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mäßig später Zeit (vgl. Jes. 25. 10 17. 6019f. Ex. 34 29ff.1 Mch. 78. Ps. 271. 3610), die ältere Zeit sah seine Offenbarung im Feuer, nicht nur des Berges und unter der Erde, sondern auch im Brand der Städte (Am. 114. Jer. 1727. 4312. 4927 u. a.) und der Wälder. Ich zünde ein Feuer an, spricht Jahve, in ihrem Walde, das verzehrt alle ihre Umgebungen (Jer. 21 14). In einer Allegorie erzählt Ezechiel: Und das Wort Jahves kam zu mir folgendermaßen: Menschensohn! Richte dein Antlitz gen Süden und predige wider Mittag und weissage wider den Wald des Südlandes und sprich zum Walde des Südlandes: Höre das Wort Jahves! Also hat der Herr Jahve gesprochen: Fürwahr, ich zünde ein Feuer in dir an, und es wird fressen in dir jeden frischen Baum und jeden dürren Baum. Nicht wird verlöschen die Flammenlohe

Und alles Fleisch soll sehen, daß ich, Jahve, sie entzündet habe, die unverlöschliche (Ez. 211—4).

Auch Zach. 11 iff. ist ein kleines, für sich stehendes Gedicht: öffne, Libanon, deine Tore, daß Feuer fresse deine Zedern! Jammere Zypresse, denn die Zeder ist gefallen, die ein Majestätischer verwüstet. Jammert, ihr Basanseichen, denn gefallen ist der unzugängliche Wald! Hör, die Hirten jammern, weil ....3 verwüstet ist; hör, die Löwen brüllen, weil die Pracht des Jordans verwüstet ist. Diese Worte, die einen Brand des Libanonwaldes und überhaupt aller reich bewaldeten Gegenden Palästinas durch ein Feuer Jahves, des Majestätischen, voraussetzen, können mit dem Vorhergehenden nicht in Einklang gebracht werden, da 10 10 gesagt wird, daß die Israeliten heimkehren sollen in das Land Gilead und Libanon. Das wäre nach dem Verbrennen der Zedern schwer möglich. Gewöhnlich faßt man die Bäume als ein Bild für die Feinde auf und verbindet so diese Verse mit den vorangegangenen: »Dem Triumphe der Israeliten entspricht das Wehgeschrei der heidnischen Könige und Völker über ihre Niederlage« (WELLHAUSEN). Aber diese Auslegung ist sehr fraglich, da eine ganz ähnliche Stelle notwendig auf Juda bezogen werden muß: Hör, die Hirten schreien und die Vorsteher der Herde heulen, weil Jahve ihre Weide verwüstet hat und die friedlichen Auen vor der Zornglut Jahves vernichtet sind (Jer. 2536f.). Wie aus dem Zusammenhange hervorgeht, wird ein gewaltiger Sturm Jahves über die palästinischen Triften und sogar über die ganze Welt einherbrausen und alles zu Grunde richten. Eine dritte, ebenfalls etwas abweichende Parallele bietet Jes. 10 33f.: Siehe, der Herr, Jahve der Heere, entästet die Krone durch ein Beils, und die hochragenden (Bäume) sind gefällt und die hohen sinken nieder. Niedergehauen werden die Walddickichte mit dem Eisen und der Libanon (wald) fällt durch einen Majestätischen. Auch hier deutet man den Libanonwald ohne zwingenden Grund um auf das vor Jerusalem rückende Assyrerheer. Daß der Prophet die Bilder nicht wörtlich gemeint hat, ist wohl mit Recht anzunehmen, aber was er sich dabei gedacht hat, können wir heute nicht mehr entscheiden, da er seiner Allegorie keine Auslegung beigefügt hat. Immerhin liegt es am nächsten, diesen geographischen Namen Palästinas auch palästinische Personen oder Verhältnisse unterzuschieben. Uns interessiert in dieser Untersuchung nur das Bild als solches, das in sich vollkommen klar ist und zum Verständnis keiner anderweitigen Interpretation bedarf. Alle drei Beispiele lebren uns, daß man eine eschatologische Verwüstung der Wälder und Auen durch einen Majestätischen, durch Jahve, erwartete. Diese Idee verwirklicht sich nach den verschiedenen Anschauungen bald durch ein Feuer bald durch einen Sturm bald durch eine Axt Jahves.

1. Über Ex. 34 29ff. vgl. u. § 13 Genaueres.
2. Ich lese rum *** non nach Jes. 1034. Jer. 2536.

3. fnnt ist verderbt (WELLHAUSEN). Man erwartet einen Landschaftsnamen.

Endlich ist noch Jes. 10 16ff. zu nennen, wo das Bild vom Waldfeuer Jahves in wenig plastischer Weise verschmolzen ist mit einem anderen, das etwa von dem langsam den Menschen verzehrenden Glutfieber hergenommen ist: Darum entsendet der Herr, Jahve der Heere, in sein Fett die Darre, und unter seiner Leber entbrennt ein Brand wie Feuerbrand, und es wird sein, wie wenn ein Siecher dahinsiecht. Und das Licht Israels wird zum Feuer und sein Heiliger zur Flammen und sie verbrennt und frißt seine Dornen und Disteln an einem Tage. Und seinen mächtigen Wald und sein Fruchtland vertilgt er völlig. Und der

1. 14993 (DUHM). Vielleicht ist risnya (= Erdbeben oder Sturm) zu halten; vgl. Jes. 219. 21.

2. Lies jaar und stelle V. 18 bum (nach einer schriftlichen Mitteilung GUNKELS).

Rest seiner Waldbäume wird gering sein und ein Knabe schriebe sie auf. Man wird nach alledem nicht leugnen können, daß der Israelit auch im Waldbrand eine Offenbarung Jahves sah.

Vielleicht wird man dem gegenüber auf den Baumkultus aufmerksam machen und es für schwierig halten, daß nach dem Glauben des Volkes Bäume Jahves (Ps. 10416) durch die Gottheit selbst angezündet werden. In der Tat gab es heilige Bäume. Genannt werden vor allem Eichen und Terebinthen (ib, 158, 38 Gen. 126. 181. 354. 8. Jdc. 611. 987), daneben Tamarisken (box Gen. 2133. I Sam. 226. 31 13), Palmen (noin Jdc. 45), Bakasträucher (R3 II Sam. 524) und die göttlichen Zedern (

357 Ps. 8011). Ebenso galten ganze Waldungen als heilig wie der »Hain von Mamre«, und vielleicht auch Karmel, Libanon und Basan. Zu beachten ist aber, wie allgemein zugestanden wird, daß die einwandernden Hebräer eine Reihe heiliger Bäume von den Kanaanitern übernommen und von einem anderen Gott auf Jahve übertragen haben. Namen altkanaanitischer Baumgottheiten erfahren wir nicht mehr. Sie sind vollständig durch Jahve verdrängt und wohl für immer verschollen. Aus den Genesiserzählungen kann

nur rückschließend vermutet werden, daß sie einst eine große Rolle gespielt haben müssen. Die Identifikation Jahves mit den überlieferten Baumgöttern ist natürlich nicht mit einem Male, sondern allmählich im Laufe der Zeit und vielleicht nicht in allen Kreisen des Volkes zugleich, sondern nur in einem Teile vor sich gegangen.

So konnte sich wohl die Vorstellung bilden, daß Jahve die göttlichen Zedern in Brand steckt, zu einer Zeit, wo diese Bäume noch nicht sein Attribut geworden waren. Vielleicht auch sollte durch diese Tatsache der Gedanke zum Ausdruck gebracht werden, daß Jahve in seinem gewaltigen Grimm nichts Heiliges kennt. Wenn er zürnt, schont er nicht einmal sein Eigentum. So wenig Israel, sein Erstgeborener, dem grausigen und verderblichen Wüten seines Gottes entgehen kann, so wenig entrinnen die Bäume, und wären es selbst heilige Zedern, der allgemeinen Vernichtung. Jedenfalls lernen wir aus diesen Anschauungen die volkstümliche Religion kennen. Wenn eine imposante Feuersbrunst entstand, sei es im Walde, sei es wo anders, so sagte man: das hat Jahve getan in seinem Zorn. Voraussetzung ist natürlich, daß man die wirkliche Ursache nicht wußte.

Jahve war schon Baumgott, ehe er nach Palästina kam. Sein heiliger Strauch war der Dornbusch. Nach Dtn. 3316 wohnte Jahve im Dornbusch, und nach Ex. 32 erlebte Mose eine Jahvetheophanie in einer Feuerflamme, die aus dem Dornbusch hervorschlug, ohne ihn zu verzehren. Bei der Singularität dieser Idee, die nur noch als unverstandenes Überbleibsel dunkel in die Erinnerung hineinragt, können wir eine sichere Erklärung nicht ausmachen. Das Folgende kann darum nur den Anspruch erheben, ein Versuch zu sein. Es ist längst bemerkt und von WELLHAUSEN wieder aufs neue betont worden, daß die Namen des Berges (290) und des Dornbusches (1730) im letzten Grunde identisch sind, mit anderen Worten, daß der Sinai »der mit Dornen Bewachsene« heißt. Trifft das zu, so wäre der Dornbusch dem Jahve deshalb geweiht gewesen, weil er auf dem Berge steht, wo die Gottheit wohnt, genau so wie die Preißelbeere der Vulkangöttin Pele heilig ist, weil sie für ihren Berg, den Kilaueagipfel Hawaiis, charakteristisch ist (MEYER S. 55). Diese einfache Lösung des Rätsels würde nur dann unmöglich sein, wenn die Voraussetzung nicht richtig ist, wenn 730 und wo ursprünglich nichts mit einander zu tun haben, sondern nur durch die Volksetymologie miteinander verbunden sind. An sich wäre ebenso gut denkbar, daß 0 »der. Berg des (babylonischen) Mondgottes Sin« bedeutet (vgl. jaa mit dem Gotte Nabu). Dann müßte der Dornbusch auf anderem Wege zum Attribut Jahves geworden sein. GRILL (Die Erzväter. 1875. S. 181 ff.) hat nachzuweisen gesucht, daß dieser Strauch das Bild des himmlischen Feuers gewesen sei. Es braucht nicht gerade das himmlische, sondern kann überhaupt das Feuer sein, das durch den Dorn symbolisiert wird. Denn die leichte Entzündbarkeit ist in der Tat das spezifische Charakteristikum dieses Stachelgewächses, wie aus vielen Beispielen hervorgeht, in denen es das schnelle Umsichgreifen der Feuerlohe veranschaulicht (Ex. 225. Jdc. 9 16.1 Jes. 917. 1017. 274. 33 12. Ps. 118 12).

1. In dieser köstlichen Parabel wird der Dornbusch mit feiner Ironie verächtlich gemacht. Welche Frucht hat dieser Wüstenstrauch aufzuweisen, die Götter und Menschen erfreut? Kann er sich messen mit dem Ölbaum, der Feige und dem Weinstock? Wohl lädt er die

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So war es vor allem geeignet, das Attribut Jahves, des Feuergottes, zu werden 1.

Endlich bedarf noch die Tatsache der Erklärung, warum der Busch in der Sinaitheophanie nicht verbrennt. NIELSEN (S. 134 f.), meint, Ex. 32 schildere das Räucheropfer einer dornigen Pflanze aus der Kassia-Art (1730), die in Lederkapseln gewickelt sei. »Leder verbrennt bekanntlich sehr langsam«. Aber unser Bericht erzählt weder von einem Räucheropfer noch vom Leder noch vom langsamen Verbrennen. Wir werden diesen am besten verstehen, wenn wir analoge Geschichten heranziehen. »Dieselbe Erscheinung wurde nach JULIUS AFRIKANUS und EUSTHATIUS3 bei der Terebinthe zu Mamre gesehen. Der ganze Baum schien in Flammen zu stehen, sobald aber das Feuer verschwand, stand er wiederum unversehrt da« 4. > Ebenso glaubte man, daß auf den Zweigen, des heiligen Ölbaumes zwischen den ambrosischen Felsen bei Tyrus Feuer erscheine, ohne ihr Laub zu versengen«5. ROBERTSON SMITH hält wohl mit Recht elektrische Phänomene für die physikalische Grundlage dieser Vorstellungen.

Um das Bild von Jahve als dem Feuergott vollständig zu gestalten, ist endlich noch hinzuzufügen, daß er auch im Opfer

Untertanen ein, sich in seinem Schatten zu bergen, aber seit wann werfen Dornen einen Schatten, seit wann bieten sie schützende Zuflucht vor Sonnenglut und Wetterguß? Und wie lächerlich! Die hohe Zeder unter den dürftigen Zweigen dieses niedrigen Busches! dessen, der nichts weiter kann, als ein Feuer entzünden, um die wundervollen und stattlichen Bäume zu verbrennen, die unsere ganze Freude sind. Aber freilich grade darum ist er vorzüglich geeignet, den König zu spielen. Wozu sich kein anständiger Baum hergibt, weil seine Früchte ihm kostbarer dünken als das Schweben über den Anderen, dazu ist dieser Wüstenstrauch grade gut genug. Denn nur solche Lumpe werden König! Die Parabel paßt ausgezeichnet in den überlieferten Zusammenhang. Jotham verhöhnt den Abimelech, der sich zum König krönen läßt und die Sichemiten, die seiner wert sind!

1. Beachtenswert ist, daß das arabische Äquivalent für no Lin nicht nur die »Sennapflanze«, sondern auch den »Glanz« des Blitzes bedeutet (z. B. KAMIL 534, 14).

2. GEORGIUS SYNCELLUS ed. Bonn. S. 202.
3. RELAND: Antiq. hebr. S. 712. 4. ROB. SMITH: Rel. S. 148.

5. Ebd. S. 147 f. SMITH verweist auf Achilles Tatius II 14; Nonnus 40, 474; die Abbildung bei PIETSCHMANN: Die Phönizier S. 295.

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