichts weder mit dem Paradiese noch mit Adam zu tun. Die Ähnlichkeit beschränkt sich auf dasselbe Motiv: Verscherzung der Unsterblichkeit. Vgl. GUNKEL: Genesis? S. 33.

2. Eusebi Chronic. liber prior ed. SCHOENE S. 7ff. 31f. ZOMMERN KAT.3 S. 531 ff.

schiedenen bilden«l. Der heroisierte erste Mensch ist hier wie der Messias in Israel der König des goldenen Zeitalters, hier in der Urzeit, dort in der Endzeit.

Aber die Parallelen gehen noch weiter. Wir erinnern uns an die Umwandlung der menschlichen Natur, an das Gottesmahl auf dem Zion mit Fettspeisen und Hefenweinen, an die Ernährung des Restes durch Honig und Milch, wenn wir aus dem Veda hören: »Irdische Unvollkommenheit ist abgetan: das bedeutet nicht innere Erhebung zu ethischen Idealen, sondern Beseitigung körperlicher Gebrechen; die Seligen haben die Krankheit ihres Leibes hinter sich gelassen; sie sind nicht lahm, nicht krumm von Gliedern. Sie verkehren droben nicht mit Yama allein, auch mit den himmlischen Göttern. Beide Könige, so wird bei der Bestattung dem Toten nachgerufen, die an der Speise sich erfreuen, Yama sollst du sehen und den Gott Varuna ... Yama zecht unter einem wohlbelaubten Baum zusammen mit den Göttern; dort erschallen Lieder und Flötenspiel; gewiß sind auch die Seligen als Teilhaber an diesem festlichen Treiben zu denken; Soma trinken die Einen, Andere Honig oder geschmolzene Butter ... Wir hören von Teichen von Butter, voll von Milch, von Wasser, von saurer Milch; solche Ströme sollen dir alle fließen, honigsüß schwellend in der Himmelswelt, Lotusteiche von allen Seiten dich umgeben«.

Sieht man von

1. OLDENBERG: Rel. des Veda S. 532 f.

2. OLDENBERG S. 534 ff. EICHHORN macht mich auf die Tatsache aufmerksam, daß wir hier eine völlig anschauliche Schilderung der Urzeit haben, in der Milch und Honig nicht so fragmentarisch-unverständlich wie im Alten Testamente, sondern ausführlich und lebendig vorkommen, Aus diesem Grunde hält EICHHORN den iranischen Ursprung der israelitischen Eschatologie auch für die ältere Zeit erwägenswert. In Iran gab es erstens heilige Kühe und Vorstellungen vom himmlischen Honig, sodaß Milch und Honig als Götterspeise dort begreiflich sind (vgl. OLDENBERG S. 175ff.). In Iran gab es zweitens Vulkane, sodaß dort die Idee von einem Weltuntergang durch Feuer sich bilden konnte (vgl. o. S. 37f.). In Iran gab es drittens rauhe, unwegsame Berge, die in der Endzeit nach israelitisch-iranischer Eschatologie verschwinden sollen (vgl. o. S. 224). In Iran existierte viertens eine nachweisbare Eschatologie mit einem völlig ausgeprägten, in sich einheitlich-geschlossenen System. Die drei letzten Gründe machen den babylonischen Ursprung unwahr

dem indischen Kolorit ab und verlegt den Schauplatz vom Himmel auf die Erde, speziell nach Palästina, so haben wir eine deutliche Analogie zu der israelitischen Schilderung des goldenen Zeitalters, das mit dem eschatologischen Könige anbricht. Wenn der neue Himmel und die neue Erde geschaffen werden, wenn eine neue, selige Urzeit beginnt, so muß der erste Mensch wiederum zum Herrscher dieses Reiches werden, wie er es am Anfang dieser Welt gewesen ist. Nehmen wir an, die israelitische Eschatologie stamme von einem Volke, das einen »König« des Paradieses kannte, so ist dessen Identität mit dem Messias d. h. dem eschatologischen Könige keinen Augenblick mehr zweifelhaft. Bei dieser Hypothese werden die überlieferten Tatsachen verständlich.

So erklärt sich die Rezeption der mythischen Paradieselemente in dem Hofstil: Der jeweilige Fürst oder die jeweilige Dynastie wird gefeiert als Bringer der goldenen Zeit, wie einst der erste König. So erklärt sich die Haupttätigkeit des Messias: Er schafft als letzter König das Reich des Friedens wieder und regiert in Gerechtigkeit über ein gesundes und sündloses Volk und über ein Land des Segens und des Überflusses, wie es einst im Anfang war. So erklären sich seine Prädikate: Immanuel ist ein geziemendes Attribut für den, der himmlischen Honig und göttliche Milch genießt. Vater der Ewigkeit ist eine passende Bezeichnung des ersten Menschen, der zugleich der arqwrótoros tūv vengőv (Apok. Joh. 15) der erste Tote ist. Denn der erste Mensch war auch der erste Gestorbene, der zu göttlichen Dimensionen erwachsene König des Totenreichess', und wie die gegenwärtigen Herrscher so ist auch ihr Prototyp, der erste König, ein Abkömmling der Gottheit. In Israel werden ihm nur göttliche Epitheta, auf der Stufe der

scheinlich, wenn nicht unmöglich. Babylonien kann nur als Übergangsstufe in Betracht kommen. Der Mythus des Weltunterganges und der Welterneuerung kann schon in uralter Zeit aus Persien über Babylonien nach dem Westen gewandert sein. Wir wissen jetzt, daß bereits um 2000 v. Chr. die Elamiter (im Norden der iranischen Landschaft Lusiana) eine wichtige Rolle in der altbabylonischen Geschichte spielten.

1. OLDENBERG S. 276.

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