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und Plagen überhaupt Kinder des Todes (vgl. Hos. 1314). Sicher poetisch sind Verse wie Jes. 149, wo Šeol dem Könige Babels zur Begrüßung entgegenstürmt, die Schatten rings um sich her aufstört und die Könige von ihren Thronen treibt, oder Jer. 920, wo der Tod einem Diebe gleich in die Fenster steigt, um die Einwohner zu morden. Weil Jahve kein Totengott im eigentlichen Sinne des Wortes ist, darum spielen die mythischen Anschauungen von Tod und Seol in der Eschatologie eine verhältnismäßig geringe Rolle.

g 12. Die Wohnung Jahves. FRIEDRICH BAETHGEN: Beiträge zur semitischen Religionsgeschichte. Berlin 1888. Gustav WESTPHAL: Die Vorstellungen von einer Wohnung Jahves (Inaugural-Dissertation). Marburg 1903.

Überall da, wo Jahve wohnte, d. h. sich als gegenwärtig offenbarte, errichtete man ihm Tempel und baute ihm Altäre. Alle Kultstätten Palästinas aufzuzählen, deren Namen uns überliefert sind, hat keinen Wert. Es sollen nur einzelne charakteristische Anschauungen herausgehoben werden, die für die Gottesvorstellung auch der Eschatologie von Bedeutung und die geeignet sind, die Idee des Gottesberges im Norden zu erläutern.

Jahve war von alters her ein ZeùS OQELOS, ein Baal der Berge. Beweisend für diese These sind nicht die Bamoth, die auf den Höhen gelegenen Heiligtümer, da sie einfach von den Kanaanitern auf die Israeliten übergingen, sondern die Namen verschiedener Berge, mit denen die Person Jahves aufs engste verknüpft ist. In der Tradition wird als ältester, uns unbekannter Berg der Sinai oder Horeb genannt. Mit ihm verbunden, vielleicht nicht nur in den Liedern, sondern auch in der Geographie, erscheinen das edomitische Gebirge von Paran (Jdc. 54. Hab. 38) und Seir (Dtn. 332. Jdc. 54).

Jdc. 54). Wohl begegnen ihre Namen hin und wieder in den Jahvetheophanien der späteren Zeit, aber sie sind nichts weiter als archaistische Überreste, halb verschollene Reminiszenzen aus einer früheren Epoche der israelitischen Religion. Ein klassischer Zeuge dafür ist die Eschatologie. Mögen Sinai, Horeb und andere edomitische Berge beiläufig einmal erwähnt werden: da wo eine für Israel wichtige Entscheidung Jahves in der Endzeit stattfindet, werden nicht sie, sondern ausschließlich palästinische Gegenden als die Stätten der Offenbarung bezeichnet?. Nur die Geschichtserzählungen haben uns eine einzige Ausnahme von dieser Regel übermittelt: Elia soll zum Heiligtum Jahves am Horeb gewallfahrtet sein. Für ihn, so scheint es, war Jahve nur dort zu finden, war er nur dort zu Hause und darum besuchte er ihn dort. Ganz verloren gegangen war also der Glaube an den ursprünglichen Wohnsitz Jahves außerhalb Palästinas nicht; in gewissen Kreisen mag er bis dahin immer lebendig gewesen sein, obwohl wir niemals etwas Näheres darüber erfahren. Für die große Masse des Volkes und auch für die folgenden schriftstellerischen Propheten war Jahve mit Israel nach Palästina gezogen, hatte dort sein Domizil aufgeschlagen und offenbarte sich dort von Zeit zu Zeit. Zum krassesten Ausdruck wird diese Idee I Sam. 2619 gebracht: Weil David aus Palästina vertrieben wird, darum hat er keinen Teil mehr an Jahves Eigentum, darum kann er fortan Jahve nicht mehr verehren, darum heißt es für ihn nur: Diene anderen Göttern! Der Syrer Naeman freilich weiß sich zu helfen: Er nimmt zwei Maultierlasten palästinischer Erde mit. Denn er will fernerhin keinen anderen Göttern mehr Brandopfer und Schlachtopfer bringen, sondern nur Jahve (II Reg. 517). So fühlt er sich durch ein magischreales Band mit dem Wohnsitz Jahves verknüpft.

1. Ähnliche Schilderungen finden sich auch im Ägyptischen; vgl. A. ERMAN: Die ägyptische Religion. Berlin 1905. S. 92.

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Wohl nur die wenigsten Israeliten haben eine so kleinliche Gottesanschauung gehabt. Mochte Jahve auch vornehmlich im Lande Kanaan sich offenbaren, so reichte seine Macht doch weit darüber hinaus (Mal. 15). Schon in alter Zeitläuft neben dieser Vorstellungsreihe eine andere her, die Jahve nicht auf Erden, sondern im Himmel wohnend denkt. Man muß sich vor zwei Fehlern hüten, die oft gemacht werden: einmal, die überlieferten Notizen mechanisch zu dogmatisieren und gewaltsam in ein System zu pressen. Der antike Mensch kennt das Bedürfnis nicht, das uns schon durch den Katechismusunterricht anerzogen ist, eine einzige klare und bestimmte Antwort auf die Fragen der religiösen Reflexion zu suchen. Zweitens darf man die Macht der Gewohnheit nicht unterschätzen, die in der sprachlichen Formel nachwirkt. Noch immer mochte man den Tempel eine » Wohnung des Gottes« nennen und war doch längst überzeugt, daß das im eigentlichen Sinne nicht richtig sei. Sicher gab es einmal eine Zeit, in der Jahve auf dem Sinai zu Hause war, und mit Gewißheit konnte man erwarten, ihn dort zu treffen. Aber wir haben gesehen, daß alle Nachrichten, die wir besitzen, Gott nicht mehr auf dem Berge selbst, geschweige denn in dem Berge, sondern in der Wolke über dem Berge suchen. Höchst wahrscheinlich handelt es sich hier um eine spätere Umdeutung; denn Wolken waren überall vorhanden und sind für den Sinai nicht charakteristisch. Die Wolke schwebt dort, weil der Berg heilig ist, und nicht

1. Über das Tal Abarim s. u. § 17.

2. STADE: Bibl. Theologie S. 104 weist die Behauptung GUNKELS, der Glaube an das Wohnen Jahves gehöre schon der ältesten Zeit an, zurück, weil sie »auf mangelhafter Literarkritik berube« (S. 104). Ich will weder auf die Literarkritik noch auf die gewaltsame Übersetzung STADES von bp07-ga (Gen. 1924) »aus der Wetterwolke« eingehen, sondern mich auf seine eigene positive Auffassung beschränken. Ez. 28 14. 16 ist von dem Götterberg im Norden die Rede, dessen Gipfel in die Wolken reicht. »Daraus erklärt sich, daß die Ezechiel erscheinende Wetterwolke von Norden herkommt 14. Damit ist eine positive Auskunft über den Verbleib Jahves nach Zerstörung Jerusalems gewonnen. So erklärt sich auch, daß sich beim Erscheinen Jahves der Himmel öffnet 11. Durch diesen Synkretismus ist Jahve in den Himmel hineingewachsen« (S. 290f. Ebenso v. Gall: Die Herrlichkeit Gottes S. 31: » Vielleicht hat gar die Wanderung Jahres zum Götterberg . die Brücke zur Vorstellung vom Wohnen Jahves im Himmel geboten«). Gegen diese Anschauung sprechen folgende Schwierigkeiten: Erstens ist es undenkbar, daß eine solche Idee wie die von der himmlischen Wohnung der Gottheit in historischer Zeit entstehe; sie ist ihrer Natur nach prähistorisch, weil sie mythisch ist. Zweitens ist es unmöglich, daß sie den Israeliten bis auf Ezechiel unbekannt gewesen sei; und wenn alle Nachrichten darüber fehlten, so müßten wir sie postulieren. Denn das historische Israel und zumal die Propheten standen nicht mehr auf einer primitiven, sondern auf einer hohen Religionsstufe, die undenkbar ist ohne den Glauben an eine himmlische Gottheit. Drittens ist die fetischistische Vorstellung, als babe Jahve bis zur Zerstörung im Tempel von Jerusalem gesessen, als unprophetisch abzulehnen. Das religionsgeschichtlich schwierige Problem, wie die Götter in den Himmel gekommen sind, ist also durch STADE seiner Lösung nicht näher gebracht.

umgekehrt! Folglich muß Jahve einmal am Sinai selbst gehaftet und auf ihm resp. in ihm gewohnt haben. Dies Beispiel ist äußerst instruktiv. Wenn es in der Entwicklung der Religion möglich gewesen ist, Jahve sogar von den Stätten loszulösen, die von Natur als gegebene Offenbarungsorte ausgezeichnet waren, um wie leichter mochte der Glaube an das Wohnen Jahves in Tempeln verschwinden, die erst von Menschenhand künstlich als Behausung der Gottheit geschaffen waren! So wenig Apollon ständig im delphischen Heiligtum weilte, so wenig gilt das Entsprechende für Jahve. Ab und an mochte er in sein irdisches Heim einkehren, um Orakel und Weisung zu erteilen, in Visionen oder Träumen sich zu offenbaren, für gewöhnlich aber war Jahve im Himmel. Nach dem Gesetze der Trägheit erhielten sich die alten Formeln, die einer vielleicht schon Jahrhunderte lang überwundenen Religionsstufe angehörten, sodaß es falsch wäre, aus ihnen Schlüsse zu ziehen über den Glauben der damaligen Zeit.

Selbst als Gott Palästinas hat Jahve seine Bergnatur nicht aufgegeben. In den Augen der Aramäer galt er noch zur Zeit A habs als ein Gott der Berge, der seinen Anhängern auf den Bergen den Sieg verleiht, in der Ebene aber ohnmächtig ist (I Reg. 2023). Seit der Eroberung Jerusalems durch David und seit seiner Erhebung zur Reichshauptstadt redete man mit Vorliebe von dem Berge Zion, dem niedrigsten Hügel (noch nicht 700 m hoch) im Gebiet des alten Jerusalem, den Jahve sich erwählt habe (Jes. 818. 187. Ps. 742. 7868 u. a.). Zion heißt gradezu der Berg Jahves (Jes. 23. Mch. 42), dort steht das Haus Jahves (Jer. 710ff. 23 11). Weil Jahve dort > wohnte«, glaubte das Volk, der Tempel könne nie zerstört werden, und in gewissen Kreisen ward dieser Glaube zum krassesten Aberglauben (Jer. 74). Im Gegensatz zu dieser Anschauung betont der Prophet, Zion solle grade deshalb als Feld gepflügt werden (Mch. 311f.). Als das Deuteronomium eingeführt und alle Kultstätten mit Ausnahme Jerusalems abgeschafft wurden, stieg die Bedeutung Zions ins Ungemessene. Von da an war es der einzig legitime Wohnort Jahves, obgleich der Berg schon in früherer Zeit ausgezeichnet und mit all den Ehrenprädikaten versehen war, die man zur Verfügung hatte.

Neben dem Zion, dessen besondere Heiligkeit durch die Geschichte begründet ist, galten auch die anderen hervorragenden Berge Palästinas, die von uralten Zeiten her um ihrer Naturbeschaffenheit willen eine Rolle in der kanaanitischen Religion spielten, als Berge Jahves. Der Tabor, auf dem jedenfalls eine Kultstätte lag, mag das mit Recht oder mit Unrecht aus Hos. 51 geschlossen sein, jauchzt nach des Psalmisten Wort über den Namen Jahves (Ps. 89 18).

Öfter wird der Karmel genannt und geschildert, wie sein dichtbelaubter Gipfel vor dem Širokko Jahves verdorrt (Am. 12. Jes. 339. 352). Aus I Reg. 18 erfahren wir, daß dort ein Altar Jahves stand, und das Gottesurteil auf dem Karmel scheint ursprünglich eine Kultlegende zu sein, die den Wohnsitz Jahves, der auf das Flehen seines Propheten Feuer vom Himmel herabsandte, dort begründet und rechtfertigt gegenüber dem ohnmächtigen Baal, im Anschluß an die historische Gestalt des großen Baalstreiters Elia. Noch zu Tacitus' Zeit (Hist. II 78) war dort ein Altar, und Jamblichus (vita Pyth. III 14 f.) bezeichnet den Berg, dessen Einsamkeit Pythagoras aufsuchte, als ein äßator, unzugänglich den profanen Menschen. Die Herden, die dort weiden, sind unverletzlich, der Flüchtling findet dort ein sicheres Asyl. Endlich begegnet der Karmel in einer Rede des Amos, die nicht ganz verständlich ist (91ff.). Der Prophet sah den Herrn am Altar stehen und hörte ihn reden: Schlage den Knauf, daß die Schwellen beben .... Und ihren letzten Rest will ich mit dem Schwerte würgen, nicht einer von ihnen soll entrinnen, kein einziger sich retten. Wenn sie in die Hölle durchbrechen, so langt sie von dort mein Arm, und wenn sie zum Himmel auffahren, so hole ich sie herab, und wenn sie sich auf dem Gipfel des Karmel verkriechen, so spüre ich sie dort auf und hole sie, und wenn sie sich vor meinem Blick verstecken im Meeresgrund, so befehle ich dort der Schlange sie zu beißen, und wenn sie von ihren Feinden getrieben in Gefangenschaft wandern, so befehle ich dort dem Schwerte, sie zu erwürgen; ich richte mein Auge auf sie zum Bösen, und nicht zum Guten. Die Szene scheint in dem Tempel von Bethel gedacht, der zur Strafe für die sündigen Israeliten umgestürzt wird (vgl. 314). Wer entflieht, den weiß der allmächtige Jahve überall zu treffen, mag man zum Himmel auffahren, in die Seol durchbrechen oder auf dem Meeresgrund sich verstecken. Neben

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