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schehen ise Schritte zur Überlegun

verloren, weiß nicht mehr, wohin es fliehen soll. Ich mit meiner Familie stürze halb besinnungslos in südlicher Richtung davon. In einem Augenblick der Überlegung wende ich mich um und kehre einige Schritte zurück, um zu sehen, was eigentlich geschehen ist .....

»Nie werde ich das furchtbare Schauspiel vergessen, das sich nun meinen Augen darbot. Der Mont Pelé scheint nicht mehr vorhanden zu sein. Eine ungeheure, feuerschwangere Öffnung hat sich aufgetan. Von ihr geboren, scheint eine riesengroße schwarze Wand, aus der Tausende von Blitzen zucken, sich mit furchtbarer Gewalt uns entgegenzustürzen. Von dem Himmel ist nichts mehr zu sehen; Flammen umgeben uns von allen Seiten. Und ein brüllendes, stampfendes Donnern begleitet den Todesmarsch dieser entsetzlichen Erscheinung. Auch das Meer ist schwarz; es wallt auf, es hebt sich drohend, und von Zeit zu Zeit rollt eine gewaltige Woge dunkel und lautlos in die Stadt und über die Felder der Umgebung. Wir sind verloren! Uns bleibt nichts mehr übrig, als uns auf den Tod vorzubereiten ....

»Aber plötzlich vollzieht sich eine unerwartete Wendung. Ein starker Wind kommt auf, ein wahrer Orkan. Die Bäume werden von ihm gegen den Boden gebogen. Brausend und pfeifend prallt er gegen die von Blitzen durchzuckte Rauchwand und hält sie 300 Meter von uns entfernt auf ... Wir sind gerettet! Nur 30 Sekunden waren verstrichen — 30 Sekunden, die uns wie ein Tag der Angst erschienen. Der Wind nimmt allmählich ab und hört in 3—4 Minuten ganz auf. Wo St. Pierre lag, flammt jetzt ein Scheiterhaufen ...

»Ein furchtbares Gewitter entladet sich über uns; tobender Donner, zuckende Blitze und, schrecklicher als beides, ein Regen von Steinen, von Asche und Schlamm, der uns niederwirft und uns eine halbe Stunde lang mit unwiderstehlicher Gewalt einhüllt. St. Pierre ist zu Grunde gegangen. Wo einst das Leben herrschte, gibt es jetzt nur rauchende, stinkende Trümmer« ... (MEYER S. 7 ff.).

Wer diese Schilderung des Mont Pelé mit der des Sinai vergleicht, kann nicht zweifeln, daß Ex. 19 einen vulkanischen Berg beschreiben will. Ganz charakteristische Züge finden wir wieder: vor allem den Rauch und das Feuer, dann den schmetternden Donner1 und die grellen Blitze, das Erdbeben, die Finsternis und endlich den wahnsinnigen Schrecken. Das Bild des Schmelzofens hat noch eine lebendige Anschauung des feuerspeienden Berges bewahrt. Auf der anderen Seite ist nicht zu verkennen, daß die Erzählung stilisiert ist, und eben um dieser Eigentümlichkeit willen ist es begreiflich, daß ihr vulkanischer Ursprung bisher verschleiert war. Während sonst der Berg das Feuer auswirft, das Feuer also von unten herauf in die Höhe geschleudert wird, heißt es hier, daß Jahve im Feuer auf ihn herabgefahren, vermutlich vom Himmel her. Die Modifikation entspricht genau der Sodomerzählung, wonach der Schwefel, der ursprünglich aus dem Erdinnern sich entzündet, vom Himmel regnet. Übrigens hat sich noch das Richtigere erhalten Dtn. 411: Der Berg brannte, sodaß die Lohe mitten in den Himmel hineinschlug (vgl. 915). In der Exodus-Schilderung vermissen wir ferner den furchtbaren Orkan, von dem wir auf Martinique gehört haben. Aber der Sturm ist keine notwendige Begleiterscheinung einer Eruption. Gänzlich verloren hat sich die Erinnerung an den Lavastrom oder an den Aschenregen, sodaß es auf Grund dieses Berichtes unmöglich ist, zu entscheiden, zu welcher Gruppe von Vulkanen der Berg gehört haben mag (vgl. MEYER S. 50).

Mit der Sinaitheophanie kombinieren wir die Erzählung von der Feuer- und Wolkensäule, obwohl beide in der uns vorliegenden Tradition nichts mit einander zu tun haben. Jahve aber zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, und des Nachts in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, sodaß sie bei Tag und Nacht weiter ziehen konnten. Am Tage wich die Wolkensäule nicht und des Nachts stand die Feuersäule an der Spitze des Volkes (Ex. 1321f.). Die

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1. Das donnerähnliche Getöse beim Ausbruch ist auch sonst beobachtet: »Das Rollen wird zum furchtbaren Gebrüll und Getöse, krachend zerbirst der Kraterboden« CREDNER: Elemente der Geologie S. 156. Auffällig bleibt, daß dieser Donner als »Trompetengeschmetter« bezeichnet wird. Von Interesse ist die teilweise mythisch gefärbte Schilderung des Vesuvausbruches durch CASSIUS DIO 66, 23, 1: xai {κουν οι μεν τους γίγαντας επανίστασθαι (πολλά γαρ και τότε είδωλα αυτών εν τω καπνώ διεφαίνετο, και προσέτι και σαλπίγγων τις βοή ή κούετο). HERRLICH S. 218.

früher beliebte Hypothese von Feuerpfannen, die die Karawanen angeblich vor sich hertragen lassen, ist jetzt wohl allgemein aufgegeben, da aus ihr die zitierte Vorstellung nicht einleuchtend erklärt werden kann. Ebenso muß die Behauptung zurückgewiesen werden, die BAENTSCH zu Ex. 1321 äußert: » Die Wolken- und Feuersäule ist eine passende Manifestation Jahves; auch sonst erscheint er in Feuer und Rauch . . ., was ganz seinem ursprünglichen Charakter als Gewittergott entspricht«. Denn man fragt sich vergebens, wo in aller Welt bei einem Gewitter derartige Phänomene beobachtet seien: bei Tage eine Wolkensäule, bei Nacht eine Feuersäule. Dagegen stimmen sie genau zu einer vulkanischen Eruption. Die Dampf- und Aschenwolke, die des Tags wie eine dunkle Wand über dem Krater schwebt, gleicht des Nachts einer Feuersäule, erleuchtet durch den Wiederschein der glühenden Massen im Innern des Berges (HERRLICH S. 215). Daß sie den Israeliten schon aus weiter Ferne als Wegweiser dient, ist wohl begreiflich und auch heutigen Vulkanbesuchern gut bekannt. Selbst ihre Loslösung vom Berge, die hier allerdings in unnatürlicher Weise stark stilisiert ist, entspricht bis zu einem gewissen Grade vulkanischen Erscheinungen. Denn nicht immer hat die Vulkanwolke die rasende Geschwindigkeit, wie oben geschildert. » Während ... die verderbenbringende Wolke auf Martinique fast in einem Moment die 71/2 Kilometer vom Vulkanberge entfernte Stadt St. Pierre erreicht hat und grade deshalb alle lebenden Wesen in derselben vernichtet hat, bewegte sich nach der Schilderung des Plinius die Aschenwolke < des Vesuvs > nur verhältnismäßig langsam vorwärts, indem sie wie ein sich über die Erde ergießender Bergstrom den Fliehenden im Rücken folgte und sich allmählich über Meer und Land herabsenkte« (HERRLICH S. 215). Trotzdem ist die Stilisierung unverkennbar, wenn die Säule des Exodus schon am Schilfmeer erscheint und bald vor bald hinter den Israeliten wandelt (Ex. 1419).

Ein klares Bild kann man sich nach alledem von der Sinaikatastrophe nicht mehr machen, weil die Geschichte, so wie sie uns vorliegt, zu stilisiert ist, weil manche Züge, wie z. B. das Hinaufsteigen des Mose auf den Berg, schwerlich als wirklich geschehen sich begreifen lassen, weil andere Einzelheiten verdunkelt sind oder gar fehlen. Von dem Bericht eines Augenzeugen kann demnach nicht gesprochen werden, obwohl die Farben in anderer Beziehung wieder so lebendig sind, daß man auf diesen Gedanken verfallen kann, wie mir denn auch ihre wesentliche Treue von einem Naturwissenschaftler bestätigt wurde. Ich möchte daher auch glauben, daß dem Buche Exodus, soweit es hier in Betracht kommt, ein älteres, uns verlorenes Gedicht vorgelegen hat, das das historische Ereignis besang und in dem die aufgezeigten disiecta membra der Vulkanerscheinung noch zu einem Ganzen vereinigt waren. Bei der Übertragung der Poesie in Prosa – ein Vorgang, wie er z. B. im Richterbuche durch einen Vergleich von C. 4 mit 5 studiert werden kann – und bei der weiteren mündlichen Fortpflanzung der Erzählung ist dann ihre ursprüngliche Treue und Naturwahrheit verwischt worden und zum Teil verloren gegangen.

Diese Hypothese eines geschichtlichen Kerns ist nicht in die Luft gebaut, sondern stützt sich auf folgende Tatsachen, die rätselhaft sind und erklärt werden müssen: Erstens ist es eine in jeder Beziehung auffällige, mehrfach geäußerte Vorstellung (Ex. 193f. Dtn. 332. Jdc. 54), die noch zur Zeit des Elia bekannt war (I Reg. 198ff.), daß Jahve, der Gott Kanaans, außerhalb dieses Landes am »Sinai« wohnt. Sie kann nur verstanden werden auf grund geschichtlicher Erinnerung: Jahve war von Hause aus der Gott dieses Berges, erst später ist er zum Gotte Israels und dadurch zum Gotte Palästinas geworden. Diese Entwicklung wird beglaubigt durch die Tatsache, daß neben den Israeliten auch die Qeniter resp. Midianiter Jahveverehrer gewesen zu sein scheinen. Viele Forscher schließen, wie ich glaube mit Recht, aus Gen. 416, daß das dem (Stamme) Kain verliehene Zeichen ein kultisches Jahvezeichen gewesen sei. Israel ist sich bewußt, die Einsetzung eines Richterkollegiums nach Ex. 18 von Jethro und vielleicht auch die Sitte der Beschneidung nach Ex. 4 24ff. von Zippora, der Tochter Jethros, gelernt zu haben. Und da ein Teil des Volkes Jethros sich nach Num. 10 29ff. am » Sinai« Israel angeschlossen hat, so haben wir ein Recht, das Heiligtum Jethros, des Oberpriesters der Midianiter, eben dort zu suchen und zu behaupten, daß der Berg nicht nur bei den Israeliten, sondern auch bei den Qenitern als Gottessitz galt und religiöse Bedeutung wohl für alle die Nomaden hatte, die in seiner Nähe umherschweiften.

Zweitens ist es in jeder Beziehung merkwürdig, daß uns in den Jahvetheophanien, wie wir gesehen haben, eine Reihe einzelner Züge entgegentreten, die nur einem vulkanischen Ereignis entlehnt sein können, obwohl unseres Wissens Palästina in historischer Zeit keine Vulkane besessen hat. Das wird bestätigt durch den typischen, unanschaulichen Charakter der Bilder, der sich bis zu einem gewissen Grade auch auf den Exodusbericht erstreckt. Trotzdem begegnet uns niemals wieder eine im Großen und Ganzen so frappante Vulkanschilderung wie hier, obwohl anderswo zerstreute Glieder genügend vorhanden sind. Daraus folgt, daß Jahve ursprünglich ein außerkanaanitischer Gott war, und dazu stimmt die Überlieferung, die die älteste, die Religion Israels begründende Jahvetheophanie außerhalb Palästinas am » Sinai« lokalisiert und in die vorpalästinische Vergangenheit verlegt. Es ist also kein Grund vorhanden, diese Vulkan-Tradition anzufechten, die in der Eschatologie außerdem durch fremdländische Elemente bereichert sein mag.

Obwohl es bei dieser Annahme begreiflich ist, daß Jahve, der ursprüngliche Gott des »Sinai«, noch später, als er längst von diesem Berge losgelöst und nach Palästina übergesiedelt ist, typisch vulkanische Züge trägt, so ist es drittens doch unverständlich, daß er zum Nationalgotte Israels ward. Was verband ihn mit diesem Volke zu einer unlösbaren Einheit? Wie kam es, daß er in Israel von Anfang an allein und ausschließlich verehrt werden durfte? Um dies zu erklären, muß gewiß an die Tat eines großen Mannes gedacht werden. Diese exklusive Religion ist nicht von selbst gewachsen, sondern im Geist eines Einzelnen entstanden und durch ihn der Menge mitgeteilt worden. Aber seiner Überzeugung und seinem Glauben kann vom Volke nur dann Gehör und Gefolgschaft gewährt sein, wenn hinter ihm eine reale und grandiose Offenbarung Jahves grade zu Gunsten Israels stand. Hätten wir eine Schilderung wie die des Exodus von der Gotteserscheinung am »Sinai« und vom Untergang der Ägypter nicht, so müßten wir sie postulieren. Eine radikale Leugnung der Tradition vermindert nicht, sondern vermehrt die Rätsel. Mag immerhin eine Stilisierung und mancherlei Sagenhaftes hinzugekommen sein, darf doch ein geschichtlicher Kern behauptet werden.

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