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gerufen worden. Auf das bestehende, vielfach aus älteren Zeiten stammende Ertragssteuerjystem, das sich aus einer Grund, Gebäude- und Erwerbs (Gewerbe-) Steuer zujammenjeßte, wurde als neues Reis eine Art partieller Einfünfte gepfropft, die alle bisher freigelassenen Einfünfte treffen sollte. Man hatte allgemein die Empfindung, daß das jo fonjequent ausgebaute Ertragssteuersystem den Anforderungen nicht entspreche. Die neue Einkommensteuer jollte nur provisorisch erhoben werden, da eine umfassende Refornt der direkten Besteuerung in Ausjicht genommen war. Bei diesem guten Vorjațze blieb es beinahe noch ein halbes Jahrhundert, bis die jüngste Reformepoche des legten Jahrzehntes des 19. Jahrhunderts die Gestaltung der direkten Besteuerung nach langen Kämpjen einen Schritt vorwärts gebracht hat. Das ganze Steuersystem franfte aber an den hohen, veralteten Realsteuern und heute noch ist dieser Zustand nicht völlig überwunden. Die Schwierigkeiten, mit denen die neue Personaleinfommensteuer vom 25. Oftober 1896 31 tämpfen hatte, lagen daher nicht jo jehr im Bereiche steuerpolitischer Grundjäge und steuertechnicher Maßregeln als in der Auflöjung des alten Realsteuersystemis und in der Affommodirung der alla gemeinen Einfommensteuer an das ganze System der Erwerbsbesteuerung. Tas Prinzip der Eintonmensteuer hat eben die Tendenz, die objektiven Grundlagen durch subjektive zu ersetzen. Je mehr und je gründlicher der llebergang zum Subjektivismus vorbereitet ist, desto erfolgreicher kann die Einführung der modernen, allgemeinen Einfommensteuer im Prinzip der formalen Doppelbesteuerung jein. lind je mehr veraltete Rückstände zu bewältigen sind, desto jdwieriger ist die Aujgabe für den Gejebgeber und für die Durchführung der Steuerverwaltung.

Alle diese Gesichtspunfte muß man wohl beachten, wenn man die Ergebnisje der preußijchen Einkonumensteuer und der österreichischen Berjonaleinfommensteuer miteinander vergleichen will. Diejen Verjuch hat in der uns vorliegenden Schrift von Wiejer unternommen. Nach seinen eingehenden und gründlichen Untersuchungen kommt er zu dem Resultate, daß eine zutreffende Veranlagung bedeutend höhere als die eingeschäften Ziffern hätte liefern müssen, selbst wenn man jutgestehe, daß das Volfseinkonumen in Preußen höher sei als in Oesterreich. Zur Nachprüfung der österreichischen Veranlagung zieht er insbejondere die Resultate der preußischen Veranlagung auf dem Lande heran, der er wohl mit Recht das Lob einer relativ „fehlerfreien“ Methode spendet. Nachdem der Verfasjer zunächst uns Methode und Grundlagen seiner statistischen Untersuchungen vorgeführt hat, vergleicht er die Ergebnisje von Stadt und Land in Desterreich und Preußen. Ferner untersucht er die Verhältnisse in Wien und Berlin, wo thatjächlich mancherlei Gleichartigleiten nicht zu verkennen sind, dann diejenigen der übrigen österreichischen Städte, jowie des Landes, wo er die Ansicht vertritt, daß der österreichiche Durchschnitt mindestens dem Maßjtabe des „armen preußischen Ostenis“ entsprechen müsje. Die folgenden Kapitel behandeln das landwirthschaftliche Einkommen insbesondere Einkommensteuercenjiten und Reichsrathswähler, die Veranlagung in den einzelnen Ländern, die nationale Vertheilung der Personaleinkommensteuer und die einzelnen Einkomniensquellen. Den Schluß bilden längere Ausführungen über die Hauptmängel der Veranlagung und über die finanziellen Aussichten der Personaleinkommensteuer, denen schließlich noch Vorschläge für fünftige Verbesserungen folgen.

Während die erste preußische Veranlagung nach dem Einkommensteuergeleß von 1891 mit ihren günstigen Ergebnissen die gedeihliche Entwidelung der preußischen Volfswirthschaft zeigte, war das Resultat der österreichischen Schwester eine Enttäuschung. Die offiziellen Aufstellungen des „Finanzplanes" nach den außerordentlich vorsichtigen Berechnungen der Regierung und des Parlaments sind zwar erreicht worden, die versprochenen Steuernachlässe an alten Steuern sind erfüllt und die in Aussicht gestellten Leberweisungen konnten eingehalten werden, allein die stille Hoffnung, die man gehegt hatte, von ähnlich günstigen Ziffern überrascht zu werden, wie in Preußen, wurde vereitelt. Namentlich mußte der Wunsch, die Realsteuern den Kronländern zur Sanirung ihrer Finanzen zu überweisen, einstweilen hinausgeschoben werden. Von den einzelnen von Wiejer beigebrachten Thatjachen mögen folgende erwähnt werden. In Preußen trafen auf je 1000 Einwohner 1899: 93,96 Censiten, in Desterreich dagegen 29,56, in Preußen zählte man 71 202 Personen mit einem Eintomnien von mehr als 9500 Mark, in Desterreich betrug die Zahl der Personen mit einem Einkommen von mehr als 6000 fl. 18 417. Berlin weist in der genannten Einkommensstufe 13 147 Censiten auf, Wien dagegen nur 8143. Auf das übrige Staatsgebiet vertheilen sich diese Einfonimensgrößen in Preußen und Desterreich mit je 58 055 und 10 274. Die Thatjache des Abstandes der Ergebnisse der österreichischen Perjonaleinfonumensteuer von den Resultaten der preußischen Einkommensteuer ist nicht zu leugnen und zeigt ein offensichtliches Mißverhältniß.

Aber der Verfasjer hat sich nicht damit beschieden, dieje Thatjachen in vergleichender Nebeneinanderstellung uns vorzuführen, sondern er hat auch versucht tiefer in das Problem einzudringen und die diesen Erjcheinungen zul Grunde liegenden Ursachen zu erforichen. Hier hat er sich an eine besonders ichwierige Aufgabe gewagt. Die Gründe, die zit diesem imerfreulichen Rejultate geführt haben, sind noch keineswegs vollkommen flargestellt. Es läßt sich ichwer jagen, ob die geringere steuerliche Leistungsfähigfeit Desterreichs gegenüber Preußen und die geringere wirthschaftliche Entwidelung des Donaureiches daran Schuld trägt oder ob die Mängel der steuertechnischen Durchführung des Veranlagungsgeschäftes sich zu diesem Migerfolg verdichtet haben. Endlich aber könnte auch die geringere Steuermoral“ der Bevölkerung hajtbar gemacht werden. Die Aufhellung des letten Punktes ist sehr schwierig und es läßt sich doch wohl faum annehmen, daß das unerfreuliche Rejultat generell und ausschlaggebend auf einen jolchen Defeft an Steuerethit zurückzuführen ist. Daß diejer Mangel mitunter den Erfolg beeinflußt haben mag, namentlich in den von den Kulturzentren mehr entfernten Gebietstheilen, wird wohl faum zu bestreiten sein.

Besonders viele Mühe hat der Verfasjer aufgewendet, um eine einigermaßen zutreffende Parallele zwischen der Leistungsfähigkeit beider Länder aufzustellen. Er hat sich dabei insbesondere auf die Herstellung von Analogien gestüßt. Unter alljeitiger Würdigung der einschlägigen Verhältnisse hat er einen Perjonaleinkommensteuer - Gesammtbetrag von 34,70 Mill. fl. an Stelle des thatjächlichen Ergebnisses von 23,18 Mill. fl. berechnet. Nach den jüngst veröffentlichten amtlichen Ergebnissen dagegen betrug diese Summe 1898: 22,32, 1899: 23,17 und 1900: 24,39 Mil. fl. Die Steigerung erreicht hier zwar 9,22 pt., während die Aufstellung Wiesers eine Zunahme von 49,70 pCt. der ersten Veranlagung erfordern würde.

Wenn man diese Thatsachen im Auge behält, so wird man im Ganzen den Resultaten des Verfassers zustimmen können. Seine Ausführungen haben es wahrscheinlich gemacht, daß die Mängel der Veranlagung den größten Theil der Schuld an dem ungünstigen Ausjall tragen. Die Aufgaben, denen die Behörden gegenüberstanden, waren ganz erheblich und man muß dem Verfasser zustimmen, wenn er sagt, daß unter den gegebenen Umständen geleistet worden ist, was denkbar und möglich war. Die Finanzverwaltung hatte ein starkes, durch jesteingewurzelte Mißstände er: zeugtes Widerstreben und ein tiefes Steuermißtrauen zu überwinden, Dazu famen noch der passive Widerstand der kleinen Leute und ihrer fleinen Umstände, das bewußtere Widerstreben der großen Censiten mit ihrer jozialen Macht und ihren oft umübersichtíiden großen Verhältnisjen, die geldwirthschaftliche lureije der ländlichen Bevölkerung in vielen Gegenden und eine Mehrzahl von allgemeinen Thatjachen, die aus dem allgemein tieferen Stand der Kultur und aus der diesen angepaßten Eigenart der leberlieferungen der Verwaltung entjpringen. Auch mit anderen Mängeln hatte die Veranlagung zu fämpfen. Ju Desterreich fehlt die ausgiebige Unterstübung der Beamten durch die Gemeinden, die Vorbereitung durch die Gemeindevorsteher und Voreinichäßungskommissionen, und das Institut der Vertrauensmämer hat sich wenig bewährt. Diejeni Ulebel famı daher nur durch die Vermehrung der Veranlagungsbeanuten abgeholfen werden. Ferner räth Wieser, die Mehrerträgnisse vorerst nicht zwischen Staat und Kronländer zu theilen, jondern sie zur Verwirklichung von Nachlässen an den alten Ertragssteuern zu verwenden, was ja auch der Fall gewesen wäre, wem von Anfang an die Veranlagung richtig gewejen wäre. Die Aufgabe der Zufumft muß daher der Ausbau der Steuergesepgebung in diejer Nichtung sein, die Bevölkerung muß allmählich erzogen und ihr Widerstand beseitigt werden, wenn die Berjonaleinfonimiensteuer diejenige Stellung im Steuerjystem erringen joll, die ihr gebührt.

Die Ursachen des Abstandes zwischen Desterreich und Preußen sind aber nicht allein in diejen Thatjachen begründet. Sie find theilweise auch steuerorganischer Natur und wurzeln in der Eigenart und in der chronischen Verhärtung des konkurrirenden, österreichischen ErtragssteuerSystems. Und von hier auch muß die konstitutionelle Heilung der Schäden ausgehen. Jemehr der Rückbildungsprozeß von der Objektivität zur Subjektivität gelingt, desto eher wird das Niveau zwischen beiden Ländern gleichartiger werden. Der Weg zu diesem Ziele fann aber zunächst kein anderer jein als der von Wieser angedeutete der allmählichen Nachlässe an den reallastartig wirkenden Ertragssteuern. Dann ist erst der Zeitpunkt gekommen, die jubjektiven Elemente der Erwerbsbesteuerung auf Siostent der objektiven zu verstärken und die wahre Belastung nach der Leistungsfähigkeit zu vollenden. Und erst dann ist die weitere Frage diskutirbar, ob man auch in Desterreich nach dem preußischen Vorgang die Ertragssteuern zur Sanirung der Landesfinanzen überlassen fann umd will. Heute ist dieser Plan entschieden noch verfrüht.

Es ist zu hoffen, daß die gründliche und anregende Schrift Wieser's nicht bloß eine finanzstatistische Leistung bleibt, sondern daß ihr Mahuruf auch in die Kreise der Finanzpraris dringt und dort diejenige Anerkenning finden möge, die diesen maßvollen und scharfsichtigen Anregungen gebührt. Münster i. W.

Mar von Hedel.

Rußland in Asien. Band V. Rrahmer. Das nordöstliche Küsten

gebiet. Der Ochotskische, Gishiginskische, Petropawlowskische und Anadyr-Bezirk. Mit zwei tolorirten Karten. Leipzig. Verlag von

Zuckichwerdt & Co. 1902. 295 Seiten.

General von Krahner, der verdienstvolle Bearbeiter der sibirischen und mittelafiatischen Besigungen jowie des mandschurischen Interessengebietes kußlands, hat nunmehr seinen voraufgegangenen Publifationen mit dem vorliegenden Bande den bisher noch jehlenden Abichluß hinzil gefügt. Allerdings liegen die Dinge für diesen ferusten Nordosten Asiens. etwas anders, als für die früher behandelten Gebiete. Sowohl Turfestan alê auch Sibirien und die Mandichurei gehören politisch und wirthschaftlich in die vorderste Reihe derjenigen Länder, die gegenwärtig unser besonderes Interesse in Anjpruch nehmen. Davon fann bei dem rujjijchen , Nüstengebiet“ an Stillen Ocean injofern nicht die Rede jein, als die flimatischen Berhältnisje so gut wie die geographische Entlegenheit und die Menschenarmuth des Landes es unwahrscheinlich machen, daß es einmal in militärischer oder öfonomischer Hinsicht zit höherer Bedeutung gelangen könnte. Nur unter zwei Vorauslegungen fönnte die Entwicklung vielleicht doch noch anders werden: Erstens, wenn in jenen Gebieten größere Goldfunde gemacht werden jollten, und zweitens, wenn es in der That zu einer Verwirklichung des zunächst noch höchst abenteuerlich erscheinenden Planes käme, eine Eijenbahnverbindung zwischen der alten und neuen Welt unter Zubilfenahme eines Trajekts über die Behringstraße herzustellen. Nach einer Korrespondenz der St. Peterburgstija Bjedomosti aus Jakutsk in Ostsibirien ist dort wirklich Anfang Februar dieses Jahres eine amerikanische Erpedition durchgereist, um die ersten Vorstudien für eine Bahulinie zul machen, die, von einem Punkt der großen sibirischen Magistrale zivijchen Irkutsk und dem Jenissei abzweigend, dem Laufe der Lena auf einer Strecke von ca. 2000 Kilometern bis zur Vereinigung des Aldan mit dem Hauptstrom folgen und alsdann über den Tufolan Paß im Werchojanstijchen Gebirge zunächst die Stadt Werchojanst an der Jana erreichen soll. Von Werchojanst soll dann der angebliche Trakt in ziemlich genau westlicher Linie bis zur Behringstraße geführt werden und jenseits derselben Anschluß an eine Bahn durch Alaska und Britijch-Columbien nach den Vereinigten Staaten finden. Als Führer dieser Erpedition wird von dem Uchtomskijchen Norrespondenten ein Engländer Mr. Devind genannt. Diejer ist seiner Ausjage nach in Sibirien mit dem ruflichen Verkehrs- und Eisenbahn minister Fürsten Chiltow zujammengetroffen, der ihm mittheilte, daß die rusijche Regierung mit dem Plan der Erbauung jener Bahn sympathisire und, wenn sie auch nicht sich selbst finanziell daran betheiligen werde, doch Willens jei, einer ausländischen Bejellichaft auf jeden Fall die Batterlaubnis zii ertheilen. Die ganze Länge eines solchen Stranges von der Abzweigung von der großen sibirischen Bahn an bis zur Behringstraße würde mindestens 5000 Kilometer betragen, d. h. ungefähr 11och einmal die Länge der ganzen russisch-sibirischen Bahn bis zur chinesischen Grenze. Der Gedanfe erscheint fehr abenteuerlich, jo daß man einstweilen geneigt ist, an eine Mystifikation der rullichen Regierung von Seiten irgend welcher Amerikaner und Engländer zil glauben, die mit der Reije durch Dstsibirien an die Behringstraße ihre bejonderen Ziele verfolgen.

Möglicherweije ist die Vermuthing berechtigt, daß es bei der ganzen Idee in erster Linie auf eine Durchforschung Ostsibiriens und des Küstengebiets an der Behringstraße mit Rücksicht auf das Vorkommen von Gold und anderen abbauwürdigen Edelmieralien abgejehen ist. Ob Mr. Depind und seine Leute das Gebiet der Lena und des Aldan, der Jana, India girka und Kolyma, sowie die llfer des Unadurgolfs und überhaupt des Behringmeeres auf die Möglichkeit des Eisenbahnbaues oder auf Gold: lagerstätten hin unterjuchen, das kann natürlich dort in Ostsibirien und im Küstengebiet kein Mensch kontroliren. Es jind neuerdings Nachrichten durch die Presse gegangen, die darauf schließen lassen, daß sich die goldführenden Lager von Alaska auch auf dem Westufer der Behringstraße fortjeten. Die rujiche Regierung hat auch bereits einem Unternehmer eine Art vorläufiges Prospektor-Monopol über ein weit gedehntes Gebiet von vielen Zehntausenden von Cuadratkilometern im Nordosten des Nüstengebiets gegeben, aber das Anjinnen, Truppen an der Behringstraße zit ftationiren, um das eigenmächtige Hinübergreifen amerikanischer Goldjucher

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