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Dagegen muß es fraglich bleiben, wo dieser Berg gelegen hat. Die Tatsache, daß christliche Mönche des vierten Jahrhunderts ihn zuerst auf der Sinaibalbinsel gesucht haben, ist für uns schon um der späten Entstehung willen wertlos. Vulkane gab es längs der ganzen Ostküste des Roten Meeres von Aden an, namentlich zwischen Mekka und Medina. Im Gebiet des alten Edom, wo man jetzt meist den Sinai vermutet, existieren Vulkankegel (RITTER: Erdkunde XIV 1046; XV 777), von denen wir leider nicht wissen, wie lange sie tätig gewesen sind. Eine genauere Identifizierung liegt außerhalb des Rahmens dieser Untersuchung und muß den Geographen und Geologen vorbehalten bleiben!.

1. Vgl. die Karte (geologisch) bei DOUGHTY: Travels in Arabia deserta. I. Cambridge 1888. – DENNERT: Glauben und Wissen II, S. 298 ff. hat GUNKEL den Vorwurf gemacht, er habe eine Hypothese »ins Blaue hinein« vorgeschlagen. Davon kann weder nach GUNKELS eigenen Belegen noch nach den obigen Ausführungen die Rede sein. DENNERT behauptet, »daß bei den Sinai-Ereignissen die wichtigsten Kennzeichen eines Vulkanausbruches fehlen«. »Von regelrechtem Vulkanismus ... kann man ... erst sprechen, wenn ein Aschenregen und ein Lavastrom festgestellt sind« (S. 302). Das ist insofern falsch, als ein Lavastrom nicht unbedingt notwendig ist, falls ein Aschenregen stattgefunden hat (vgl. die Katastrophen, die Pompeji und St. Pierre vernichtet haben). Aber eine Stilisierung und Lückenhaftigkeit des Exodusberichtes muß DENNERT zugestanden werden. Nach seiner eigenen Erklärung »kommt man bei den Sinai-Erscheinungen durchaus mit Gewitter und Erdbeben aus« (S. 303). Das ist deshalb nicht möglich, weil das auf einen Berg, den Berg Sinai, beschränkte Erdbeben nicht tektonischer, sondern vulkanischer Natur ist, weil ferner der mit einem »Schmelzofen« verglichene Berg oder der »brennende Berg« und alle die anderen oben genannten Dinge ungezwungen nur zu einem Vulkan passen. Die Forderung, erst den rechten« Sinai aufzufinden und ihn als einen Vulkan zu erweisen (S. 305), ist ungerechtfertigt. Zunächst genügt die von ihm selbst konstatierte Tatsache, daß sich »östlich von der Südspitze der Sinaihalbinsel in etwa 250—300 km Entfernung .... öde und umfangreiche Lavadecken mit erloschenen Kratern« finden, bei denen »Ausbrüche in geschichtlicher Zeit nicht mehr nachgewiesen sind. Immerhin vermutet man von einigen wenigen Kratern Ausbrüche in historischer Zeit« (S. 306). Die GUNKEL unterstellte Ansicht: »Der schlaue und verschlagene Moses hat den Vulkanausbruch benutzt, um dem Volk die Erscheinung Jahves vorzugaukeln« (S. 299), muß mit Entrüstung abgewehrt werden. Wir glauben nur, daß nach Der » Sinai« ist nach alledem der Berg, an den teilweise die vulkanischen Bilder gehängt sind. Vielleicht aber haben die Israeliten Vulkane noch in größerer Nähe gehabt. Vulkanisch ist der Dscholān und Hauran, das Gebiet am Arnon und östlich vom Toten Meere. Obwohl es bei den heutigen Forschern für unwahrscheinlich gilt, daß die Eruptionen dieser Landschaften in die Zeit des Menschen fallen, so werden doch die Lavaergüsse, die zum Jordan und zum Toten Meer abflossen, in die spätere Periode des Diluviums gesetzt. Endlich befindet sich ein alter Krater auf dem dschebel ed-daħi, dessen Lavaerde sich bis in die Ebene Jesreel erstreckt (GUTHE RE 3 XIV 586). Wir müssen auf Grund unserer Exegese einen Vulkan postulieren, an den die geschichtliche Erinnerung Israels angeknüpft haben muß; Sache der Geologen wird es sein, ihn nachzuweisen.

$ 8. Die Offenbarung Jahves im Feuer. Die Dichter wählen verschiedene Bilder, um Jahve als den Feuergott zu kennzeichnen. Bald lodert das Feuer aus seiner Nase (Dtn. 32 22), bald kommt es aus seinem Munde, während Rauch aus seiner Nase steigt (Ps. 189), bald gleicht seine Zunge verzehrendem Feuer (Jes. 3027). Anderswo heißt es: Feuer frißt rings vor ihm her und rings um ihn stürmt es gewaltig (Ps. 503) oder Feuer geht vor ihm her und beleckt rings seine Schritte1 (Ps. 973). Jahve hat feurige Wagen und feurige Rosse (IF Reg. 2 11. 617) und kommt im Feuer, heimzugeben in Hitze seinen Zorn und sein Dräuen in Feuerflammen (Jes. 66 15). Wie schon bei Amos (vgl. 1 3ff.) so ist auch bei Zephanja der Tag Jahves ein Feuertag: Weder ihr Gold noch ihr Silber wird sie retten am Tage der Wut Jahves, wenn durch das Feuer seines Grimms die ganze Erde gefressen wird (Zeph. 118. 38).

Während bei Amos nur einzelne Völker und Städte genannt werden, gegen die Jahve sein Feuer losläßt, während bei Jesaja nur der Gedanke als populär nachweisbar war, daß Jahve seine Feinde d. h. Assur durch Feuer und brennenden Schwefel vernichten werde, so haben wir hier bei Zephanja klar und deutlich die Idee eines Weltbrandes. Da es allgemein zugestanden ist, daß dieser Prophet wenig originell ist, sondern fast durchaus in den Bahnen Jesajas wandelt, so überrascht die genannte Anschauung bei ihm um so mehr, als sie bei Jesaja fehlt. Woher stammt sie? Ist es wahrscheinlich, daß sie dem unschöpferischen, phantasielosen Geist des Zephanja entsprungen sei? Man sollte dann wenigstens erwarten, die ungeheuerliche, zum ersten Mal ausgesprochene Drohung über alle Völker von Äthiopien bis nach Assur, über die ganze Welt sei hinreichend motiviert und begründet. Zephanja aber »redet von keinem positiven Zweck, den das Gericht über die Heiden hätte« (SMEND S. 243). Grade das unvermittelte, abrupte Auftreten dieser Idee beweist, daß sie für Zephanja selbstverständlich, daß sie also von ihm nicht geschaffen, sondern übernommen ist. Da sie sich bei den älteren Propheten nicht findet, so muß sie der Volkstradition entlehnt sein. Dazu stimmt auch der Vers, mit dem Zephanja sein Buch eröffnet: Fortraffen will ich alles von der Erde, spricht Jahve, fortraffen will ich Menschen und Vich, fortraffen die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres. Dieser letzte Zug von der Ausrottung der Tiere wird durch die grausige Wut Jahves allein nicht genügend erklärt. Wie reimt er sich mit der Ansicht, die Propheten hätten ihrem Volke den Sittenspiegel vorgehalten? Wie reimt er sich ferner mit der Behauptung, Zephanjas Predigt sei durch den Skythensturm veranlaßt? Wäre die Schilderung des Propheten im Blick auf diese Feinde entstanden, so wäre sie ein völliges Rätsel. Denn man begriffe weder, warum er von Jahves persönlichem Einschreiten statt von den Skythen redet, noch warum er die ganze Erde und sogar das unvernünftige Vieh nennt, die in ihrer Gesamtheit von Menschen überhaupt nicht zu Grunde gerichtet werden können. Alles wird verständlich, sobald man sich zu der Lösung entschließt, er habe ältere Weissagungen vor sich gehabt, die ursprünglich von einer Naturkatastrophe handelten und die von dem Propheten erst künstlich umgedeutet werden mußten. Diese populäre Anschauung, die zur Zeit des Zephanja belegbar ist, die ihrer ganzen mythischen Art nach aber in viel frühere Jahrhunderte zurückreichen muß, lehrte einen Untergang der ganzen Erde, der Menschen und der Tiere durch ein gewaltiges Feuer Jahves. Die Propheten jedoch wandten ihr Augenmerk vor allem auf Israel und Juda und schoben für die mythischen Schrecken Jahves die historischen Feinde Israels ein. Wenn Ezechiel und die Juden ein Weltende erwarten ähnlich wie Zephanja, so ist damit konstatiert, daß in der späteren, nachexilischen Zeit die ältere, vorprophetische Vorstellung wieder auftaucht. Durch diese Ausführungen soll ein zweites Dogma über die Eschatologie umgestoßen werden, das fast allgemein anerkannt und von BÖKLEN einmal so formuliert ist: »Die spezielle Idee eines Weltgerichtes, also nicht bloß eines Gerichtes über Israel und seine Feinde, sondern über alle Menschen, die Völker wie die einzelnen Individuen ... diese Idee ist allerdings nicht so alt wie die Gerichtsvorstellung überhaupt, sondern erst nach dem Exil nachzuweisen. Die ersten Spuren finden sich bei Joel, Jes. 24–27 und im Buche Daniel« (S. 116). Nur GUNKEL hat den Sachverhalt im Wesentlichen richtig angedeutet (Forschungen I, S. 21 f.).

dem vorliegenden Bericht Jahve sich ebenso im Vulkan wie im Gewitter und Erdbeben offenbart hat.

1. Lies quos's WELLHAUSEN. Forschungen zur Rel. n. Lit. d. A. u. NT. 6.

Eine merkwürdige Beschreibung Jahves entwirft Ezechiel. Oberhalb der Hüften sieht die Gottheit aus wie Glanzerz?, unterhalb wie Feuer und Lichtschein (Ez. 1 27). Aus diesen Worten dürfte das Eine zweifellos hervorgehen, daß Jahve dadurch als Feuer- oder Lichtgott charakterisiert werden soll. Ebenso sicher ist, daß der Prophet dieses Bild nicht aus der Luft gegriffen hat, sondern wohl durch die Anschauung eines Kultbildes dazu angeregt worden ist, sowie die im selben Kapitel gezeichneten Kerube nicht auf bloßer Phantasie beruhen. Auch wer eine Vision anzunehmen geneigt ist, muß zugeben, daß selbst in der Ekstase der Geist sich nicht frei machen kann von den Anschauungsformen, die sich ihm im Leben und wachen Zustande eingeprägt haben, zumal zum Mindesten eine »schriftstellernde Reflexion« Ezechiels wahrscheinlich ist. Zwei Fragen tauchen auf und heischen gebieterisch Antwort: Wie mag das Kultbild ausgesehen haben, das Ezechiel seiner Manier entsprechend in so wenig plastischer Weise schildert? Und woher hatte er es? Wenn die Exegeten meinen, die untere Hälfte strable in schwächerem Lichte, »weil sie schicklicher Weise von einem

1. wie Feuer das ringsum ein Gehäuse (na) hat, ist mit vielen Exegeten zu streichen. 2. Vgl. u. § 12.

den Leib umwallenden Gewande umhüllt war« (KRAETZSCHMAR), so glaube ich eher das Gegenteil. Denn erstens kann ich mir nichts Helleres denken als Licht und Feuer, zweitens ist im Text von einem Kleid keine Rede, es kann auch schwerlich vorausgesetzt sein, da Licht und Feuer durch ein Gewand hindurch nicht wahrgenommen werden können. Stellt man sich vor, die Gestalt sei nackt gewesen, so erhebt sich die Schwierigkeit, wie der untere Teil des Körpers als feurig kenntlich gemacht sein soll, im Gegensatz zu dem oberen, der wie Glanzerz scheint. Die einfachste Lösung ist doch wohl die, daß der Oberkörper in Farben gemalt war, die wie Edelmetall erstrahlten, die Gestalt von den Hüften an aber direkt aus Feuerflammen herauswuchs.

Die Verinutung, der Prophet habe bei seiner Schilderung ein Jahvebild vor Augen gehabt, ist a limine abzuweisen, da ein solches, wenn es je existiert hat, zu seiner Zeit längst als Scheusal verpönt war. Also bleibt nur die Möglichkeit der Anlehnung an ein babylonisches Kultbild, wie man eine solche auch bei den Keruben und wie man babylonischen Ursprung ebenso vom Schreiberengel (GUNKEL) behauptet hat. In diesem Falle ist der Grund von höchstem Interesse, warum Ezechiel unter all den vielen Bildern babylonischer Götter grade dies für Jahve ausgesucht und als passend für ihn erachtet hat. Bewogen haben kann ihn kaum der Glaube, daß Jabve seinem Grundcharakter nach ein Feuergott sei, da das schwerlich seinem und dem damaligen religiösen Bewußtsein überhaupt entsprach, wenn auch diese antike Anschauung in archaistischen Wendungen und poetischen Schilderungen fortlebte. Zutreffender wird es sein, Jahve hier als Lichtgott aufzufassen, zumal sich über ihm der Regenbogen wölbt (1 28). Fragen wir noch genauer, welche spezielle Gottheit das Prototyp des ezechielischen Jahve gewesen sei, so liegt es am nächsten an Nergal, den Totengott, zu denken, der öfter als Gott des Feuers mit glühendem Munde (IV R. 2454a) bezeichnet wird und als dessen Bilder mit großer Wahrscheinlichkeit die in den Torlaibungen aufgestellten geflügelten Löwenkolosse mit Menschenantlitz zu betrachten sind, eben sie, von denen Ezechiel wohl die Farben für seine Kerubgestalten entlehnt hat.

Als Gott des Lichtes erscheint Jahve erst in verhältnis

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