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niterkriegen von entscheidender Bedeutung: Tue ihnen wie Midian, wie Sisera, wie Jabin am Bache Kison. Sie wurden vertilgt bei Endor, wurden Dünger für das Feld. Mache ihre Edlen wie Oreb und Seeb und wie Seba und Zalmuna alle ihre Fürsten

Mein Gott, mach sie wie Wirbelstaub, wie Stoppeln vor dem Winde. Wie Feuer, das den Wald anzündet, wie die Flamme, die Berge verbrennt, so verfolge du sie mit deinem Sturmwind und schrecke sie mit deiner Windsbraut. Dem Dichter dieses Psalmes haben noch mythologischer gefärbte Berichte vorgelegen, als sie uns im Alten Testamente – abgesehen von Jdc: 5 – aufbewahrt sind (vgl. Jos. 11. Jdc. 4f. 7f.), Berichte, in denen ein machtvolles Eingreifen Jahves zu Gunsten seines Volkes erzählt und wohl eine verheerende Überflutung des durch Gewittersturm geschwollenen Kisonbaches geschildert wurde.

In dem hochmythologischen Psalm Hab. c. 3 lesen wir, wie Jahve von Teman und vom Gebirge Parans her (33) seinem Gesalbten zu Hülfe eilt, um dessen Feinde zu zerschmettern. Dabei wird beschrieben, wie er zu diesem Zweck über die Wasser stürmt. Als er seine Rosse über das Meer trieb, schäumten die Wogen (315) und die Tiefe brüllte (310). Fast scheint es, als sei der Gott auf die Fluten ergrimmt, als richte sich gegen die Fluten sein Zorn, da er darauf herfährt mit seinem siegreichen Wagen (38). Und doch, »wenn Jahve von Paran her nach Palästina zum Gerichte kommt, berührt er das Meer nicht (GUNKEL: Schöpfung S. 105). In dieser Theophanie sind typische Züge verwandt, ohne Rücksicht auf die Geographie; sie stammen so, wie sie hier vorliegen, aus dem tehôm-Mythus. Dort sind sie eingedrungen und haben sein Kolorit spezifisch palästinisch gefärbt. Mit dem genannten Mythus verbunden, sind sie dann in die Endzeit übertragen. Ursprünglich sind sie zwar der Naturanschauung der Gegenwart entnommen, vergröbert und vergrößert worden, um in die kosmischen Verhältnisse hineinzupassen. Aber die Farben zu diesem Bilde hat trotz der (edomitischen !) Ortsnamen schwerlich Palästina geliefert, da hier die Sturmflut des Meeres geschildert wird.

Die einherflutende Geißel, unter der wir vielleicht Jes. 1026 den Kisonbach verstehen müssen, begegnet uns noch einmal Jes. 2815 in Verbindung mit einer anderen Gegend. Und wegfegen

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wird der Hagel die Zuflucht und Wasser das Versteck fortschwemmen .

Wenn die flutende Geißel daherfährt, sollt ihr von ihr vernichtet werden Denn zu kurz ist das Bett sich zu strecken, und die Decke zu schmal für das Einhüllen. Denn wie zu Har Perazim wird aufstehen Jahve, wie im Gibeonstal toben, zu tun seine Tat fremd seine Tat, und zu wirken sein Werk,

wildfremd sein Werk (Jes. 2817). Der Prophet verkündet hier einen Gewittersturm, durch dessen Regensturz der Fluß anschwillt, sodaß sein Bett zu kurz wird sich zu strecken und seine Decke zu schmal für das Einhüllen, wie es einst in der Davidzeit geschah. Nach II Sam. 524 war Jahve damals im Sturm durch die Wipfel der Bakasträucher gerauscht, um vor dem Heere auszuziehen und eine Niederlage unter den Philistern anzurichten. Aus unserer Stelle entnehmen wir, daß er durch eine Überschwemmung die Vernichtung der Feinde bewirkte. Eine Erinnerung daran hat II Sam. 520 bewahrt, wenn dort Baal Perazim (= Har Perazim) erklärt wird durch den Satz: Jahve hat meine Feinde vor mir her durchbrochen wie bei einem Wasserdurchbruch. Der Ort ist heute unbekannt. Vielleicht ist an den wâdi -şarâr zu denken (GUTHE), dessen Fortsetzung der tiefe, mit Binsen und Rohrpflanzen umrahmte nahr rûbîn bildet.

Wenn Jesaja an dieser Stelle einen Untergang Jerusalems durch einen göttlichen Gewitterregen erwartet, so ist diese Vorstellung der populären Mythologie entlehnt. Denn es ist von der höchsten Wichtigkeit und von rätselhafter Auffälligkeit, obwohl es noch kein Exeget betont hat, daß in diesem ganzen

Abschnitt (2814—22) mit keinem Wort an die Assyrer erinnert wird. Der Einzige, der handelt, ist Jahve. Sein wildfremdes Werk ist das Thema der Rede. Die Verse erzählen nur von dem Tun Jahves und daher enthalten sie einen Mythus. Es ist ja wahrscheinlich, daß der Prophet geglaubt hat, Jahve werde »Untergang und Entscheidung« durch das alles überflutende Heer der Assyrer herbeiführen; beweisen läßt sich das nicht, da keine Anspielung, kein Wort darauf hindeutet. Was Jesaja schildert, ist eine durch Jahves Gewittersturm verursachte Über

1. Streiche 372 mit DUHM.
2. Das Bild vom Menschen ist auf den Fluß übertragen.

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schwemmung, und man begreift zunächst nicht, wie er dazu kam, wenn er die Assyrergefahr allein im Auge hatte. Die Form, in die er seine Weissagung kleidet, wird erst verständlich, sobald man sie für überliefert hält. Sie ist ihrer ganzen mythischen Art nach volkstümlichen Ursprungs. Wir konstatieren also, daß zur Zeit Jesajas in Israel die Meinung verbreitet war, eine künftige, eschatologische Flut werde die Vernichtung bringen. Da die Männer, gegen die der Prophet polemisiert, fest überzeugt sind, Jerusalem werde von ihr verschont bleiben, so folgt daraus, daß es sich um eine Weltflut, um eine Sintflut handelt. Denn sie können unmöglich erwartet haben, daß ein beliebig kleiner Bach ein winziges Stück Palästinas unter Wasser setzen und Jerusalem unbehelligt lassen werde, weil es einige Meter höher lag. Damit ist eine eschatologische Sintflutidee ausdrücklich als populär erwiesen. Die Farben, mit denen die kommende Katastrophe gemalt war, sind spezifisch palästinisch. Wir sehen auch hier wieder, daß die Eschatologie älter ist als die Prophetie, daß diese von jener lebt, und nicht umgekehrt, wie es — mit Ausnahme GUNKELS die allgemein wissenschaftlich anerkannte Theorie lehrt. Jesaja unterscheidet sich von dem Volksglauben nur dadurch, daß er im Gegensatz zu ihm betont, auch Jerusalem wird der Hagel wegfegen und das Wasser fortschwemmen. Den Sinn dieser Stelle versteht man nur dann, wenn man sie zunächst wörtlich auffaßt und nicht allegorisiert, wie es die Exegeten tun. Hinter dem Wortsinn schlummert allerdings das prophetische Geheimnis, das eine halbwegs politische Erfüllung der in den Naturschleier gehüllten Weissagung ahnen läßt.

Ganz anders ist es Jes. 282, wo das Recht zur Allegorese durch den vom Propheten selbst gekennzeichneten Vergleich gegeben ist: Siehe, einen Mächtigen und Starken hat der Herr, wie Hagelwetterguß und Seuchensturm, wie Wetterguß gewaltiger, überflutender Wasser, der niederstreckt zur Erde mit der Hand. Hier sind Hagel, Regen, Sturm und Überschwemmung nur Bilder für das Assyrerheer. Ebenso ist es Jes. 1712ff.: Ha, ein Brausen vieler Völker, die wie das Brausen des Meeres brausen, und Tosen starker1 Nationen, die wie das Tosen vieler

1. Die Stellung dieses Wortes mit den LXX. Forschungen zur Rel. u. Lit. d. A. n. NT. 6.

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Wasser tosen1. Er bedroht es, daß es flieht in die Weite und zerstreut wird wie Spreu der Berge vor dem Winde und wie Wirbelstaub vor der Windsbraut. Zur Zeit des Abends: siehe da, Schrecken, bevor der Morgen kommt, ist es dahin. Das ist das Teil unserer Plünderer und das Los unserer Räuber. Diese Stelle erinnert an die vorhergehenden, da auch hier Völker verglichen werden mit dem überschwemmenden Meere, obwohl der Unterschied nicht zu verkennen ist. Während sonst Jahve hinter Assur steht und ihn zum Gewittersturm für Israel macht, so vertreibt er hier umgekehrt die Völker und verjagt die Wasser.

Wie sind diese Bilder, die von einer Naturerscheinung auf Menschen übertragen sind, zu erklären? Es würde an sich, wenn wir nur diese Bilder hätten, durchaus genügen, eine dichterische Konzeption der Propheten anzunehmen. Aber wir waren oben zu konstatieren gezwungen, daß es sich in Jes. 28 14ff. nicht um eine Allegorie, sondern um die Beschreibung einer wirklichen, in Zukunft eintretenden Flut mythischer Art handelt

, wie sie nach dem Volksglauben erwartet wurde.

Wenn uns hier dieselbe Vorstellung begegnet, in das Gewand des dichterischen Vergleiches gehüllt, so muß für diese bildliche Anschauung späterer Ursprung vermutet werden, zumal sie so ganz in den prophetischen Gedankenkreis hineinpaßt. Dazu stimmt die geschichtliche Entwicklung der Eschatologie überhaupt, soweit wir sie bis jetzt kennen gelernt haben. Wir sahen, daß in vorprophetischer Zeit eine feste, jedermann geläufige Theorie bestand, die Welt werde untergehen durch Erdbeben, Sturm, Feuer oder Flut Jahves. Die Propheten betonten vor allem, daß Israel durch Jahve zu Grunde gehen solle, während das Volk an eine Rettung glaubte. Aber an die Stelle der mythischen Schrecken Jahves schiebt sich durch die Prophetie mehr und mehr die durch Jahve veranlaßte historische Assyrergefahr, und – daraus erkennt man das gewaltige sittliche Pathos der Propheten die »wildfremde Tat«, daß sie Jahve selbst an der Spitze fremder Nationen gegen sein eigenes Volk zu Felde ziehen lassen. Von jetzt an beginnt die in den prophetischen Büchern ständige Inkonzinnität zwischen den mythischen und historischen Ideen. Jahves Vernichtung kommt durch

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1. Der folgende Satz ist Glosse (DUHM, GUNKEL).

eine Flut, sagte das Volk. Jahves Vernichtung kommt durch die Assyrer, sagten die Propheten. Was lag näher als beide Ideen miteinander auszugleichen: Jahves Vernichtung kommt durch die Assyrer wie durch eine Flut. Denselben Vorgang haben wir schon oben bei dem mythischen Motiv des Jahveorkans nachgewiesen (S. 21), ohne freilich in die Tiefe zu dringen, und wir werden noch einmal darauf eingehen müssen.

Ist die Entwicklung richtig gezeichnet, so können wir aus Jes. 1712ff. eine Bestätigung für unsere Exegese von Jes. 2814ff. entnehmen, daß viele Wasser, ein Meer, eine Sintflut die Erde überschwemmen, Jerusalem aber nicht vernichten werden. Endlich ist noch Jes. 549f. hierher zu ziehen, wo die Zeit des Exils mit den Tagen Noahs verglichen wird. Das tertium comparationis ist der neue Bund, der damals nach der Sintflut und jetzt nach dem Exil zwischen Gott und seinem Volke geschlossen wird. Es ist zunächst durchaus unbegreiflich, wozu es eines neuen Bundes bedarf. Genügt es nicht, wenn Jahve sagt, hinfort werde seine Gnade von Israel nicht mehr weichen? Die Idee des Bundes ist durch nichts motiviert, und darum ist auch die Parallele zwischen dem Exil und der Sintflut nicht leicht verständlich aus dem Geist des Schriftstellers, sondern nur aus der Umbiegung einer Tradition. Was hier als Bild erscheint, war einst als Realität gedacht. Die Katastrophe, die am Ende der Tage über die Erde kommen und sie wegspülen wird, ist eine Wiederholung der Sintflut. Die Katastrophe ist eingetreten, die Überschwemmung erfolgt nach prophetischer Anschauung durch die Assyrer, Chaldäer, durch das Exil. Von hier ist auch das merkwürdige Hin- und Herpendeln Jesajas zu erklären, der 17 12ff. der populären Idee beistimmt, 2814ff. ihr widerspricht. Dort wird Jerusalem vor den Wassern gerettet, hier wird es hinweggespült. Es genügt nicht, an die kaleidoskopartig wechselnde politische Situation zu erinnern, es genügt nicht, auf die dem beständigen Schwanken unterworfene Psyche des Propheten hinzuweisen, man muß daneben eine Theorie statuieren, und diese ergibt sich von selbst, wenn man die Parallele der Sintflut sich deutlich macht. Wie damals nur Ein Frommer nebst seiner Familie gerettet wurde, so sollen auch beim Endgericht nur

nur ein »Rest« (vgl. § 21), dem göttlichen Zorn entrinnen. Daß die Israeliten sich selbst unter die > Wenigen«

Wenige,

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