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Der Anteil des evangelischen Deutschland an dem Werke der Weltchristianisierung.

Bom Serausgeber. Das befannte Buch Sunderts: „Die evangelische Mission, ihre Länder, Völfer und Arbeiten“ schließt seine orientierende Uebersicht über den gegenwärtigen Stand des evangelischen Missionswerks mit den Worten: „Ein kleiner Anfang ist gemacht, die Erde ist noch sehr voll Nacht." Wenn man den Stand der Mission vor 100 (und zum Teil noch vor 50) Jahren mit dem von heute vergleicht, so ist allerdings ein großer Fortschritt zu konstatieren. Damals eine dem Evangelio Christi verschlossene, heute eine ihm geöffnete Welt. Damals eine im Rationalismus schlafende Christenheit, der die Mission als eine Thorheit erschien, heute ein mächtiger, alle Kirchenabteilungen durchwehender Missionsgeist. Damals ein selbst der Zahl nach dürftiges Fähnlein von unerfahrenen Missionaren, heute eine stattliche Armee von erprobten Glaubensboten, welche ein die Grenzen des Weltpostvereins weit überschreitendes Gebiet besetzt haben und als Kulturpioniere und Völfererzieher eine auch in den Augen der Welt geachtete Stellung einnehmen. Damals Gesamtbeiträge von jährlich kaum wenigen hunderttausend, heute eine Freiwilligkeitsleistung von über 50 Millionen Marf. Damals ein auch numerisch noch sehr kleiner Missionserfolg von einigen zehntausend þeidenchristen, heute bereits eine Schar von beinahe 3 Millionen, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt sich vermehrt wie ein Kapital, bei welchem Zins zu Zins geschlagen wird. Damals kaum hier und da eine vereinzelte selbständige heidenchristliche Gemeinde, heute tausende organisierter Gemeinden, die sich selbst erhalten und aus ihrer Mitte Lehrer und Prediger stellen, ja hier und da bereits werdende Volksfirchen! Das ist wahrlich eine göttliche legitimation des Missionsauftrags, daß er 1800 Jahre nach seiner Erteilung gleichsam aus dem Grabe aufsteht und eine weltgeschichtliche Bewegung in Scene segt, die unser Jahrhundert zu einem Missionsjahrhundert gemacht hat.

Aber noch fönnen wir lange nicht sagen, wie man am Ende der beiden ersten Missionsperioden sagen konnte: es ist geschehen, Herr, was du befohlen hast. Es ist mit der Einführung der nichtchristlichen Bölfer der Gegenwart in die Jüngerschaft Jesu erst der Anfang, ja

erst ein kleiner Anfang gemacht; die Hauptburgen des Heidentums sind faum belagert, noch lange nicht eingenommen. Von den ca. 1500 Millionen Menschen, welche die heutige Bevölkerung der Erde bilden, ist erst ein knappes Drittel dem Namen nach christlich, reichlich zwei Drittel bestehen noch aus Anhängern nichtchristlicher Religionen. Und wenn unter diesen 1006 Millionen Nichtchristen heute auch von den 2500 unverheirateten weiblichen Gehilfen abgesehen etwa 4500 ordinierte (und ca. 900 nichtordinierte) evangelische Missionare und neben ihnen mehr als 4200 ordinierte Mitarbeiter aus den Eingeborenen den Sendungsauftrag ausrichten – was ist das unter so viele? Es liegt noch ein großes Werk vor uns, und die heimatliche Christenheit muß noch sehr zunehmen in diesem Werke, wenn sie sich der Missionsaufgabe gewachsen zeigen will, die ihr Gott durch die mächtig fortschreitende Weltöffnung stellt.

Die Hauptmissionsleistung kommt zur Zeit auf die evangelische Christenheit englischer Zunge, die reichlich die Hälfte des Gesamtprotestantismus, der auf 155 Millionen berechnet wird, umfaßt. Großbritannien und Nordamerika stellen beinahe zu gleichen Teilen, das erstere mit einigem Uebergewicht, zusammen ca. 3150 ordinierte Missionare und bringen über 40 Millionen Mark Missionsbeiträge auf, *) eine Leistung, welche das prozentuale Verhältnis des englisch redenden Teils des Protestantismus zur Gesamtzahl der evangelischen Christenheit erheblich übersteigt. **) Es ist nicht bloß der größere Wohlstand, der intensivere überseeische Sinn und der ausgedehnte Kolonialbesit, der dieses Uebergewicht der englischen und nordamerikanischen Missionsthätigkeit über die Missionsleistungen der übrigen protestantischen Welt erklärt; ein regeres christliches öffentliches Leben und vielleicht die Vielgliedrigkeit des dortigen Protestantismus ist wesentlich mit daran beteiligt.

*) Genau läßt sich die Summe nicht feststellen, da weder die große britannischen noch die nordameritanischen Missionsgesellschaften eine reinliche Heibenmillionsstatistit liefern, sondern auch die Arbeit unter griechischen und römischen Katholiten, ja selbst unter andern protestantischen Kirchens abteilungen mit in dieselbe einbeziehen und für uns eine sichere Scheidung nicht überall möglich ist.

**) Selbstverständlich paßt dieses generalisierende Urteil nicht auf alle einzelnen Bezirke des Protestantismus englischer Zunge. Es giebt in Große britannien und Nordamerila weite Kreise, die wenig und selbst solche, die gar nichts für die Heidenmission leisten, wie umgekehrt es in der nichtenglischen Hälfte der evangelischen Christenheit Kreise giebt, die mehr prästieren als die englische Durchschnittsleistung. Es handelt sich hier nur um die Gegenüber. stedung der genannten beiden Teile des Protestantismus als ganzer.

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Der Prozentsatz der deutschen Missionsleistung entspricht leider bis heute weder der numerischen Stärke noch der geistigen Bedeutung der deutschen evangelischen Christenheit. Allerdings ist eine beträchtliche Steigung dieser Leistung im lezten Jahrzehnt eingetreten, wie die nach. folgende Vergleichung zeigt:

Missionare Einnahme þeidenchristen *) 1883:

517
2 707 218 M.

193 975
1894:

685
3 705 456

290 899
+ 168
998 238 M.

96 924 So erfreulich diese Steigung im Laufe von 11 Jahren ist, so bringt sie unsre Missionsleistung doch noch immer nicht auf den prozentualen Anteil, welcher dem evangelischen Deutschland an der Gesamtleistung des Protestantismus nach seiner Bevölkerungsziffer zufiele. Wir repräsentieren mit Einschluß der Schweiz über ein Fünftel der evangelischen Christenheit, bringen aber noch nicht den 13. Teil der Missionsbeiträge auf und stellen etwa den 7. Teil der Missionsarbeiter, die jelbständigen weiblichen Gehilfinnen außer Ansatz gelassen. Wir arbeiten weit billiger als die Engländer und Amerikaner, und unser Anteil an dem Missionserfolg ist im Verhältnis zu den aufgewendeten Mitteln größer als der ihrige. Es giebt auch in deutschen Landen, außer der Brüdergemeine, die sie alle übertrifft, missionslebendige Bezirke vornehmlich im Süden und im Westen, aber unsre Gesamtleistung wird namentlich durch die Mattheit des Missionssinns in weiten Kreisen Mittel-, Nordund Ostdeutschlands auf jenes niedrige Niveau herabgedrückt, welches noch nicht die uns zukommende Quote erreicht. Erst wenn die Zahl unsrer Missionare 900 übersteigt und unsre Missionsbeiträge 10 Millionen betragen, nehmen wir die uns zukommende Stelle in der protestantischen Welt ein. Wir haben also allen Grund uns anzustrengen, daß unsre Missionsleistungen wachsen.

Ein starker Antrieb zu solcher Anstrengung sollte auch der Kolonial. besig sein, den seit einem Jahrzehnt unser Vaterland überkommen hat. Die nationale Verpflichtung gegen die Eingebornen in unsern Schußgebieten und der durch die kolonialen Interessen gesteigerte überseeische Sinn kommt der evangelischen Mission unsres Vaterlandes noch lange

*) In dieser Zahl find die sogenannten „Anhänger", Katechumenen 2c. nicht mit eingerechnet. Sonst würde sie erheblich höher sein. Die deutsche Missionsstatistil giebt die Zahl der Getauften, allerdings mit Einschluß der Kinder. 'In 1890 betrug die Zahl der deutschen Missionare 606, die der Heidenchristen 246 903, die Einnahme 3391 485 M.

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