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Gott, so liegt es überaus nahe, die Klage Hadad-Rimmons auf den Gott Hadad zu beziehen, der wahrscheinlich irgendwie mit dem Adonis kombiniert wurde« (BAUDISSIN PR: VII S. 295). Leider ist bei Zacharja der Name der Gestalt ausgemerzt worden, über die die judäische Totenklage erfolgen sollte. Aber von besonderer Wichtigkeit ist die Tatsache, die Jes. c. 53 nicht ganz klar ist, daß es sich hier um eine eschatologische Kultfeier handelt, daß also auch die Adonisgestalt der Eschatologie angehörte, mag man sie nun Messias oder Ebed Jahve oder sonstwie nennen.

Obwohl die Israeliten teilweise noch zur Zeit Ezechiels (814) den Tamûzkult kannten und übten, ist es doch fraglich, ob der Verfasser von Zach. 12 noch etwas über den Ursprung der von ihm überlieferten Worte wußte. Zach. c. 12–14 besteht aus vielen kleinen, nur lose oder gar nicht zusammenhängenden Fragmenten. Diese Bruchstücke sind von einem Späteren geordnet, scheinen aber in viel früherer Zeit verfaßt zu sein, da sie teilweise gute, alte Traditionen enthalten. Es sei nur erinnert an die bereits oben behandelten Verse Zach. 14 uff. (vgl. S. 222ff.). Als wertvolle Zeugnisse der Vergangenheit hat ein Epigone diese Überreste früherer eschatologischer Dichtungen gesammelt, redigiert und vielleicht teilweise überarbeitet. Ihm danken wir die Erhaltung dieser für uns unschätzbaren Dokumente.

So sehen wir, daß der Ebed Jahve doch nicht ganz analogielos ist im Alten Testamente, wenn uns auch diese Parallele zu einer tieferen Erkenntnis nicht verhilft. Eine wirkliche Geschichte des Ebed Jahve zu schreiben, müssen wir uns versagen. Wir können nur den Anfangs- und Endpunkt der Entwicklung aufzeigen: Eine dem Adonis und eine dem Messias vergleichbare Gestalt. Aber wie nun diese aus jener geworden ist, darüber dürften kaum einmal Hypothesen mit annähernder Wahrscheinlichkeit möglich sein. Der Adonis war vergessen, und allein die eschatologische Bedeutung blieb erhalten.

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D. Der Menschensohn.

§ 32. Das sprachliche Problem des Menschensohns.

H. LIETZMANN: Der Menschensohn. Bonn 1896. J. WELLHAUSEN: Skizzen und Vorarbeiten. Heft VI. Berlin 1899. G. DALMANN: Die Worte Jesu. Leipzig 1898. H. GUNKEL: Aus WELLHAUSENS apokalyptischen Forschungen (Zeitschrift für wiss. Theol. N. F. VII). Leipzig 1899. P. FIEBIG: Der Menschensohn. Tübingen 1901. Übersichten bei SCHMIEDEL (Protest. Monatshefte) 1898 und 1901; BALDENSPERGER (Theologische Rundschau) 1900; NATHANAEL SCHMIDT: The Son of Man (Ency. clop. Biblica). Bd. IV.

In den Evangelien begegnet ο υιός του ανθρώπου als rätselhafter Terminus technicus für den Christus, den Messias. Zum Verständnis dieses Ausdrucks ist es zunächst unbedingt notwendig, das aramäische Äquivalent zu kennen. Es konnte kein Zweifel sein – und die letzte Untersuchung von FTEBIG hat es bestätigt – daß WELLHAUSEN das sprachliche Problem von vorneherein richtig gelöst hat. »The use of this term in Aramaic has been treated with most comprehensiveness by FIEBIG, with most Talmudic learning by DALMANN, and with most insight by WELLHAUSEN« (SCHMIDT). Wie viòs av fotónov = hebr. 078 72 = aram. Vixha, so ist ó viós toû åv Iontov = hebr. 0787 32 = aram. 80983. Während aber jenes hebräische Wort verhältnismäßig selten und poetisch ist, also einem ebenso ungebräuchlichen »Menschenkind« entspricht, so ist diese aramäische Phrase in allen aramäischen Dialekten ganz gewöhnlich und bedeutet weiter nichts als » der Mensch«. Folg. lich ist ó viòs toở åv9gurtov nicht »der Menschensohn«, sondern ganz einfach »der Mensch« zu übersetzen, und hatte diesen Sinn, soweit die aramäische und hebräische Sprache reichten. Wenn die LXX 078 7a mit viòs åv portov wiedergaben, so kann man daraus schließen, daß viòs åv forcov im griechischen Jargon der alexandrinischen Juden völlig gleichbedeutend war mit öv9gwrtos, und bei den griechisch redenden Palästinensern wird es nicht anders gewesen sein. Der Ausdruck enthält also, sprachlich betrachtet, durchaus nichts Geheimnisvolles oder My. stisches 1.

1. Auffällig und bis jetzt unerklärt ist allerdings das Problem, auf das WREDE (ZNTW. Jahrgang v. 1904. S. 359) aufmerksam macht,

Damit ist nach dem geläufigen Urteil das sprachliche Problem erschöpft. Man erhebt jetzt sofort die Frage: Wie kann der Mensch« Messiasbezeichnung sein? Als Name des Christus ist er für uns dunkel und unverständlich. WELLHAUSEN hat ihn früher a priori aus modernen Begriffen zu erklären versucht: Der Titel sei ein philosophischer oder humanistischer Terminus und bedeute den Menschen nat & Foxv. Mit Recht bat WELLHAUSEN sich später selbst korrigiert: Denn Jesus ist weder Philosoph noch Humanist gewesen. Seit wir eine historische Methode haben, ist es unerlaubt, von modernen Anschauungen auszugehen, um alten Formeln Leben einzuhauchen. Der Forscher hat die Pflicht, sich in die antike Welt zu versenken und aus ihr heraus ein Verständnis zu gewinnen. Kann er keine Klarheit erlangen, so hat er einfach die Tatsachen zu registrieren, also in unserem Falle unumwunden zu bekennen: »Der Mensch« ist zur Zeit Jesu geläufige Messiasbezeichnung; da Jesus selbst diesen Ausdruck als bekannt voraussetzt und ihn nirgends erklärt, so wissen wir nicht, was er bedeutet haben mag. WELLHAUSEN aber geht zu weit. Auf Grund seines eigenen Nichtwissens folgert er, daß das Wort auch im Munde Jesu keinen Sinn gehabt haben, deshalb auch nicht von ihm gebraucht sein könne und darum überall da zu eliminieren sei, wo sein messianisches Verständnis gefordert wird.

Dem gegenüber ist mit GUNKEL zunächst zu betonen, wie in der apokalyptischen Literatur eine ganze Reihe von Termini technici existieren, die als ärras deyó ueva vorkommen und für uns rätselhaft sind. So »der Hemmende«, »die Wehen«, »der Baumeister«, »der Greuel der Verwüstung«, »der Löwe«, »der zweite Tod« und andere mehr. In diesen Kreis paßt »der Mensch« vorzüglich hinein. Zweitens macht GUNKEL mit Recht darauf aufmerksam, daß »der Mensch« eine »mysteriöse Abkürzung sein könne für den Menschen Gottes, den Menschen des Himmels, den ersten Menschen«. Ja, es kann nicht nur, sondern es muß so sein, da nicht jeder beliebige, sondern nur ein ganz konkreter Mensch als Messias angesprochen werden kann. »Der Mensch« muß notwendig einen prägnanten Sinn daß Jesus von sich statt des Ich die dritte Person mit dem Titel gebraucht. Dieser außergewöhnliche Sprachgebrauch muß auf irgend welche uns unbekannten (religionsgeschichtlichen) Vorbilder zurückgehen. haben

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Dazu gibt es viele Parallelen
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היום oder היום ההוא

»jener Tag« oder »der Tag« bezeichnen in gewissen Zusammenhängen, die von der Endzeit handeln, nicht jedweden, sondern einen genau fixierten Tag, und zwar »jenen Tag, den jedermann als den Tag Jahves kennt«. 0997 ist also eine Abkürzung für .71.71 099, wie »das Ende« für das Ende der Welt«, »die Trübsal« für »die letzte Trübsal«, »das Lamm« für das Lamm Gottes«, »die Wehen« für »die Wehen des Messias«, »das Leben« für »das erste Leben«1.

Fragen wir, wie der volle Ausdruck für »den Menschen« gelautet habe, so ist darauf a priori keine Antwort zu geben. Um aber nicht von falschen Voraussetzungen auszugehen, müssen wir die eben beigebrachte Parallele noch einmal heranziehen. Wenn auch meist 71779 07 gesagt wird, so hat man doch kein Recht, von einem » Titel« zu reden. Denn ein Titel hat stets nur Eine Form. Neben 71.79 Dns aber finden sich noch mehrere inhaltlich gleichbedeutende Phrasen wie man 01

-Da also die Bezeich .יום אף יי oder יום עברת יי oder יהוה

nung des Tages Jahves nicht ganz festgeprägt ist, so ist auch

* ons nicht im strengen Sinne des Wortes ein » Titel« zu nennen. Entsprechend der hier vorhandenen Fülle von Ausdrücken kann man a priori dasselbe für »den Menschen« vermuten, und diese Annahme bestätigt sich. Neben » Wolkenmensch« (1299 73), »oberer Mensch« (79838 078), »Himmelsmensch« (ó övIowntos & F ou gavoũ) begegnet in weit verbreiteten Spekulationen der

Alle .(בר אנשא קדמיא .aram אדם קדמון .erste Mensche

(
hebr

Namen können dieselbe Person bedeuten. Ob sie es wirklich tun, soll im folgenden untersucht werden.

Damit erst ist die sprachliche Seite dieses Problems genügend erhellt. Jetzt erhebt sich um so dringender die sachliche Frage: Gibt es in der apokalyptischen vorchristlichen Literatur eine Gestalt, die man als den »messianischen Menschen « bezeichnen darf? Fällt die Antwort bejahend aus, so ist weiter zu forschen, woher diese Gestalt stammt und wie sie zu erklären ist.

Bei der heutigen wissenschaftlichen Behandlung des Themas »Menschensohn« hat man sein Augenmerk in einseitiger Weise

1. Vgl. W. BRANDT: Die mandäische Religion. S. 26 Anm. 2.

fast nur auf das Sprachliche gerichtet und ist so zu einer Anschauung gekommen, die sachlich durchaus unbaltbar ist. Die im großen und ganzen herrschende Auffassung sieht in Dan. 7 den Ausgangspunkt für die messianische Idee des » Menschen«. Der dort begegnende auR na soll aber nicht der Messias, sondern nur ein Symbol für das Volk Israel sein, das unter dem Bilde eines Menschen dargestellt werde. Wäre das richtig, so wäre die ganze folgende Entwicklung eine Kette von Mißverständnissen. Zunächst muß Henoch den nur bildlich gemeinten Ausdruck fälschlicher Weise wörtlich gedeutet, muß den » mit den Wolken des Himmels« zu einem aus dem Himmel kommenden und deshalb im Himmel wohnenden gemacht und ihm die Präexistenz beigelegt haben. Der Verfasser des IV. Esrabuches dagegen muß umgekehrt geglaubt haben, nach Dan. 7 komme der Mensch nicht vom Himmel, sondern steige ebenso wie die Tiere aus dem Wasser auf. Da er auf den Wolken des Himmels fliege, so werde er wohl ein überirdisches Geschöpf mit übermenschlichen Eigenschaften sein, das alles verbrenne - obwohl beides zu einander paßt wie Feuer und Wasser! So wurde der Mensch Daniels durch ein Mißverständnis zum Messias. Der Titel »Mensch« für Messias aber könne erst auf griechischem Boden entstanden sein, als bar 'naša von den Übersetzern mit ο υιός του ανθρώπου wiedergegeben wurde; denn nur ein solches rätselhaftes Wort eigne sich für einen mysteriösen Christustitel.

Eine lange Entwicklung auf eine Kette von Mißverständnissen zurückzuführen, ist an sich ein Unding, und auch unwahrscheinlich, sobald man den bei allen Mißverständnissen stattfindenden psychologischen Vorgang beachtet. Denn sie passieren gewöhnlich nur, wenn ein von außen gegebener Anlaß, etwa ein schwer deutbarer Text oder eine schlecht lesbare Handschrift, vorliegt. Und wenn einmal jemand einen Satz falsch auffaßt, weil er unklar ist, so werden daraus keine weltbewegenden Dinge, die große Kreise ziehen und ein Jahrhundert hindurch nicht nur den Geist des Gelehrten, sondern auch des gemeinen Mannes beschäftigen. Überdies ist Dan. 7 so offenkundig, wie nur möglich, gesagt, wer unter dem Menschen zu verstehen sei. Wie wäre da ein Mißverständnis denkbar, falls es wirklich eingetreten sein sollte? Doch nur so, daß man die Forschungen zur Rel. u. Lit. d. A. u. NT. 6.

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